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Die Wahrheit · 1910-11-18 · Heft 45 (18.11.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 45 (18.11.1910)
Date
1910-11-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 7- Nr. 45. Der Vorstand der israelilischen Knltnsgemeinde versendet -folgende Kundmachung: Anläßlich der bevorstehenden Wahl von Vor st a n d snt itglied.ern itttb Vertraue n s m ä n u e r n finden die riachstehend angeführten WäPlei-Werfamml'ungerr -statt, zu welchen hiermit die P. T. w a h l b e r e ch l i g t e n Mitglieder der Kultnsgemeinde Wien eingeladen werden: Samstag, den IS. November, 7 Uhr abends int Saale des Restaurant G u t h, II., Stephaniestraße 14, Montag, den 21. November, 7 Uhr abends, Im Saale des Hotel Franz Josefs-Bahn, IX., Nordbergstr. 4, Dienstag, den 22. November, 7 Uhr abends, im Saale des Hotel Savoy, VI., Mariahilferstraße 81, Donnerstag, den 24. November, 7 Uhr abends, im Saale des Hotel „Zur Post", I., Fleischmarkt 16. Der Eintritt in die Versammlungen ist nur Wahlberechtigten gegen Vorweisung der Wahllegitimation gestattet. Kesnch des Sultans in Adrianopel. Ueber ben jüngsten Besuch des Sultans in Adriauopel berichtet die Schulleiterin der dortigen Allianceschule, Fräulein Aigranli dem Zentral-Komitee wie folgt: Adrianopel, 2. November 1910. Wir haben die Ehre gehabt, den Besuch Seiner Kaiserlichen Majestät des Snltans in Adrianopel, der an historischen Erinnerungen so reichen zweiten Hauptstadt des Reiches, zu empfangen. Zur Begrüßung des Snltans vor dem Selamlik sind alle Schulen in dem großen Hofe des Sultans Selim anfgestellt worden. Die kleinen Mädchen in weißen Kleidern mit roten Schärpen, die Knaben in ihrer Gymnasiastenuuifvrm haben sich durch ihre bescheidene Haltung ausgezeichnet. Vor dem von Seiner Majestät bewohnten Palast sangen die Schülerinnen in türkischer Sprache einen Chor, der den lebhaftesten Beifall fand. Außerdem überreichten sie dem Sultan im Namen der Allianceschule eilt kunstvoll gesticktes Bild, das in einem Blumenkranz die Moschee des Sultans Selim darstellt. Die gute Idee dieses Geschenkes hat außerordentlich gefallen. Sichtlich gerührt aber war der Sultan von der folgenden in türkischer Sprache gehaltenen Ansprache: ..Majestät! In unser aller Namen bitten wir. Mädchen und Knaben, Eure Majestät, unsere bescheidene Gabe als Beweis unseres Fleißes und nuferer Fortschritte freundlichst annehmeu z,l wollen. Wir haben ihr unseren Beitrag für die Flotte unseres lieben Vaterlandes beigefügt. Es ist nur wenig aber wir bitten, dabei nur unsere gute Absicht erkennen zu wollen. Wir versprechen Eurer Majestät, gute Hausfrauen und brave Soldaten zu werden und mit ganzer Seele für das Gedeihen unserer teuren Türkei tätig zu sein. Mit diesem kindlichen Schwur bitten wir Ettre Majestät, die Huldigung verehrungsvollster Liebe und herzinnigster Wünsche entgegenznnehmen von Ihren israelitischen Kindern Adrianvpels." Seine Majestät hat uns mit seinem Dank ein Geschenk voll 10 türkischen Pfund für nufere geschickten Arbeiterinnen und 50 türkischen Pfund für unsere Knabeil und Mädchenschulen mit der Bitte übermitteln lassen, das von uns versprochene Ideal aufrecht zu erhalten und vornehme aufrechte Menschen heranznbilden. Die beschenkten Schülerinnen haben sofort die Summe von 10 türkischen Pfund zur Anfangseinrichtnng eines Physiklaboratorinms bestimmt, um das Andenken nuferes AdrianopelerBesuchs unseres erhabenen Monarchen für immer festzuhalten. Ihr Dankbrief lautet: „Majestät! Unsere Schulvorsteherin hat uns mitgeteilt, daß Sie uns die große Ehre erwiesen haben, unser bescheidenes Erinnerungszeichen anzunehmeu, und daß Sie geruht haben, uns eine Belohnung dafür zu gewähren. Tief gerührt von Eurer Majestät Güte, haben wir, um die freudige Erinnerung an Ihren Besuch festznhalten, die uns gespendete Summe zum Ankallf von Physikinstrnmenteu bestimmt. Bei ihrer Benutzung werden wir immer daran denken, daß sie Geschenk Eurer Majestät siitd. Wir werden nach Ihrem Wuttsch bestrebt sein, rinserem Vaterland treue und ergebene Bürger zu werden. Wir wünschen, daß alleil Städtell der Türkei ebenfalls das Glück zu Teil werde, den Besttch Ettrer Majestät zu empfangen und beten für die Erhaltung Ihrer segensreichen Tage." Der Thronfolger hat unseren Schulen 20 türkische Pfund geschenkt. Ferner berichtet Fräulein Aigranti, daß der Abgeordnete von Adrianopel, Riza Lewfik Bey. unsere Schnlen besticht und sich mit den Knaben und Mädchen kameradenschaftlich unterhalten hat. Er hat seiner Freude über ihre Forschrilte Ausdruck gegegeben. „Ihr steht an der Spitze von allen Schulen Adrianopels" sagte er zu den Kindern. „Ihr habt unserem erhabenen Herrscher, seinem Gefolge und mir, der ich mich voller Stolz zu den Allianceschülertl von Adrianopel rechne, den besten Eindruck gemacht; ich bm stolz auf euch. Verliert euren ersten Platz nicht, sondern haltet ihn fest, indem thr immer weitere Fortschritte macht. Die Zukunft gehört euch, und wenn ihr einst vom Glücke begünstlgt seid, vergeßt die bescheidene Schule nicht, in der ihr euere jungen Jahre verlebt habt. Besucht sie oft und arbeitet für sie. Dankbarkeit und treues Gedenken bringen alle schönen Dinge zum Gedeihen." Riza Tewfik Bey hat mir versprochen, morgen wieder unsere Mädchenschulen zu besuchen und sich persönlich von den Fortschritten unserer Schülerinnen zu überzeugen. Er hat ihnen schöne Karten geschenkt und wird ihnen gute Bücher verschaffen, sobald sie eine Bibliothek haben werden. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag, den 18. November 1910 abends, Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Fenchtwang im Leopotstädler Tempel. Wien. Der ans dem Knltnsvorstande geschiedene Vertreter, Herr Dr. Alsred Berger, der sich zu dauerndem Aufenthalte nach Baden zurückgezogen hat, hat an den ersten Sekretär, Herrn kaiserl. Rat Doktor Lieben, folgendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr kais. Rar! Anläßlich meines Scheidens aus dem Kultusvorstande halte ich es für meine Pflicht, mich von Ihnen, sehr geehrter Herr kais. Rar. und m Ihrer Person, als dem Chef der Beamtenschaft. auch von dieser zu verabschieden. Während meiner langjährigen Tätigkeit bin ich mit allen Ressorts in Kontakt gekommen und habe allseits hervorragendejfFachkenntnis, rastlosen Fleiß und eine unter den widrigsten äußeren Berhältuiffen nicht versagende Hingebung an den Dienst beobachtet, welche stets meine volle und rückhaltslose Anerkennung gefunden haben. Gegenüber dem fortgesetzten Wechsel der gewählten Vorsteher bildet die Beamtenschaft die unwandelbare Grundlage der Gemeindeverwaltung und ist als Trägerin einer guten alten Tradirion ein nicht zu unterschätzender Faktor. Ich selbst habe von den Beamten wiederholt Belehrung s und Anregnngen entgegengeuommen, wie auch bei denselben für meine Bestrebungen stets ein dienstfertiges Entgegenkommen gefunden. Die Beamten waren mir deshalb Mitarbeiter, denen ich stets eine freundliche Erinnerung bewahren werde. Indem ich mir das Gleiche als Gegendienst erbitte, verbleibe ich mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Ihr Dr. Berger na. p. Wien (Jüdische Toynbee-Halle, Wien, XX.. Othmargasse 46.) Beginn der Vorträge an Wochentagen 1/a8 Uhr. Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eiutrirt frei für jeden Erwachsenen. Vortrags-Programm für die Zeit vom 19. bis 25. November 1910: Saiustag. 19. Konzert. Sonntag. 20. Das zweite französische Kaiserreich. (Dr. Beruh. Gansel.) Montag, 21. Dienst- und Arbeitsrecht. fZyklus.j (Dr. Jos. I e r u j a l e nt.) Dienstag. 22. Betrachtungen über Heinrich Heine. (Lehrer Jakob Bronne r.) Mittwoch, 23. Ueber Matrikenwesen. (Matrikenf.-Stellv. I. Roienfeld.) Donnerstag,24. Jiddisches in Literatur und Musik. (Kantor I. G r o b.) Freitag. 25. Bibelerklärung. (I. R o s n e r.) — Anmeldungen von Vorträgen und Mit- Wirknngsll bei Konzerten ivolle man an den Obmann Dr. I. Sa muely, Wien, I.. Fächerstiege 6. gelangen lassen. Wien. (Verein zur Bekleidung und U n t e r st ü tz u n g armer alter Männer Israel. Koniession, Wien. H., Zirknsgasse 30.) Sonntag, den 20. November. 3 Uhr nachmittags. findet im Festsaale des Hotel Continental, H.. Taborstatze 4. das Bekleidungs-Fest des Vereines mit folgendem Programm statt: 1. Präludium von Herrn Prof.

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