Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 36 (9.9.1910)
- Date
- 1910-09-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 36. Wien. Auf vielfache Anfragen teilen wir mit, daß wir bereits vorige Woche in Kenntnis der erfreulichen Besserung im Zustande des vor Monaten erkrankten Oberkantor Bela Guttmann waren, jedoch mit der Veröffentlichung dieser Tatsche aus dem Grunde znrückhielten, weil wir das Resultat einer uns angeküudigten. neuerlichen Untersuchung, die durch einen Spezialisten in den ersten Tagen dieser Woche stanfindeu sollte, abwartcn wollten. Auf Grund der uns nnn von kompetentester Seite erteilten Informationen können wir als Ergebnis dieser Untersuchung feststellen, daß tatsächlich das Befinden des Öberkantor Guttmann eine entschiedene Besicrnng aufmeist, daß er sich subjektiv wohl befindet nnd seine Entlassung ans der Heilanstalt schon in allernächster Zeit zu erwarten ist. Die Prognose für vollständige Heilung hängt von der Diagnose ab, die bisher von den Aerzlen noch nicht mit vollster Sicherheit gestellt werden konnte. Jnteresiieren dürste auch die Tatsache, daß die Besserung nicht durch „Ehrlich 606" herbeigesührt wurde und die Auwenduog dieses Mittels für die nächste Znknnsr als vollkommen ausgeschlossen erscheint. Wien. Der Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer Israel. Konfestiou wird wie alljährlich auch Heuer zu Beginn der kalten Jadreszeir arme würdige Greise mit warmen Kleidungsstücken ansstarieu. Gesuche sind in der Vereinskanzlei (II.. Zirknsgasie Nr. 30) bis 15. Oktober 1910 euizureichen. Wien. (B e t h a u s - V e r e i n „A Nt Volker t". .Durch den schönen Erfolg, der anläßlich der Zchlnßviüfnngen an der neugegründeten Svrach- und Bibelschule des Bethauvere.nes „Am Volkert" zn Tage trat ermuntert, beschloß die Schnlsektiou, die nunmehr zweiklassige Religionsschule zu erweitern nnd eröffnet somit mit dem Schuljahre 1910/11 einen dreiklassigen Unterricht. Da auch der Bar-Mizwah-Knrs. wodurch die der Schule entwachsende Jugend in der Gotteslehre bestärkt nnd in ihrem religiösen Sinne gefestigt werden soll, vorzüglich für die Schüler unbemittelter Ellern besonderen und nnerwarteren Erfolg brachte, wird derselbe auch im üenrigcn Schuljahre fortgesetzt. Die Einschreibnilgen finden Sonntag, am 11. September zwischen 10 nnd 12 Uhr vormittags und Montag, am 12.. sowie Dienstag, am 13. September 1910. zwischen 6 und 1lß Uhr abends in der Vereinskanzlei. II., Fngbachgasse 7, statt. Nach den bereits genehmigten Plänen zum Baue des „Kaiser Franz Joies- I. Huldigungsremvel" sind die nörigeu Räumlichkeilen für eine sünsklassige Religionsichule vorgesehen. Wie«. Bei der am 25. v. M. stattgehabten Versammlung des vom verstorbenen Herrn Salomon M e i s e r s gegründeten Vereines „Esratb Israel" sind folgende Herren in den Vorstand gewählt worden: A. Schwan« m, M. H a m m e r, S. K o m e r. Jsak S ch a p i r a. Chajim K r a n z l e r. Berisch Falk. Abraham H o f st ä r t e r, Jsak Schwarz, Josef K a n i k e I. Herm. W e r r h e i ui e r. Adolf K r a n z l e r, Otto K r a n z l e r und Pinkas G n i w i s ch. Der Vorstand har sich zur Ausgabe gemacht, den Verein nach den Jntentlonen des verstorbenen Herrn Salomon Meisels zn fördern. Wien. Sonntag, den 4. d. M., verschied in Baden bei Wien im 81. Lebensjahre Herr Michael Neurath. Seniorchef der gleichnamigen Metallwarenfirma, II., Große Schiffgasse 12, welche er im Jahre 1855 gegründet und zu einem der hervorragendsten Häuser der Merallbranche emporgehoben har. Der Verstorbene genoß sowohl wegen seiner geschäftlichen Tüchtigkeit uud^Rechllichkeit, als infolge seiner Wohltätigkeit und seines Edelsinnes allgemein die größte Wertschätzung. Drei seiner Söhne sind Teilhaber der von ihm begründeren Firma, die anderen nehmen geachtete Positionen ein. Auch der Direktor der Oesterreichischen Kreditanstalt, Herr Ludwig Neurarh, zählt zu den Söhnen des Verstorbeneii. Wien. Am 8. d. M.. frühmorgens ist hier Frau Fanny Sleiuh e rz, geb. Wechsler, die Mutter des ordentlichen Professors an der Prager deutschen Universität Dr. S. Steinherz, im 78. Lebensjahre gestorben. Prag. Montag, den 5. M., wurde hier unter starker Beteiligung die Generalversammlung des Israel. Lehrervereines für Böhmen abgehalten. Prag. Am 1. September starb nach langer Krankhekt Herr Rabbiner Stein in Radnitz. Er war Vorstandsmitglied des israel. Lehrervereines für Böhmen und Verfasser der „Geschichte der Inden in Böhmen". Unter zahlreicher Teilnahme wurde der um die Förderung der Standesinreressen jederzeit bemühte, ivackere Streiter bestattet. Bookowitz. (Ein jüdischer Lebensretter.) Dieser Tage machte eine größere Gesellschaft einen Ausflug ins Pillatal. Als man zn einem Teiche kam, an deffen Ufer ein Kahn angelehnr stand, bestiegen ihn die Frls. Nelly Byck und Trude Löwy. und lenkten ihn bald in die Mitte des Teiches. Plötzlich kippte das Fahrzeug gerade an der tiefsten Stelle um und schleuderte die des Schwiittmens unkundigen Damen ins Wasser. Sie schienen verloren zn sein. Da stürmte ein junger Mann heran, deffen Name bisher nicht in Erfahrung gebracht werden konnte, der aber zweifellos ein Jude ist, sprang, ohne die Kleider abzulegen, in den Teich nnd erreichte die beiden noch im letzten Augenblicke. Mit seiner Hilfe gelangten sie dann glücklich an das Land. Dem ivackeren Lebensretter wurden stürmische Ovationen bereitet. Doch war er ebenso schnell verschwunden wie gekommen. Bagujhely. Am 31. August. 3 Uhr nachmittags, fand auf dem alten jüdischen Friedhofe zn Wagnenstadtl unter großer Beteiligung der ganzen Gemeinde Dr. Arnold Weisse's Begräbnis statt. Alle Geschwister und Verwandten, der Kultnsaorstand, der Rabbi Josef Weiffe-Bereiu, der isr. Frauen-Berein und alle übrigen Vereine nnd Mitglieder unserer Gemeinde waren anwesend. Rabbiner Dr. Samson Weisse-Berlin. der einzige Bruder des Verewigten, war herbeigeeilt, diesem die letzte Ehre zu erweisen, und hielt an besten Bahre einen ergreisenden. alle tief erschütternden Nachruf. Zu Füßen seines großen Vaters wurde Arnold Weisse, wie er es sich Zeir seines Lebens gewünscht hatte, zur ewigen Ruhe gebettet, und die Zahl berühmter Gräber auf diesem alten „Guten Ort" wurde um die Grabstätte einer geistigen Größe unseres Volkes und Vaterlandes vermehrt. Berlin, 30. August. Das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums teilt uns die für das Wintersemester 1910/11 festgesetzten Vorlesungen mit: Herr Dr. Baneth wird lesen: l. Talmud babli, Synhedrin, Kap. HI.(Fortsetzung), vier Stunden, Montags und Donnerstags 10' bis 12 Uhr. 2. Talmud babli Hullin, Kap. II (Fortsetzung), vier Stunden. Montags und Donnerstags 8 bis 10 Uhr. 3. Msobns Tora, Buch 10 (Fortsetzung), zwei Stunde», Sonntags 10 bis 12 Uhr. 4. Jore de’a, Hilh. Ta’arubot (Fortsetzung) zwei Stunden. Mittwochs 8 bis 10 Uhr. 5. Ebeu ha-’ezer* Hilh. Eüdduschiu (Fortsetzung), eine Stunde^ . Mittwochs 10 bis 11 Uhr. 6. Jeraschalmi Pesahim, Kap. II, eine Stunde, Donnerstag 12 bis 1 Uhr. Herr Dr. Ellbogen wird lesen: 1. Einleitnng in die Wissenschaft des Judentnms, eine Stunde, Mittwochs 10 bis 11 Uhr. 2. Palentcuch mit alten Konimentaren, zwei Stunden. Mittwochs 11 bis 1 Uhr. 3. Talmud Taahnit, Kap. I, vier Stunden, Mittwochs nnd Freitags 8 bis 10 Uhr. 4. Geschichte der Inden in Deutschland, 2. Teil (1147 bis 1500), zwei Stunden, Dienstags nnd Freitags 10 bis 11 Uhr. 5. Historische Uebnngen, zwei Stunden. Dienstags 8 bis 10 Uhr. 6. Pasistta de B. Xahana, zwei Stunden, Dienstags 11 bis 1 Uhr. Herr Professor Dr. Maybaum wird lesen: Homiletische Uebungen. zwei Stunde", Freitags 9 bis 11 Uhr. Herr Dr. Aahuda wird leien : 1. Spezielle 'Einleitung in die Heilige Schrift, verbunden mir Hebungen (pi ophetische Schriften), zwei Sinnden. - Mittwochs 6 bis 8 Uhr abends. 2. Die Bücher Samnelis mit historischen nnd archäologischen Exkursen, zwei Slnnden, Sonntags 11 bis 12 und Mittwochs 12 bis 1 Uhr. 3. Psalmen, zwei Stniiden. Mittwochs und Freitags 11 bis 12 Uhr. 4. Grammatik nnd Syntax, verbunden mit Uebungen, zwei Stunden. Sonntags nnd Freitags 12 bis 1 Uhr. 5. Arabisch, biblische Legenden bei ^.1-Tha'labl nach talmudischen und midraschiichen Quellen in zwei noch zu bestlmmeilden Stniiden. Herr Dr. Freund wird lesen: Staat, Kirche und Jndentuin in Preußen, eine Stunde, Dienstags 8 bis 9 Uhr abends. Herr Dr. Hoch seid ivird lesen: Methodik des Unterrichts in der biblischen Geschichte (Fortsetzung), zwei Stniiden. Montags 6 bis 8 Uhr; daran anschließend Uebungen. Herr Geheimer Negierungsrar Professor Dr. Geiger hat sich gütigst bereit erklärt, Vorlesungen zu halten über: „Die Inden nnd die deutsche Literatur", Donnerstags 7 bis 6 Uhr abends. V o r b e r e i t n n g s k n r s e im Hebräischen werden von mehreren der vorgenannten Herren Dozenten und den Herren Dr. B a r o l nnd Dr. B i r a m in noch zu bestimmenden Stunden gehalten. Alle Vorlesniigen und Uebnngen sind unentgeltlich. Die Eröffnung des Wintersemesters erfolgt Dienstag, den 31. Oktober, 12 Uhr mittags. Als Zuhörer für die Vorlesniigen sind in erster Linie die rits immatrikulierten Studierenden der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät —in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmcn. Die Anmeldung erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums. Herrn Dr. E l b o g e n am 1. und 2. November 1 bis 2 Uhr mittags im' Sprechzimmer der Lehranstalt._ Kiteratin. Der „Uuionkalender" pro 1910/11. Der treue jüdische Hansnnd Familieiifreuiid in wieder da. Der 19. Jahrgang des „Unionkalenders" repräsentiert sich in ebenso eleganter und handlicher Form wie seine Vorgänger. Dieser Führer durch das jüdische Gemeindeleveu der österreichisch-ungarischen Monarchie hat sich bereits sosehr eingelebt, daß es überflüssig erscheint, seine Unentbehrlichkeit noch ivener zu begründen. Im schematischen Teile findet der Leser alles was zur Keniltnis der jüd. Oeffentlichkeit erforderlich ist. Ein genaues Verzeichnis aller israelitischen Kultusgemeinden Oesterreich-Ungarns nnd der neu annektierten Provinzen mit namentlicher Angabe der Knltttsrepräienranzen, der Rabbiner, Kantoren, Lehrer und sonstiger Gemeindcfiluktioiiäre, der Einnahmen nnd Ausgaben jeder Gemeinde und ihrer rituellen nnd hnmanitären Institutionen, ferner ein Verzeichnis sämtlicher jüdischen Vereine in Wien und in den Provinzgemeliiden nnd ein Verzeichnis der jüdischen Zeitnngen und Zeitschriften. Der literarische Teil des Kalendes bringt Heuer einen wertvollen Essay von Rabbiner Dr. M. Rose n m a n n über Jsak Noah M a n n h ei m e r. Von größtem Interesse ist in dieser Arbeit die Darstellung der Wirksamkeit Mannheimers während der bewegten Tage des Jahres 1848. Zwei charakteristische Porträts des gefeierten Kanzelredners, ferner ein Bild, welches Füster, Mannheimer und Sulzer am Grabe der Märzgefallenen darstellt und ein Faksimile aus Mannheimers Tagebuch über die Märztaqe des Jahres 1848 schmücken den Kalender. Der beliebte Novellist Julius U p r i in n i stellt sich auch diesmal wieder mit einer Erzählung ans der aktuellsten Gegenwart unter dem Titel „Dorfjnden" ein, welche ein ergreifendes Bild jüdischen Familienlebens und jüdischer Auiopfernngs fähig keil bietet. Der Kalendi r ist zum Preise von X 1.60 vom Bureau der „Oesterreich:sch-Jsraelitischen Union",. Wien, IX., Universitätsstraße 8, zn beziehen. Die Leiden der katholisch Geschiedenen in Oesterreich! Die Präsidentin des „Vereines Fortschrittlicher Katholiken für ein zeitgemäßes Ehegesetz". Frau Leopoldine P o k l i t a r, hat ein Buch unter dem Titel „Katholisch Geschiedene Leute in O e st e rr e i ch" herausgegeben. In zahlreichen Kapiteln weist die Verfafferin aus das namenlose Elend hin, das die Unlösbarkeit der katholischen Ehe über hunderttausend geschiedene Katholiken bringt. Die Broschüre, 104 Seiten stark, ist zum Preise von II2 durch alle Buchhandlungen oder durch die Berfafferin Frau Leopoldine Poklitar, Wien, 5V3H/1., Währiugerstraße 142, zn beziehen.