Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 39 (30.9.1910)
- Date
- 1910-09-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 39.. . .- Die Wahrheil ' _Seite 7 .Hans Makarr ausgenommene Brustbild des Kaisers als Jager, dessen lebenswahre Charakreristik es zu einem Kunstwerke von Rang emporhebt, für die k. k. Famillen-F:deikoinmißbibliothek ausgezeichnet und erhielt Herr B re n er tm Allerhöchsten Namen eine kostbare, mit der Allerhöchsten Namenschiffre in Brillanten und der Krone gezierten Busennadel., sowie -ein Allerhöchstes Dankschreiben. , Wien. (I it b i scher B e r e r n „E i n h e i t", W i e n, II. M a l z g a s i e 12.) Der Verein. der dem Bedürfnis entsprang, der .ärmeren jüdischen Bevölkerung mittags und abends ein gutes und billiges Essen zu ermöglichen/har sich aus ganz kleinen Anfängen zu einer großen, jüdischen Volksspeisehalle entwickelt. 1000 bis 1200 Personen— Männer, Frauen und Kinder — speisen täglich in den schönen, lichten Sälen, die allen hygienischen Anforderungen vollkommen entsprechen. Bergangenen Winter wurde eine eigenejiibiic|eMensaacademica eröffnet, die unsere Irudenren vor der Gefahr schützt, ans der allgemeinen Mensur heransgeekelc zu werden. 200 Studenten speisen täglich um 40 Heller zu Mittag und um 30 Heller zu Abend. Die Frequenz der beiden Speisesäle steigerte sich von Tag zu Tag und e r st j ü n g st mußte ein neues Lokal eröffnet werden, um niemanden infolge Raummangels abweisen zu müssen. Die Wohltat des guten Essens, des angenehmen Aufenthaltes, die Behaglichkeit von Licht .und Wärme wird auch allgemein gelobt und anerkannt und der Borstand ist unermüdlich tätig, feinen Gästen.nach Möglichkeit das Beste zu bieten. Trotz der täglich m e h r ü b e r h a n d n e h m e n d e n T e n e r u n g und der großen A n s l a g e n f ü r N e uadaptierungen wurden diePreiseseirBegründ u n g des Vereines (1906) nicht erhöht! Soll aber der Berem seiner emment wohlrärigen Aufgabe voll und ganz Nachkommen können, bedarf es der werktätigen Unterstützung aller. Die Anforderungen, die an den Verein gestellt werden, sind wahrlich keine geringen, der Vorstand und die Borstandsdainen widmen sich mit Aufopferung der Sorge, alle Gäste znfciedenstellen zu können. Jedermann wird sich um die gute Sache verdient machen, wenn er den Verein „Einheit" durch gütige Spenden in seiner edlen Aufgabe unterstützt. Bei jeder Gelegenheit, in Testamenten und Legaten, bei Wetten und Gewinnsteil möge man des jüdischen Vereines „Einheit",-der 'für billige Ausspeijnng der Armen sorgt, gedenken! Jede Spende wird mit vielem Danke quittiert und in den jüdischen Blättern ausgewiefen werden. Zusendungen an die Adresse des Vereines oder an den Obmann, Herrn Bernhard Hofban er, Wien, I. Tuchlauben 20. Wie». (Verein jüdischer Portiere und Hausbesorger.) Die Idee, für Wien und Umgebung einen Verein jüdischer 'Portiere und Hausbesorger ins Leben zu rufen, hat in allen in Betracht kommenden Kreisen lebhaften Anklang gefunden. Immer größer ist die Zahl der jüdischen Hausbesitzer, die dem Rufe der Zeit folgend, die ^Intervention des Vereines in Anspruch nehmen und in ihren Häusern jüdische Hausbesorger oder Portiers anstellen, die, wie bereits mit besonderer Genugtuung konstatiert werden soll, in jeder Richtung den an sie gestellten Anforderungen entsprechen. Die von den Proponenten überreichten Statuten dürften in nächster Zeit die Genehmigung der Stattchalterei erhalten, worauf dann die Konstituierung des Vereines erfolgen soll. Anmeldungen von ordentlichen und unterstützenden Mitgliedern nehmen bis dahin die Portiere Karl Zerkow itz. I. Seitenstettengasse 4 und Rudolf U l l m a n it im Tempelgebäude, IX. Müllnergasse 13, entgegen, woselbst sich auch jüdische Personen, die irgendein in der Hausverwaltung verwendbares Handwerk verstehen und auch sonst die Eignung für eine moderne Hausbesorger- oder Portierstelle besitzen, sich melden mögen. Wie». (Die alte st e Frau Wiens gestorbe u.) Dieser Tage ist im israelitischen Becsorgnngshause in der Seegasse im 112. Lebensjahre Frau Katharina L u st i g gestorben, welche die älteste Bewohnerin Wiens war. Sie war am 2. Dezember 1798 zu Szerdahelyi in Ungarn als Tochter eines armen Handelsmannes und als das achte von zehn Geschwistern geboren. In der Familie war Langlebigkeit ein Erbstück. Ihre Großmutter mütterlicherseits wurde 113, die Mutter ihres Vaters 110 Jahre alt; von ihren Geschwistern erreichten ein Bruder das :91. und eilte Schwester das 90. Lebensjahr. Im Jahre 1816 heiratete sie einen Schneider in Tap. Sie hatte zehn Kinder, von denen sechs starben. Die älteste Tochter, die 1822 geboren wurde, lebt in Budapest, ein Sohn, 1830 geboren, war Schuster, ein zweiter, 1830 geboren, Zimmermaler. Bei ihrem jüngsten Sohne, dem Handelsagenten Adolf L u st i g, Grünetorgasse 18, hat Frau Lustig bis vor kurzer Zeit gelebt. Ihren Gatten, der 105 Jahre alt wurde, verlor sie nach 75jähriger Ehe. Nach feinem Tode blieb sie in ärmlichen Verhältnissen in Tap. Sie hatte schon früher Schirme verfertigt und betrieb das Geschäft dann fort und brachte sich von 1891 bis 1904 selbst fort, dann erst hörte die 106jährige Frau zu arbeiten au? und lebte von den Uilterstützungen ihrer Kinder. Im Frühjahr 1907 kam sie nach Wien. Bis in die letzte Zeit war Frau Lustig von großer Rüstigkeit. Stets bei gutem Humor, erzählte die Frau ihren Enkeln Geschichten und Erinnerungen alter Zeit, nicht selten stimmte sie ein ungarisches Lied an. Sie nähte bis in ihre letzten Lebensjahre ohne Brillen, selbst das Einfädeln brachte sie noch zuwege. Sie war eine Frühaufsteherin, stets bei gutem Appetit und zu allen Mahlzeiten trank sie ein Glas Bier. Znr Nachtruhe begab sich die alte Fran ziemlich spät, selten vor 10 Uhr. Wien-Floridsdorf. Verflossenen Sonntag fand hier die Trauung des Herrn Rudolf G r ü n mit Fräulein Frieda Dukes, Tochter des Vorstandsmitgliedes Herrn Gabor Dukes, statt. Das Gotteshaus, welches ans diesem Anlässe mit Blattpflanzen festlich gefchmückt war, konnte die Zahl der Ainvesenden. worunter sich die Elite Der Gemeinde befand, kaum fasfeir. Die Trauungsgesänge wurden vom Oberkantor Rosen b e r g mit seinem gut eingeschnlten Chore wirkungsvoll znr Ausführung gebracht. Rabbiner Dr. Rose n m a n n hielt an das Brautpaar eine überaus herzliche und sinnvolle Ansprache. Er verwies unter anderem auch aus das beispielgebende Wirken des Elternhauses, das unsere heiligen Satzungen stets Hochhalte, humanitäre Bestrebungen unterstütze und fl-.eße ihnen daher auch Gorres Segen reichlich zu. Nach Beendignng der Zeremonien fand sich eine große Zahl von Freunden und Verwandten der Familien im Giselasaal znr Gratulation ein. Jglan. (Fünfzigjähriges D i e nstjub i tä um des Rabbi nersDr. F. I. li n g e r.) Unser ehrenwerter Rabbiner schließt zur eucgegeuichceltendeu Jahreswende ein Haldjahrhnndert seiner seelsorgerlschen Tätigkeit. Eme 50fährige ununterbrochene Amtswirksamkeit in ein und demselben Standorte gehört sicherlich zu den seltenen Fällen. Jedenfalls involviert dieses Faktum, daß immerdar ein harmonisches Zusammenwirken zwischen dem Seelsorger und der Gemeinde vorgewaltet Huben muß und gebührt sowohl dieser als auch dem' Jubilar die Palme dieses Sieges, des Verdienstes Krone. Was Dr. U n g e r in diesem Zeiträume als dienstcreuer Seelsorger Ersprießliches in seinem Berusskreise geleistet, wie er als bewährter Kanzelredner Rühmliches erzielt hat, durch seine unermüdliche schrislstellerische Tätigkeit als hebräischer Dichter die Ansmerksamkeir der Fachgenossen ans sich gelenkt har. sowie als Verfasser wertvoller Schriftstücke in Zeitschriften anscrat. nebstbei als unübertrefflicher Lehrer der Jugend im Lehramte waltete; dieses und vieles andere unterlassen wir heute anzuführen; wir überlassen dieses Gebiet dem Urteile zeitgenösiischer Bernfsgeilossen. Wir beschranken uns diesmal darauf, nur die guren und trefflichen Eigenschaften des edlen Jubilars, die denselben zieren, flüchtig zu skizzieren, durch die er andere Standesgenossen weit überragt. Das Zufamiuenwirken Dr. U n g e r s mit den Kultnsbeamten und Fnnktioilären in der Gemeinde mag als ein mnstergiltiges hingestellr werden; alle fanden an ihn eineil gütigen und teilnehmendeil Freund und Berater, wenn es galt, ein gutes Werk zu fördern. In allen Zeiten aber war der greise Jubilar ein eifriger Förderer des rationellen Religionsunterrichtes und ein treuergebener Freund der Lehrerschaft, welcher Stellung sie auch immer angehörte. Der Gefeierte hat sich die Körper- und Geistesfcische bewahrt und verrichtet mit einem Jugendeifer sein Amt. An ihn vewahrheicet sich der Spruch des Psalmisten: „06 jenuwum besewo deschenim wraananira jiheju.“ „Noch blühen sie iin Alter auf und werden saftvoll und frisch bleiben." Ehe ich zum Schlüsse komme, gedenke ich noch einer anderen Schriftstelle, die sich auf uilsereil Jubilar bezieht; sie lautet: „Heil Ihrer Gemeinde, die ein solch ehrwürdiges Oberhaupt besitzt, und Heil Ihnen, an der Spitze einer so trefflichen Gemeinde zu stehen!" D. W e is z. Oberkantor. Krumau. (T e m p e l w e i h e). Das aus Anlaß des allerhöchsten 80. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers erbaute israelitische Gotteshaus ist eine wahre Zierde der Stadt. Im romanischen Stile erbaut, bietet das herrliche Gotteshaus von allen Seiten einen prachtvollen Anblick. Um den Ban har sich die Opferwilligkeit der ganzen Gemeinde, voran mit einem großen Grundstöcke Herr Ignaz Spiro s. A. und Herr Friedrich Klein g. A., Neubidsow. wie die Herren Spiro und Dr. Schwarz sehr verdient gemacht. Außerdem ist die Opferwilligkeit der ganzen Kultnsgemeinde Krumau, jedes einzelnen besonders, rühmend hervorznheben. Der Bau wurde nach den Plänen des Architekten Kafka -Prag vom Baumeister S o s n a hier ausgeführt, ihm znr Seite Maurermeister H a n b e r und ein rühriges Baukomitee, das sich alle Mühe nahm, allen Wünschen gerecht zu werden. An dieser Stelle muß auch der großen Fürsorge und Umsicht des Tempelvorstehers Herrn Jgn. Lederer wie seines Schwiegersohnes Herrn Oberkommifsär P i ck beim Kauf des Platzes wie bei Ausführung des Baues, wie der eifrigen Tätigkeit des ganzen Baukomitees gedacht werden, dem die Herren Spiro und Dr. Schwarz mit Rat und Tat Vorständen. Die Einweihung sollte am 18. August zum 80. Geburtstage Sr. Majestät erfolgen, mußte aber wegen Verzögerung des Baues auf den 18. Seprember verlegt werden. Unter großer Teilnahme der staatlichen und autonomen Behörden und Körperschaften und Vorstände der Kultusgenieinden Budweis, Linz und Rosenberg fand in Gegenwart eines vornehmen Publikums die Weihe des von dem Herrn Spiro herrlich dekorierten Tempels statt. Herr Baumeister S o s n a übergab unter Glückwünschen Herrn Vorsteher Ludwig Spiro die Tempelschlüffel, der sie mit einer Dankrede empfing nnd dem Tempelvorsteher, Herrn Jgn. Lederer übergab. Dan» begrüßte der Vorsteher die Versammlung und erbat Gottes Schirm fürs Haus, worauf er den Bürgermeister um den Schutz der Stadt für das Hans ersuchte, was dieser in einer Erwiderung zusagte. Dann folgte das Aiizünden des ewigen Lichtes unter einer Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Hirsch, nachdem vorher der Chor unter bewährter Leitung seines tüchtigen Dirigenten Herrn S. K o h n ma towu zu meisterhaftem Bortrage gebracht. Dann folgte Ausheben der Tora nnd Umzug der heilige» Rollen, „Die Ehre Gottes", wobei Herr Oberkantor W e i ß-Budweis feine herrliche Stimme erklingen ließ nnd mit seinen schöne» Gesängen die Gäste entzückte. Den Höhepunkt der Feier bildete die Festpredigt des Herrn Dr. Thieberge r-Bndweis über die Frage: „Was gibt und fordert von uns das Gotteshaus?" Die Rede wirkte zündend auf alle. Hieran reihte sich Einhebeu der Thora, Pf. 100 und adon olam, vom Oberkantor nnd Chor herrlich gesungen. Dann verrichtete Dr. Hirsch das Gebet für Kaiser nnd Vaterland, hieran schloß sich das Kaiserlied und das großartige Postlndinm des Herrn Professor F r ü h l i n g-Wien, der die Feier durch sein künstlerisches Präludium herrlich eingeleitet hatte und wesentlich zur Feier beitrug. Soli trugen hübsch Fräulein Biktorine K o h n und Herr Rudolf P i ck vor. An die Allerhöchste Kabinettskanzlei wurde eine Huldigungsdepesche abgesandt. Ueber den prachtvollen Bau voll Einfachheit und Würde, Vornehmheit und Kraft ist nur eine Stimme des Lobes, der Ankennung. Wir müffen es uns versagen, den Bericht ausführlicher zu