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Die Wahrheit · 1910-08-05 · Heft 31 (5.8.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 31. Rettungsgesellschaft kam mit Dr. Mittler, der nur den Eintritt des Todes, wahrscheinlich infolge eines Herzleidens, feststellen konnte. Dr. Heinrich Gabel war am 12. Aprii 1873 geboren. Er absolvierte die Gymnasial- und Universitärsstudien in Lemberg und eröffnete daselbst im Jahre 1902 eine Advokarurskanzlei. Bei den ersten Wahlen nach dem allgemeinen Wahlrechte im Mai 1907 kandidierre er in Buczacz auf Grund des jüdisch-nationalen Programmes und wurde mit Unterstützung der Rnthenen in das Parlament entsendet. In der zionistischen Partei nahm er als Vizepräsident des Distriktskomirees für Ostgalizien eine führende Stellung ein und auch im Abgeorduetenhause ist er wiederholt für die Wahrung der Rechte der jüdischen Staatsbürger im Sinne seines jüdisch-nationalen Programmes eingetreten. Noch in den letzten Tagen Hai er in sehr eifriger Weise an den Arbeiten des in Permanenz befindlichen Sozialversicherungsausschufies teilgenommen. Dr. Gabel war seit einigen Monaten verheiratet. Die Leiche wurde Montag, den 1. August nach Lemberg über'ührt. Der Uedersührung ging eine Trauerzeremonie auf der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralsriedhofes voraus. Dort hatten sich vor 3 Uhr nachmittags die Reichsralsabgeordneten Nikolaj Ritter v. W a s s i l k o und Adolf Stand, Professor W e r t h e i ni e r (Prag), Kultusvorstand Dr. Markus Spitzer, Amtsleiter Braun und zahlreiche Mitglieder zionistischer Organisationen eingefunden. Bald nach 3 Uhr wurde der Sarg von Mirgliedern der akademischen Verbindungen in die Zcremouienhalle getragen, wo die Reichsratsabgeordneten Ritter v. W a s s i l k o und Stand, sowie für die zionistische Landesorganisation Herr Böhm dem Verstorbenen Nachrufe hielten. Wien. Sonnrag, den 31. Juli ist im Sanatorium in Purkersdors der Chef der in weitesten Kreisen bekannten Schnhwarenfirma H. Bauer, Herr Hoflieferant Hermann Bauer, nach kurzem, schwerem Leiden im 55. Lebensjahre gestorben. Der Heimgegangene, ein Bruder des Herausgebers unseres Blattes Oberkantors Jakob Bauer, hat im Vereine mit seiner gleich ihm im Geschäfte unermüdlich tätigen Gattin Henriette Baue r, geb. Beck, die nach 30jähriger glücklicher Ehe mit zwei Söhnen und drei Töchtern trauernd an seiner Bahre steht, sein Haus von sehr bescheidenen Anfängen an zu einer in der Branche führenden und allgemein anerkannten Stellung emporgearbeitet und sich um die Förderung der Schuhwaremuduftrie in Oesterreich große Verdienste erworben. In der Familie war er ein liebevoller Gatte und Vater und all sein Streben galt dem Wohle der Seinen. Das Leicheubegäuguis fand Dienstag, den 2. August, 11 Uhr vormittags, unter zahlreicher Teilnahme von der Zeremouienhalle der israel. Abteilung des Zentralfriedhofes aus. statt. Nach stimmungsvollem Vortrag der Trauergesänge durch I. Kantor I irrst e r g e r unter Asiistenz des Chores würdigte Oberrabbiner Dr. G ü d em a n n mit trostspendenden Worten den arbeits- und erfolgreichen Lebensgang des Verblichenen und namens der Berufsgciiossen sprach an der Bahre Herr Goller st epper. Hierauf wurden die irdischen Reste des Heimgegangenen zur ewigen Ruhe gebettet. Er ruhe in Frieden! Mien. Mittwoch, den 20. Juli verschied - in der Sommerfrische Mauer Frau Amalie H o f b a u e r, Witwe nach dem Mitbegründer der Firma Adolf und B. H o f b a u e r. Die allgemeine Wertschätzung, deren sich die Verblichene erfreute, kam bei ihrem Leichenbegänguisse zu beredtem Ausdruck. Man bemerkte unter anderem den Schwager Herrn Bernhard H o f b a u e r. Herrn Hugo G e r n g r o ß, Chef der gleichnamigen Firma, Frau Regine L a n d e i s, die Vorsteher der Schiffschul, Back, K o h n und Schiff, eine Abordnung des Stumpertempcls u. v. A. Im Zeremoniensaale des Zentralfriedhofes hielt Herr Rabbiner Aron Fürst der Heimgegangenen einen tiefempfundenen, wirkungsvollen Nachruf. Budapest. Drei Komitate im Lande haben den Beschluß gefaßt, daß auf ihrem Gebiete sämtliche Wirtshäuser an Sonn- und Feiertagen geschloffen bleiben müssen. Welch gewaltiger Nachteil dieser Beschluß für die Wirtshäuser, von denen 95 Prozent, im Besitz von Juden sind, bedeutete. braucht wohl nicht näher erörtert zu werden. Auf ein Gesuch der Betroffenen kam nun heute die halbamtliche Mitteilung des Finanzmmisters v. L u k a c s, in welcher der Minister obigen Beschluß der Komitate als ungesetzlich annullierte. Buczacz. Am 11. Juli l. I. hat sich der neugewählte Gemeinderat konstituiert und wurde bereits einstimmig zum achten Male der Bürgermeister Herr Bernhard Stern für die nächste sechsjährige Wahlperiode wiedergewählt. Der Bürgermeister Herr Bernhard Stern beginnt schon sein 35. Amtsjahr als Bürgermeister der Stadt Buczacz, welche zu den 80 Städten Galiziens gehört, 15.500 Einwohner zählt und nach Stanislan und Tarnopol den ersten Platz als Handelsstadt einnimmt. Den Vorsitz als ältestes Mitglied des Gemeinderates führte der hiesige Prälat Stanislaus G r o m n i c k i, welcher den Posten eines Seelsorgers des römisch-katholischen Ritus seit 30 Jahren bekleidet, hob die Verdienste des Bürgermeisters um die Stadt hervor, berief sich auf den großen Aufschwung der Stadt in den letzten Jahren, betonte besonders mit großer Befriedigung die harmonische Eintracht unter der hiesigen Bevölkerung, unter deu Polen, Rnthenen und Juden, welchen Umstand wir der umsichtigen Leitung des Bürgermeisters zu verdanken haben, und erklärte die erste Stimme bei der Neuwahl für deu Bürgermeister Herrn Bernhard Stern abzugeben. Der Gemeinderat, nach den Statuten der 30 Städte aus 36 Mitgliedern bestehend, gab einstimmig Herrn Bernhard Stern 35 Stimmen (der Bürgermeister beteiligte sich nicht an der Wahl.) Der Vorsitzende hielt nach der Abstimmung eine schwungvolle Rede, rühmte die Einigkeit im Gemeniderate und stellte die Stadt Buczacz als Muster dar mit bezug auf die im Lande immer mehr überhandnehmende Uneinigkeit. Der k. k. Statthaltereirat in Anwesenheit des Bezirksmarschalls Herrn Marian Baron B l a z o w s k i nahm nach der Wahl die Beeidigung vor. Nach Beendigung dieser Feierlichkeit dankte der wiedergewählte Bürgermeister, der im 62. Lebensjahre steht und in voller Gesundheit sichwohl befindet, dem Vorsitzenden, und versprach weiterhin seine Kräfte, wie bisher, dem Wohle der Stadt zu widmen und alles mögliche aufzubieten, die Eintracht und die Harmonie unter der Bevölkerung auch fernerhin zu. erhalten und sich zu bestreben, damit das wichtigste der städtischen Postulate, die zu kreierende Staatsgewerbeschule in Buczacz, noch im Laufe dieses Jahres eröffnet werde. Zu bemerken bleibt uns noch, daß Herr' Bernhard Stern seit dem Jahre 1676 bei der ersten Wahl als Bürgermeister gleichzeitig auch in den hiesigen Bezirksrat und Bezirksrals-Ausschuß wie auch in den k. k. Bezirksschulrat gewählt wurde und diese | Ehrenstellen bis heute ununterbrochen bekleidet. Als Präsident des hiesigen 8 wohltätigen Vereines „Humanitas" wird Herr Bernhard Stern im 8 Jahre 1911 das 40jährige Vorstandsjubiläum feiern. Als charakteristisch 8 bleibt uns noch zu bemerken, daß während der letzten achtmaligen durch- 8 geführten Gemeinderatswahlen kein einziger Protest erhoben wurde und- 8 der Bürgermeister immer im dritten Wahlkörper auch einstimmig als Gemeinderat gewählt wurde. Bei den Reichsratswahlen im Jahre 1907 für das neue Volkshans hat das hiesige städtische Komitee, bestehend aus Polen, Rnthenen und Inden, einstinimig den Bürgermeister Stern als Kandidaten aufgestellt, derselbe ist aber infolge der Zersahrenheit im Wahlbezirke, nänilich in den mitbeteiligten Städten Sniatyn, Zaleszczyki,. Tlumacz, Borczow und infolge des speziellen Wunsches des gottseligen Statthalters Andreas Grafen P o t o c k i zu gunsten des Abgeordneten Stefan M o h s a v. R o s o ch a ck i zurückgetreren. Die Stadt Buczacz. welche durch 35 Jahre immer einen jüdischen Abgeordneten, unter anderen warerr Dr. H ö n i g s m a n n, Rabbiner Schreiber, Dr. I. S. B l o ch, zusammen mit Kolomea und Sniatyn gewählt hatte, hat bei der letzten Wahl infolge der Aenderung des Wahlbezirkes und hauptsächlich infolge der Uneinigkeit in den benachbarten Städten unter den jüdischen Wählern das jüdische Mandat verloren. Buczacz gehört als Hauptwahlort im städtischen Wahlkreise Buczacz. Snyatin, Zaleszczyki. Tlumacz. Buenos-Aires. Die argentinische Republik hat ihr 100jähriges 8 Jubiläum gefeiert . . . Drei Jahre hat die Regierung sich zu diesem Feste- 8 vorbereitet. Die Manifestationen haben schwere Millionen gekostet, die das- Volk wird bezahlen müssen. Und diese teure, luxuriöse Parade endete, wie der „Krakauer Tag" berichtet, mit einem regelrechten Progrom im jüdischen Viertel von Buenos-Aires. Und dieser Progrom wurde nicht etwa von unwissenden Arbeitern, nicht vom Gassenpöbel veranstaltet, sondern von den Trägern der argentinischen Kultur, den Lehrern und Wegweisern zur Zivilisation: von der akademischen I u g e n d! Die Akademiker von Buenos-Aires hatten zu Ehren des Zentenariums einen Manifestationszug durch die Straßen der Stadt veranstaltet. Patriotische und studentische Lieder singend, zogen sie durch die Straßen und Gassen,, bis sie zum Judenviertel kamen, wo dann die „goldene argentinische Jugend" unter ohrenbetäubendem Lärm die Fenster zertrümmerte, in die Judenhäuser eindrang, dort alles kleinschlng, die Insassen insultierte, und selbst vor Plünderungen nicht zurückschrack. Also ganz nach Muster der russischen Holligans. Und die Polizei? Auch diese benahm sich russisch: sie schritt ein, nachdem die Herren die Zerstörung vollbracht hatten. Wie der Berichterstatter des genannten Blattes weiter berichtet, bemüht sich jetzt die Regierung den Schaden dadurch gut zu machen, daß sie die Beschädigten auffordert, den Schaden namhaft zu machen. Woosröschen. Erzählung von Babette Fried in Prag. (Schluß.) „O alles, nur das nicht!" stöhnte Else; ich will alles entbehren, will für meine Eltern arbeiten wie eine Magd, nur am Leben soll er bleiben. Der Doktor versprach dem fast verzweifelten Mädchen alles anfznbieten, um ihren Vater von einer so schrecklichen und sündhaften Tal abzuhalten, nur möge sie sich jetzt beruhigen. Else mußte gleich zu Bette gehen, und Rose saß als treue Pflegerin an ihrem Bette. Dann sandte der Doktor an den Vater Elses ein Telegramm ab, worin er ihn zu einer schleunigen Reise nach Wien anfforderte, und sogar den Zug bestimmte, mit welchem erfahren müsse. Dem Doktor lag daran, daß Reichmann schon unterwegs sei, bevor er durch die Zeitung den tragischen Tod seines Geschäftsfreundes erfahren könne. Darum sollte er den Nachtzng benutzen und von dem Doktor und Rose am Bahnhofe erwartet werden, da der Doktor ihn nicht persönlich kannte,, und Else noch zu angegriffen war, um sich einer neuerlichen Aufregung aussetzen zil dürfen. Reichmanns erste Frage, als er Rosas ansichtig wurde, war nach seiner Else. „Unbesorgt, Herr Reichmann! Else befindet sich wohl. Sie schläft noch. Sie ist wohl aufgehoben bei dem Freunde meines Vaters. Herrn Dr. Grünfeld." Die Herren reichten sich nach der kurzen Vorstellung zur Begrüßung die Hand. Keinerlei Höflichkeitsphrasen wurden bei dieser Gelegenheit gewechselt. Der Moment war ein zu ernster.

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