Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 33 (19.8.1910)
- Date
- 1910-08-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3062972-3063520-3063553--06816-3073851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 33. Die Wahrheit Lette o. So sprechen Leute, die sich keinen Augenblick besinnen, ihrem geliebten Kinde, wenn es ein Mädchen ist, die Ohren zu durchbohren, obwohl es doch auch wehtut und obwohl es doch hygienisch von gar keiner Bedeutung.ist, während die Beschneidnng — wie die Pockenimpfung — eine hervorragende hygienische Bedeutung hat. Dies wollen wir an der Hand des trefflichen, hebräisch geschriebenen Buches jrna trat (d i e Geschichte der Beschneidnng bei den Juden von Doktor- Samuel Kohn, Krakau 1903) auch dem Laien verständlich zu machen versuchen. Viele Krankheiten kommen bei Beschnittenen überhaupt nicht vor; viele Krankheiten, die bei Unbeschuittenen öfters Vorkommen, befallen die Beschnittenen sehr selten; andere Krankheiten wiederum, die bei Unbeschnittenen unheilbar sind, heilen bei Beschnittenen sehr schnell. Die häufigste Krankheit ist die Phimose (phimosis), die bei Erwachsenen wie bei Kindern gar oft gefährliche Krankheiten verursacht. Bei Kindern namentlich, deren Nerventätigkeit noch nicht wie bei Erwachsenen vom Willen reguliert wird, verursacht die Phimose oft durch Nervenreiz verschiedene Nervenkratikheiten, deren Sitz nicht das Gehirn, sondern die gereizten äußeren Nerven sind. Innerhalb der Vorhaut sammelt sich viel Fett an. Dieses Fett wird namentlich durch den Urin zersetzt und verursacht so Reizung und Entzündung der Haut der Eichel, Ritze und Wunden und Eicheltripper, sowie Entzündung der Vorhaut, wodurch auch eine allgemeine Reizung der äußeren Nerven entsteht. — Aus diesem Fett entstehen oft bei Erwachsenen, selten bei Kindern Steine in der Vorhaut, was natürlich bei Beschnittenen ausgeschlossen ist. Man fand einmal bei einem zweijährigen Kinde 51 Steinchen, deren Gewicht 190 Gramm betrug. Professor L e w i n fand Steine in der Vorhaut bei 18 Personen, ebenso die Professoren B e g i n, D e m m e a u x, S ch a e f f e r, S i n g e r rc. Kaufmann fand Steitie 20mal bei Männern zwischen 20 bis 40 Jahren, 7mal bei Kindern unter 10 Jahren und 4mal bei Männern über 60 Jahre. .Die Steine entstehen durch Verbindung des Fettes mit dem Urinkalk oder auch durch den Urin selbst, der in der Vorhaut lange Zeit zurückbleibt. Durch die Phimose entstehen auch verschiedene Nervenkrankheiten. Dr. Thomas erzählt, daß er 16 Kinder, die an Starrkrampf (Tetanus) erkrankt waren, durch B e s ch n e i d n n g geheilt hat. Derselbe erzählt auch, daß in Südamerika Tausende von Kindern an dieser schrecklichen Krankheit im Alter von Ibis 14 Tagen sterben, kein Mittel hilft da außer der Beschneidnug. Von berühmten Aerzten wird die Tatsache konstatiert, daß die Phimose bei Erwachsenen und bei Kindern — Fallsucht verursacht. Sayre war der erste, der konstatiert hat, daß durch Reizung der Geschlechtsteile solche Krankheiten verursacht werden. Bei einem Knaben, der mehrere Jahre gelähmt war und an Paralyse litt, fand Sayr'e die Phimose, und nach vorgenommeuer Beschneidnug wurde der Knabe gesund. Ein vierjähriger Knabe konnte weder gehen noch stehen, er litt an Priapismus und dem Unvermögen, den Urin znrückznhalten und schlief fortwährend. Die Ursache war die Phimose und er wurde nach der Beschneidnug gesund. S a y r e führt in seinem Buche mehr als 100 solcher Fälle an'. A l t h a u s erzählt, daß er von 25 Fallsüchtigen, die ihn konsultiert haben, bei elf die Phimose fand. R a n k i n sah einen 12jährigen Knaben, der an Neuralgie litt und Halluzinationen hatte und durch Beschneidung' geheilt wurde. Hurd erzählt von der Heilung eines 7jährigen Knaben durch Beschneidnug, der an Blutarmut und Zittern litt. Kaste len berichtet von der Heilung eines jungen Mannes durch Beschneidnug, der abgemagert und entkräftet war und an Fallsucht litt. F l e n r y behauptet, daß. die mit Phimose Behafteten an öfteren Reiz im Magen, der Urinblase und in den Füßen leiden. Dies äußert sich durch Erschlaffung der Muskeln, durch Müdigkeit und Mattigkeit bei jeder leichten Arbeit. In vielen Fällen erzeugt die Phimose, einen Reiz im Gehirn, wodurch der Betreffende sehr'leicht in Zorn ' gerät und die geringste geistige Anstrengung verursücht ihm großes Unbehagen. Bei solchen Menschen finden ffickr oft ein: : Kopfschmerz, Krampf und alle- Anzeichen der Hysterie.' Kein Mittel hilft da außer der Beschneidnug. Die Phimose verur- : sacht auch andere Krankheiten, wie: Lähmung, einseitige Lähmung (Hemiplegia), Lähmung der Sprachwerkzenge und auch Wahusinu. — Gray erzählte bei einem Aerztekongreß in New- Iork, von 100 Fällen von Muskelschwund, die von der Reizung der Geschlechtsteile durch die Phimose verursacht war. Alle wurden durch Beschneidung geheilt. Otis stimmte ihn: bei und erzählte von zwei Fällen, in denen die Kranken, der eine durch Beschneidung, der andere durch Erweiterung de? Urinkanals geheilt wurden. — La 1 ema n n betrachtet die Phimose als die Ursache des unfreiwilligen Urinierens und der Pollution. Viele Aerzte haben zwar diese Meinung bekämpft, aber bekannte Aerzte, wie T r n s s e a n und andere stimmten ihm bei und behaupteten, daß sie viele solcher Kranken durch Beschneidnug geheilt haben- Simons berichtet über 14 Kinder, die den Urin nicht zurückhallen konnten, bei 12 war Phimose und bei einem die Anhäufung des Fettes in der Vorhaut die Ursache. Alle diese Kranken konnten nur durch Beschneidnug geheilt werden. Eines der furchtbarsten Laster bei der männlichen Jugend, namentlich ans den Mittelschulen, ist die sogenannte Onanie. Ohne Zweifel ist die jüdische Jugend nicht frei von diesem Laster, aber ebenso zweifellos ist es, daß die Phimose sehr oft dieses Laster hervorruft. Fast alle Aerzte geben dies zu, namentlich Lalemann, Pauli und Curschmanu. Am merkwürdigsten ist der durch Phimose verursachte Bruch. Da nämlich das Urinieren erschwert ist, so sucht das Kind durch anstrengenden Druck sich zu erleichtern und so entsteht oft einseitiger (meist recttts) oder doppelseitiger Bruch. Diese Beobachtung hat Osborn gemacht, und andere Aerzte kamen zum selben Resultat. Ueber Steine in der Vorhaut bei Erwachsenen erzählt Dr. Schlegel einen interessanten Fall. Ein katholischer Priester war lange an der Harnblase erkrankt. Er hatte sehr oft das Bedürfnis zu urinieren, der Urin kam nur tropfenweise und spärlich. Er fuhr nach Wildlingen und gebrauchte den Katheter. Alles half nichts, bis man darauf kam. daß er an Phimose litt, das Fett hatte sich in der Vorhaut angesammelt und konnte nur durch Beschneidnug entfernt werden, wodurch der Priester auch gesund wurde. Manche Aerzte behaupten, daß die Phimose die Ursache zur Kinderlosigkeit werden kann. Leonardo, der Friseur der Marie Antoinette, hat lins folgende amüsante Geschichte aufbewahrt. Ludwig XVI. und Marie Antoinette hatten fünf Jahre nach ihrer Vermählung noch kein Kind, als die Gräfin Artois eines Knaben genas, der Thronfolger werden sollte. Da befragte Ludwig seinen Leibarzt nach der Ursache seiner Kinderlosigkeit, und dieser gab ihm zur Antwort, er müsse sich beschneiden lassen! Es ist ferner kein Zweifel, daß die Befchneidung in hervorragender Weise vor der Syphilis schützt, weswegen viele Aerzte Vorschlägen, die Beschneidnug allgemein einznführen, so die Majorität des Aerztekongresses in Leeds und der internationale Aerztekongreß in Paris im Jahre 1867. Der berühmte russische Professor Sukowenikow verkündet es vom Katheder aus, daß man die Beschneidnug allgemein zur Psticht machen müsse. Rew erden sagt: Man muß erwarten, daß die Beschneidung sich allgemeiner verbreitet. Lin gart: Die Beschneidnug ist ein gutes Schutzmittel gegen zahlreiche Krankheiten. Tilmans: Die Beschneidnug ist eine sehr notwendige Operation. Erichsen: Es wäre gut. weno man auch bei uns die Beschneidung entführen möchte. Martin schlägt vor, die Beschneidnug bei allen Europäern einzuführen. Janowitz-Zainsky sagt: Die Beschneidnug ist eines der besten Mittel, gegen Syphilis zu schützen. Semblinow sagt: Die Beschneidnug muß obligat sein wie die Pockenimpfung. Unser Autor zählt 18 Arten von Krankheiten auf, die nur bei vorhandener Vorhaut möglich sind und bringtauch statistische Beweise, daß zum Beispiel in Rußland im Jahre 1896 die Kindersterblichkeit im ersten Monat bei den Juden fast'den vierten Teil beträgt von der Kindersterblichkeit bei. den Rüssen! Trotzdem ist die Beschneidung nicht ohne Gelahr, wenn sie nicht von einem tüchtigen, vorsichtigen Arzt, -Hl :/