Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 45 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Die Wahrheit Nr. 4b. Bei einem derartigen Stande der Dinge muß eine empfindliche Ueberfüllnng und Stockung in den geistigen Bernsen eintreten, die viele zwingt, ihre Existenzen auch, gegen ihre Standesinteressen zn fristen. Vom Luftmenschtnm viele Worte zn machen, hieße unsere Schande entblößen. Abhilfe ist hier dringender als in allen anderen Klassen der Erwerbstäligkeit. Der jüdische Kanstnannsstand ist so recht die Golnthexistenz, denn dieser Nahrungszweig bedurfte keiner physischen Kraftanwendung und ließ auch Zeit zum Thorastndium, aber jetzt hält der jüdische Kaufmann kaum noch die Konkurrenz mit seinem christlichen Staudesgenoffen ans. Ebenso haben die Polen dem jüdischen Kleinhandel in Galizien den Rang abgelansen durch Errichtung von zehntausenden Sklepiki-Läden ans dem flachen Lande, wie in den kleineren Gemeinden, und tausende jüdische Familien sind dadurch ihrer Existenzen beraubt und dem Luftmenschentnm überantwortet. Werfen wir noch einen Blick auf den jüdischen Handwerkerstand in Galizien. Dieser Stand, der von dem königlichen Pfalmisten David verherrlicht und vom weisesten der jüdischen Könige, von Salomo, und den Leuchten unserer Lehre gepriesen wurde, mußte fast zweitausend Jahre der Vergessenheit anheimfallen, da die christliche Welt es nicht duldete, den religiös angefeindeten und bürgerlich entrechteten Juden diese sichere und redliche Erwerbsquelle zn gestatten. Kein Wunder, daß die Inden selbst das Handwerk als einen unjüdischen Erwerb betrachteten, der nur mit der Hand zu bewältigen sei und an den Geist keine Anforderungen stelle. Und obwohl jetzt schon seit mehr als einem halben Jahrhundert das Handwerk den Inden wieder freigegeben ist, kann dasselbe sich doch weder der Sympathie, noch der Wertschätzung seitens unserer galizischen Brüder in verdientem Maße erfreuen. Noch immer hat der Mann mit der klingenden Börse mehr Ansehen und genießt eine hervorragendere Stellung in jüdischen Kreisen als der rauhhändige Werkzengler mit seinem Beutel. Ja. unsere Fortschrittsjuden bezeichnen geradezu alle schlechte Arbeit als „jüdisch" und nehmen eine jüdische Arbeit gar nicht in die Hand, während das christliche Publikum, wenn es nicht an einen Boykott gebunden ist, jüdische Ware und jüdische Arbeit gerne kaust, schon wegen des konvenableren Preises, der in jüdischen Geschäften stets zn erlangen ist. (Ein weiterer Artikel folgt.) Ans der Wiener Knltnsgemeinde. Auder Plenarsitzung des Kirltusvorstandes vom 6. November 1910 unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Einlauf: 1. Note der k. k. n. ö. Statthalterei betreffend Dankeskundgebung Sr. Majestät des Kaisers für die anläßlich des Allerhöchsten 80. Geburtsfestes überreichte Hnldignngsadresse. 2. Dankschreiben des Herrn Hofrat Professor Dr. K. S. Grün Hut, Mitglied des Herrenhauses, für die Kondolenz anläßlich des Ablebens feiner Gattin. 3. Dankschreiben der Türk, israel. Gemeinde in Wien für die Kondolenz anläßlich des Ablebens ihres ehem. Präsidenten Herrn Markus M. Ruf s o. 4. Dankschreiben des Herrn Mathias M. R n s s o für die Teilnahme anläßlich des Todes seines Vaters. 5. Zuschrift der Oesterreichischen Liga zur Bekämpsnng des Mädchenhandels anläßlich der Namhaftmachung des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u n w a l d als Delegierten zur Vertreiung der Wiener Knltnsgemeinde. 6. Mitteilung des Stadtrates Wiener-Neustadt, betreffend die Konknrsausschreibnng für die erledigte städt. Bezirksarztstelle in Wiener-Neustadt. Spenden: Bon Herrn Dr. Moriz Adolf s. A. für den neu gegründeten Fond zur Errichtung eines jüdischen Kuabenwaisenhauses in Wien X 1031.60, für das israel. Blindeninstitnt X 257.90. für die israel. Armenanstalt X 257.90, für die israel. Chewra Kadischa I X 257.90, für den Verein „Osten" K 257.90, zusammen K 2063.20; von Herrn k. k. Notar Doktor Stephan Schiff zur Errichtung einer Flora Tauner-Tandler Graberhaltungs- und Blumenansschmückungs-Widinnng X 1000.—; von Herrn Dr. Karl Ritter v. T a n s s i g für das israel. Blindenrnstitnt X 300.—, für verschiedene Wohllätigkeitsanstalten X 500.—, für die Tempelsunktionäre X 150.—, zusammen X 950.—; von Herrn Dr. Alfred Berger für die israel. Schulküche Brigutenan X 500.—; von Herrn Moriz Edlen v. K n f f n e r anläßlich der Feiertage zur Verteilung an Arme des XVI. und XVII. Bezirkes X 200.—; von Herrn Karl K ö r m e n d y für verschiedene Wohltätigkeitsvereine X 130.—, für Tempeldiener >X 30.—. zusammen X 160.—; von Herrn N. P. zur Bekleidung armer Kinder X 50.—. für die Chervra Kadischa K 50.— , zusammen K 100.—; von Herrn Heinrich K u n st a d t für wohltätige Zwecke X 100.—; von Herrn I. W. für Anne X 50.—; von Herrn Josef W e r t h e i m e r für Arme X 20.—; von einem A nonh in n s für Arme X 15.—; von Herrn W. P. für Arme X 15.—; von Herrn W. P. für das Jaiteles Pfrüudnerheim X 10 —; von Herrn A. Mel linger für wohltätige Zwecke X 10.—; von Herrn Franz W a z i k für arme russische Juden X 10.—; von Frau Klara Loipen für Arme in Ottakring X 6.—; von Herrn Samilt l F r i e d m a n n für Arme X 5.—; von Herrn Josef W a z i k für russische Juden X 2.—; von Herrn Philipp K o h n Uhren für die neue Mikwah. * * * Aus der Plenarsitzung des Knltnsvorstandes am 13. November 1910 unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Ster n. Eiulanf: 1. Zuschrift der Frau Amelie Os er betreffend Zuwendung ihrer Pension sür die Armen des Spitnles der Knltnsgemeinde. 2. Dankschreiben des Lord Rothschild in London für die Gratulation anläßlich des 70. Geburtstages. 3. Daitkschreiben des Amtsleiters Rudolf Kraus für die Teilnahme anläßlich des Ablebens seines Vaters. 4. Dankschreiben des Herrn Leopold G o l l e r st e p P e r für die Teilnahme des Knltnsvorstandes anläßlich des Ablebens seines Vaters. Spenden: Von den Familienangehörigen des verstorbenen Herrn David N e n m a n n, Großindustriellen in Wien, anläßlich dessen Ablebens für die verschiedenen Arinenanstalten der Killtnsgemeinde X 1000.—; von Herrn I. F e i t l e r für Arme X 400.—, für die Zentralstelle für das jüdische Armenwesen X 100, zusammen X 500.—; von Frau Rosa M armer aus Kiew anläßlich des Todestages der sei. Fran Lea Kohn sür Arme und für Anzünden des Seelenlichtes und Kadischsagens X 50.—; von Herrn A. 81., Atzgersdorf, für Arme X 5.50. Spenden im Gemeindebethanse, II. Tempelgasse. Bon den Herren : Isidor Frisch X 20.—; Jakob Krishaber X 30.—; Alois Thenmann X 200. —; Leopold Löwenfeld X 40.—; Jakob Ripper K 200.—; I. B. Böhm X 120.—; Sal. Herzl X 200.—; Rudolf Kohn X 300.—; Wilh'.lm Herzog X 60.—; Rektor Dr. Adolf Schwarz X 50.—; Zacharias Korner X 120.—; Julius Figdvr X 400.—; Karl Lemberg er Iv 400.—; Direktor S. Reitmann X 20.—; Salo Kohn X 500.—; Dr. Hermann Löwy X 250.—; Dr/ David Fenchtwang X 20.—; Ludwig Herschmann X 300—; Jakob Kann X 500.—; Dr. Fritz Schick X 250.—; Dr. Josef Winternitz X 300.—; Louis Waller X 100.—; Samnel P:ck X 350.—; Josef Sabvrsky X 400.—; Hermann Spiegler X 50.—; Theodor Eisler Iv 240.—; Leopold Winter X 50.—; Adolf Fein X 84.—; Theodor Krishaber X 50—; Heinrich Neurath X 40; Sunoil Menzeles X 60.—; Dr. Simon Rn bin X 5.—; Michael Glogau X 20.—; Anton Löw X 20.—; Josef Fuchs X 20.—; Friedrich Karbach X 300.—; Josef Flesch X 100.—; Heinrich Pollak X 40.—; Gustav Planer X 45.—; Negierungsrat Dr. Julius Schlag X 40.—; Wilhelm Freund X 10; Dr. Eduard Thaler X 70.—; Dr. Elias Münz X 150.—; Ignaz Bruckner X 190.—; Max Frank X 280.—; Professor Dr. S. Ehrmann X 130.—; Heinrich Grätzer X 140.—; kais. Rat Leopold Sachs X 600.—; Julius Stern X 40.—; A. Sandik X 10.—; zusammen von 50 Personen X 7924.—. Primariat an der medizinischen Abteilung des Spitnles. Ueber Antrag des Vertreterkolleginms werden unter gleichzeitiger Teilung der medizinischen Abteilung des Spitales der israel.^ Knltnsgemeinde an Stelle des verstorbenen Primararztes > dieser Abteilung. Herrn Hosrat Professor Dr. Leopold Os er, die Herren Dozenten Dr. Robert Breuer und Dr. Ludwig B r a n n zn Primarärzten der medizinischen Abteilung des Spitales bestellt. -i- * -i-