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Die Wahrheit · 1910-08-12 · Heft 32 (12.8.1910) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 32 (12.8.1910)
Date
1910-08-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 32. völkeruug des Reiches gleichfalls zur Feier dieses Jubeltages rüstete, da sprach der Allerhöchste Jubilar deu Wunsch aus, es möge die geplante Huldigung nicht in rauschenden Festen, nicht in kostspieligen, prunkhaften Ovationen, sondern in stillen Wohltätigkeitsakten, in Werken der Humanität und Nächstenliebe zum Ausdruck gelangen, die vornehmlich den der Fürsorge bedürftigen Kindern des Reiches zugute kommen sollten. In der Tal rief dieser rührende, von tiefseelischem Empfinden inspirierte Herzenswunsch des Monarchen überall lautes, freudiges Echo hervor. Es wurden zahlreiche Wohlfahrtsanstalten und Fürsorgevereine ins Leben gerufen, die den Kindern des Volkes, speziell aber jenen der nnbemittelten Volksschichten zugänglich und eine wahre Quelle des Segens und des Heils geworden sind. Wieder naht der 18. August, der für das Doppelreich so denkwürdige uuö bedeutungsvolle Zeitpunkt, für den diesmal, weil er zum 80. Male sich fährt, besondere Festlichkeiten und Huldigungsakte in Aussicht genommen wurden, doch wieder ergeht Allerhöchsterseits an die Bevölkerung die zarte Weisung, auch bei diesem Anlässe kein außergewöhnliches Festprogramm zu entfalten, iusbesonders aber von der geplanten Absendung offizieller Huldiguugsdeputationen Abstand zu nehmen. Und so werben wohl die diesmal dein allgeliebten und allverehrten Kaiser zugedachteu besonderen Huldigungsbezeugungen unterbleiben, aber eines wird sich die Bevölkerung nicht nehmen lassen, der 80. Jahreswende im glorreichen Leben ihres gütigen und huldvollen Herrschers an den geweihten Stätten eine besondere Weihe, ein höheres Relief zu verleihen. Und so wird auch die Judenschaft der Monarchie, so wie immer, wenn es gilt, dem erlauchten Träger der Krone ihre Loyalität, ihre unverfälschte Liebe, Treue und Ergebenheit an den Tag zu legen. alles aufbieteu, allerhöchst dessen 80. Geburtstag in ihren Tempeln. Synagogen und Bethänseru durch einen besonderen Festgottesdienst zu einem außergewöhnlich imposanten Huldiguugsakte zu gestalten. Aber nicht allein wir, die „Großen", sondern auch die „Kleinen", unsere Kinder, haben alle Ursache, dem erlauchten Monarchen bei diesem Anlässe ihr kindlich-patriotisches Empfinden, ihre Liebe, Anhänglichkeit und Ergebenheit an geheiligter Stätte zum Ausdruck zu bringen. Denn Tausende und Abertausende vom Hause aus arme und verlassene Kinder in deu Landen des Reiches haben es der Initiative des Kaisers, der für das „Kind" so väterlich fühlt und sorgt, zu verdanken, daß sie die Wohltaten jener Humauitätsanstalteu genießen, die dazu bestimmt sind, ihnen ihr hartes Geschick zu erleichtern und zu verbessern und ihnen die nötige körperliche und geistige Fürsorge für den ersten, mühevollen Weg des Lebens zu bieten. •pm *32 *n NN kt „Ehrfürchte Gott, mein Kind, aber auch den Kaiser und König." So lautet in unserer heiligen Schrift die Lehre, die wir unseren Kindern schon in ihrem zarten Alter erteilen und ans Herz legen sollen. Wie tief und wie fest diese Lehre in den jugendlichen Herzen unserer Kinder wurzelt und wie sie sich ereifern, diese Lehre bei jeder Gelegenheit zu betätigen. das kann man am besten wahrnehmen, wenn sie einem patriotischen Akte zugezogen werden, bei dem die Volkshymne gespielt oder das Kaiserlied gesungen wird. Welch freudige Erregung, welch tiefinnige Wonne beschleicht ihr jugendliches Herz, und wie seelenvoll erklingen ihre Töne, wenn sie das begeisternde Lied mitaustimmeu und in geflügelten Sangesworten das Wohlergehen und das lange Leben des guten, edlen Kaisers von Gott erflehen. Der 18. August fällt in die Zeit 'der Schulferien und macht es den Eltern zur Pflicht, in Vertretung der Schule, ihren Sprößliugen die hohe Bedeutung dieses Tages nahe zu legen und sie zu den öffentlichen Loyalitätskuudgebuugen heranzuziehen, mit denen die Bevölkerung des Reiches dem erlauchten Landesherrn ihre treue Gesinnung, ihre.hohe Verehrung manifestiert. Und so wird der 80. Geburtstag des Kaisers auch unseren jugendlichen Kindern in Stadt und Land ein Fest- und Freudentag sein, denn sie werden an dem Gottesdienste, der sich diesmal an den geheiligten Stätten der Andacht besonders feierlich gestalten wird, regen Anteil nehmen; sie werden sich an den Festgebeteu beteiligen, der Festpredigt lauschen und gehoben und begeistert das Lied anstimmen: „Gott erhalte, Gott beschütze u u s e r n Kaiser unser La n d." Daniel Skutezky Religiouslehrer. Gm Mort ft» den Minister. Ueber die Vorstellungen, die jüngst seitens der jüdischen Mitglieder des Polenklubs beim Ministerpräsidenten betreffs der Lage der Juden in Galizien erhoben wurden, stellt die „Czernow. Volkswehr" folgende beachtenswerte Betrachtungen an. Vor kurzem brachten mehrere polnische und Wiener. Blätter breitspurige Mitteiluugeu über eine Koufereuz. welche die jüdischen Mitglieder des Polenklnbs, die Herren Dr. Löwe aast e i n, Dr. K o l i s ch e r und Dr. Gold mit dem Ministerpräsidenten Baron B i e u e r t h abgehalten hatten. Da wird der Oeffentlichkeit mitgeteilt, daß die Herren Dr. L ö w e n st e i n und Genossen beim Ministerpräsidenten Baron B i e u e r t h lebhafte Klage über die v i e l f a ch e Z u r ü ck s e tz n n g der Juden i n G a l i z i e n bei S t a a t s a n st e l l u n g e n u. dgl. geführt, die traurige wirtschaftliche Lage eines großen Teiles der g a l i z i s ch e u Iudeuschaft zur Sprache gebracht und um Abhilfe gebeten haben; auch wird da hervorgehoben, daß die Herren insbesondere wegen der Leichtigkeit der Namensänderung von Juden „vorstellig" geworden sind re. Schließlich wird in den Zeitungskommuniques betont, daß der Herr Ministerpräsident eine wohlwollende Berücksichtigung der vorgebrachten Wünsche zugesichert habe. Dieser Schritt der Juden des Polenklnbs und die erwähnte Publikation fordern nun zit einiger Betrachtung heraus. Zunächst generai sich ja die Herren Dr. L ö w e n st e i n. Dr. Ko lisch er und Dr. Gold als ivaschechte nationale Polen — ja sie gehören dem national-demokratischen Flügel des Polenklubs unter Führung Dr. G l o m b i n s k i s an, kurz sie sind — wenigstens nach ihrem eigenen Bekenntnisse — vollwertige Mitglieder des nationalen Polenklnbs. Wenn sie nun Beschwerden zu führen nnd Wünsche vorzntragen hatten, warum hat denn nicht das hiezu kompetente Präsidium des P o l e u k l u b s, das ja in den letzten Monaten so häufig Konferenzen mit dem Ministerpräsidenten abgehalten hat, auch diese Beschwerden der Juden des Polenklnbs dem Ministerpräsidenten vorgetragen, und warum hat nicht dieses Präsidium diese jüdisch-polnische Deputation zum Ministerpräsidenten g e f ü h r t, um ihren Beschwerden und Wünschen gebührenden Nachdruck zu verleihen? Bei den Wahlen und allen politischen Aktionen bilden doch die Juden „die geehrten jüdischen Mitbürger nnd Wähler" ein stark umworbenes Kontingent, die mau als gleichberechtigt ausgibt. Und wenn über die Z u r ü ck s e tz u n g j ü d i s ch er Bewerber a u f S t a a t s a u st e l l n n g e n Klage geführt w i r d, warum geschieht dasselbe in p v t e n z i e r t e r e m Grade in d e ü autonomen und Gemeindeämtern Galiziens? Warum ist beispielsweise kein Jude beim Stadtmagistrate in Lemberg oder Krakau . angestellt, da doch in dieser Stadt mehr als zwischen 40.000 und 50.000 Inden wohnen? Warum gibt es in deu galizischen Bezirksvertretuugeu, im Laudesausschuß, in den verschiedenen anderen Aemtern und Behörden keine jüdischen Beamten? Und in allen diesen A e m t e r n u n d B e h ö r d e n ist d o ch d i e d o minierende nnd e n t s ch e i d e n d e P a r t e i eben jene, der die Herren Dr. L ö w e n st e i n, Dr. K o l i s ch e r nnd Dr. Gold im Landtage nnd Reichsrate. in den Gemeinde- und Bezirksvertretungeu rc. angehören? .. . Und welche Partei ist es denn, die den w i r t s ch a s t l i ch e u N i e d e r g a it g der Iudenschaft Galiziens teils h e r a u f beschwören, teils m i t v e r s ch n l d e t, teils bisher gefördert hat? Was ists ferner mit jener wirtschaftlichen Aktion für die Juden, die Herr Dr. L ö w e n st e i n vor nun mehr als vier Jahren im galizischen Landtage angeregt und

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