Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 44 (11.11.1910)
- Date
- 1910-11-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 44. Wie«. (Kantorenklub.) In der am letzten Montag veranstalteten sehr zahlreich besuchten Zusammenkunft wurde über die Veranstaltung eines Konzertes zu Gunsten der Unterstützungskaffe des österr.- ungar. Kantorenvereines sehr eingehend diskutiert, die Beschlußsassung über diese Frage jedoch für eine der nächsten Zusammenkünfte vertagt. Für Montag, den 14. d. M. wird um möglichst vollzählige Beteiligung der Wiener Kantoren ersucht. Wie«. (Generalversammlung des ^Kaiser Franz Josefs-Ferienheim.) Am 20. Oktober d. I. hielt dieser seit dem Jahre 1892 io eminent segensreich wirkende Verein in den Vereinsräumen,IX., Türkenstraße 17, die diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, welcher zahlreiche Mitglieder und Gönner der Institution beiwohnten. Den Vorsitz führte die verdienstvolle Präsidentin des Vereines, Frau Sofie G r ü n s e l d. Vor Erstattung des Tätigkeitsberichtes gedachte die Vizepräsidentin. Frau Sofie Quittner, des in diesem Jahre dahingeschiedenen uni die Begründung und den Betrieb des Vereines hochverdienten Beirates Dozent Dr. Joses Grünseld und es wurde beschlossen, die Trauerkundgebung dem Protokolle einzuverleiben. Die Vorsitzende verwies nun aus die ichmerzlichen Verluste, welche der Verein seit der letzten Generalversammlung durch das Hinscheiden der Beiräte Wilhelm Frey berg und Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t, sowie des Vorstandsmitgliedes Frau Karoline R o f e u b a u m erlitten und widmete dem Wirken dieser Funktionäre warme Worte des Gedenkens. Aus dem nun erstatteten Tätigkeitsbericht ist zu entnehmen, daß in den beiden Berichtsjahren 1908 und 1909 zusammen 1100 arme, kranke und erholungsbedürftige Kinder in den Vereinskolonien untergebracht waren und daß die Erholungserfolge als ganz vorzügliche bezeichnet werden können. Dankbarst wurde jener gedacht, die durch Subventionen, Geld- und Naturalspenden die Institution gefördert haben, herzlicher Dank den Aerzten, welche die mühevolle Aufgabe der Untersuchung dnrchführten, den Eisenbahnen, die durch ihr Entgegenkommen die Vereinsbestrebnngen förderten, der Prefie, die bereitwilligst Publikationen des Vereines aufnimmt, den Helferinnen und dem Mädchenkomitee, die als wackere Hilfstruppen dem Vereinsvorstande beistandeu. Herr Benno Kahaue erstattete nun den Kaffen- und Revisionsbericht, der gleich wie der Tätigkeitsbericht unter dem Beifall der Versammlung genehmigt wurde. Bei den hierauf vorgenoinmenen Wahlen wurden die turnusgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder Adele Zins, Karoline Deutsch, Adele F r i e d m a n n, Sofie Lieben, Jda Pollitzer, Helene P o r g e s. Helene Lederer und Martha Sachs wiedergewählt, die Kooptierung der Vorstandsmitglieder Emmy Bindermann, Marta B o n d y, Linda A b e l i s, Nelly O r n st e i n, Fanny T i r i n g und Baumeister Edmund Melcher bestätigt und als Revisoren die Herreu Moriz Gras und Benno K a h a n e berufen. Beirat Moriz Graf würdigt nun in herzlichen Worten die hingebungsvolle Tätigkeit des Damenvorstandes, insbesondere der Präsidentin Frau Sofie G r ü n f e l d, die durch ihre unermüdliche Schaffenskraft den von ihr begründeten Verein zu solcher Höhe emporgebracht hat. Unter lebhaften Ovationen für die Vorsitzende wurde die Versammlung geschloffen. Wie«. (Er st er jüdischer Hausbesorger- und Portierverei n.) Auf Grund der von der hohen k. k. Statthalterei genehmigten Vereinsstatuten fand am 1. November d. I. die konstituierende Generalversammlung des ersten jüdischen Hausbesorger- und Portiervereines statt. Im Namen der Proponenten berichtete Herr Karl Zerkowitz über die Vorarbeiten des Komitees und war in der Lage zu melden, daß die Idee der Vereinsgründuug in der jüdischen Bevölkerung Anklang gefunden hat und daß sich bereits zahlreiche Mitglieder gemeldet haben. Ebenso sei mit Freude zu konstatieren, daß die jüdischen Hausbesitzer sich zum großen Teile bereit erklärt haben, die Bestrebungen des Vereines zu fördern. Mit besonderer Befriedigung hebt Redner hervor, daß sich in der Sektion für Arbeitsnachweis eine stattliche Anzahl äußerst tüchtiger, verläßlicher Bewerber gemeldet haben, die befähigt siud, den weitgehendsten Anforderungen an einen Hausbesorger oder Portier zu entsprechen. Die Versammlung votiert hierauf dem Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Dr. Alfred Stern, für seine erfolgreiche Intervention bei Besetzung von Portierstelleu durch jüdische Bewerber Dank und spricht auch der jüdischen Preffe ohne Unterschied der Parteistellnng für die freundliche Unterstützung der Vereinsbestrebungen den Dank aus. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurden die folgenden Herren in den Ausschuß gewählt: Z e r k o w i tz als Obmann, Schwarz als Obmann- Stellvertreter, Z w i l l i n g e r als Schriftführer, G r o ß m a u n als Schriftführer-Stellvertreter. Ullmann als Kassier. H a l p e r n als Kaiffer-Stellvertreter, P o l l a k als Ausschuß, Hermann als Ausschuß, Wertheimer als Ausschuß, Färber als Revisor, H i r s ch als Revisor. Nach Besprechung interner Angelegenheiten wurde' die Versammlung geschloffen. Als Sitz des Vereines wurde bis auf weiteres das Restaurant W i n t e r st e r n, Wien, I., Seitenstettengasse 1, bestimmt. Zuschriften siud an den Obmann Karl Z e r k o w i tz, Portier, I., Seitenstettengaffe 4, zu richten. Wien. Die Vereinsleitung des humanitären Vereines „Tiferes- B a ch u r i ui" (Unterstützung armer Studierender) hat die Einrichtung getroffen, alte gebrauchte Gegenstände, als Kleider, Wäsche, Möbel rc. rc. sowie sonstige außer Gebrauch gesetzte Utensilien unter dem Namen „Peah-Sammlung" als Spenden von seinen Gönnern einsammeln zu lasten. Die Gegenstände werden zu jeder von der Partei bestimmten Zeit abgeholt und genügt hiezu die Verständigung mittels Korrespondenz-Karte an die Vereinsleitung. Die kleinste Gabe wird mir Dank angenommen. Die Sortierung und die Verwertung der eingesammelten Sachen geschieht unter Kontrolle der Vereinsleitung und das Reinerträgnis wird zur Unterstützung armer Studierender verwendet. Es ergeht daher von Seiteder Vereinsleitnng an unsere Gönner die höfl. Bitte, von dieser Einrichtung gefl. Keuntnis zu nehmen und solche Gegenstände, welche bereits vom: Gebrauch abgesetzt sind, obigem Vereine gütigst zu überlassen und die Vereinsleitung unter dem Vermerk Peah-Sammlung aufzufordern, dieselben zur bestimmten Zeit abholen zu lasten. Für die Vereinsleitung: Rudolf Lunzer, Obmann. Wien. II., Herminengasse 21. Wien. In Ergänzung unseres veröffentlichten Berichtes über die von Rabbiner Goldstern angeregte Namensänderung des Bethaus» Vereines „Spiegelschul" in „Agudaß Achim" haben wir noch nachträglichdie Namen der ueugewählten Herren der Vereinsleitung bekanntzugebem Es sind gewählt die Herren: Wilh. B r o d y, Obmann, Dr. Armin Koh n, Obmann-Stellvertreter, Ignaz Lichtmeß, Kassier, Isidor' I e l l n e k, Schriftführer und als Ausschußmitglreder David G a n s l, Michael K o h u, Wilh. Obern breit, Srgm. Schreiber und- Samuel Schwarz. Linz a/D. Infolge der zufriedenstellenden Dienstleistung ruid allere kennend des großen Beifalles an den jüngst vergangenen hohen Feiertagen hat der Vorstand der israel. Knltnsgemeinde Linz, in seiner letzten statt-, gehabten Sitzung den Beschluß gefaßt, dem Oberkantor Herrn Bernhard' L ö w e n s o h n, ein für ihn sehr ehrendes Anerkennungsschreiben zu übermitteln, und außerdem sein Gehalt mit X 200.— pro anno zu erhöhen. Prag. Am 1. November ist in Meran Frau Pauline Edle von D o r m i tz e r im 68. Lebensjahre gestorben. Mit ihr ist eine edle, füralles Gute und Schöne begeisterte Frau aus dem Leben geschieden, die sich jederzeit an Humanitären und gemeinnützigen Unternehmungen in her-- vocragendem Maße beteiligte. Pauline v. Dormitzer, geb. v. Salems - seid war die Witwe tiach dem vor fünf Jahren verstorbenen Herrn Jakob Edlen v. Dormitzer und eine Schwägerin des ebenfalls schon verstorbenen gewesenen Prager Haiidelskammerpräsidenten, Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Maximilian Ritter o. Dormitzer. Ihre Ehe war kinderlos geblieben, sie übernahm nach dem Tode ihres Gatten das Gut Tuleschitz in Mähren und führte es weiter. In Prag war sie, wie schon erwähnt, wegen ihres Wohltätigkeitssiniies weithin bekannt und allgemein hochgeschätzt. Sie war Jahre hindurch Präsidentin des Privat-Frauen- Vereines für arme israelitische Waisenmädchen und hat ferner anläßlich des Ablebens ihres Gatten die schon bestehende Tilimstistung in der Weise erhöht, daß jährlich 23 Personen mit je 250 Kronen beteilt werden können. Nach der Gründung der Armenkommission hat sie derselben alljährliche 1200 Kronen überwiesen. Das Andenken an diese hochherzige Frau lebt in ihreil Taten iveiter. Reiche Unterstützungen ließ sie auch den russischen Juden zukommen, teils direkt, teils durch Vermittlung der Aliance Jsraelite. Dem Wunsche der Dahingeschiedenen gemäß wurde ihre Leiche nach dem Gute Tuleschitz in Mähren überführt und dort Sonntag, den 6. d. M. nachmittags in prunkloser Weise an der Seite ihres früher verstorbenen Manues in Mähr.-Kroman bestattet. Brünn. Dienstag, den 8. November ist hier der Vorstand der Wechselableilung der Creditanstaltsfiliale Siegmnnd Beamt, im 54,. Lebensjahre gestorben. Er war der Begründer des bekannten Gesangsquartettes Beamt und betätigte sich auch als Schriftsteller und als Musikreferent der „Brünner Tageszeitung". Wiederholt hat er auch seine reichen Erfahrungen der Brünner Kultnsgemeinde als Experte in musikalischen Fragen zur Verfügung gestellt. Das Leichenbegängnis fand unter zahlreicher Beteiligung Donnerstag, den 10. d. Ai. statt. Nagy-Kanizsä. Am 30. Oktober fand hier die Trauung der Tochter unseres Gemeinde-Sekretärs Frl. Erzsi B a r t a mit Dr. Belm Vajda statt. Angesichts der allgemeinen Beliebtheit, der sich der Sekretär Herr Ludwig Barta hier erfreut, sah die ganze Gemeinde dieser häuslichen Festlichkeit mit Freuden entgegen. Gemeinde, Chewra-Kadischa und Frauenverein sandten nebst schriftlichen Gratulationen namhafte Hochzeitsgeschenke. Vorstands-Mitglieder, worunter in erster Reihe der Gemeindepräses Herr Baron Wilhelm v. Gutmann und Präses-Stellverrreter Herr Heinrich G r ü n h u t zu verzeichnen sind, so wie eine große Anzahl Private zeichneten sich durch verschiedene wertvolle Hochzeitsgaben aus. Die Trauung war ehrenhalber I. Klasse. Anwesend waren der ganze Gemeindevorstand, die Chewra-Kadischa und sonstige jüdische und christliche Honoratioren. Der Tempel war in allen seinen Räumen voll. Unter erhebenden Orgelklängcn schritt das Brautpaar dem Traualtäre zu, wo es unter herrlichen Gesängen, die Oberkantor K ä r t s ch m a r o s f mit dem Chore exekutierte^ feierlichst getraut wurde. Herr Oberrabbiner Dr. Ed. Neumann hob iu seiner geistvollen Anrede die Bescheidenheit, den makellosen Lebenswandel, und die Strebsamkeit der als Lehrerin diplomierten Braut, sowie die zärtliche Liebe der zweiten Mutter, mit welcher diese die Braut von früher Jugend bis heute gepflegt und erzogen hat, hervor. Beim reichlichen Abendessen, an welchen nebst zahlreichen Verwandten und Gemeindebeamten der Präses-Stellvertreter und Vorstandsmitglied — ehedem in des Sekretärs früheren Gemeinde Loioncz gewesener Gemeinde-Präses — Nathan out in er teilnahmen, wurden geistreiche Toaste'gesprochen vom Oberrabbiuer und Verwandten. Auf den Trinkspruch des Brautvaters, in welchen er, für Vorstand. Beamte und Anwesende seinen herzlichen Dank Ausdruck verlieh, folgten Erwiderungen vom Präses-Stellvertreter und Herrn Nathan Szommer, alle die Verdienste des Gemeinde-Sekretärs hervorhebend, begleitet von lebhaftem Beifall ansdrückenden Eljenrnfen.. Erst um 3 Uhr nach Mitternacht verließen die illustren Gästen dieses schöne denkwürdige Familienfest. . -G- Berlin. (Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraelite Universelle.) Nach Drahtberichten, die bei dem Zentral-Komitee der Alliance Jsraelite Universelle eingegangen find, ist das jüdische Stadtviertel in Schiras (Persien) völlig verwüstet worden. 5000 Personen stehen mittellos da. Mehrere Juden wurden getötet, viele schwer verwundet.