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Die Wahrheit · 1910-11-04 · Heft 43 (4.11.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 43 (4.11.1910)
Date
1910-11-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 43. sterium der nationalen Verteidigung ein. Cremienx ist bekanntlich l einer der Hanptbegründer der „Alliance Jsraelite" gewesen. j Der Senator David Raynal, der im Jahre 1903 starb, entstammte einer jüdischen, in Bordeaux ansässigen Weinhändlersamilie und etablierte sich daselbst ebenfalls als Weiuhändler. Im Jahre 1877 entsagte er dem kaufmännischen Berufe und wandte sich der Politik zu. Er wurde in die Kammer gewählt, wo er seinen Sitz auf der republikanischen Linken einnahm und sich eng an Gambetta auschloß. 1880 wurde er als Unterstaatssekretär in das Ministerium der öffentlichen Arbeiten im Kabinett Freycinet berufen. Im folgenden Jahre übertrug ihm Gambetta das Portefeuille der öffentlichen Arbeiten, das er bis gegen Ende des Jahres 1882 verwaltete. Ferry berief ihn 1885 in gleicher Eigenschaft in sein Kabinett, dem er bis 1885 angehörte. Im Januar 1897 wurde Raynal zum erstenmal von der Gironde in den Senat gewählt. Sein Namensvetter G a st o n Raynal war 1907 Kabinettschef im Ackerbanmisterium. In der Stadt Meanx war 1907 ein Jude M. Weil Unterpräfekl. Als solcher hatte er die Aufgabe, den Bischof Monsignore deBrig, der sich den neuen kirchenpolitischen Gesetz nicht fügen wollte, zum Verlassen des bischöflichen Palastes anfzuzufordern. andernfalls Zwangsmaßregeln angewendet werden würden. Es ist keine üble Ironie der Geschichte, daß hier im modernen Frankreich ein Jude einen Bischos answeist; während doch fast das ganze Mittelalter hindurch die katholischen Kirchenfürsten die Juden auswiesen. Die Behauptung antisemitischer Blätter, daß der französische Liquidator D n e z, dessen Millionenbetrug die Gemüter in Frankreich im vorigen Jahre so sehr erhitzte, Jude sei, ist vollständig ans der Luft gegriffen. Dnez legte nach außen hin, immer großen Wert auf streng kirchliche Gesinnung und hatte vor einigen Jahren noch eine Audienz beim Papste. - In Spanien, dem Lande, in dem in mancher Beziehung noch an mittelalterliche Zeiten erinnernde Zustände herrschen, gibt es überhaupt seit der Zeit der Inquisition fast gar keine Juden mehr. Die große Masse des Volkes weiß dort von Juden so wenig etwas, daß die Mönche und Nonnen in den Klosterschulen die Kinder getrost lehren dürfen, wie es denn tatsächlich nachweislich geschieht, Juden seien leibhaftige Teufel und hätten Bocksschwänze. Ein nicht übler Treppenwitz der Weltgeschichte ist es, daß gerade der verflossene Ministerpräsident M a u r a, der sich zum Henkersknecht der modernen Inquisition hergegeben hat und den Förderer moderner Bildung und Aufklärung F e r r e r hinmorden ließ, einer jener wenigen Familien auf der Baleareninsel Mallorca entstammt, die als Abkömmlinge der letzten getauften spanischen Juden noch heute unter dem Namen „Chnetas" bekannt und vom Fanatismus der dortigen Bevölkerung geächtet sind! (Fortsetzung folgt.) Das Leben and Wirken der Inden in Oesterreich in normarzlichen Zeiten. Von Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) Allein auch Bileam hatte sich, obwohl Balak durch Anwendung des oben erwähnten Bileamitischen Mittels momentan Erfolge erzielte, denn doch gewaltig getäuscht. Allerdings ist es oft in der Geschichte vorgekommen, daß sich viele Bekenner des Judentums durch den Scheinliberalismus bestimmen ließen, dem Glauben der Väter abtrünnig zu werdet!. Diese Abfälle aber haben dem Jndentume in seiner Gesamtheit denn doch nicht schaden können, denn die Gegner Israels waren nicht imstande, die Maske des Liberalismus längere Zeit zu ertragen; sie zeigten sich bald in ihrer wahren Gestalt und die Besonnenen in Israel gewannen bald die Ueberzengung. daß sie getäuscht, betrogen, Himers Licht geführt wurden und riesen sich gegenseitig zu: Lecho wenosehuwo: „Laßt uns zurückkehren zu dem Ewigen". Die eigentliche Lösung der bewegten „Judenfrage" sindet sich übrigens fchon in der Thora. Mofes rief nämlich in seinen letzten Reden Israel zu: „Beherziget und befolget diese schönen herrlichen Lehren der Thora, sorget für die Verbreituug der Kenntnis derselben, Ki hichochmachcm uwinaschen leene hoamim, denn durch dieselben werdet ihr immer den Völkern zu imponieren und selbst euren Gegnern die Achtung abgewinnen zu können imstände sein. Das heißt mit anderen Worten: So lange ihr die Tbora Hochhalten und dem Glauben treu bleiben werdet, wirdkeine Macht auf Erden imstande sein, euch erschüttern zu können. Die Thora bildet die mächtigste und kräftigste Seele, auf der das schöne prachtvolle Religionsgebände, das Moses mit der göttlichen Hilfe für ewige Zeiten anfzuführen gelungen ist, beruht. „Die Thora, die uns Moses gebot, ist ein ewiges- Erbgut der Gemeinde Jakobs"; sie ist weder an einem Staat, noch an ein Land gebunden. „Drei Dinge, bemerken unsere Weisen, wurden den Israeliten nur bedingungsweise gegeben: Palästina, der Tempel und die davidische Regierung; die Lehre aber unbedingt für alle Zeiten". Wie! Die Lehre Moses ist für alle Zeiten gegeben worden? Ach, sie ist längst veraltet, unbrauchbar, von der Kultur der Zeit überholt worden. Vor Jahrtausenden mag sie wohl im Morgenlande zeitgemäß gewesen sein, aber für uns, die wir in einer anderen Zeit, in einem anderen Weltteil, unter anderew Verhältnissen und Umständen leben, ist sie längst gegenstandslos geworden"; so hören wir gar viele für Assimilation schwärmenden Juden verwunderuugsvoll ausrufen. Diese Herren aber beweisen nur hiedurch, daß sie es nie versucht haben in den Geist der Thora einzndringen, ja, daß sie überhaupt die Thoragar nicht kennen. Die Thora ist alt! Ja, sie ist alt, ein altes- Erbe aus grauer Vorzeit; allein trotz ihres hohen Alters ifl sie doch ewig neu. Alt, sehr alt ist das Gesetz: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst." Ist es aber in der modernen Zeit unbrauchbar geworden? Gehört es vielleicht zum seinen Ton, nur sich selbst und keinen anderen Menschen mehr zu lieben? Ist etwa der alte jüdische Grundsatz: „Einer für Alle, und Alle für Einen" von dem modernen tschechischen Grundsätze: „Jeder für die- Seinen" überholt morden? Alt ist das Gesetz „liebet den- Fremden" weahawten es hager. Ist es aber auch unbranch-- bar geworden? Gehört es vielleicht zum feinen Ton, jedem Fremden, der einem anderen Volke, einer anderen Rasse ange-- hört, wie überhaupt jeden Andersdenkenden und Anderssprechenden zu hassen und zu verfolgen? Alt, uralt ist das Gesetz: „Hasse, nicht deinen Bruder in deinem Herzen, während du ihm sonst' mit einem tvarmen Händedruck und zuckersüßen Worten begegnest?" Ist das schöne alte Gesetz: „Du sollst dich nicht' rächen, den Haß nicht in dir bergen", in unserer aufgeklärten Zeit gegenstandslos geworden? Entspricht etwa das alte Gesetz:. „Gehe nicht als Anbringer, als Zwischenträger, Leisetreter und- Ohrenbläser in deinem Volke herum" nicht mehr den Anschauungen der modernen aufgeklärten Zeit? Gehört auch das schöne,, wahre Menschenliebe atmende alte Gesetz: „Wenn dein Bruder durch Uuglücksfälle seines Vermögens verlustig geworden und' seine Hand sinken läßt, greife ihm unter die Arme, unterstützeihu kräftigst, gleichviel ob er deinem oder einem anderen Volke angehört", zur veralteten ganz unbrauchbar gewordenen Mode? Oder sollte die Zeit kommen, was der Himmel verhüten möge, wo man diese hier erwähnten und die zahlreichen ähnlichen Gesetze und Vorschriften der Bibel, wie die herrlichen Lehren und Anssprüche der Weisen in Israel *) als unbrauchbar *) Von den zahlreichen, auf die Humanität bezughabeudeu Aussprüchen und Mahnungen mögen hier folgende reproduziert werden: „Kräftigst uuterstützeu sollst du den Dürftigen, und dich es nicht verdrießen iassen, wenn du ihm gibst, denn nur deshalb wird der Ewige, dein Gott, dich segnen in allen deinen Unternehmungen." (5 B. M. 15, 10.) „Die Tugend der Wohltätigkeit wiegt alle anderen Gebote auf." (B. Batra, 9.) „Sie ist wertvoller als alle Opfer, wer sie ausübt, erfüll: gleichsam die ganze Welt mit der göttlichen Gnade." (Sukka, 49.) „Ist nicht das ein Fasten, das ich liebe: öffne die Schlingen der Bosheit, löse die Bande des Joches, frei entlasse Unterdrückte und jegliches Joch zerbreche! Nicht so? Brich den Hnngerigen dein Brot, unglückliche Verfolgte bringe ins Haus, so du einen Nackten siehst, bekleide ihn und deinen: Fleische entzieh' dich nicht; dann wird die Morgenröte, dein Licht an-

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