Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 34 (26.8.1910)
- Date
- 1910-08-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 7. Nr. 84 fölger brachte. Mit welch unsinnigen Provokationen man die Massen harangnierte, möge znm Beweis des geistigen Tiesstandes der verführten Pogromhelden an einigen Beispielen dargetan werden: man fabelte von der Gründling jüdischer Republiken, von der Wahl eines Inden znm Zaren, von geplanten Christenmetzeleien durch Juden, von jüdischen Millionenschenkungen an die Japaner, eine niederträchtige Verdächtigung, in Anbetracht, daß gleichzeitig ungefähr 60.000 jüdische Soldaten für ihr Stiefvaterland, wie bezeugt, tapfer gegen die Japaner kämpften, und zwar in den ersten Reihen, da auf russische Truppen wiederholt kein Verlaß war, mag auch Knropatkin hinterher unwahre Beschuldigungen erheben. Das Ergebnis der Untersuchungen über die Rolle der Bnreaukratie in dem Vernichtuugskampfe ist in folgendem Satze A. Liudens zu finden: „Wir glauben auf Grund unserer Materialien mit der Feststellung nicht fehlzngehen, daß Vertreter der Behörden längere Zeit vor dem Manifest au nicht über 15 Exzeßorten die Organisierung der Pogrome in der Hand gehabt oder milbetrieben hatten, wogegen etwa die Hälfte der in unsere Enquete einbezogenen .Orte (etwa vierzig), darunter alle von Pogromen heimgesnchten Gouvernementsnnd Großstädte, offiziell gestattete nnd geförderte Manifestationen als Einleitung aller Krawalle erlebt haben." Das alles kam außerdem durch Enthüllungen nnd Zengenschaft ans Tageslicht, die Regierung schien kompromittiert; den Schein zn wahren, wurden in parteilich geführten Prozessen ein paar Schuldige höchst milde bestraft und bald daraus vom Zaren begnadigt. Die Bnreaukratie rühmte sich aber, durch die Pogrome die Revolution niedergeschlagen zn haben, und die Inden können gewärtig sein, bei Ausbruch eines neuen Anflehnnngsversnches wieder ihre Haut zu Markte zu tragen. Mit der Kennzeichnnng des Verhältnisses von Bnreaukratie und Inden ist nur eine Seite der die Pogrome begleitenden gesellschaftlichen Erscheinungen berührt. Die weiteren -finden eine ans tiefe Sachkenntnis znrückgeheude Skizziernng im letzten Kapitel des Bnches. Ist die Bnreaukratie im engeren Sinne, also die Verwaltnngsbeamtenschast. als Urheberin der Verbrechen zn verzeichnen, so fand sie in nnd außerhalb ihrer Bernfssphäre bereitwillige Helfershelfer auch in Polizeinnd Militärkreisen wie bei den Eisenbahn- und Postangestellten und der gesinnnngsgleichen Verwandtschaft. Die Mitwirkung der Verkehrsbeamten entbehrt nicht der Ironie und ist ein grelles Zeichen, wie planlos und zufällig, wie nufnndiert und unreif und daher erfolglos die russische Revolution ansfiel. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Anläßlich des 80. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fanden am 18. August, respektive am Bortage in sämtlichen Gotteshäusern der Wiener Kulmsgemeiude und der Wiener Bethansvereine feierliche Festgottesdienste stalt. Auch in sämtlichen jüdischen Gemeinden Oesterreich-Ungarns wurden ans diesem Anlasse besonders solenne gottesdienstliche Beraustaltnngeil abgehalten. Wien. (Ein Besuch Erzherzog Fr anz Ferd in a n d s bei Baron Albert Rothschild.) Aus Waidhofen an der Ibbs wird vom 24. d. M. telegraphiert: Erzherzog Franz Ferdinand ist heute um 3 Uhr 43 Minuten früh von Selztal mit dem Schnellzuge hier eingetroffen nnd bis zu den Morgenstnilden in seinem Salonwagen verblieben. Um halb 8 Uhr fuhr vor dem Bahnhofe ein Automobil des Baron Albert Rothschild vor, welches den Erzherzog nach dem Rothschildschen Schlosse in Waidhofen brachte, wo ein Frühstück serviert wurde. Um 8 Uhr erfolgte in drei Automobilen die Weitersahrt zur Jagd nach Langau. An der Jagd nahmen teil: Erzherzog Franz Ferdinand, Baron R u in e r s k i r ch, die Barone Albert und Alfons Rothschild und Direktor Hanaberger. Auf dem Bahnhofe in Waidhofen erfolgte keinerlei Empfang, da der Erzherzog inkognito reist. Wien. Herrn Oberkantor Meyer S ch o r r, der Sr. Majestät anläßlich des 80. Geburtstages eine Hymne gewidmet hat, wurde durch das Oberstkämmereramt der Allerhöchste Dank mit dem Beifügen bekannt gegeben, daß die in Rede stehende Hymne der k. n. k. Familien-Fideikommiß-Blbliothek einverleibt wurde. Wien. (Woyltätigkeitsakt des I. Wiener isr. hum. H e i r a t s a u s st a t t n n g s - Be r e i n, II. Große S p e r l g a s s e 32—34.) Donnerstag, den 18. August, halb 1 Uhr mittags, fand im Tempel. I. Seiteüftettetlgasse, anläßlich des 80. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers über .Veranlassung des obigen Vereines die Trauung eines Waisenmädchens statt. Das Waisenmädchen wurde auch mit einem entsprechenden Heiraisaitsstattuttgsbeitkage aus den Mitteln des Vereines beteilt, und von den Herren Oskar Rubi n. Präsident, Julius Adle r. Vizepräsident nnd Armin Donath, Schriftführer beglückwünscht. Herr Rabbiner Dr. B a ch. der den Traunngsakt vollzog, richtete an das Brautpaar eine auf das Fest bezugnehmende Ansprache. Wien. Monrag, den 29. d. M. findet die Trauung des Fräulein Fritzi Bauer, Tochter des Oberkantors Jakob und Frau Rosalia Baue r, mit Herrn Hans I r ä. n y i, k. u. k. Leutnant i. R., Beamter des Oesterr. Lloyd, statt. Wien. Dienstag, den 30. August, 2 Uhr nachmittags, findet in Trencsen-Teplitz die Trauung des Fräulein Adele P inkas, Tochter des bekannten Restaurateurs Jakob P l n k a S. II. Lilienbrunngaffe 9, mir Herrn Hermann Groß statt. Wien. Der pensionierre Redakteur Dr. Albert W e i s s e stürzte Mittwoch, den 24. d. M. nachmittags, als er feine Wohnung, Leovoldstadt, Schiffamrsgaffe Nr. 10 betrat, infolge Schlaganfalles bewußtlos nieder und starb kurz nachher. Dr. W e i i s e, ein Schwager des Religionsprofefiors M. A n t s ch e r l. erreichte ein Alter von 68 Jahren. Mödling. Ans Anregung unseres rührigen Vorstehers, Herrn Ignaz B 6 l a y. fand am 18. August, anläßlich des Geburtstages unseres geliebten Kaisers ein Festgotresdienst statt, der unter reicher Beteiligung der Behörden und eines zahlreich distinguierten Publikums einen glänzenden Verlauf nahm. Die ganze gottesdienstliche Feier lag in den bewährten Händen des stimmbegabten Oberkantors Ignaz Falk, der mit seinem gesanglichen Borrrag und seinem wohleinstndierren Chore mit Harmoniumbegleirung, bestehend ans den Damen: Gisela F a n t o. Irma K n e l l e r, Henriette Kauf nt a n u, Frau Dr. Irma Haas. Cilli S ch ö n f e l d. Melanie K l n g. Hermine F e l b e r t. Gizi W e i ß, Frieda K n e l l e r. Leopoldine W i n r e r ft e i n, Malvine K o h n, Ella Felix. Therese Felix allgemeine Anerkennung fand und andachtsvolle Scimmnilg erweckte. Herr Rabbiner Dr. B a r d o w i c z hielt eine gehaltvolle Festrede und die Damen Feänlein Gisela F a n r o, Irma K n e l l e r und Henriette Kauf m a u n fanden reiche Anerkennung für ihre schöngebrachten Solis. Oberhollabrunn Anläßlich des allerhöchsten 80. Gebnrtsfestes unseres erhabenen Kaisers fand im Tempel der hiesigen Gemeinde ein solenner Gottesdienst statt, dem Herr Knlrusvorsteher Wilhelm Brei er, Herr Tempelvorsteher Leopold W e i n d e r g e r, die Herren Chewra- Vorsteher Emil S k n t e z k y nnd Sigm. S ch l d l o s, ferner Herr Stabsarzt Dr. Ein. Ritter, sowie die Schuljugend und viele Gemeindemitglieder beiwohnten. Bor offener Bundeslade schilderte Religionslehrer Herr S. I e l l i n e k in glänzender Ausführung die väterliche Fürsorge Sr. Majestät für sämtliche Völker seines Reiches ohne Unterschied der Konfession, pries in zündenden Worten und patriotischer Begeisterung die hohen Herrscherrngeuden unseres allverehrten Kauers und erflehte auf das geliebte Haupt des erhabenen Monarchen, wie ans das Herrscherhaus und das Vaterland den göttlichen Segen. Mil dem Kaisergebere und Absingnng der Volkshymne durch die Studentenschaft nnd Schuljugend schloß 'die erhebende Feier. Bisenz. (K a i s e r f e i e r.) Das 80. Geburtsfest unseres erhabenen Kaisers gab Anlaß zur Abhaltung eines FestgotleSdienstes, der in seiner erhebenden Wirkung allen Teilnehmern in dauernder Erinnerung bleiben wird. Um 5 Uhr nachmittags versammelte sich die Kultusrepräsentanz. sowie ein zahlreiches, distinguiertes Publikum in unserem hellerleuchteten Tempel in der weihevollsten Stimmung. Der Gottesdienst wurde mit der Absingnng des „Mah Tovvu“, vom Oberkantor Wilhelm Steiner und dem verstärkten Chore in exakter Weise vorgetragen,eingeleitet, worauf unser allverehrrer Herr Rabbiner Sr. Ehrwürden Dr. Joses Hoff die meisterhafte, von echt patriotischen Gefühlen getragene Festvredigt hielt, die auf die zahlreichen Anwesenden einen zündenden Eindruck hervorrief. Das Geber für das Allerhöchste Kaiserhaus bei geöffneter Bundeslade, von Rabbiner Dr. Hoff wirkungsvoll vorgetragen, und die Absingnng der Bolkshymne bildeten den Schluß der würdigen Feier. Boskolvitz Vom herrlichsten Wetter begünstigt nahm gestern das jüdische Nationalnnd Turnerfest einen glänzenden Verlaus. Es wurde diesmal gemeinsam.vom Turnverein nnd der jüdischen Hochschnlserialverbindung „Laecitia" Veranstalter. Letztere harte Einladungen an die meisten auswärtigen jüdischen Verbindungen ergehen lassen, die denn auch fast durchwegs ihre Vertretungen entsandten, so daß das Fest einen rein studentischen Charakter erhielt. Erschienen waren Abordnungen der Hochschulverbindungen „Kadlhma" ('Wien), „Unnas" (Wien). „Beriras" (Brünn). „Giskala" (Proßnltz). „Barissia" (Prag). „Jordania" (Prag) nnd außerdem des tschechischen Vereines „Bilka" (Boskowitz). Bon Tnrnvereinen waren größere Devncationen ans Brünn nnd Proßnitz erichienen. Nach einer Begrüßungsrede an die Gäste begann um 4 Uhr nachmittags das Schauturnen, zunächst Freiübungen der Boskowitzer unter Leitung des Turnwarces P e l l o. hierauf ein Geräteturnen in drei Riegen kl. Riege: Barren und Hochsprnng. Vorturner P e l l o. 2. Riege: Bock nnd Reck, Vorcnrner Felix M a n d l, 3. Riege: Hochsprnng und Bock, Vorturner Ernst A s ch e u b e r g e r) nnd schließlich Srab-Freiübungen einer Proßnitzer Mnsterriege. Den Glanzpunkt des Tages bildere aber der Damen- und Herrenreigen, deffen Spitzen die Damen Geschwister Fried. Jung m u it li. W a s s e r t r i l l i n g. Fische r. Geschwister Tolik und Freiwillig, sowie die Herren Spitzer, Iltis, Gelbkopf. Z t e ck l m a ch e r. M unk. U n g e r. Gold m a n n und K l i n g st e i n bildeten und der in einer wunderschönen Darstellung des „Mögen Dowids" givfelte. An das Turnerfest schloß sich abends 9* 2 Uhr eilte Dameukneipe. in der das Präsidium E. R e l ch m a n n (X der Laetitia). das Kontrarium V. G o l d in a n u (XXX der Laetitia) innehatten. Sodann folgte ein Tanzkränzchen, das sich bis tief in die Nacht hinein erstreckte und erst um 3 Uhr früh zu Ende ging.