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Die Wahrheit · 1910-08-19 · Heft 33 (19.8.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Die Wahrheit Seite.7. will. *) Wer im Ausüben wohltätiger iUfte ltiiermüblicf) ist. beweist, daß er den höchsten Gipfel der Gottähnlichkeit er- .tlommen und das biblische Wort: „Denl Ewigen euerem Gotte sollt ihr uachwandeln", das heißt, wie der Talmud erklärt, suche dir die göttlichen Eigenschaften anzueigneu, wie er barmherzig ist, sollst auch du barmherzig sein, ma hu rachum, af .atto rachum etc., in seiner wahren Bedeutung zu erfassen und zu würdigen verstanden hat. Derjenige, der die ihm von Gott verliehenen Reichlümer nicht bloß zur Befriedigung seiner und seiner Angehörigen Bedürfnisse, sondern auch zum Nutzen und Frommen anderer Hilfsbedürftiger verwertet und verwendet, verdient wahrhaft fromm genannt zu werden, denn er handelt ganz im Geiste der Thora, die ausdrücklich sagt: „unermüdlich sollst du sein im Spenden, denn n u r d e s h a l b hat dich Gott der Herr mit irdischen und zeitlichen Gütern gesegnet, damit du die Not milderst und linderst", und ist berechtigt zu hoffen, daß er sich des göttlichen Beistandes auch fürder erfreuen und die Früchte seiner edlen Handlungsweise noch in spätesten Zeilen genießen werde. „Versende deine Güter über das Wasser, im Laufe der Zeiten wirst du den Vorteil finden." (Kohel. 11, 1). Das heißt mit anderen Worten: „Irdische Güter sind nicht, flüchtig und vergänglich, die Wohltaten hingegen, die der Begüterte, so lange er sich der Reichlümer erfreute, ausübt, sind unverwüstlich, unzerstörbar und nutzbringend für seine späteren Nachkommen." R. Ch ia erteilte seiner Gattin folgende Lehre: „Wenn du siehst einen Armen sich deiner Türe nähern, so warte nicht, bis er anpocht, sondern eile ihm freundlichst entgegen und reiche ihm rasch eine ergiebige Unterstützung, damit man einst auch deinen Kindern in solch liebenswürdiger Weise entgegenkomme." „Aber Mann." rief die betroffene Frau ganz erstaunt aus, ..wie kannst du nur deinen eigenen Kindern ein solch betrübendes Prognostikon stellen?" „Die Armut," entgeguete der fromme Rabbi, „gleicht einer Kugel, sie durchläuft die Welt und kein Mensch kann mit Bestimmtheit behaupten, daß er von ihr verschont bleiben werde. (8ota 15). Mau muß daher, so lange man Besitzer irdischer Güter ist. dieselben derart verwenden, daß man für alle Fälle die Früchte segensreicher Tätigkeit genieße. Von dem großen Philanthropen König M u n o b a z wird im Talmud erzählt, daß er in einem Jahre der Hungersnot sämtliche Getreidevorräte, die seine Ahnen jahrelang anfgehänft, dem hungernden Volke bereitwilligst unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Als ihm seine Angehörigen hierüber Vorstellungen machten und ihm zuriefen: „Während deine Väter die vorhandenen Vorräte zu vermehren suchten, bist du bestrebt, dieselben in unnützer Weise zu vergenden", entgegnete er ihnen ganz ruhig: „Meine Ahnen häuften Schätze für die Erde, ich aber sür den Himmel: während jene ihre Güter an Orten verwahrten, wo sie der Zerstörung und Vernichtung preisgegeben waren, bringe ich meine Schätze an einen Ort, wo sie unmöglich angegriffen werden können; was meine Väter gesammelt, trägt keine Zinsen, meine Schätze hingegen sind fruchtbringend; während meine Ahnen für andere gespart und gesammelt, sammle ich für mich selbst, das heißt, sür die Zukunft, für die Ewigkeit." (B. Batra 11). (Fortsetzung folgt). *) Bon den zahlreichen diesbezüglichen Aussprüchen und Mahnungen mögen folgende hier erwähnt werden: „Kräftigst unterstützen sollst du den Dürftigen, und dich es nicht verdrießen lassen, wenn du ihm gibst, denn nur deshalb wird der Ewige dein Gort dich segnen in allen deinen Unternehmungen." (5. LI. 15, 10.) „Die Tugend der Wohltätigkeit wiegt alle anderen Gebote auf." (B. Batra 9.) „Sie ist wertvoller als alle Opfer, wer sie ausübt, erfüllt gleichsam die ganze Welt mit der göttlichen Gnade. (8ucca 49.) „Ist nicht das ein Fasten, das ich liebe: öffne die Schlinge der Bosheit, löse die Bande des Joches, frei entlasse Unterdrückte und jegliches Joch zerbreche! Nicht so? Brich dem Hungrigen dein Brot, unglücklich Verfolgte bringe ins Haus, so du einen Nackten siehst, bekleide ihn, und deinem Fleische entziehe dich nicht; dann wird, wie Morgenröte dein Licht anbrechen und deine Heilung schnell gedeihen und vor dir zieht dein Heil daher, des Ewigen Herrlichkeit schließt deinen Zug. Dann rufst du an» und der Ewige erhört, flehst, und er spricht: Hier bin ich." (Iss. 58, 6—9.) „Heil dem, der sich der Armen liebevoll annimmt, am Tage des Unglückes rettet ihn der Ewige." (Ps. 41, 2.) „Nur wegen der Verdienste, die wohltätig wirkende Menschen sich erworben, speist, ernährt, erhält der Herr die Welt in und mit Liebe." (Ber. 7.) „Die Wohltätigkeit rettet vom Tode." (Spr. 10). Uerschiedene Ilnchrichten. Wien. (Der8 0. Geburtstag desKaisers.) Anläßlich des 80. Geburtssestes des Kaisers hat der Vorstand der Wiener israel. Kultusgemeinde eine Gesamtadresse der österreichischen Judenschast an Se. Majestät gerichtet. Die Hnldigungsadresse wurde vom Maler D. Markus kunstvoll ansgeführt und ruht in einer nach dem Entwürfe der Architekten Emerich 2 p l e l m a n n und Dr. Alfred Teller von der Wiener Juweliersirma Julius Kohn ansgesührren prachtvollen Kassette. Die Kaffette hat die Form eines achteckigen Kästchens mit abgerundeten Ecken, das mit einem fazettierten Glasdeckel verschlossen ist. An die Seitenwände des Kästchens sind je zwei Pilaster angebant, ans deren mit Halbedelsteuieu gezierten Kapitälen sich massiv getriebene und reich dekorierte Ranken entwickeln. Diese schließen sich kronenartig über dem Kästchen zusammeil und tragen ais Abschluß den „Mögen David" in dekorativ getriebener Umrahmung. Als Dekorationsmotiv sür die Ranken wurden 80 vergoldete Blüten verwendet, die den Anlaß des Hnldigungsgeschenkes, die 80 Lebensjahre des Monarchen, symbolisieren. Das Ganze ist in massivem Silber ans das gediegenste hergestellt und ruht ans einem dreifach getreppten Ebenholzsockel. Das Innere ist in weißer Seide ausgeschlagen. Ueberdies finden im Schoße des Vorstandes der KnltuSgemeinde Beratungen über eine größere Woyltätigkeitsaktion statt. Wie». Der Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israel. Kultusgemeinde in Wien wird zum 80. Geburtstag des Kaisers das ans Anlaß des 60jährigen Regiernngsjnbiläums des Monarchen nach den Plänen des frühzeitig verstorbenen Baurares Wilhelm S t i a ß n y vom Stadtbanmeister Gemeinderat Melcher mit einem Fassungsraum für 100 Kiilder erbaute Kaiser FranzJosef - Jubiläums- K n a b e n - W a i s e n h a u s, XIX., Probusgasse 2, eröffnen. Ans Anlaß der Eröffnnng des Waisenhauses haben die Herren Gebrüder G u t m a n n für dasselbe in hochherziger Weise vier Stiftplätze fundiert. Wie». Zum Ausdruck der Huldigung für Se. Majestät den Kaiser hat der Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer iirael. Konfepion, Wien, II. Zirknsgasse 30. anläßlich des Allerhöchsten 80jährigen Geburtsfestes würdige arme Greise, die das 80. Lebensjahr erreicht haben, mit größeren Barbeträgen bedacht. Wien. Bei den anläßlich des 80. Geburtstages des Kaisers am 18. Angnst verliehenen Ordensauszeichnungen wurden auch viele jüdische Persönlichkeiten bedacht. Es erhielten: den S t e r n z u m K o m t u rkreuz des Franz Joses-Ordens Bergrat Max Ritter v. Gut m a n n in Wien; das Ossizierskreuz des Franz Josef-Ordens Honorar-Generalkonsul der Republiken Nicaragua und Honduras in Wien Alexander Singer, kais. Rat Fabrikant in Wien Wilhelm Steiner; den Orden der Eisernen Krone dritterKlasse Dr. Jakob F r n ch r m a n n, Lemberg, kais. Rat Arnold G r ü n s e l d, Brünn, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien Dr. Leopold Sternlicht; das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens der außerordentliche Universitätsprofessor, praktische Arzt in Wien Dr. Albert Bing, der Hof- und Ge» richcsadvokat in Wien Dr. Hermann B r ü ch, der kais. Rat Dr. Samuel Krüger, Wien, der kaii. Rat und praktische Arzt in Karlsbad Dr. David T y r n a u e r; den Elisabeth-Orden zweiter Klasse die Frau Johanna F r ö h i i ch, geb. G o l d s ch m i d t in Wien, die Frau Friederike Löw-Beer, geb. P o l l a k in Brünnlitz, die Frau Helene v. M a y. geb. Spitzer in Wien, die Frau Marianne May v. M a y e n a u. geb. v. E n g e l in Ungarisch-Ostra; das goldene V e r d i e n st k r e n z mit der Krone der praktische Arzt in Wien Dr. Hermann L ö w i, der Baumeister und Gemeinderat in Wien Edmund Melcher und die Frau Marianne Mühsam in Graz. Wien. Am 20. d. M. wird im Stadt-Tempel, I. Seitenstettengasse eine Predigt abgehalren. Wien. Herr Jakob Mittler, Mitglied des Bethansvereines L a n d st r a ß e, und dessen Frau Eüsabeth, III. Erdbergstraße 46, wohnhaft, feiern Samstag, den 20. Angnst l. I. die sechzigste Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Die Feier findet an dem genannten Tage im Bethause. III. Erdbergstraße 15. um 9 Uhr vormittags, statt. Beide stehen im Alter von je 86 Jahren und erfreuen sich der vollsten Rüstigkeit. Herr und Frau Mittler sind seit vielen Jahrzehnten in Wien seßhaft und streng religiöse, ehrenhafte Charaktere. Wien. Der Verein „Tomech Ewjonim“ hat fein bisheriges eigenes Lokal in der Großen Schiffgaffe aufgegeben und schickt seine Benesiziaten fortan zum Verein „Einheit" in der Malzgasse, mit dem er behufs Verköstigung der bedürftigen Zugereisten ein Abkommen traf. Hoffentlich sind beide Teile dabei befriedigt und auch die armen Kostgänger. Wien. In Abwesenheit, des am einige Zeit beurlaubten Herrn Rabbiner Schenk hielt der durch seine Borträge im Vereine „Liwias Chen" bestbekannte Kaufmann Ignatz R o s n e r einige Wochen allabendlich einen regelrechten Schiur über Bibel und Midrasch im Betlokale „Talmud Thora" und verstand es, die Aufmerksamkeit der Zuhörer in hohem Grade zu fesseln. Wien. Im hohen Alter von 83 Jahren und mir der Krone des guten Namens geschmückt, wurde am Montag der frühere Obmann des Tempelvereines „Berh Jisrael", Herr Salomon M e i f e l s. Sohn des berühmten Warschauer Rabbiners Berisch M e i s e l s. der später in Krakau fungierte und im Jahre 1848 neben dem seligen Mannheimer

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