Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Vir. 34. Beuthe« o. S. In das Lehrerkollegium des hiesigen neu zu gründenden Kouservaroriunls ist Oberkautor Magnus Davidsohn aus Gleiwitz berufen worden, der Knnstgesang und Musikgeschichte lehren wird. Herr D a v i d s o h n wird bereits Ende Oktober feine musikhistorischen Vorlesungen mit einem Zyklus von Vorträgen über „Richard Wagner und sein Werk" am geuannren Institut beginnen. Sollte der an und für sich recht löbliche Plan der Anstalt, eine israelitische Kantorenschule anzugliedern durch eine entsprechende Frequenz von Schülern sich verwirklichen, so wird selbstverständlich der durchaus bewährte Beuthener Oberkantor de Beer einen hervorragenden Anteil au der Lehrtätigkeit dieser Schule haben. Lemberg. Zum zweitenmale wird am 12. September dieses Jahres in Lemberg eine Enquete über die Notlage der galizischen Juden und über die Maßnahmen, dieser Not zu steuern, abgehalten werden. Vor 18 Jahren fand eine ähnliche Enquete statt, die mit Annahme vieler Beschlüsse endigte, welche aber nie zur Durchführung gelangten. An der Enqnete, heißt es, werden alle maßgebenden Faktoren, jüdische Politiker, hervorragende Kenner der Verhältuisie, Journalisten, Kultnsvorsteher, Industrielle und andere teilnehmen. Die Beratung wird nur einen Tag in Anspruch uehmeu. Die zur Verfügung stehende Zeit scheint in Anbetracht der wichtigen Frage lächerlich gering bemcsien. Immerhin: Man kann auch an einem Tage viel Ersprießliches sagen und hören, wenn die Experten von ehrlichem Willen beseelt sind, der Sache und nur der Sache, um die es sich handelt, dienen und alle anderen Gesichtspunkte beiseite schieben. Es ist daher im Interesse der Inden dringend geboten, daß keine einseitig parteiischen Richtungen allein zu Worte kommen. Jeder, der im jüdischen Leben wirkt, hat das heilige Recht, seiner Meinung Ausdruck zu geben. Hoffentlich wird der Landesausschuß dieser Forderung genügen und unbekümmert darum, ob es Freisinnige, Orthodoxe, Zionisten oder andere sind, alle zur Teilnahme eiuladen, die das jüdische Leben im Lande aus eigener Anschauung kennen. Wir wünschen nur, daß geeiauete Beschlüße gefaßt werde» und daß die Aktion nicht, wie un Jahre 1892, im Sande verlaufe. Unaufhörlich muß darauf gedrungen werden, daß die Enquete, vielleicht auch gegen den Willen der Einberuser, nicht nur Komödie bleibe, sondern daß sie tatsächlich dazu beitrage, die Lage unserer hungrigen und notleidenden Brüder in Galizien zu verbessern. Budapest. Aus den ungarischen Greuzkomitaten werden neuerdings unglaubliche Uebergrifse der Grenzpolizei gemeldet. Besonders rnsiisch klingen die folgenden zwei Fälle: Der Rabbi von D o l i n a in Galizien weilte in dem Marmoroser Badeorte Wiskoz zur Kur. Vorige Woche wurde er von der Grenzpolizei plötzlich ansgefordert, Ungarn binnen 24 Stunden zu verlaßen. Nur mit schwerer Mühe wurde dann ein achttägiger Urlaub erwirkt. Einige Tage später haben die Grenzpolizisten den Rabbiner des galizischen Städtchens S k o l e, der sich mit seinem Sohne in dem Badeorte Kelecsen zur Kur befand, zur Gendarmerie nach Oekörmezö eskortiert. Das Verbrechen des Rabbiners bestand darin, daß zwei Grenzpolizisten unter Eid aussagten, sie hätten durch das Schlüsselloch gesehen, daß der Rabbiner einer Frau Medizin verabreicht hätte. Hierauf wurde er mit 10 Kronen bestraft und den Grenzpolizisten ausgefolgt, um ihn per Schub nach Galizien zu transportieren. — Wie von zuverlässiger Seite versichert wird, hat der unschuldige Rabbiner sich niemals mit dem Metier eines „Wunderrabbi" abgegeben und nie Patienten empfangen. Szeuicz. Der 80. Geburtstag des Königs wurde auch in dem Tempel der hiesigen Gemeinde am 18. August festlich und feierlich begangen und haben sich aus diesem Anlasse nicht nur die Gemeindemitglieder. sondern auch die Spitzen der Behörden in großer Anzahl,eiugesundeu. Die Feier begann präzise 11 Uhr vormittags mit dem Hymnus und Psalm, welche Herr Kantor K a n n e r erhebend vortrug. Nach Beendigung des Psalms bestieg unser verehrter Herr Bezirksrabbiner Dr. M a r m o r st e i n die Kanzel und hielt die Festrede in ungarischer Spräche, welche in dem Gebete für den König schloß. Auch diese Rede, trotzdem Se. Ehrwürden selten Gelegenheit hat, ungarische Reden zu halten, reihte sich würdig an den meisterhaften Leistungen dieses vorzüglichen Kanzelredners und man las den Zuhörern förmlich den mächtigen Eindruck vom Gesichte ab, den die Rede in ihrer -schönen Konzeption, in der Erhabenheit der Sprache und in dem vornehmen Bortrage machte. Herr Rabbiner Dr. M a r m o r st e i n wurde von anwesenden Honoratioren zu seiner prächtigen, patriotischen Rede herzlichst beglückwünscht. Nagy-Szombat. Anläßlich des 80jährigen Geburtsfesttages Sr. Majestät wurde am 18. August im hiesigen Kultustempel ein außerordentlicher feierlicher Gottesdienst veranstaltet, zu welchem sämtliche Mitglieder der Gemeinde mit dem gesamten Vorstande erschienen waren. Die Feierlichkeit begann mit einem Sulzerschen Lla Towu“, in welchem wie auch in den nachfolgenden Psalmen 21 und 90 Herr Oberkantor Osias K o p f st ü ck die Kantorrezitationen ausgezeichnet zuni Vortrag brachte. Die Festrede hielt Herr Oberrabiner M. Stein, der mit schwungvollen Worten die Bedeutung dieser Feier schilderte und Gottes Segen für den geliebten Monarchen erflehte. Mit dem Absingen des ungarischen „Himnusz" „Isten-aldjmeg“ endigte die Feierlichkeit und wurde den Funktionären die Anerkennung des Präses und des Tempelvorstandes ausgesprochen. Nagy-Kanizsa. Die Tochter des Herrn Ludwig Bart a. Sekretär unserer Knlrusgemeinde und des IX. Gemeindebezirkes, Fräulein Erzsike B a r t a. hat sich am 17. d. M. mit Herrn Dr. Bela V a y d a, Advokat in Nagy-Kanizsa verlobt. Pakrac Herr Rabbiner Dr. Rudolf Glück wurde am 18. August installiert. Am 16. d. M. langte er mit seiner Familie und Begleitung hier an. Bei der Bahn erwarteten ihn der Präses der hiesigen Gemeinde mit einer großen Deputation, bestehend aus der Elite der Gemeinde, nnd nachdem Herr Dano Singer durch eine gediegene Ansprache den Rabbiner begrüßte und, die Freude ob der gelungenen Wahl zum Ausdruck brachte, dankte Dr. Glück für den freundlichen Empfang und in einer langen Wagenreihe folgend, begleitete der Vorstand den Rabbiner in die Wohnung. Am 18. August fand, verbunden mit der Feierlichkeit des Geburrstagsfestes Sr. Majestät die Installierung statt. Anwesend worin im Tempel die Intelligenz der christlichen und militärischen Behörden, sowie auch die Geistlichkeit. Nach Vortrag des Einleitungsgesanges ,.Ma towu“ durch Oberkantor Israel Steiner, hielt Rabbiner Dr. Glück seine Fest- und Jnstallationsrede, die auf das Publikum einen tiefen Eindruck ausübte. Oberkantor Steiner rezitierte noch einige Psalmen und entzückte die Anwesenden durch seine herrliche Stimme und weihevollen Vortrag. Vukovar. Die hiesige israel. Killtnsgemeinde hat einen unersetzlichen Verlust erlitten. Ihr größter Wohltäter seit ihrem Bestände, dessen wohlklingender Name im ganzen Lande mit der größten Achtung genannt wurde, der 10 Jahre hindurch ihr allgemein verehrter Präsident, später lebenslänglicher Ehrenpräses war, Viktor Bau m, ist nach längerem Leiden Samstag nachts im 56. Jahre seines gesegneten, der Wohltätigkeit, gewidmeten Lebens heimgegangen. Er hatte ein goldenes Herz den Armen zu helfen, das Gute zu fördern, das Edle zu unterstützen, das am Wohltuen Freude empfand. Die Nachricht von seinem Hinscheiden hat überall die schmerzlichste Teilnahme hervorgerufen. Am Sonntag hielten der Vorstand der Kultnsgemeinde und der Chewra Kadischa Sitzungen, um der tiefen Trauer Ansdruck zu geben und bezüglich der Leichenfeier Verfügungen zu treffen. Die Knltusgemeinde beschloß einstimmig das Andenken ihres selrenen Wohltäters mit einer Stiftung zu verewigen. Unter imposanter Kundgebung der Teilnahme und Trauer wurde der Heimgegangene Montag nachmittag zu Grabe getragen. Im Trauerhause, daß die Teilnehmer nicht saßen konnte, nahm namens der Leidtragenden Oberrabbiner Doktor Julius Diamant vom Dahingeschiedenen rührenden Abschied, worauf der Sarg von den Mitgliedern des Vorstandes der Kultnsgemeinde und der Chewra Kadischa in den geränmigen Tempelhof getragen wurde, wo eine riesige Menge der Trauerseier harrte. Nachdem Oberkantor A. Schwarz, mit einem Männerquartett einen Trauerpsalm wirkungsvoll exekutierte, widmele der Oberrabbiner dem Wohltäter, der sür die Gemeinde eine Stiftnng von 20.000 Kronen hinterließ, einen wohlverdienten Nachruf. Eine unabsehbare Menge gab das Geleite znm Friedhose, wo des Heimgegangenen Nachfolger im Ehrenamte Dr. Albert G o t t l i e b im Namen der trauernden Knltusgemeinde herzliche Worte des Abschiedes und des Dankes sprach. An Kranzablösnngen wurden 1100 Kronen gespendet.- Das Andenken an den edlen Menschen, der sich, wie selten ein: mit Glücksgütern Gesegneter der Pflichten der Wohlhabenheit bewußt war,, wird nie erlöschen in der Geschichte unserer Kultnsgemeinde. Sein Andenken ist und bleibt ein gesegnetes. Elberfeld. Unserm Kantor Hermann Z i v i ist die selten ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, für die „D r e i I a h r h n n d e r t- Feier der Stadt Elberfeld" die von dem Dichter Otto Hausmann verfaßte F e st h y m n e in Musik zn setzen nnd am Festabend persönlich zu dirigieren. Das umfangreiche Werk gelangte am Samstag, den 30. Juli vor einem Publikum von mehr als 10.000 Menschen unter Leitung des Herrn Z i v i in der Stadthalle sehr wirkungsvoll zur Aufführung. Die „Elberfelder Zeitung" berichtet darüber folgendes: „Hierauf — (nach der Festrede des Landtagsabgeordneten Dr. H i n tzm a n n) — sang ein besonders zusammengestellter gemischter Chor die „Fe st Hymne zur Drei-Jahrhu ndert-Feier der Stadt Elberfeld" von unserem geschätzten Mitbürger Hermann Zivi unter persönlicher Leitung des Komponisten. Rauschender Beifall' ertönte, als der von den einzelnen Stimmen begonnene und dann machtvoll zusammenklingende Segenswunsch: „Schirme dich Gott, Elberfeld!" verhallte. Der Komponist sowie der Dichter Otto H a u s m a u n empfinge» als weiteres Zeichen der Anerkennung je einen prächtigen Lorbeerkranz." — Diese Tatsache ist um so angenehmer und erfreulicher, als gerade ein Jude es war. der die ihm gestellte ehrenvolle Aufgabe untergrößtem Beifall der Bevölkerung in jeder Weise glänzend gelöst hat. H e r in a n n S t r a u ß. Leipzig. (Deutsches E s p e r a n t o - I u st i t u t.) Unter diesem Namen hat der 1907 gegründete Verband deutscher Esperantisten: im Grundstück Leipzig, Bayerischestraße 15, 'eine Esperanto-Propagandazentrale ins Leben gerufen, die die deutsche nnd österreichische Esperantobewegung leiten und fördern soll. Außerdem ist das deutsche Esperantoiustitut angewiesen, alle im In- und Ausland erschienenen Esperantowerke und Zeitungen zu verbreiten nnd an Interessenten gegen Einsendung von 20 Heller in Briefmarken das vom B. D. E. herausgegebene Esperanto- Lehrbuch mit aufklärendeu Flugschriften portofrei zu versenden. In dem Institut sollen in Zukunft auch die vom V. D. E. veranstalteten Esperanto- Lehrerprüfungen abgehalten werden. Hamburg-Amerka-Linie. Die nächsten Abfahrten von Post- und Pasiagierdampfern finden statt: Nach New-Iork 28./8. Postdampfer „President Lincoln", nach New-Iork 30./8. Schnellpostdampfer „Deutschland", nach Nerv-Jork 1./9. Postdampfer „Amerika", nach New-Iork 4./9. Postdampfer „President Grant, nach New-Iork 8./9. Postdampfer „Cincijinati", nach Boston und Baltimore 9./9. Postdampfer „Bosnia", nach Philadelphia 30./8. Postdampfer „Pisa", nach Quebec-Montreal 2./9. Postdampfer „Prinz Adalbert", nach Westindien 21.ß. Postdampfer „Graecia", nach Westindien 3./9. Postdampfer „Venetia", nach Mexiko 27./8. Postdampfer „Corcovado", nach Mexiko 3./9. Postdampfer „Dania", nach Ostasien 2./9. Postdampfer „Senegambia", nach Ostasien 15./9. Postdampfer „Silesia", nach Ostasien 16.,9. Postdampfer „Bulgaria", nach Wladiwostok 10./9. „ein Dampfer", Arabisch-Persischer Dienst 31./8. Postdampfer „Sparta".;