Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Die Wahrheit Seite' 7. Her Exzesse — speziell bei Gelegenheit von Subvenlionsiamm-- .lungen — nicht hinaus," sondern in die angelsächsischen Länder, deren Elltrnstnngsstnrm über die Verschuldltngen Rußlands ihnen ein Trost im Unglück war. (Fortsetzung folgt.) Uerschiedene Uachrichlen. Wien. Anläßlich des Allerhöchsten Geburrsfestes Sr. Majestät des Kaisers wird der Vorstand der Wiener Knlmsgeineinde eine künstlerisch ausgestattete Huldigungsadresse in der kaiserlichen Kabinetskanzlei überreichen lassen. Weiters finden Donnerstag, den 18. August d. I. in den Gemeindebethäuseru der Israel. Knltusgeineinde Wien feierliche Gottesdienste statt, und zwar: im S t a d t - T e in v e l. I Seitensteltengasse um 9 Uhr vorm., im L e o p o l d st ä d t e r - T e m p e l. II. Tempelgasse um 3'410 Uhr vorm., im F ü n s h a u s e r - T e m v e l, XV. Turnergasse 22 um 'jß Uhr vorm., im O t t a k r i n g e r - T e m p e l, XVI. Hubergasse 8 um 7 Uhr früh. im W ä h r i n g e r - T e m p e l, XVIII. Schopenhauerstraße 39 um 'iß Uhr früh, im F l o r i d s d o r f e r - T e m p e l, XXI. Schiudlergasse 4 um 5 Uhr uachm. Wien. Aus Anlaß des 80. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers finder am 18. August, 11 Uhr vormittags, im türk.-israel. Tempel, II. Zirkusgasse 22, em solenner Festgottesdienst start. Wien. Der Vorstand des Talmnd-Thora-Vereines veranstaltet anläßlich des 80. Geburtstages Sr. Majestät am 18. August, 7 Uhr früh, im Bethanse. H. Malzgasse, eine solenne Feier. Wien. (Israelitischer S y u a g o g e n - B e r e i n „B e t h Israel nach polnisch-jüdischem Ritus, Wien, II. Leopoldsgasse 29.) Anläßlich des Allerhöchsten 80. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers findet Donnerstag, den 18. August l. I.. um 9 Uhr vormittags, in unserer Synagoge ein feierlicher Gottesdienst statt. Wie». Ans Anlaß der Vollendung des 80. Lebensjahres Seiner Majestät des Kaisers findet im Bethause Adas Jisroel, II. Große Schiffgasse 8 (Schiffsschul), am 18. August d. I., um halb 12 Uhr vormittags, «in feierlicher F.'stgotlesdieust statt. Die Festpredigt wird Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Für st halten. Wien. (Israelitischer Tempel-Verein für die Bezirke Wieden und Margarethen.) Anläßlich des 80. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers findet am 18. August d. I., um 4 Uhr nachmittags, lin Kaiser Franz Joseph - Regierungs - Jubiläums - Tempel, V. Siebenbrunnengasse 1, ein Festgoctesdienst statt. Wien. (Israel. B e r h a u s - V e r e i n „C h e w r a B e c H a t f i l a h.) Donnerstag, den 18. August d. I., abends 7 Uhr. findet im Tempel, IX. Grünethorgasse 13 (Müllnecgasse 21), aus Anlaß des 80. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ein F.'stgottesdienst statt. Wien. (B e t h a u s - B e r e i n „Am Volker r.) Nunmehr soll wirklich der seit vielen Jahren vom Bethausvorstande eifrig verfolgte Herzenswunsch verwirklicht werden. Schon seit zwei Jahrzehnten wird der Plan zur Erbauung eines würdigen Gotteshauses beraten und war schon so weit gediehen, daß die Baubehörde die Bewilligung erteilt hat. Nichcschestoweniger wurde die Ausführung mir Rücksicht auf den Unistand, daß der Tempel in dem Hofranme eines Hauses erstanden wäre, unterlassen. Derzeit wurde ein besonders geeigneter Bauplatz, der zwei Straßen durchquert und an der Kaiser Josesstraße gelegen ist, käuflich erworben und fand Dienstag, am 9. August die kommissionelle Besichtigung und der Augenschein statt. Da von keiner Seite gegen die Erbauung des Tempels Einwendungen erhoben wurden, ja noch mehr, die von dem Archirekcen Herrn Ignaz Reiser entworfenen Pläne samt großartigen beiderseitigen Fassaden allen Teilnehmern gefielen, wurde dem Vorstande eröffnet, daß gegen die Aufführung des Gotteshauses kein Hindernis obwaltet. Bei der sofort abgehaltenen Vorstandssitznug wurde stimmeneinhellig der Beschluß gefaßt, diesen Kaiser-Huldignngstempel zur Erinnerung an den 80. Geburtsrag unseres erlauchten Monarchen zu erbauen und sogleich die nötigen Veranstaltungen zu treffen, daß schon am 18. August 1910, dem Geburtstage unseres ruhmgekrönten Kaisers, die Grundsteinlegung stattfindet. Schon jetzt soll rühmend hervorgehoben werden, daß durch das tatkräftige Eingreifen des Bethanspräsidenten und Kultusvorstehers Herrn Adolf S ch r a m e k sowie seines Stellvertreters Herrn Elkan Bauer und durch die zielbewnßte Mithilfe der beiden Vorstandsmitglieder Herren Samuel Adler und des Schriftführers Dr. Moriz K o h n die endliche Verwirklichnng ins Rollen gebracht wurde. Wien. Das Ehepaar Jakob und Elisabeth Mittler begeht am 20. d. M. im Kreise seiner Angehörigen daö Fest der diamantenen Hochzeit. Die Feier findet Samstag, den 20. d. M.. im Bethause, HI. Erdbergstraße 15 statt. Baden. Wie uns von kompetenter Seite mitgeteilr wird, entbehrt die in der vorwöcheutlichen Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" veröffentlichte Notiz betreffs der hiesigen Schächter jeder Grundlage nnd wir sind nach den von uns eiiigeholten Informationen zu der Erklärung ermächtigt, daß bei der Knltnsgemeinde keinerlei Neigung besteht, in ihrem bisherigen Verhältnisse zu den Schächtern irgend eine Aenderung eintreten zu . lassen. Diejenigen Fleischbänke, resp. Schächter, die unter direkter Aussicht des Rabbinates stehen, sind in der Vorhalle des Tempels affichiert und ihr Kaschrut ist so einwandfrei, daß selbst diejenigen Gemeindemitglieder und Kurgäste, die in ritueller Beziehung die strengsten Anfordernugeu stellen, dort vollkommen beruhigt ihren Fleischbedars decken können. Aber auch betreffs der übrigen Schächter hat sich bisher kein Anlaß zum Einschreiten seitens des Rabbinates. resp. der Kultusgemeinde ergeben und da somit für den Bezug von Koscherfleisch genügend Sorge getragen ist, har die Kultusgemeinde keinerlei Absicht, an den gegenwärtigen Verhältnissen etwas zn ändern nnd dadurch einerseits größere materielle Lasten auf sich zu nehmen und anderseits unnötige Konflikte heraufzubeschwöcen. Zu der Annahme, daß die Schächter nunmehr der Kultusgemeinde subordiniert werden sollen, har vielleicht die Tatsache geführt, daß einem Schächter, der durch Jahrzehnte tadellos seines Amtes waltete und jetzt infolge vorgeschrittenen Alters nicht mehr berufsfähig ist, von der Gemeinde eine monatliche Sustentat'.onszulage ansgesetzr wurde. Das ist wohl ein Akt höchst anerkennenswerter Fürsorge, ans dem aber keine Schlüsse für eine allgemeine Aenderung des Verhältnisses der Schächter zn der Kultusgemeinde gezogen werden dürfen. Prag. Die Schöpfung des kürzlich Heimgegangenen Baurates S t i a ß n y, das „Jüdische Museum" in Wien, har auch hier Anregung zur Errichtung eines gleichen Institutes gegeben. Der „Frkf. Zeitung" wird darüber geschrieben: Es ist nicht groß, dieses jüdische Museum, und enthält mir einen Bruchteil alles dessen, was der Erhaltung wert gewesen wäre, aber immerhin bietet es für Forscher nnd Laien sehr viel Interessantes und Sehenswertes. Einzelne Gegenstände reichen bis au das Ende des 16. Jahrhunderts zurück; sie entrollen die eigenartige und wechselvolle Geschichte des Prager Ghettos, die mühevolle Entwicklung der Inden aus der Enge des Ghettos zur bürgerlichen Freiheit. Mit besonderer Sorgfalt wird hier eine Urkunde Kaiser Josephs II. ansbewahrt, die mit den strengen Ausnahmegesetzen brach nnd dem Michl Jeiteles die Errichtung einer Apotheke gestartete; es war dies wohl das erste Avothekerprivileg eines Juden in Oesterreich. Die Druckschriften und Schriftdenkmäler, unter denen sich viele interessaute Flugschriften befinden, würden eine genaue Durchsicht lohnen . . . Mein Auge fällt da zum Beispiel ans eine Sammlung deutscher Psalmen aus dem Jahre 1757, die in der „Alt-Neuschul" gebetet wurden, als Friedrich der Große Prag bedrohte. Sehr reich ist das Museum an Knnstschätzen, denn es vereinigt nicht nur die alten Tempelgeräre ans den anfgelassencn Synagogen des Ghettos, sondern anch viele wertvolle Objekte, die bisher in Privatbesitz sich befanden. Wundervoll dekorativ wirken die Paramente, von denen einzelne mehr als zweihunderrfünizig Jahre alt sind. Es sind Meisterwerke der Goldstickkruist. wie die schön gearbeiteten Schabboslampen und -Leuchter beachtenswerte Stücke der Goldsciimiedekniist darstellen. Historisch interessant ist d:e Rieienfahne der ehemaligen jüdischen Fleischerznnst, ein Koloß von einer Standarte, die von zwölf Männern getragen werden mußte und bei der Verteidigung der Prager Altstadt gegen die Schweden manche Wunde erhielt. Die Fahne zeigt ans der einen Seite den böhmischen Löwen, auf der andern das Prager Stadtwappen. Auch das Zunftzeichen der Fleischer ist sehenswert: ein großer hohler Zinnschlüssel mit Inschriften, der als Futteral für die silbernen Schlüssel zu den Toren der Judenstadt diente. Dieses Stück stammt ans dem Jahre 1620. Ans die alten jüdischen vornehmen Geschlechter weisen ein Aussatz der Bnndeslade aus der Joachim Edler v. Popper-Synagoge, der mit dem Wappen dieser Familie geschmückt ist. sowie die zahlreichen Porträts jüdischer Notabeln, die die Wände des Museums schmücken. Italienische Arbeit sind einige künstlerisch ausgesührte Gebetrollen. die das Datum 1680 tragen. Auch eine Reihe prächtiger Estherrollen (Megilloth) ist hier zu sehen, u. a. anch ein auf Papierstreifen angefertigtes, mir Holzdruck geschmücktes Exemplar, das schon wegen seiner originalen, von aller Tradition abweichenden Form. Interesse verdient. Einen ganz eigenen Reiz üben die in einer Birrine verschlossenen, stilvollen Goldnnd Zilbergeräte. Da sieht man Kidduschbecher in den verschiedensten Formen, Sammelbüchsen, Teller, Kannen, Becken. Thoradenter, einen schweren silbernen Habdalahleuchter aus dem Besitz der ehemaligen „Zigeiner"-Synagoge und Gewürzbüchsen in den anmutigsten Formen. Unsere modernen Künstgewerbler würden hier zweifellos manche Anregung empfangen . . . Auch schöne alce Geldstücke nnd Ringe findet man unter den Milseiimsobjekten; ein Gvldring mit Onyxstein, offenbar italienische Arbeit, trägt die Inschrift „lehadlik ner schel schabos.“ Czaslau. Im hiesigen israelitischen Bethaus erschoß der 35jährige Zugführer des 21. Landwehr-Jnfanterie-Regimentes Gellinetz den Tempeldiener mit einem Revolver nnd feuerte dann auf die Tochter des Ermordeten. Die letzteren Schüsse gingen aber fehl. Dann tötete sich Gellinetz durch einen Schuß in den Kopf. Die Ursache zn der Bluttat war die Abweisung der Bewerbung des Zugführers um die Hand des jungen Mädchens. Boskotvitz. Vor einigen Tagen verschied in der Sommerfrische Weidlingan die in Wien wohnhaft gewesene Witwe nach dem seinerzeitigen hiesigen Bürgermeister Moriz Häusler. Frau Fanui Häusler, nach längerem Leiden. Die Leiche wurde hieher überführt. Die allgemeine Wertschätzung^ deren sich die Verblichene erfreute, kam bei ihrem Leichenbegängnisse zn beredtem Ausdruck. Lemberg. Das Leichenbegängnis des so jäh verstorbenen Abg. Dr. Gabel war ein nnqemein imposantes nnd zeigte, wie tief der Verblichene im jüdischen Volke Wurzel gefaßt hat. Das Leichenbegängnis war für halb 3 Uhr angesetzt und nahm am Bahnhof Podsamcze seinen Ausgang. Zum Begräbnis waren erschienen die Familie, eine Deputation ruthenischer Reichsrars- und Landragsabgeordneter unter Führung des Vizepräsidenten Prof. R o in a n c z u k. Abgeordneter Dr. Slraucher als Vertreter des jüdischen Klubs und der Nationalpartei in der Bukowina mit einer Devntation ans Czernowitz bestehend aus Dr. ' Leiter und Dr. Diamant, ferner erschienen große Depmationeu sämtlicher galiziicher zionistischer Ortsgruppen und Vereine, schließlich andere jüdisch-nationale Deputationen aus allen Teilen Galiziens. Diese Deputationen umfaßten zirka 1000 Personen. Die Verbindung „Zevhirah" aus Czernowitz war durch zwei Herren vertreten. Außer diesen wurde eine schier unabsehbare Schar von Trauergästen bemerkt, unter denen sich auch der Präsident der Lemberger Kultusgemeinde H o r o w i tz, wie sämtliche ><v f