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Die Wahrheit · 1910-10-07 · Heft 40 (7.10.1910) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 40 (7.10.1910)
Date
1910-10-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion und Administration: Wien, Il/t Nvvaragasse 27 Telephon: Redaktion 81V7/VLU. Avabhängige Aerlschrift für jüöische Gerngspreis: Ganzjährig.K 14.— Halbjährig.K 7.— Administration 4938.11. ft. k. öslerr. Postsparkassa- Scheck-ftonio Rr. 100.918. Antennen. Flic ttultusbeamte: Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 28 Heller. Erscheint jeden Kreitag. Für Ausland: Abonnements- und Jnsertionö- Gaiiziävrig.8 Mark benage sind in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ | 6 Rudel oder 16 FrcS.!_ Ar. 40. Wien. 7. Oktober 1910. Inhalt: Aus der Woche. — NBJ. — Heine als Jude. — Berschiedeue Nachrichten. — Feuilleton: Jom Kippurs Zaubermachr. — Moses. — Literatur. — Adolf Szanto. — Aufruf. — Schuwa Jisroel. — Austritte aus dem Judentum. Abonnernents-Einlcrdung. Pie geehrten Kerren Köonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. Oktober 1910 Begonnene 4. Ouartal ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mlattes Keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Ganzjährig Kr. 14.— Kalöjährig Kr. 7.—, vierteljährig Kr. 3.5V. K. k. Postsparlassen-Konto 1V0.S18. Probenummern gratis zur Verfügung. Ans der Woche. Dr. Pattai hat jüngst in einer Wählerversammlung im XIII. Wiener Bezirk, wo er die Landtagskandidatur des Bürgermeisters Dr. Neumayer unterstützte und denselben als echten und rechten Nachfolger Dr. Luegers feierte, mit größtem Bedauern konstatiert, daß ihn seine Stellung als Präsident des Abgeordnetenhauses zum Schweigen verurteile und er daher fast das Reden verlernt habe. Aber seine Vergangenheit hat er nicht vergessen, die Zeit als er noch in den Volksversammlungen den rüdesten Judenhaß predigte, und da er nach langer Pause wieder einmal den Mund auftat, kehrte er wieder zu seinem Lieblingsthema zurück und schimpfte weidlich aus die Juden, die allein an der Fleischtenerung schuld. Daß dies nicht wahr sei, wußte er wohl selbst, aber gehetzt und gelogen mußte einmal werden — nach echter Antisemitenart. Die Situation für die Landtagswahl in der Leopoldstadt zeigt im liberalen Lager noch immer dasselbe Bild der Trostlosigkeit. Der Kandidat des „Donauklub". Dr. Mittler, ist wohl noch immer bereit, zugunsten eines Einigungskandidaten znrückzutreten, aber die Freiheitlichsozialen weisen in maßloser Unterschätzung ihres Einflusses jeden Einigungsgedanken ab und ihr Kandidat Dr. Schwa rz-Hiller zieht es vor, lieber ein vielleicht für die liberale Sache zu eroberndes Mandat zu gefährden, als seinem persönlichen Ehrgeiz ein Opfer anfznerlegen. Dieser frevelhafte Starrsinn bleibt nicht wirkungslos und so ist es begreiflich, daß die Kandidatur des Gemeinderates Dr. Mittler von Tag zu Tag nicht nur in jüdischen sondern auch in christlichen Wählerkreisen immer mehr Anhänger findet. * Die Aufregungen der Lissaboner Ereignisse scheinen sich nach Wien fortgepflanzt zu haben, und so gab es auch in den letzten Tagen in der Wiener Kultnsgemeinde, und zwar in den Kreisen des Bethansvorftandes und der Tempelbesucher des Ottakringer Tempels, infolge der notwendig gewordenen anderweitigen Inanspruchnahme des ersten Kantors am zweiten Roschhaschonoh-Tage, eine kleine Palastrevolution, die durch die persönliche Intervention des Präsidenten der Kultnsgemeinde nicht nur nicht beigelegt wurde, sondern sogar zu Demonstrationen gegen denselben führte. Wir wollen heme auf den Fall nicht näher eingehen. Es mag ja vielleicht sein, daß die Ottakringer Grund zur Klage haben, aber eines steht fest, daß bei der Leitnitg eines so großen Gemeinwesens nicht die Befriedigung der Wünsche eines Bezirksteils, sondern die Rücksicht auf die Bedürfnisse der Gesamtheit maßgebend sein muß und bei einigem Sinn für Gemeingefühl hätten die Ottakringer Gemeindemitglieder von diesem Gesichtspunkte ausgehend, Beruhigung ihrer vielleicht mit Recht oder Unrecht aufgeregten Gemüter finden müssen. Volletlds zu verurteilen ist es aber, wenn die Demonstrationen aus diesem Anlasse sich auch noch beim öffentlichen Gottesdienste fortsetzten. Das ist geradezu eine Verletzung des religiösen Gefühles, gegen die sich jeder Besserdenkende wenden muß. * * * Im österreichischen Unterrichtsministerium wird gegenwärtig an der Herausgabe einer neuen, für alle Mittelschulen, Gymnasien, Realgymnasien, Realschulen usw. einheitlichen Disziplinarordnung gearbeitet. Bemerkenswert in dieser Verordnung ist der Passus, daß konfessionelle und nationale Unduldsamkeit als schweres Vergehen zu betrachten und dementsprechend strengstens zu ahnden ist. Ferner heißt es in der neuen Verordnung: Die Strafe der Ausschließung aus der Anstalt erfolgt bei fortgesetzter Unduldsamkeit in religiöser oder nationaler Beziehung, wenn nach wiederholter Karzerftrafe und Androhinig der Ausschließung der Schüler wieder straffällig wird. Diese neue Disziplinarordnung wird seitens der jüdischen Bevölkerung mit Freuden begrüßt werden, da viele israelitische Schüler in manchen Anstalten wegen ihrer Konfession ein Märtyrerdasein fristen. Häufig sind es sogar die Lehrer selbst, die ihren Schülern das traurige Beispiel der konfessivttellen Unduldsamkeit geben. In dieser Hinsicht wäre zu wünschen, daß die neue Disziplinarordnung auch sür die Lehrer Anwendung

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