Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 44 (11.11.1910)
- Date
- 1910-11-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063520-3063564--06953-3073999- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 44. Die Wahrheit Seite 9. Gleich nach Eingang dieser Meldung hat das Zentral-Komitee telegrafisch -5000 Frcs. nach Zchiras überwiesen und das auswärtige Amt in Paris um eine Intervention bei der persischen Regierung zum Schutz der Israeliten gebeten. Berlin. Das deutsche Bureau der Alliance Jsraslite Universelle teilt mit. daß das Zentral-Komitee der Alliance in Paris für die jüdische Bevölkerung in Tripolis, die von der Cholera besonders heiingesucht wird, 1000 Francs überwiesen hat. Reims. Unter den ans Portugal allsgewiesenen Klerikalen befindet sich auch em Franziskaner, nämlich Kardinal Nero. Er stammt aus dem Elsaß und war Jade. Sein Bruder, der in Reims wohnt, wo er eine Branntweinbrennerei und eine Lignörfabrik betreibt, ist heute noch der Präsident der israelitischen Gemeilide dieser Stadt. Neto hat auch noch Verwandte in Straßbnrg; gebürtig soll er aus Quatzenheim sein, wo sein Vater Grundstückmakler war Der richtige Name ist Netter, den der spätere .Kardinal dann in Netto abänderte. Rom. Der italienische Generalkonsul in Salonichi. Primo L e w i, wurde zum Direktor des Handelsdeparcements im italienischen Ministerium des Aenßern ernannt. Primo Leivi wurde gleichzeitig mir der Generalinspektion aller dem auswärtigen Amte nnrerstehenden Lehranstalten betraut. Signor Lewi ivar seit ungefähr einem Jahre als Generalkonsul in Salonichi tätig. Petersburg. Der am 23. Oktober znsammengetretenen Duma liegt ein von 166 Avgeordneten der Okcobristen- und Kadettenpartei Unterzeichneter Antrag vor, der nicht mehr, und nicht weniger will als Abschaffung des Judenrayons, d. h. die Gewährung voller Bewegungsfreiheit an die Inden, die gesetzliche Unmöglichmachung der Jndenanstreibungen, wie man sie erst in letzterer Zen m Kiew, Moskau und anderen Städten des Zarenlandes in so schauerlicher Weise erlebt hat, die Aufhebung der absoluten Gewalt des schikanensüchtigen bakschischlüsternen Pristaws, dem bislang die Juden aus Gnade und Ungnade ausgeliefert waren. Es ist eine teilweise Lösung der Jndenfrage, worauf der Antrag hinzielt. Und der gegenwärtigen Dnmasession bleibt es Vorbehalten, den Freiheitstraum der russischen Juden zu verwirklichen oder ihn mit brutaler Hand für absehbare Zeit zu zerstören. Ob bei dem bekannten Widerstande der Regierung gegen Aufhebung der Jndenbeschränknngen dieser Antrag irgend welche Aussicht auf Annahme hat, das werden schon die nächsten Tage lehren. Kamenetz. (Rußland.) In der hiesigen Synagoge erschienen am letzten Rosch-Haschanahtage fünf Kosaken des Kubaner Regiments. Das Erscheinen der Kosaken während des Gottesdienstes hatte unter den Betenden Unruhe hervorgerufen. Die Kosaken erklärten jedoch, daß sie an dem Gottesdienste teilnehmen wollten. Es stellte sich heraus, daß die Kosaken der Sekte der S a b a t a r i e r angehören. Die Kosaken-Sabatarier verrichteten mit großer Andacht den Gottesdienst, nach welchem die angesehensten Mitglieder der Jndengemeinde die fünf Soldaten zu Tische luden. Die Kosaken erzählten, daß sie durch einen Befehl des Regimentskommandanten für sämtliche jüdische Feiertage vom Dienste befreit sind. Hong-Kong. Hier befindet sich eine jüdische Gemeinde mit einem ständigen Kantor, der gleichzeitig als Schächter fungiert und die rabbinischen Funktionen versieht. Die Synagoge,-die vor ungefähr 9 Jahren ausgebaut wurde, ist eine Spende des englisch-indischen Großkanfmannshanses S a s s o o n. - Unter den Thorarollen befindet sich auch eine, die aus dem tiefen Innern von China stammt und von Sachverständigen ans ein Alter von 1000 Jahren geschätzt wurde. Auch sonst besitzt diese Gemeinde sehr intereffaute und wertvolle synagogale Kunstschätze,' die von früheren jüdischen Gemeinden im Innern des Reiches stammen. Literatur. Heine-Religuien. Literarische Schätze in einer Fülle und von einer Wichtigkeit, ww/ sie nicht geahnt werden konnten, unterbreiter in einem umfangreichen Buche unter dem Titel „Heine-Religuien" der bekannte Verlag von Karl Cnrtius der Oesientlichkeit. Es sind das nebst zwei noch gänzlich unbekannten literarischen. Arbeiten Heinrich Heines, eine große Anzahl Briefe, die Heine an seinen Bruder Gustav, an seine Frau, an seine Mutter und an Ferd. Friedland geschrieben hat. Ferner Briefe zahlreicher Freunde und Zeitgenossen, wie Salonion Heine, Jmmermann, Gutzkow, Andersen, Mundt, Mendelssohn, Herwegh, Meyerbeer, Carriere, Fürstin Belgiojoso, die Mouche und noch zahlreicher anderer an Heinrich Heine. Eine längere Arbeit Gustav Heines über Heinrich ergänzt das Werk, dem überdies äußerst wertvolle Beilagen, fünf große Faksimiles und nicht weniger als fünf noch unbekannte Porträts beigegeben sind, darunter ein in Farben ausgeführtes, entzückendes Porträt Heines nach einem Miuiaturbild aus dem Besitze des Neffen des Dichters Freiherrn Maximilian von Heine-Geldern in Wien. Diese Publikation, die in vieler Hinsicht ein ganz neues Licht auf Heines Leben wirft, wird eine förmliche Revolution Hervorrufen und eine. Umwertung in der Beurteilung Heinrich Heines bedingen. Das gesamte Material ist noch gänzlich unbekannt und wird in dem Buche zum erstenmal, .veröffentlicht. In. die Herausgabe dieses .sensationellen, schriftlichen Nachlasses teilen sich der Neffe Heines, Baron Maximilian von Heine-Geldern, Wien, und der bekannte Heineforscher Dr. Gustav Karpeles. Das fertige Buch wird Mitte November im Buchhandel zu haben sein. Schir-Chadasch. In der Uebertragnng heißen diese Worte „Das neue Lied", doch ist es eigentlich das alte Lied zur Erhebung in dem Raume der Andacht, zur Weckung des gläubigen Sinnes und zur Erhaltung des.jüdischen Stammesbewußtseins. Darauf deuten die Worte der Wersen: „Die.Uns^rblichkeit in den Büchern ist durch das Lied angedeutet, Mose sang — und wir singen." . . . Denn so lauge inder Rhythmik der gläubigen Vorfahren jüdisch gesungen wird, so lange ist die Unsterblichkeit des Judentums gewährleistet. In dem Berufe des gottesdienstlichen Sanges stehend, hat nicht nur meine berufliche, sondern der seelische Wunsch mich vor einem halben Jahrzent geleitet, ans der Mitte gläubiger Jugend die Sänger zu küren, die mit mir das heilige alte Lred hochhaltend, es vermitteln sollen den Hörern, die noch Sinn, Herz und Empfänglichkeit besitzen für jüdischen Gesang, für heiligen Laut. Einmal int Jahre ist es uns vergönnt, vor diese Hörerschaft zu treten, e i n Abend nur gleicht dem Kikajon des Propheten, am Abend entstanden, mit dem Abend verweht. . . man lauschte dem Sange, und dann waren vergessen Sänge, Sänger, bis ein Jahr wieder den Kreislauf vollendet hatte. Ans zweifachen Gründen fühle ich mich veranlaßt, die Glut zu erhalten am Hochaltar dieses traditionellen Sanges, einmal ans rein ethischreligiösen Gründen, um durch den Gesang die Ethik zu wecken, das religiöse Gefühl zu erhallen, und dann wollte ich auch den veredelten Gesang verbreiten, um die Erfolge zugunsten der talmudbeflissenen Jünger materiell umzuwenden. Sie ziehen hinaus zu den hohen Festlagen, um in den Gemeindebethäusern, den armen, mit Funktionären kärglich bedachten Gemeinden, die Andacht zu vermitteln, bei allen, die da kvinnlen. um an den Tagen göttlichen Gerichtes Sühne und Erhebung zu heischen vom Gotte der Gnaden im Gebet. Und je eindringlicher ans Flügeln des Gesanges der Ton in die Herzen der Hörer strömt, desto höher die Andacht und die Weihe der hohen F sie. Ich war unentwegt und bleibe es so lange der Herr mir Kraft gibt, die Saat der jüdischen Gesangsempfindung auszustreuen, und sammelte für die Zeit, da meine Kraft versagt, oder ich selbst dereinst lauschen werde den Chören der Seraphim, alle die rradirionellen Weisen, um dieselben das rhythmisch melodische Kleid, und diese sollen den „Bal Tephiio", den Vermittler der Gebete leiten und führen, lehren und großziehen. So glanbce ich in der Theorie und in der Praxis zur Erhaltung der geweihcen Lieder alles getan zu haben, was mein jüdisches Gewissen erheischt, der Gemeinde als der Wahrerin des Kultus und auf der Warte ritueller Wahrung stehend, bleibt die schöne Aufgabe, diese Strebungen zu fördern mit jedem Pulsschlag ihrer jüdischen Herzen. In dieser Wechselbezeichnung ist der Zustand nnd der Aufschwung des „Schir-Chadasch" der alten—neuen Lieder gewährleistet nnd seine Erfolge segne der Herr, dessen Name gepriesen werde — i m L i e d e. „Ost und Westt. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraslite Universelle. November 1910. Heft 11. X. Jahrgang. Inhalt: Das Wesen des Judentums (I), Achad H a a m. — Das Erwachen des Islams, Dr. Arssne K a h e n. — Das Amsterdamer Jndeuviertel (I) Mit 4 Illustrationen von G. Sraller, Erirst A l t k i r ch. — Das Germanentum in der klassischen Literatur (Schluß). — Jüdische Dozenten an der Berliner Universität (mit Porträts) Schluß. — Am Ende (Gedicht). Theodor Z l o c i s t i. — Ein Grabmal, Erzählung Alesiandro C a r a s s o. — S.christgelehrter. N. e. Oelgemälde, Hermann st ruck. — „Otworite Worota" („Oeffnet die Tore"). Volkslied, Noten. — Juden nnd Judentum im alten Marokko, Dr. Ernst Feder. — Schach. Dr. Emanuel Lasker. — Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraslite Universelle": Die Israeliten in Rußland. Die Israeliten in Marokko. — Rabbiner Dr. M. S i l b e r st e i n, Wiesbaden. — Danzig. — Inserate^ Austritte ans dem Judentum. Politzer Jakob, Agent, geb. 5. September 1836 in Temesvar, V. Wiedner Hauptstraße 112. Beck Nikolaus, Ingenieur, geb. 12. August 1884 in Budapest, IV. Schikanedergasse 11. H a i m Robert. Direktor, geb. 5. Oktober 1882 in Wien, VI. Mariahilferstraße 115. F e l d m a n n Elia, Verkäuferin, geb. 5. Juli 1882 in Wien, H. Rote Sterngaffe 33. K o st h a Marie. Geschäftsdienersgattin, geb. 20. Juli 1885 in Groß? Kanizia, XVIII. Antoniagasse 54. W i e tz Irma, k. k. Beamtensgattin, geb. 11. März 1869 in Budapest. XIII. Hietzinger Hauptstraße 71. T r e b i t s ch Rudolf. Mediziner, geb. 28. Jänner 1876 in Wien. HI. Marokkanergaffe 11. Wechsler Joief, Zahnarzt, geb. 9. Februar 1865 in Bacau, VIH. Laudongaffe 57. Sajatz Franz. Geschäftsführer, geb. 26. September 1859 in Balassagyarmat, II. Scholzgaffe 6 Speyer Fritz Cahn, Jurist, geb. 17. April 1889 in Wien, I. Universitätsstraße 5. Speyer Paul Kahn, Chemiker, geb. 7. Avril 1881 in Wien, I. Universitätsstraße 5. Fried Margarethe, geb. 7. August 1890 in Jicin, I. Schottenring 17. $ fl ii » ä Rosa. Schneiderin, geb. 6. September 1879 in Marczali, X. Hasengaffe 33. Weiß Bertha. Artistin, geb. 21. Februar 1837 in Nagy-Bereng, II. Große Mohrengaffe 18. Frankobusch Leopold, Handlungsgehilfe, geb. 11. Dezember 1883 in Wien. IX. Wiesengaffe 11. Schlesinger Julie, Private, geb. 25. Mai 1876 in Bresnitz, X. Alxingergaffe 49. Deutsch Marianne. Malerin, geb. 28. August 1885 in Wien, VII. Heimanugaffe 33. D e u t s ch Saravotta-Lina. geb. 3. Mai 1884 in Wien, laut Zuschrift des Rabbinates Budapest.