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Die Wahrheit · 1910-09-16 · Heft 37 (16.9.1910) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 37 (16.9.1910)
Date
1910-09-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 37. Katastrophe unsere Jiuelligenz enlgegengeht, so die Aemter ihre Türen vor derselben anch fürderhin absperren, während Privattanzleien ihren Bedarf mit lebensfrohen und frischen Mädchen und Weibchen zu decken suchen. Nnn sollten nur zn den zehn Fragen Stellung nehmen, über welche die Landtagskommission verhandeln wird, allein wir wollen nur auf eine derselben reagieren, mit dem Borbehalt auf die übrigen nächstens znrückznkommen. Es ist die Emigrationsfrage, die uns das Alpha und Omega der polnischen Wünsche dünkt. Wie es scheint, haben die Polen vergessen, daß Galizien vor der Einwanderung der Inden eine sumpfige Einöde war, und daß erst das jüdische Element zur Gründung der Städte das meiste beitrug, wie nicht minder zur Befruchtung des Handels. Könnten die 900.000 Inden Galizien mit einem Schlage verlassen, dann würden sich die polnischen Antisemiten überzeugen, welch schweren Schlag das allpolnische und allchristliche Galizien erhielte. Die Polen scheinen ein kurzes Gedächtnis für selbst ganz reale Begebenheiten zn besitzen, sie müßten sonst fragen: Wer und was hat unseren Boden hinaufgeschranbt? Hat der Morgen Ackerland vor dem Jahre 1848 denselben Preis als Pachtschilling, oder gar als Pachtquote abgeworseu, wie es in unsereit Tagen der Fall ist, da die galizische Judenschaft sich energisch an den Güter- und Bodenproduktkänfen beteiligte und hat je zuvor ein Gnt einen so hohen Preis erzielt. wie unter der jüdischen Konkurrenz? Die Polen mögen nur die jüdische Existenz in Galizien untergraben und zur Auswanderung zwingen, sie werden es bald an ihrem eigenen Leibe spüren. Und nun kommen wir zur Hauptfrage unserer Betrachtung: Welche Mittel nnd Wege sollen jüdischerseits ergriffen werden, um die Lage unserer Brüder in Galizien zu bessern? Hier spricht der Jude znm Inden. Wir wollen diese Frage nicht ans sentimentaler brüderlicher Zuneigung besprechen, sondern in Wahrheit, Klarheit, Gerechtigkeit nnd Unparteilichkeit. Die Lage der Inden in Galizien verschlechtert sich zusehends aus selbstverschuldeter ökonomischer Rückständigkeit und mangelhafter, ja schlechter Ausnützung der Arbeitsmöglichkeit. Wie ist die Tatsache zn erklären, daß das Schänker- und Restanrationsgewerbe in Galizien zn 80 Prozent in jüdischen Händen sich befindet, wie etwa das Geldverleihen in den verflossenen Jahrhunderten, bis dieses von den Banken übernommen wurde? Die Antwort lautet: Der körperlich schwache Jude kann nnr derartig leichte Erwerbsquellen anssnchen. Gehen wir in unserer Untersuchung weiter. Weshalb überläßt der Jude alle Branchen des häuslichen Dienstwesens den christlichen, ihm oft totfeindlichen Individuen? Sprechen wir nur von einer Stadt, Lemberg, eine Stadt, in welcher über fünszigtansend Inden leben nnd in welcher etwa 5000 jüdische Häuser je einen christlichen Hausbesorger besitzen. Ans welchem Zeuge oft ein derartiges Individuen besteht, das entnimmt man ans den vorkommenden Morden an Hausbesitzern. Weshalb wird eine so große Summe Geld und eine so reiche Anzahl von Wohnstätten an die abgefeimtesten Judenfeinde vergeben? Eine zweite Kategorie von Dienstpersonen weiblichen Geschlechtes sind die Dienstmädchen, die der schlimmsten und verkommensten Sorte angehören. O, wie viel Herzleid und Verdruß, Unbotmäßigkeit und Diebstahl sind da in den jüdischen Familien anzutreffen! Wieviel schwere hunderttausende, ja Millionen von Gulden, werden da dem jndenseindlichen Gesinde ansbezahlt! Wo bleiben die jüdischen armen Mädchen? Neben Kommismädchen nnd Schneiderinnen hat man leider unzählige Opfer der Straße zu beklagen. Die modernen Bildungskrankheiten der Mädchen, die bebrillten Universitätssteigerinnen, wollen wir in unseren Kalkül nicht einbeziehen, wir fürchten, diesen Geschöpfen einst zurufen zn müssen: Ihr Denaturalisierten schiebet ein Drohnentum in die menschliche Gesellschaft ein.- Schließlich weist anch der jüdische Gewerbestand große Lücken ans nnd spielt so das jüdische Geld in jndenfresserische Hände. So z. B. werden in Lemberg von jüdischen Bauherren und Hausbesitzern unter jüdischen Baumeistern und Architekten Millionen an Bauleute u. dergl., aber leider nur an polnische Arbeiter, verausgabt. Während der Wiener Hilssverein sich den Kops zerbricht, um in Galizien Israel Verdienst nnd weibliche Hausarbeit zu verschaffen, verschwenden die Inden selbst ihre Millionen an Antisemiten, nnd wie eben gezeigt wurde, oft an berüchtigte Mörder und Diebe. Was also faiui eine polnische Enquete dem Juden in Galizien helfen, so der Jude selbst sich nichl Helsen will. Das Elend wirkt ansteckend aus gewisse Kreise, welche der Arbeit den Rücken kehren und der Wanderbettelei nnd den schimpflichsten, leichten Gewerbe sich znwenden. Ich schließe meine Betrachtung damit, daß alle fremde antisemitische Hilfe kaum der Rede wert erachte, so nicht ein Kongreß der österreichischen Jndenschaft einbernfen wird, um in brüderlicher, gutjüdischer Weise die Frage zn erörtern: „Wie heben wir das ökonomische Niveau unseres Volkes in Oesterreich, respektive Galizien nnd Bukowina?" S a m u e l s o h n. Gin schönes Uenjnhrsgeschenlr fnr nnsere Kinder. Seitdem das Judentum sein ererbtes Land, den palästinischen Boden verloren und der damit verbundene Opferknltns anfgehört hat, ist an Stelle des letzteren ein anderer Gottesdienst getreten. 12'712V b'-ib nöbiwi Das, was zur Tempelzeit das Tieropser manifestierte, das sollten in der Diaspora die Gebete ersetzen. Damit aber die Gebete nnr in der heiligen Sprache verrichtet nnd in Form und Fassung einen einheitlichen Charakter tragen sollten, sah sich die hohe „Synude.weranlaßt, dieselben in geeigneter Art abznfaffen, zu einem harmonischen Ganzen zusammenznstellen und dasselbe in der Gestalt des Gebetbuches (Sidur) dem gottesdienstlichen Zwecke znzusühren. Seither ist der Sidur die religiöse Lektüre in der Familie, das unentbehrliche Betbehelf im Gotteshanse und das obligate Lehrbuch in der Schule geworden. Und doch gibt es außer dem Sidur auch noch ein anderes Gebetbuch, das, obschon nicht minder wichtig, dem Großteil unserer heutigen Jugend unbekannt, ja völlig fremd ist. Es ist das Machsor-Gebetbuch für sämtliche Feiertage des Jahres. Man braucht beispielsweise nur das verduzte Gesicht so mancher Kinder zu beobachten, wenn ihnen an den Feiertagen im Gotteshause ein Machsor gereicht wird, auf daß sie daraus lesen und am Gottesdienste teilnehmen. Mögen sie auch beim Dnrchblättern des Buches die ihnen so bekannten hebräischen Lettern erblicken; möge sie auch so manches Wort freundlich begrüßen nnd anlächeln, umsonst, das Buch ist für sie ein wildfremdes Ding, für das sie sich nicht begeistern, weil sie daraus weder in der Schule, noch im Elternhanse jemals gelesen oder Andacht geübt haben. Drängt sich einem nicht da impulsiv die Frage auf: „Ja, wann und wo sollen eigentlich unsere Kinder das Machsor kennen nnd üben lernen?" Und, daß sie es kennen lernen und handhaben müssen, dafür spricht ja die Tatsache, daß ein öffentlicher Feiertagsgottesdienst, zumal am Roschhaschono und Jvmkipnr, an dem ja anch die Jugend teilznnehmen hat, ohne Machsor nicht denkbar und durchführbar ist. Unsere Jugend bedeutet ja doch unsere Zukunft, sr§0 bedeutet sie auch die Zukunft des Judentums. Wie wird es aber um die Zukunft des Judentums bestellt sein, wenn in der religiösen Kindererziehnng solche Versäumnisse begangen werden? Wie wird sich dereinst die öffentliche Andacht an den hohen Feiertagen im Gotteshanse präsentieren, wenn unser Nachwuchs als das Kontingent der Beter infolge seiner völligen Unkenntnis des Machsor gleichgiltig und apathisch dastnnde? Es nahen die hohen Fest-, Bet- und Bnßetage und ihnen voran schreitet, im stolzen Bewußtsein seiner hehren Mission, das Neujahrsfest. Wie wäre es nun, wenn man in Schule und Haus den jugendlichen Nachwuchs rechtzeitig mit dem Inhalt des Machsor vertraut machen, ihm darin Geläufigkeit nnd Sicherheit beibringen und solcherart die Möglichkeit bieten würde, in geziemender Weise am öffentlichen Gottesdienste teilznnehmen! Wäre das nicht ein schönes Nenjahrsgeschenk für unsere Kinder, mä

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