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Die Wahrheit · 1910-10-14 · Heft 41 (14.10.1910) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 41 (14.10.1910)
Date
1910-10-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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abrcheit Redaktion linb Sidininislraiion:! Wien, II/, Zivvava^asse 27 j Telephon: Redaktion 5107/VII1. Adminisiralion -193811. fl. k. österr. Postsparkafsa- Scheck-florno Nr. 100.918. Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Slbonnenienlö- und Jnsertionsbeuiige sind in Wien zahlbar nnd klagbar. nabhängige Heitschrift für jüdische Aniere^en. Kr sch eint jeden Kr erlag. Uotto: „Das LivKvI Gottes ist Wahrheit!“ Verngspreis: Ganzjährig.K 14.— Halbjährig.K 7 — Für M“iiltn*beuuite: «ttauzjährig.K 10. — Für Ausland: (AanzjäNrig.8 Mark ü Äinvel oder IN FrcS. Ar. 41. Wien, 14. Oktober i;»io. Inhalt: Aus der Woche. — Die Laubhütte, der Feststrauß und unsre Kinder. — Heine als Jude. — Inden als Diplomaten, Minister und Politiker. Aus der Wiener Kultusgemeiude. — Eine Bemerkung. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Moses. — Austritte aus dem Judentum. Abonnements-Einladung. Iie geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Oktober 1910 begonnene 4. Ouartat ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14 — Kalbjährig Kr. 7.—, Vierteljährig Kr. 3.50. K. l. Postsparkasse «Konto 1VV.S18. - Probenummern gratis zur Verfügung. Ans der Woche. Je näher der Termin für die Landtagswahl in der Leopoldstadt heranrückt, desto mehr schwindet die Hoffnung, daß der Wunsch aller vernünftig denkenden und vom selbstsüchtigen Cliquenstandpunkt unbeeinflußten Männer, die beiden fortschrittlichen Parteien im Bezirke unter einer Flagge und einem Kandidaten zum Wahlkampfe zu vereinigen, Verwirklichung finden werde. Und damit der bis in die letzten Tage von den aufrichtigen Anhängern der liberalen Sache nicht aufgegebene Einigungsgedanke endgültig begraben werde, wird von den Freiheitlichsozialen mit einer gewissen Ostentation in der Tagespresse die Notiz veröffentlicht, daß die deutschdemokratische Partei unter dem. Vorsitz des Baron H o ck beschlossen habe, an der Kandidatur des Dr. Schwarz- H i l l e r festzuhalten und dessen Wahl allen Gesinnungsgenossen zu empfehlen. Die Dickköpfigkeit hat also wieder einmal den Sieg über die politische Naison davongetragen, und der Donauklub kann nunmehr frei von den Hemmnissen, die die Einigungsversuche seiner Agitation bisher bereiteten, mit voller Energie und Tatkraft für seinen Kandidaten Dr. Mittler eintreten. Die jüdischen Wähler werden dieser Kandidatur doppelte Sympathien entgegenbringen und nicht nur die allseits anerkannten, hervorragenden persönlichen Fähigkeiten dieses Mannes zu schätzen wissen, sondern auch seine Bereitwilligkeit, dem Frieden und dem allgemeinen Interesse zuliebe, zugunsten eines gemeinschaftlichen Kandidaten von seiner Kandidatur znrückzutrelen. Zur Täuschung der Wähler wird von den Freiheitlichsozialen die Parole von der Priorität der Kandidatur Dr. Schwarz-Hillers ansgegeben. Abgesehen davon, daß es geradezu lächerlich ist, ans solch rein äußerliche Zufälle eine Kandidatur zu stützen, muß zur Feststellung des wahren Sachverhaltes konstatiert werden, daß die Einladung des Donauklubs, einen gemeinschaftlichen Kandidaten zu nominieren, von den Freiheitlichsozialen mit der Aufstellung Dr. Schwarz - Hillers beantwortet wurde. Diese Partei, die über die Mandate der Leopoldstadt unumschränkt verfügen zu dürfen glaubt, hat also von allem Anfang an ein friedliches Zusammengehen mit dem Donauklub abgelehnt und die jüdischen Wähler in der Leopoldstadl, die ja das Gros der freiheitlichen Stimmen bilden, werden zu entscheiden haben, ob sie einer solchen, das allgemeine Interesse hintansetzenden und nur dem persönlichen Ehrgeiz fröhnenden Politik ihre Billigung erteilen oder nicht. Wir erwarten und hoffen, daß sie ihr Votum gegen die Freiheitlichsozialen und für Dr. Mittler abgeben werden. * * Die christlichfozialen Machthaber in Wien haben es wiederholt bewiesen, daß sie es vortrefflich verstehen, dem Reichsvolksschulgesetz eine Nase zu drehen, wenn es sich darum handelt, einer Volksschule mit jüdischer Majorität den jüdischen Schulleiter vorzuenthalten. Sie schaffen ein Provisorium, bis es ihnen gelingt, durch alle möglichen Ausschnlnngs- und Einteilungskünste die jüdische Majorität in eine Minorität umzuwaudeln. Gegenwärtig stehen einige jüdische Schulleiter unmittelbar vor ihrer Pensionierung und die Angelegenheit soll demnächst im Bezirksschulräte zur Entscheidung gelangen. Wir machen daher die kompetenten Faktoren des Kultusvorstandes, besonders aber dessen Vertreter im Bezirksschulräte, darauf aufmerksam, hier strenge Wache zu halten, damit nicht wieder einmal durch ein Knuststückchen der Christlichsozialen jüdische Lehrkräfte übergangen werden. * Von welch großzügigen Gesichtspunkten sich anderwärtige Rabbinate bei der Fürsorge für die Beschaffung billigen Koscherffeisches leiten lassen, das zeigt folgende Mitteilung, die eine Wiener Korrespondenz aus London erhält: Die Fleischteuerung macht auch den Organen der hiesigen jüdischen Gemeinde mancherlei Sorgen. Nachdem die Einführung des gefrorenen Fleisches ans Widerstand vieler Kreise gestoßen

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