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Die Wahrheit · 1910-10-14 · Heft 41 (14.10.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 41 (14.10.1910)
Date
1910-10-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 41. Bedeutung einer entschiedenen Kriegserklärung der römischen Gemeindevertretung gegen den Klerikalismus haben. Die über zwölf Stimmen verfügende klerikal-konservative Minorität enthielt sich der Abstimmung. Bei der Jtalienreise des Zaren im Jahre 1909 wurde E. Nathan nach Racconigi berufen und war dort ständig in der Umgebung des Zaren. Welche Gedanken mögen dem Zaren wohl gekommen sein im Verkehr mit diesem hervorragenden Juden, dem Zaren, der 1902 noch an den Rand des Plehweschen Gesetzes über die Ausweisung der Juden ans Sibirien schrieb: „Die Juden, die ihre gesetzliche Anfemhaltszone verlassen, überschwemmen alljährlich ganze Distrikte in Sibirien mit ihrer mibe rlichen Gegenwart; mit diesem unerträglichen Zustande muß aufgeräumt werden." Ernesto Nathan besitzt natürlich eine ganze Reihe Ordensauszeichnungen, cs entbehrt nicht des Humors, daß ihm der frühere Ministerpräsident Gioletti noch am Vorabend seines Ausscheidens aus dem Amte das G r o ß k r e n z des alle rch r i st l i ch e u Ordens der Heiligen Mauritius und Lazarus verlieh. 1908 machte der König zwei Juden, den Advokaten Giacomo Levi-Civila, Vizebürgermeister in Padua, und Dr. Pio F o a, Professor der pathologischen Anatomie an der Universität Turin, zu Senatoren. Dem Serial gehören nunmehr nenn Inden an. (Fortsetzung folgt.) Aus der Wiener Kultnsgemeinde Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 9. Oktober 1910 unter dem Vorsitze des Präsidenten Tr. Alfred Ster n. Beginn 10 Uhr vorm. Der Präsident Dr. Alfred Stern hält folgende Ansprache: Bevor wir zur Tagesordnung gehen, geziemt es sich, daß wir ein Wort des Gedenkens den schweren Verlusten widmen, welche unsere Gemeinde erlitten, seitdem wir zum letztenmale in einer Plenarsitzung hier versammelt waren. Ich nenne au erster Stelle, den am 11. Juli l. I. verstorbenen k. k. Baurat Wilhelm Stiaßny. Er war dem Dienstalter nach das älteste Mitglied des Kultusvorstandes, welchem er durch 30 Jahre — seit dem Jahr 1880 — angehört hat. Ihnen allen, meine Herren, ist es wohl bekannt, in welche ausgezeichneter, hervorragender Weise er seine Zeit und Kraft, seine hervorragenden Fähigkeiten und Talente dem öffentlichen Wohle, speziell aber unserer Gemeinde gewidmet hat. Er war der Erbauer des Spitales der Israel. Kultusgemeinde, des Administrationsgebäudes und der Zeremonienhalle am Zentralfriedhofe, der Versorgungsanstalt, zahlreicher jüdischer Wohlfahrtinstitute, darunter in allerletzter Zeit des israel. Knabenwaisenhauses und zahlreicher Synagogen in Wien und ganz Oesterreich. Er entfaltete eine ungemein weitgreisende Tätigkeit auf dem Gebiete des jüdischen Lebens; das jüdische Museum, mehrere jüdische Vereine humanitärer und sozialer Tendenz, verdanken seinen Intentionen ihr Entstehen. Seine persönliche Liebenswürdigkeit, sein freundliches, jederzeit hilfsbereites Entgegenkommen, seine tüchtige, berufliche und allgemeine Bildung erwarben ihm allgemeine Sympathie, deren er sich auch in unserem Kreise in hohem Maße erfreute. Wir werden dem Verewigten ein ehrendes Andenken bewahren. Wenige Wochen später hatten wir einen anderen schweren Verlust zu beklagen. Direktor Hosrat Professor Dr. Leopold O s e r, der die Seele unseres Spitales war, ist am 22. August l. I. verschieden. Seit dem Bestände des Spitales, das ist seit dem Jahre 1872 war Hofrat Ot'er Primararzt an der internen Abteilung des Spitales und seit der Erweiterung durch den gynäkologisch-chirurgischen Pavillon auch Direktor des Spitales. Das was er unserem Spitale gewesen, läßt sich nicht in kurzen Worten schildern; Tag und Nacht “ppn -p2iv2 widmete er sich seinem Kinde, dem Spitale. Durch nahezu vier Jahrzehnte weihte der Verewigte seine hervorragende Kraft der seiner Leitung anvertrauten Krankenanstalt; ihrem Gedeihen galt bis zum letzten Atemzuge seine unausgesetzte Sorge. Ein weiser Arzt, ein edler Mensch, war er den Armen und Kranken, ein stets hilfsbereiter, fürsorglicher Berater, seinen Schülern ein glänzendes Vorbild. Am 1. September l. I. starb Rabbiner Dr. Elieser David, welcher 7 Jahre im Dienste unserer Gemeinde gewirlr hatte. Dr. David hat sich namentlich ans dem Gebiete des Schulwesens als Inspektor für den israel. Religionsunterricht an Mittelschulen und als Leiter der Bildungsanstalt für israel- Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen große und bleibende Verdienste erworben. Ans seinen Jnspektionsberichten, ersehen Sie, mit welcher Sachkenntnis, welchen Eifer und welcher Gewissenhaftigkeit er seine Aufgabe anfgefaßt und erfüllt hat. Ebenso aus seinen Aenßerungen und Referaten über den Religionsunterricht. Auch im Gotteshause war er bestrebt sein bestes Können und fein großes Wissen zu entfallen. Sie haben, meine Herreil, durch Erheben von den Sitzen Ihrer Trauer um die vorgenannten Verstorbenen Ausdruck veiliehen und verfüge ich mit Ihrer Zustimmung, die Einverleibung dieser Tranerknndgebnng in das Protokoll der heutigen Sitzung. Der Präsident berichtet über die Veranstaltungen anläßlich des 80. Gebnrlstages Seiner Majestät des Kaisers folgendes r „Anläßlich der Vollendung des 80. Lebensjahres Seiner Majestät des Kaisers wurde in Ausführung eines Plenaibeschlusses vom 18. August l. I. vom Knltusvoistände die künstlerisch ausgeführte Hnldigungsadresse, welche die Unterschriften von fast 500 Kultnsgemeinde-Repräsentanzen Oesterreichs trägt, in der Kabinetskanzlei überreicht. In sämtlichen Gemeindetempeln haben an diesem Tage Festgottesdienste stattgesunden, welchen das Präsidium und die in Wien weilenden Mitglieder des Kultusvorstandes beiwohnten. Da der Geburtstag Seiner Majestät in die Schulferien fiel, hatten die Schulbehörden die Verfügung getroffen, daß die Feierlichkeiten für die- Schuljugend ans diesem Anlässe am 4. Oktober abzuhalten seien. Den Schnlseierlichkeiten sollten gottesdienstliche Veranstaltungen voransgehen und es wurde auch die Kultnsgemeinde eiugeladen, die erforderlichen Verfügungen zu treffen. Da auf den 4. Oktober der erste Tag Noschhaschonoh fiel, sind die Schülergottesdienfte teils am 29. September, teils am 1. Oktober abgehalten worden. Es fanden 21 Gottesdienste für Volks- und Bürger - schüler und 16 Gottesdienste für die Mittelschulen statt. Bestellung einer Oberin für d i e S i e ch e na b t e i l n n g der V e r s o r g u n g s a n st a l t: Gemäß dein Anträge des Vertreterkolleginms wird die derzeitige Oberschwester des Kaiserin Elisabeth-Institutes für israelitische Krankenpflegerinnen Hedwig Jaffs zur Oberin für die Siechenabteilungder Versorgungsanstalt provisorisch bestellt. Mit der L e i t u n g der Lehrerbildungsanstalt für israel. R e li g i o n s l e h r e r an Volksu n d Bürgerschulen wird an Stelle des verstorbenen Rabbiners Dr. Elieser David über einstimmigen Vorschlag des Lehrkörpersdieser Anstalt für das Schuljahr 1910/11 der k. k. Schulrat. Professor Dr. Baß betraut. Das Vertreterkollegium berichtet, daß die für das Jahr 1910' für Unterstützungen „Verlassene Kinder" bewilligten ansehnlichem Beträge ans Gemeindemitteln wie ans dem Dr. Hajun S. Goldschmidt-Legate erschöpft seien und beantragt die Bewilligung eines Nachtragskredites für diesen Zweck bis zum Betrage von K 5000.—. Dieser Antrag wird angenommen. Ebenso der Antrag des Herrn Dr. Felix Katzau, das Vertreterkollegium möge sich mit Rücksicht ans die fortwährend bedeutend wachsende Inanspruchnahme der Gemeindemittel ans diesem Titel mit der Frage der „Verlassenen Kinder" eingehend beschäftigen und dem Plenum entsprechende Anträge stellen. In das Kuratorium der I o s e s i n e Königswarter K i n d e rs*p i t a l -- S t i f t u u g wird an Stelle des verewigten Baurates Wilhelm Stiaßny Herr Vertreter Gemeinderat Max Frank entsendet. ° Nach Erledigung von Snbventionsgesnchen diverser Vereine wird die^ Sitzung um 1 Uhr geschlossen. Eine Kemerlrung. In dem trefflichen Artikel „Heine als Jude" heißt es unter anderem: „Alfred Meißner hat uns in seinen Erinnerungen an Heine ein Gespräch aufbewahrt, wo es heißt: „O, wenn

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