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Die Wahrheit · 1910-10-07 · Heft 40 (7.10.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 40 (7.10.1910)
Date
1910-10-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. Nr. 40. Die Wahrheit mehr), . die aus feiger Hypokrisie noch ungünstiger über die Inden.urteilen als deren geborene Feinde; und schließt dann seine Philippika, mit den blitzend sarkastischen Worten„Nein, Hie Nachkömmlinge Israels, des auserwählten Priestervolkes, sie -essen kein Schweinesteisch, auch keine alten Kapuziner, sie trinken lein? Blut, ebensowenig wie sie ihren eigenen Urin trinken, gleich der heiligen Elisabeth. Urmnhme des Grasen Montalembert." . Tiefes Mitleid mit dem. Schicksal seiner unglücklichen Stänunesgenossin hat der Dichter auch sonst geäußert. Alfred Meißner hat Uns in seinen Erinnerungen an Heine ein -Gespräch anfbewahrt, wo es heißt: „O, wenn Märtyrertum -adelt und Geduld und Treue, so ist dieses Volk adlig vor vielen anderen. Lesen wir doch die Geschichte des Mittelalters, dieser klassischen Zeit des verbündeten Pfaffen- und Rittertums; es gibt kein Jahr darin, das durch die Inden nicht bezeichnet wäre durch Foltern, Scheiterhaitfeu. Enthauptungen. Brandschatzungen und Massakres. Und zwar leiden die Inden unter Anhängern Christi immer mehr als unter den rohesten und wildesten Völkern. Polen und Ungarn, Bedllinen und Mongolen. O, es ist ein schönes Ding um die Religion der 'Liebe." (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Die Eim'chreibuug zum Unterricht au der Bibelschule, H. Rembraudlstraße 84, findet Sonntag, den 30. Oktober l. I. vou 10—12 Uhr vormittags, Mittwoch, den 2. November von 12—4 Uhr uachnnrtags und Sonntag, den 4. November von 10—12 Uhr vormittags im Dchnllokale selbst statt. Einschreibung und Unterricht erfolgen unentgeltlich. Wien. (Israelitische Allianz zu Wie n.) Das Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien" befindet sich ab 14. Oktober. H. Untere Douaustraße 38, 2. Stock. Wie». (Bethausverein „Am Volker t." Mit geistiger mnd materieller Unterstützmig der verehrlichen Kultusgemeinde har sich der Berhausvereiu „Am Bolkert" der ebenso rühmlichen und hehren, als auch großen und besonders schwierigen Ansgabe unterzogen, zur Erinnerung an den 80. Geburtstag unseres weisen und ruhmgekrönten Friedenskaisers ein großes und würdiges Gotteshaus, das für ewige Zeiten den Namen ^.Kaiser Franz Josef I. Huldignngstempel" führen soll, zu erbauen. Mit Rücksicht auf die Lage an der Kaiser Josefstraße im II. Bezirke und auf den sehr großen Fassnilgsranm wird dieses an die unbegrenzte kaiserliche .Huld und Gnade erinnernde Gotteshaus in der Reihe der bereits erstandenen Teiiipeln nach dem großen Gemeindetempel in der Tempelgasse den .zweiten Platz einnehmen. Ans diesem Grunde verwendet der Vorstand des Vethausveremes „Am Volkerr" alle Mühe und Sorgfalt ans das bautechnische Gelingen und die kunstvolle Ausführung dieses Baues. Trotzdem die langjährige Erfahrung des Architekten Herrn Ignaz Reiser einerseits die Gewähr für die ökonomische und sach- und fachgemäße Verwertung des Baugrundes, anderseits das berechtigte Vertrauen für den form- 'vollendeten Entwurf des Tempels samt benötigten Räumlichkeiten bietet, hat der Vorstand dennoch die ersten Vertreter der Wiener Tempelvereine und die hervorragendsten Architekten Wiens, denen die Entstehung großer -und schöner Synagogen bereirs zn danken ist, zu einer Besichtigung und Prüfung der sertiggestellten Baupläne in den Sitzungssaal der Wiener Kultusgemeiude eingeladen. In Anbetracht der Wichtigkeit und Würdigkeit dieses Vorhabens .waren auch die geladenen Herren der freundschaftlichen Einladung nachgekommen, worauf nach gründlicher und zielbewnßter Prüfung der vorgelegten Pläne durch die beiden Herren Architekten Jakob M o d e r n -und Leopold Fuchs eine eingehende Anssprache der Herren Architekten und der erschlenenen Tempelvorstände stattfand. Allseits wurde die schöne Anlage, die entworfenen Pläne und besonders der eine Umstand rühmend hervvrgehoben, daß der große Baugrund zwei Straßenzüge durchquert, wodurch die Herstellung eines Prachtbaues erleichtert wird. Derzeit werden schon die notwendigen Verfügungen getroffen, damit der für die Grundsteinlegung in Aussicht genommene Termin, der Tag der Wiederkehr der Thronbesteigung unseres erhabenen und volksbeglückenden Monarchen, der 2. Dezember, eingehalten wird. Leider reichen die Mittel des Vereines trotz der großen Unterstützung der verehrlichen Kultnsgemeinde nicht hin, um dieses im prachtvollen Glanze zu erstrahlende Gotteshaus würdig anszngeslalten. Es ergeht daher, wie an einer anderen Stelle dieses Blattes hervorgehoben, an die verehrte Gesamtjndenschaft die herzliche und innige Bitte, die Durchführung dieses rühmenswerten Werkes durch nulde Gaben zn ermöglichen. Die Spenden sind an den Obmann des Bethausvereines. Herrn Adolf S ch r a m e k, Wien, II./1 Novaragasse 21, zu richten und werden gelegentlich in diesem Blatte veröffentlicht werden. Wolle und möge der altjüdische Brauch, anläßlich des Beriöhnnngsfestes charirative Werke zn fetzen, diesbezügliche Berücksichtigung finden. Wien. Wie bekannt ist der Zusammentritt eines Kongresses in jüdischen Emigrationsangelegenheiten geplant und sind die Vorbereitungen fo weit gediehen, daß der Kongreß schon für September 1910 in Aussicht genommen war. Die Umfrage bei den in Betracht kommenden sehr maßgebenden Persönlichkeiterl und Körperschaften hat ergeben, daß die Mehrzahl der Eingeladenen unter Kundgebung ihrer Sympathie sich gerne bereit erklärten, an dem Kongreffe und eventuellen Vorkonferenzen teilzunehmen. Mit dieser Bereiterklärung wurde aber von sehr maßgebender Seite dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die Tagung des Kongresses in der ersten Hälfte des Jahres 1911 srattfinden soll uitd sind dankenswerte Anregungen bezüglich der weiteren, als notwendig erscheinenden Vorarbeiten gegeben worden. Mit Rücksicht auf diese Umstände wird der Zusammentritt des Kongresses erst in einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Der genaue Termin wird seinerzeit bekanntgegeben werden. Wien. Am ersten Roschhaschanah-Tage feierte der in weiten Kreisen bestbekannte und sehr geachtete Herr Emanuel K o l i f ch im engsten Familienkreise seinen 70. Geburtstag. Herr Emanuel Kolisch wirk bereits seit 37 Jahren segensreich als Vorstandsmitglied des Israelitischen Tanbstnmmen-Jlistirnres m Wien und ist ein Enkel des Begründers desselben, des Herrn Hirsch K o l i s ch s. A. Zu dieser Feier war der Gesamtvorstand, an der Sp-tze der Präsident Dr. Arthur K u r a n d a, erschienen, welcher an den Jubilar eure überaus herzliche Ansprache hielt nnd ihm als Widmung ein Aquarell des Institutes überreichte. Eine Schülerin übergab namens der Zöglinge eine schön ausgesübrte Adresse. Unter den zahlreich zur Gramlarion Erschienenen fand sich auch der Direktor der Anstalt, Herr Dr. Friedeberger, ein. Wien. Sonntag, den 2. Oktober ist unter ungemein zahlreicher Teilnahme der ehemalige höchst verdienstvolle Präsident der türk. Jsraelirengemeinde, Herr Markus Rufs o. im Alter von 74 Jahren gestorben. Sein Name ist mit der vor drei Jahrzehnten durchgeführreu Reform des sephardischen Gottesdienstes eng verknüvfr und für die von ihm angeregren Ideen zeigte er nicht nur intensives persönliches Interesse, sondern er brachte lynen auch große materielle Opfer. Auf feine Initiative wurde auch das prachtvolle Gotteshaus der türkischen Gemeinde erbaut, das allerdings das Budget der Gemeinde stark belastete und ihre materielle Situation verschlechterte. Den Beamten der Gemeinde war er ein wahrhaft väterlicher Freund und Berater nnd den Armen und Notleidenden ein warmherziger Gönner. Markus Ruffo ivar auch eine markante und populäre Erscheinung in der Wiener Gesellschaft und das Geschäftshaus, an deffen Spitze er stand, erfreute sich großen Ansehens. Vor einigen Jahren iah er sich durch unglückliche geschäftliche Koiijuiikrureu gezivuugen. dasselbe zu liquidieren, er legte alle seine Ehrenämter nieder und lebte fortab in höchst bescheidenen Verhältnissen. An seiner Bahre trauern seine Gattin, ein einziger Sohn Herr Martias R u s s o und sein Bruder Herr Licco M. R u s s o. der Präsident der türk. Chewra Kadischa. Im Trauerhanse hatten sich der gesammte Vorstand der türk. Gemeinde mir dem Präsidenten Herrn Licco Ä d u t t, die Knltnsvorsteher Dr. Markus Spitzer und kaiserl. Rat Jonas Weil, der I. Sekretär der Kulrusgememde kaiserl. Rar Dr. Lieben, Amtsleirer F r e i st a d t l, die Bethausvorsteher Dr. Hermann L ö w i und W a i s e r v o g e l, Vorsteher Zolles und zahlreiche Mitglieder der türkischen Gemeinde eingefnnden. Der Kondukt bewegte sich vom Tranerhause zunächst zum türkischen Tempel, deffen Schöpfer er war, und von hier nach dem Zentralfriedhof. Mit wehmutsvoller Ergriffenheit rezitierte Oberkanror Bauer, assistiert vom Chore unter Leitung des Chordirigenten Kantor L ö w i t. die üblichen Trauergesänge nnd nach einem das Leben und Wirken des Heimgegangenen würdigenden Nachrufe des Rabbiners Pap o wurden die sterblichen Reste desselben in einem von der türk. Gemeinde gewidmeten Ehrengrabe bestattet. Er rube in Frieden! Wien. Vorige Woche ist im Altersversorgungshanie der iirael. Kultusgemeinds der älteste Mann von Wien, der 106jährige Moritz Weiß, gestorben. Bis vor welligen Wochen erfreute er sich vollster körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische und wer den hochgewachienen, breitschultrigen Manu mit den Hellen, klaren Auge» sah. konnte es kaum glauben, daß seine Jugendzeit in die Anfänge des vorigen Jahrhunderts zurückreichte. Sein durch das hohe Alter ungetrübter Humor, seine Freude an bescheidenen Lebensgenüssen und fröhlicher Geselligkeit waren fast sprichwörtlich und trotzdem für seinen Lebensunterhalt durch eine monatliche Rente, die er vom „Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israel. Konfession" bezog, und durch Beiträge privater Gönner genügend gesorgt war. gönnte er sich keine Ruhe und liebte es, immer noch einem kleiueu Verdienste nachzugehen. Im Monate Juli iah er sich genötigt, das israel. Spital aufznsnchen und es bedurfte vieler Ueberredlmg seiner Angehörigen und Frennde, um ihn nach Verlassen des Spitals zum Eintritt in das Altersveriorgnngshaus zn bewegen, wo er nur wenige Wochen zubrachte. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 2. Oktober, halb 12 Uhr vormittags, auf der israel. Abteilung des Zentralfriedhofes unter zahlreicher Beteiligung statt. Nebst seinen Angehörigen gaben ihm viele Gemeindemitglieder nnd Vertreter verschiedener Vereine ans dem II. Bezirke das letzte Ehrengeleite. Der Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer war durch die Vorstandsmitglieder Gustav Plauer. Isidor G o l d b l a r t, Josef F l e s ch. das ehemalige Vorstandsmitglied Ignaz B e ck in a n n und Vereinssekretür Dr. M. L ö w y verrreren, welch letzterer an der Bahre des Heimgegangenen einen Nachruf hielt. Die kanrorale Funktion hatte über Ersuchen des genannten Vereines Herr Oberkantor Don Fuchs bereitwilligst übernommen und dieselbe in überaus erhebender Weise durchge führt. Liesing. Am 29. September ist ans dem Badener Friedhose der im 63. Lebensjahre verstorbene Obmann unseres Temvelvereines. Herr Jakob P a p a n e k zur ewigen Ruhe bestattet worden. Der Heimgegangene, der sich allgemein großer Sympatbien erfreute, hat sich um unseren Verein, den er durch 35 Jahre mustergiltig leitete, unvergängliche Verdienste erworben und hauptsächlich ihm ist der Bau des neuen Gotteshauses zu verdanken. Die Trauer der hiesigen Bevölkerung ist eine allgemeine und aufrichtige und kam auch durch die zahlreiche Beteiligung am Leichen-

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