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Die Wahrheit · 1910-11-18 · Heft 45 (18.11.1910) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 45 (18.11.1910)
Date
1910-11-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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0rile 4. Die Wahrheil. Nr. 44. rates zu arbeiten. Es sei daher absolut gegen die Interessen der Inden in der Bukowina, wenn er im gegenwärtigen kritischen Momente eine neue Parteibildung anstrebt. Namentlich Herr P e r e tz sühne in üverzengender Weise den Nachweis, mit welcher Aufopferung Abgeordneter Dr. Straucher sich bis jetzt für die Interessen der Juden einsetzte und daß er speziell in der Schänkerfrage bei allen kompetenten Behörden, vom Ministerium des Innern angefangen, vorsprach und alle Mittel in Anwendung brachte, von denen er annehmen konnte, daß sie für das Los der Schanker erfolgreich angewendet werden könnte. Dr. Gabor (Suczawa) versuchte gegen die jüdische Nationalpartei Vorwürfe zu erheben, wurde aber von sämtlichen Rednern in überzeugender Weise widerlegt. Nachdem fast alle Fragen, die auf der Tagesordnung standen, erörtert worden sind, wurde die vollste Uebereinstimmuug der Delegierten mit der Leitung des jüdischen Nationalrates konstatiert. Der Vorsitzende Doktor Straucher betonte schließlich, daß diese Versammlung nicht die Aufgabe hatte, irgendwelche bindende Schlüsse zu fassen, sondern zunächst in engerer Fühlungnahme mit der Parteileitung zu treten, damit in allen Fragen, die zu lösen sind, ein einheitliches Vorgehen erzielt werden kann. Unter stürmischen Ovationen und Hochrufen auf den Abg. Dr. Straucher, schloß dieser die Versammlung mit einem Appell, die Einigkeit unter den Inden zu erhalten und jeden Versuch, diese Einigkeit und den Frieden zn stören, entschiedenst znrückzuweisen. * * * Der „V erband deutscher Juden" gibt in feinem „Korrespondenzblatt" Nr. 8 folgenden Bericht über seine Tätigkeit im letzten Halbjahr: 1. Ueber die Paßverhältnisse im Verkehr mit Rußland ist weiter Material gesammelt und einem Reichsralsabgeordneten wie früher zngestellt worden, der die Beschwerden im Reichstage vorgebracht hat. 2. Im Hinblick auf den erwarteten Entwurf eines neuen Reichsgesetzes über den Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit ist eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet worden. 3. Auf Pressenachrichten über die 'beabsichtigten neuen reichsgesetzlichen Vorschriften über die Sonntagsruhe ist eine Eingabe an den Reichsstaalssekretär des Innern gerichtet worden, in der um weitergehende Berücksichtigung der an Sonnabenden und jüdischen Feiertagen geschlossenen Geschäfte gebeten wird. Im Hinblick auf die beabsichtigte kommnnake Regelung der gleichen Frage ist einschlägiges Material zusammengestellt und versandt worden. 4. Zum Schutz des Schächtens ist durch ein Mitglied des Ausschusses mit Mitgliedern der Justizkommisson des Reichstages, lvelche über neue Strafgesetzvorschriflen gegen Tierquälerei zu beraten hatte, verhandelt worden, um eine Klarstellung zu erzielen, daß das Schächten nicht unter Tierquälerei falle. Die Fassung der Vorschrift durch die Kommission hat dem Rechnung getragen. 5. Den israelitischen Konsistorien in Elsaß und Lothringen ist Material zu einer Eingabe ans Wiedereinführung der Religionsprüfung jüdischer Kandidaten des höheren Lehramts in den Reichs landen zugestellt worden. Aus die Eingabe hat die Regierung die Wiedereinführung der Prüfung für 1911 in Aussicht gestellt. 6. Betreffend die grundsätzliche Ausschließung der Juden vom Reserveoffizierstailde ist eine Eingabe an den Preußischen Kriegsminifter eingereicht worden, der die in früheren Jahren im Reichstage überreichten Zusammenstellungen von Zurückietzungsfällen beigefügt wurden. Weitere vom Verbände gesammelte Zurücksetzungssälle sind bei der diesjährigen Beratung des Militäretats durch einen Abgeordneten dem Kriegsminister überreicht und im Reichstage erörtert worden. Die Sammlung wird — mit dankenswerter Unterstützung anderer Organisationen in größerem Umfange als bisher — fortgesetzt. 7. Das Material, welches die gegen Ende vorigen Jahres unternommene Umfrage betreffend Naturalisation und Ausweisungen jüdischer Ausländer ergeben hat, ist durch genauere Ermittlungen über die gemeldeten Einzelfälle vervollständigt worden. 8. Ueber die Zuziehung der Inden znm Schöffen- und Geschworenenamt ist, wie regelmäßig, eine Umfrage veranstaltet worden. In den Fällen der Zurücksetzung der jüdischen Bevölkerung sind Eingaben au die betreffenden Gerichte gerichtet worden. 9. Eine Untersuchung über die Anstellungs- und Beförderungsverhältuisse jüdischer Universitätslehrer und 10. eine Untersuchung über die Zurücksetzung von Juden bei der Besetzung amtsärztlicher Stellungen sind in Arbeit. 11. Die Einrichtung eines apologetischen Archivs ist unternommen worden, in welchem Angriffe und Würdigungen des Judentums gesammelt werden. Die Sammlung soll apologetische Einzelarbeiten erleichtern und eventuell als Grundlage späterer umfassender Arbeiten jüdischer Apologetik dienen. * * * Am 3. d. M. fand im Saale der Philharmonie zu Berlin eine Versammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt, in der wiederum das Thema „Irr den- I taufe n" auf der Tagesordnung stand. Nach einer Begrüßungs- 8 ansprache des Vorsitzenden, Justizrat Dr. Horwitz, wies der 1 erste Redner des Abends, Rabbiner Dr. Weiße, in überzeu- 8 gender Weise aus der Geschichte des Judentums nach, daß das 8 Renegatentum nicht nur zur Heidenzeit dem Judentum die schlimmsten Wunden geschlagen, sondern auch bis in die neueste Zeit unzählige Unstimmigkeiten zwischen Christen und Inden veranlaßt habe. Der Redner betonte, wie nachteilig für beide Religionen der Uebertrilt aus äußeren Gründen wirken müsse, und wie verhängnisvoll die auf den Konvertiten Stahl zurückznführende Losung vom „Christlichen S t a a t" sei, welche die Verwaltung veranlasse, die Taufe zur Vo r beding u n g für äußere Ehren und Würden zu mache n. An einer Reihe von Beispielen zeigte er, daß jüdische Eltern, die aus falsch verstandener Liebe ihre Kinder der Tapfe znführen, sich diese nur dadurch entfremden. Als zweiter Redner beleuchtete der Syndikus des Zentralvereins Rechtsanwalt Dr. Holländer vom praktischen Gesichtspunkt ans die Erbärmlichkeit der ohne innere Ueberzeugung erfolgenden Uebertritte. Beide Redner ernteten mit ihren Ausführungen stürmischen Beifall. Hieraus fand folgende Resolution einstimmige 1 Annahme: I „Die am 3. November 1910 in der Philharmonie g versammelten 1000 deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens 8 legen V e r w a h r u n g e i ii gegen dasVorgeheu des I Staates, der durch Beförder u n g u n d A u s z e i ch- 1 nuug getaufter Inden U u w a h r h a f t i g k e i t n u d 8 Gesinnungslosigkeit züchtet. Die Versammlung 8 fordert von jedem Inden, daß er nicht durch Lässigkeil bei 8 dem Uebergetretenen den Glauben anskommen lasse, als sei seine 8 Treulosigkeit unserem sittlichen Empfinden gleichgültig. Die Versammlung erwartet, daß alle Juden sich ihrer Pflicht bewußt sein werden, Schwankende ans die Unsittlichkeit eines ans äußeren Gründen erfolgenden Uebertrittes hiuzuweiseu, und insbesondere Eltern, die sich mit dem Gedanken tragen, i h r e K i n d e r dem I u d e n t n m e zu entziehen, über die T r a g w e i t e dieses verwerflichen folgenschweren Schrittes auszuk l ä r e n." * * Wir haben in voriger Nummer die Meldung eines Straßburger^ Blattes wiedergegeben, welche dahin ging, daß der ans Portugal ausgetvieseue Patriarch von Lissabon Kardinal Netter jüdischer Abkunft sei und aus Quatzenheim stamme. Andere elsässische Blätter berichtigen dann diese Notiz dahin, daß Netter nicht aus Quatzenheim, sondern aus Bergheim stamme. Inzwischen aber hat sich 'herausgestellt, daß Netto weder Elsässer noch Jude ist, sondern von einer katholisch portugiesi-

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