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Die Wahrheit · 1910-09-16 · Heft 37 (16.9.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheit Nr. 37. Seite 7. iiüöfür sie sich, lueiut auch nicht momentan, sicherlich aber in .späteren Tagen dankbar und erkenntlich erweisen wurden? Daniel Skutezky, Religionslehrer. Die Kariier in Rußland. Das „Berl. Tageblatt" veröffentlicht über die Karüer in Rußlanv folgende überans interessante Mitteilungen: Neben den sechs Millionen Inden, die im großen Zarenreiche ihr trauriges Dasein fristen, existieren noch ungefähr 10.000 Karäer, der größte Teil der einzigen, noch lebenden jüdischen Sekte, die sich im achten Jahrhundert vom rabbinischen .Judentum losgesagt, weil sie den Talmud nicht anerkennen wollte. Der in Babylon geborene Begründer dieser Sekte, Anan, war genötigt, mit seinen Anhängern sein Vaterland zu verlassen und sich in Palästina anznsiedeln. In Jerusalem erbauten sie ihre erste Synagoge, die sich vis zu den Zeilen des ersten Kreuzzuges erhalten hat. Bon hier ans verbreiteten sie sich in Syrien, Aegypten, Konstantinopel, versuchten auch in Spanien festen Fuß zu fassen und drangen vorwärts bis nach der Insel Krim und in einige Städte Polens. Viele Jahre war Kairo der Sitz ihres geistlichen Oberhauptes, Nasi. später Chacham genannt. Historisch beglaubigte Dokumente bekunden, daß die .Karäer schon im nennten Jahrhundert in der Krim ansässig waren. Auch von einem hervorragenden karäischen Gelehrten in der Krim wird berichtet, der mit den Bekenntnisgenossen in Jerusalem in Verbindung stand und 958 in Tschufut-Kaleh starb. Wagenseil erzählt, daß König Karl LI. von Schweden, begierig, Nachrichten über die Karäer zu erhalten, den Professor -Gustav Peringer Lilienblatt aus Upsala nach Rußland geschickt habe, um Erkundigungen an Ort und Stelle über sie und von ihnen einzuziehen und ihre Schriften und Manuskripte um die höchsten Preise zu kaufen. Im Gegensatz zu den anderen Bekennern des mosaischen Glaubens in Rußland erfreuen sich die Karäer feit langer Zeit der gleichen Rechte wie die christlichen russischen Untertanen, und selbst die jndenfeindliche Regierung Alexanders III. hatte es nicht unternommen, die Rechte dieser Inden zu schmälern. Eine Erklärung hierfür dürfte wohl in dem Umstande zu suchen sein, daß die Karäer von jeher bemüht waren, ihre Vorfahren gewissermaßen als den Grundstock der „hebräischen Nation" darzustellen, aus deren Mitte eine unbedeutende Rabbaniten- Sekte hervorgegangen sei, die später durch Mord und Hinterlist die Karäer auszurotten versucht hätte. Nach einem von dem im Jahre 1874 verstorbenen Karäer Abraham Firkowitz zusammengefabelten Roman sollen die Karäer während der Dauer des zweiten Tempels unvermischt mit den Rabbaniten in Jerusalem gewohnt .haben. Von den Makkabäern auf kurze Zeit von dort verdrängt, lehrten sie bald dahin zurück, wo sie auch nach der Zerstörung des Tempels gewohnt und ihre eigenen Fürsten gehabt hätten. — Eine Karäer-Abordnnng, die den Vorzug hatte, von der Kaiserin Katharina II. in Audienz empfangen zu werden, soll nach glaubwürdigen Berichten dieser gegenüber klipp und klar erklärt haben, daß sie in gleicher Weise wie die Bekenner des Christentums mit den rabbinischen Inden, deren Ahnen an Jesu ein himmelschreiendes, nie zu verzeihendes Unrecht begangen, nicht die geringste Gemeinschaft, hätten. Ueber ihre Stellung zum Christentum befragt, sollen sie dessen Stifter als goltesfürchtigen, heiligen Mann bezeichnet haben, der, üach ihrer Ansicht, weder als Prophet anerkannt sein, noch dem Judentum eine neue Religion entgegensetzen wollte, sondern lediglich den Zweck verfolgte, den Mosaismus in seiner ursprünglichen Reinheit wieder herznstellen und die Menschensatzungen der Pharisäer aufzuhebeu. Die Regierung Nikolaus II. scheint aber die Karäer, die streng nach den mosaischen Vorschriften leben, für unverfälschte Juden zu halten, die nach den bestehenden Gesetzen auf gleiche Rechte mit den Christen keinen Anspruch haben. Ans diesem Gründe wohl findet noch im Laufe dieses Monats in Enpatoria, dem gegenwärtigen Sitz des geistlichen Oberhauptes der Karüer. ein Kongreß dieser Religionsgesellschaft statt, auf dem folgende Fragen zur Verhandlung gelangen: Ueber Aenderung einzelner Vorschriften und Gebräuche, die dem heutigen Zeitgeist nicht mehr entsprechen; über die Regelung der religiös-ethischen Erziehung der karäischen Jugend und die Einführung der karäischen Religionslehre in Schulen, die eine größere Anzahl karäischer Schüler anfweisen; über die Mittel zur Erhaltung alter karäischer Heiligtümer, wie zum Beispiel die Stadt Tschufut- Kaleh mit ihrem alten Friedhof und die alte karäische Synagoge in Jerusalem. Die Hauptpunkte der Tagesordnung bilden Ergänzungen über die zu unternehmenden Schritte zur Wiedererlangung gewisser Zivilrechte; die Zulassung von Karäern zur Advokatur, ohne besondere Zustimmung des Ministers in jedem einzelnen Fall, und die Zulassung von Karäern als Vorsitzende der Geschworenengerichte, wie es feit ihrer Einführung bereits der Fall war. Auf dem Kongreß, an dem sich dreißig Delegierte von Karäergemeinden beteiligen, wird ihr oberster Chacham sein inzwischen dem Minister des Innern unterbreitetes Memorandum verlesen, in dem Klage darüber geführt wird, daß die Polizei gewisse, gegen die Juden gerichtete Beschränkungen auch gegen die Karäer anwende. Infolge dieser Beschwerde soll nun. wie von karäischer Seite verbreitet wird, der Minister des Innern an sämtliche Gouverneure des Reiches eine Zirknlarnote erlassen haben, in der es unter anderem heißt: „Karäer stehen unter dem Schutze der allgemeinen Staatsgesetze und besitzen die gleichen Rechte wie alle russischen Untertanen, und daher können ihnen gegenüber die für die Inden geltenden Ausnahmegesetze keine Anwendung finden." Indessen bedarf dieses Gerücht noch der Bestätigung, die erst ans dem Kongreß durch eine Mitteilung des Chachams offiziell erfolgen soll. Vorläufig steht fest, daß die gegenwärtige russische Regierung die Begrenzungen gegen die Juden auch ans die Karäer zu übertragen bestrebt ist, obgleich diese auf ihre tausendjährige Ansässigkeit in Rußland und auf alterworbene Rechte sich berufen und bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Unterschied zwischen sich und den rabbinischen Juden betonen. Verschiedene Nachrichten. Wien. (I ü d i s ch e r S ch u l v e r e i n im IX. Bezirk, S e e g a s s e 16.) Mit Beginn des Schuljahres tritt der Verein tu das zehnte Jahr seines gemeinnützigen Wirkens. Um den Bestand desselben zu sichern und den stets zunehmenden Ansprüchen Rechnung tragen zn können, ist die Vermehrung der Mitglieder und Förderer eine dringende Notwendigkeit. Wir empfehlen allen unseren warmfühlenden Glaubensgenossen die Tätigkeit dieses Vereines zu fördern. Die Einschreibungen finden statt: Vom 20. September Montag und Mittwoch Uhr abends, Sonntag von 10—12 Uhr vormittags. Wien. Die konstituierende Versammlung des „Jüdischen Turnvereines Favoriten", fand am 30. August 1910 statt. Herr Rudolf Fried begrüßte die sehr zahlreich Erschienenen und erösfnete die Versammlung mit einer kurzen Programmentwicklnng. Hieraus hielt Herr techn. Max Bernat den Rechenschaftsbericht. Zum Schlüsse teilte er noch mit, daß dem Vereine bis nun 70 ausübende und 60 unterstützende Mitglieder angehören. daß das Turnen am 3. September bereits begann und wie folgt I festgesetzt wurde: Damenturnen: Sonntag von 1/211—1/21 Uhr mittags. Herrenturnen: Dienstag und Samstag von 8 — *^10 Uhr abends. Zöglingsturnen: Dienstag und Samstag von 6 — 1j& Uhr abends. Dann meldete sich Herr I. Straßberg als Vertreter der israel. Knltusgemeinde und des „Israel. Tempelvereines X". zum Wort, begrüßte die Gründung des Bereutes und sagte tatkräftige Unterstützung zu. Herr Dr. Z u ck e r m a n n überbrachte als Vertreter des innet österreichischen Distrikt-Komitees, die Grüße desselben nnd referierte über den Zionismus. Nachdem noch Herr Dr. Kraus. Herr M. F a l t i t i ch e k als Vertreter des „Jüdischen Schulvereines X". Herr Lengsfelder vom „Jüdischen Turnverein XV" gesprochen hatten, schritt man zur Wahl des Turnrates. Es wurden folgende Herren einstimmig gewählt: Obmann: Adolf Ehrlich. Obmann-Stellvertreter: Rudoif Fried, I. Schriftführer: techn. Max Bernat, II. Schriftführer: Heinrich P i ck, Tnrnleiter: med. Adolf Taglicht. I. Kassier : Max Steine r. H. Kassier : Otto Steiner. Geräteverwalter: Oskar H i r s ch f e l d. Beisitzer: jur. Friedrich Steiner. Max F a l t i t s ch e k. Josef Weis, Revisoren: Siegmnnd S a l a m o n. Cafetier, Jakob S ch i m e k. Kaufmann. Herr Adolf Ehrlich hielt hernach eure kurze Airivrache, in der er der Versammlung im Namen des Turnrates für das Vertrauen dankte und sie einer ebensolchen tätigen Arbeit versicherte, die das Provonenten-Komitee gezeigt. Herr Rudolf Fried schloß hierauf mit herzlichem Dank an die Redner die Versammlung. Wien. Samstag, den 17. September findet im Tentpel für den XIII. Bezirk, Penzingerstraße 132. die Konfirmation des Alfred Khuner. Sohn des Kantors Heinrich Khuner. statt.

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