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Die Wahrheit · 1910-08-05 · Heft 31 (5.8.1910) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4. Die Wahrheit Nr. 31. i i I nicht, weil sie Juden sind, sondern trotzdem, sowie auch das Christentum nicht alle seine Bekenner edel und moralisch gestalten kann, was sogar Gesinnungsgenossen Dr. Pseuners (Hraba) noch gegenwärtig beklagen. Es ist eine bewußte Unwahrheit und eine höchst nnchristliche Verleumdung, wenn Dr. Psenner behauptet, der Jude habe nur Juden gegenüber Pflichten, dürfe aber seinen religiösen Satzungen gemäß gegen Nichtjnden gewalttätig, unehrlich (!) und rücksichtslos vorgehen. „Einerlei Gesetz und Recht soll unter euch sein für den Einheimischen und für den Fremden" (3. B. M., 24. Kap., 22. Vers) schreibt die Bibel vor. Es ist auch nicht wahr, wenn Dr. Psenner behauptet, der Jude hätte nur G l a u b e n s g e n o s s e n gegenüber Humanitätspflichten, denn die mosaische Bibel weist folgenden Satz auf: „Und wenn dein Bruder verarmt und seine Hand neben dir erschlafft, so sollst du ihn unterstützen, den Fremden und den Einwohner, damit er neben dir lebe". (3. B. M. 25. Kap., 35. Vers.) Die a l l g e m e i n e Menschenliebe, welche das Christentum spezifisch für sich reklamiert, ist in Wahrheit ein mosaisches Gesetz, dafür sprechen unzählige Vorschriften der Bibel. „Den Fremden sollst du nicht plagen und bedrücken, denn Fremdlinge seid ihr gewesen im Lande Egypten" (2. B. M. 22. Kap., 20. Vers.) „Wenn du den Ochsen deines Feindes triffst oder seinen Esel verirrt, sollst du es ihm zurückstellen," (2. B. M. 23. Kap., 4. Vers.) „Wenn du den Esel deines Hassers siehst unter der Last liegend, sollst du dich nicht abwenden, sondern ihm aufhelfen." (2. B. M. 23. Kap., 5. Vers.) „Und den Fremden sollst du nicht bedrücken, denn ihr kennet das Gemüt des Fremden, da ihr Fremdlinge wäret im Lande Egypten." (2 B. M. 23. Kap., 9. Vers.) „Und wenn sich ein Fremder in eurem Lande aufhalten wird, sollst du ihn nicht plagen." „Wie der Einheimische soll er euch gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn Fremdlinge seid ihr gewesen im Lande Egypten, ich bin der Ewige, euer Gott." (3. B. M. 19. Kap., 33 und 34. Vers.) „Nach Verlaus dreier Jahre sollst du alle Zehenten deiner Frucht herausbriugen und in deinen Toren lassen." „Und es soll der Levite kommen, der kein Erbgut neben dir besitzt, und der Fremde, die Waise und die Witwe, welche in deinen Torei. sind, und sollen essen und sich sättigen, damit dich der Ewige, dein Gott, segne in allen deinen Händewerken, die du ausführst/ (6. B. M. 14. Kap., 28 und 29. Vers.) Die Vorenthaltung des T a g l o h n e s ist für den Bruder ebenso wie für den Fremden verboten (5. B. M. 24. Kap.. 14. und 15. Vers.) Die Rechtsbeug u n g des Fremden ist so wie für Waisen und Witwen der Einheimischen verboten (5. B. M. 24. Kap., 17. und 18. Vers,) Vergessene Garben wie jede Art von Nachlese werden für die Fremden ebenso wie für Waisen, und Witwen bestimmt. (5. B. M. 24. Kap., 19, 20, 21. und 22. Vers.) Auch die Behauptuug Dr. Pseuuers, den Juden sei die harte, materielle Arbeit verhaßt, stellt sich als bewußte Unwahrheit heraus, denn es muß ihm bekannt sein, daß es heute schon jüdische Arbeiter und Handwerker gibt, trotzdem es noch nicht verhältnismäßig lange ist, seitdem man sie zu dieser Erwerbsquelle überhaupt z u g e l a s s e n hat. Dr. Psenner dürfte es auch nicht so ganz unbekannt sein, daß der Beruf der Lastträger beispielsweise in der Türkei nahezu ganz in jüdischen Händen ist und daß kurz vor der Entstehung des Christentums die H ä n d e a r b e i t so sehr in Ansehen stand, daß die berühmtesten Gelehrten und Rabbinen aus dieser . Zeit als „Schuster. Binder, Lastträger u. dergl." angeführt werden. Wer sich mit der Geschichte der Inden beschäftigt, dem muß auch die Tatsache bekannt sein, daß ihr Martyrium sowohl der Zeit als Intensität nach den Höhepunkt gerade unter den christlichen Völkern erreichte, welche die Menschenliebe so sehr im Munde führen. Es ist nicht christlich, wenn man den Juden gegenwärtig eine besondere Habgier und Schachersucht vorwirft, nachdem man sie durch Jahrhunderte systematisch von jeder Erwerbsmöglichkeit durch ehrliche Arbeit a u s s ch l o ß und deren Unsicherheitsgefühl durch chronisch regelmäßig auftretende Ausbrüche der Raublust und des bestialischen Rassenhasses der christlichen Gemeinschaften aufrecht erhalten wurde. Dies mutet den objektiven Beobachter gerade so an, als wenn mau vorher einen Menschen über und über mit Kot bewirft und dann ansruft: „Schaut den Menschen an, er ist so unrein wie ein Schwein!" Wahrlich, im jüdischen Volke muß ein unverwüstlicher gesunder Kern stecken, ivenn es trotz seiner entsetzlich langen grausamen Märtyrerzeit noch nicht ganz verkommen und verzigeunert ist. wenn tioch immer verhältnismäßig viele Individuen unter den Juden Vorkommen, welche wegen ihres einwandfreien Charakters und Gemeinsinnes auch die Anerkennung ihrer christlichen Mitbürger erzwingen! Es ist also keineswegs „klar," wie Dr. Psenner meint, warum nicht auch Juden in christlichen Schulen ttnterrichten sollen. Diejenigen Inden, welche heute den Lehrberuf ergreifen, können wohl keine habsüchtigen Leute sein und das Eindringen ihrer Weltanschauung ins christliche Volk gefährdet dasselbe sicherlich ungleich weniger als die gehässigen, judeufeindlichen und unchristlichen Verhetznugsversuche des Dr. Psenner. Es entspricht auch der Wahrheit nicht, wenn Dr. Psenner behauptet „die Inden nehmen auch keine christlichen Lehrer in in ihre Schulen", denn die deutschen Schulen Mährens und Böhmens in tschechischen Gegenden, welche ursprünglich jüdische Gemeindeschnlen waren, besitzen gegenwärtig viele christliche Lehrpersonen. Die Inden zeigen auch tatsächlich heute noch, trotz offenkundigem Niedergänge des Handwerkes, keine Abneigung gegen die körperliche Arbeit, wie dies der so „wahrheitsliebende" Dr. Psenner behauptet, ohne es zu erhärten. Die S p e r r n n g s v e r's n ch e der Berufswahl gerade den Juden gegenüber, denen die christlichen Völker eine besondere Rücksicht schulden, beinhalten aber nicht bloß unchristliche Ungerechtigkeiten, sondern entschleiern auch unrühmliche Augst und schmählichen Neid der jüdischen Konkurrenz gegenüber. Was immer der Jude als Lebensberuf erwählt, immer ist er dem ivenn auch nominell christlichen, doch in Wahrheil unchristlichen Judenfeinde im Wege. Was Dr. Psenner zuletzt zur Begründung seiner nnchristlichen Forderung bezüglich der Zulassung der Inden zum Lehramte an den Universitäten anführt, glaubt er wohl selbst nicht, denn wenn auch viele (nicht alle) Hochschulen von Christen gegründet wurden, so werden sie gegenwärtig doch von allgemeinen S t e u e r g e l d e r n unterhalten und sind dadurch als öffentliche Bildungsanstalten nicht nur auch jüdischen Schülern sondern auch Lehrern zugänglich. Dr. Psenner kann also für seinen Kampszng gegen jüdische Lehrkräfte keine Rechtsgründe, sondern nur windige, hinfällige Scheingründe ansühren. Solange aber die Juden in Oesterreich im Belange ihrer Steuer- und Militär- Pflicht als vollgiltige Staatsbürger betrachtet werden und solange unsere gegenwärtig geltenden Gesetze nicht aufgehoben werden, stellen sich Dr. Psenner Beschrünknngsforderungen gegenüber den jüdischen Staatsbürgern als Anffordernngen heraus, bestehende Gesetze nicht zu beachten. Dies festzustellen war die Aufgabe dieser Betrachtung und Dr. Psenner mag so wie alle Antisemitenhänptlinge davon überzeugt sein, daß die Juden nicht mehr feige und wehrlos allen Abmurksnngsversnchen gegennberstehen. sondern allezeit scharfe Wache Hallen und es nicht unterlassen werden, jeden Versuch, Gewaltmaßregeln gegen die Inden zu beschönigen, durch rechtzeitige Charakterisierung zu vereiteln. Q .. Jt* X/ 0 Konunmiallehrer in Wien. Der Umverjulismns des Judentums. Von Rabbiner Dr. Beermann, Insterburg. Die neuere Religionspsychologie läßt die Religionen aus drei Wurzeln erwachsen, die ihre Fasern tief hineinsenken in den Grund der menschlichen Seele. Allerorten fühlt der Mensch seine Abhängigkeit von den Gewalten, der Natu r, aus Schritt und Tritt empfindet er die Grenzen seiner Kraft, darum sucht" er die Naturmächte, in deren Händen er «dSBWEi-5

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