Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 44 (11.11.1910)
- Date
- 1910-11-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Nr- .44. Seite 7. feierte, inib der lange Jahre unter Bismarck im Auswärtigen Amte Diente. Während der Belagerung von Paris l^'O/Tl war er der einzige dort anwesende deutsche Diplomat. 'Außerdem muß noch erwähnt werden der 1909'der deutschen Botschaft in London beigegebene Botschaftssekretär Baron v. Ro t hschil d. Als der „Jndenstämittling" Bernhard Dernbnrg zum Kolonialdirettor ernannt wurde, da wurde die Anrisemitenpresse förmlich rabiat. Eigentlich hätten die Antisemiten doch anerkennen sollen, daß dieses angeblich indische Blut Herrn Bernhard Dernburg nicht abgehalten hat. einen mit etwa 200.000 Mark jährlich dotierten Vankdirekiorposten und über ein Dutzend Anfsichtsrat'sstellen anfzngeben. um für eine Entschädigung, die nur als eine Lappalie angesehen werden kann» sich , einer der schwierigsten Aufgaben im Interesse unserer sehr hernntergewirtschafleten Kolonien und des Reiches zu unterziehen. Geldgier, die sonst als nnlrennbcu von noch so verdünntem jüdischen Blut in den Augen der Antisemiten gilt, ist in diesem Falle sonach nicht ausschlaggebend gewesen. Bei der Gelegenheit sei aber daran erinnert, daß der e r st e K o l o u i a l d i r e k t o r, Kayse r, wirklich imb unzlveifelhast ungemischt jüdisches Blut in seinen Adern stießen hatte, und daß er — gerade auch nach konservativem Urteil — trotzdem der immer noch beste unter allen bisherigen Kolonialdirektoren war. obgleich er keinen Vorgänger hatte und also Pfadfinder sein mußte. (Schluß folgt). Das Erben und Wirke» der Inden in Oesterreich in vormärfiichen Zeilen. Von Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) „Jawohl", hören wir ansrnfen. „die ethischen und humanitären Gesetze der Thyra haben noch eine Zukunft, aber die religiösen Satzungen, und Vorschriften sind längst veraltet und ganz unbrauchbar geworden." *) — Auch diese Behauptung ist grundfalsch. -„Die. Thora, die Moses uns geboten, ist ein ewiges Erbgut." Sie ist und-bleibt trotz ihren hohen Alters ewig iteu. ' Denn die religiösen Vorschriften sind geeignet, die Gesundheit zu erhalten und das Leben zu verlängern. Man frage nur. die vorurteilsfreien Denker und Forscher der Neuzeit und mast wird -Horen,' mit welcher Hochachtung und Verehrung sie von Moses sprechen, wie sehr sie die wohltätige Wirkung seiner religiösen Gesetze bewundern und sogar behaupten, daß Moses schon vor Jahrtänsendeu ans jener Stufe Kultur stand, die man erst heute zu erklimmen sucht. Ja. nicht nur von Moses, sondern auch von ben großen Männern der talmudischen Zeit, die das mosaische Gesetz erklärt und interpretiert haben, sprechen sie -mit der größten Achtung mrd Verehrung. Es mögen hier nur einige von den zahlreichen hygienischen Vorschriften der Bibel lind des Talmuds verherrlichenden Aeußernngen hervorragender Autoritäten erwähnt werden. ' In der vor einigen Jahren erschienenen Schrift: „Die Sozialhygiene der. Inden und des altorientalischen Völkerkreises von Dr. Alfred Nos-sig", heißt es unter anderem: Wir finden im Pentateuch alle Teile der modernen Sozialhygienie ausgebildet.: die Hygiene des Bodens, des Wassers mtd oer Litft, der Wohnung und der Kleidung, der Nahrung nnd der Körperpflege^ Vorschriften gegen ansteckende Krankheiten usw (S. 35). Höchst bemerkenswert sind die Vorschriften über die sanitäre Inspektion nnd. Desinfektion der Wohnhäuser. (S. 38). Das „Lepragesetz" -gibt ein vorzügliches Maß der Entwicklung der mosaischen Hygiene undzugleich der theoretischen Grundlage derselben. Es sägt uns, daß Moses die Existenz jener kleinen *) In neuester Zeit hat sogar ein moderner Rabbiner, der sich sonst als begeisterter Jude geriert, für die Abschaffung der lästigen Speisegesetze in. einenr jüdiichew Blatte, das sonst auch mit den „Konservativen" liebäugelt, eifrig st plaidiert. Krankheitskeime, welche man heute Mikroben nennt, nicht nur „ahme", sondern kannte. (S. 39.) Die Vorschriften des Levitieus sagen uns, daß der Verfasser der Bibel auch mit der Tatsache der verschiedenen Hartnäcklgkeltsgrade der Infektion vertrant mar; man kann keine rationelleren miö humaneren Desiusektionsnormeu ansstellen, als hier geschehen ist. (S. 40). Ferner: „Dieser hygienische Kodex, welcher vor etwa dreitansendziveihnndert Jahren forninliert wurde, gründet sich auf.eine genaue Kenntnis der Bedingungen der Gesundheit des Individuums und des Stammes, ans die richtige Erforschung der Hanplnrsache bedrohlicher Krankheiten. Zur Erreichung seiner Zwecke bedient er sich des ganzen prophylaktischen Apparates der modernen Slaatshygiene." (2. 61). „Jedes Wort kann auf die Goldwage der Wissenschaft gelegt werden nnd sein Gewicht wird richtig befunden werden. (S. 63). Der Talmud nähert sich in seinen sozialhygienischen Partien einem modernen Kodex der öffentlichen Gesundheitspflege noch mehr als die Bibel." (S. 75). „Die moderne Wissenschaft muß die meisten Prinzipien der „Lscler Tahoroth“ billigen; ja sie muß die ausmerkiame Beobachtung und richlige Bestimmung der Wege, ans denen Krankheitskeime aquiviert werden können, bewundern. Am meisten dürfte jedoch der moderne Hygieniker über die Sicherheit dieser Verfügungen staunen, da doch hellte bekanntlich über die Notwendigkeit und den Erfolg vieler hygienischen Maßregeln Autoritäten ersten Ranges sich nicht einigen können. (S. 83). Einer rückhaltlosen Anerkennung seitens der modernen Wissenschaft erfreut sich das Gesetz über sanitäre Inspektion der geschachteten Tiere, über „Koscher- und „Trefa.“ (S. 85). „Welch außerordentliches Wissen!" ruft ein französischer Arzt ans, die Kontagiosität der Tuberkulose ist erst seit kurzer Zeit dargetan, die Uebertragbarkest dieser Krankheit durch die Nahrung wird noch nicht von allen zugegeben nnd siehe da, das jüdische Gesetz, der modernen Wissenschaft um Jahrtausende voraneilend. enthält in seinen Vorschriften die prophylaktischen Maßregeln gegen die Tuberkulose". „Wenn unsere Schlachthäuser unter der Ueberwachnng eines jüdischen Schächters stehen würden, so w ü r d e z w e i f e l l o s die Zahl d e r Erkrankungsfälle verringert und die mittlere Lebensdauer verlängert werden. Anstatt von den Israeliten zu verlangen, daß sie ans die Unterscheidung von „Koscher" und „Trefa“ verzichten, w ü rden wir b e s s e r dar a ii t u n, diesen Gebrauch von ihnen zu entlehnen", sagte Anatole Leroy B e a n l i e u. (Fortsetzung folgt.) In voriger Nummer Seite 8, zweite Spalte, soll es anstatt die mächtigste und kräftigste Seele, richtig heißen Säule und anstatt „sie ist weder au e i n e m Staat" soll es heißen an einen Staat. Uerschiedene Nachrichten. Wien. Freitag, den 11. November 1910 abends, Predigt mi Stadttempel nnd Predigt im Floridsdorfer Tempel. Wien. (B e t h - H a m i d r a s ch „T a l m n d T h o r a," H. Malzgasse 16.) Se. Ehrwürden Herr Rabbiner M. Schenk hält täglich nach dem Abendgebet einen belehrenden Vortrag, spricht außerdem für junge Leute Sonntags 11 — 12 Uhr und allsabbatlich zur selben Stunde. Der genannte Redner begliurt auch am kommenden Frenag-Abend den 11. d. M. um halb 8 Uhr. die diesjährigen Freitag-Abend-Vorträge. die sich seit ihrem Jnslebenrreren einer besonderen Beliebtheit erfreuen. Den zweiten Freitag-Abend-Borrrag hält am 18. d. M. um halb 8 Uhr Professor Mor. A n t s ch e r l über „S ch e in e n R o k e a ch." ein großer Rabbiner in der alten mährischen Gemeinde T r i e s ch. Wie«. (Verein zur Abwehr des Antisemitismus). Wien, II.. Cästellezgasse Nr. 1. Montag, den 14. November, »m Festsaate des Nied.-Oesterr. Gewerbe-Vereines. I.. Eschenbachgasse Nr. 11. Vortrag des Herrn Dozenten und Reichsratsabgeordneten Dr. Arthur Mahler: „Der polnische Jude". Beginn präzise 1j28 Uhr. Gäste bestens willkommen. Wien. Znm Ausdrucke der Anerkennung für die vorzüglichen Fnnktioneit an den abgelanfenen Festtageir ließ der Vorstand des Tempelvereines „B n e - B r i r h" im XX. Bez. dem Oberkanror P i n k a s somit s ch am Schmini-Azererh-Feste nach dem Gottesdienste zwei silberne Leuchter durch den Bereursobmanir E h a m e i d e s überreichen.