Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 31 (5.8.1910)
- Date
- 1910-08-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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akrcheit OJeboftiou imb Ildiilinislicilioli:jj Wien, II/j Nvvaragasse 27 {! Telepliou: Redaktion 5107/VII1. Adminiftralion 4938/11. St. k. österr. Postsparkassa- Scyeck-Stonlo Nr. 100.918. Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile Heller. SlbonncmenlS- und JnfertionSbenage sind in Wien zahlbar und klagbar. ^abhängige Jertschrift für Mische Interessen. Gerngs-preis: Äanzjäluig.K 14.— Halbjävrig.K 7.— Für Kulknsbeniiite: tSWuHiiibiirt.K 10. — Erscheint jeden Kreitng. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!" Für AiiSlaud: <Sl„„zjäbrig.8 Mark 6 :>!nvel oder 16 FrcS. Mv. 31 Wie», 5. Angnst liMO. Inhalt: Eine Abwehr. — Der Universalismus des Judentums. — Das Leben und Wirken der Inden in Oesterreich in vorinärzlicheu Zeiten. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Moosröschen. — Austritt aus dem Judentum. Eine Abwehr. Alle Lehrerbibliotheken Wiens und Niederösterreichs wurden vor einiger Zeit von der christlichsozialen Partei mit der vom Präsidenten des christlichsozialen Vereines in Wien Dr. Ludwig Psenner heransgegebenen „Christlichen Volkswirtschaftslehre" bedacht, und diese dreibändige, parteipolitische Agitationsschrift hatte den Zweck, die Lehrerschaft Wiens und Niederösterreichs im Sinne der herrschenden Partei „aufzuklären." Es würde wohl zu weit führen, dieses Werk, das sich die Lehrerschaft gewiß nicht freiwillig anfchaffen würde, ausführlich zu kritisieren, aber zur Abwehr sehen wir uns veranlaßt, auf einige besonders hervortretende Stellen hinzuweisen. Herr Dr. Psenner, der fronune Katholik, beschäftigt sich nämlich au mehreren Stellen auch mit den Juden und zwar mit der „altjüdischen (alttestamentarischen) Weltanschauung." mit der „Familie im Judentum" und eifert in einem besonderen Abschnitte, den er „Das Judentum und die Schulen" überschreibt, in echt judenfeindlicher Weise gegen die Zulassung von jüdischen Lehrpersonen „in den christlichen Schulen," weil sie keine christliche Lebensanschauung haben. Der demagogische Schriftsteller verschweigt dabei konsequent die Tatsache, daß in Oesterreich nach den derzeit noch bestehenden Staatsgrund- und Schulgesetzen alle öffentlichen, von allgemeinen Steuern erhaltenen Schulen und Unterrichtsanstalren interkonfessionellen Charakter besitzen, daß es demzufolge überhaupt keine „christlichen Schulen" gibt und daß alle öffentlichen Schulen nicht nur jüdischen Schülern, sondern auch jüdischen Lehrpersonen zugänglich bleiben müssen. Abgesehen von den Unrichtigkeiten und Entstellungen, welche sich Dr. Psenner in seiner Darstellung der ..alljüdischen Weltanschauung" und der „Familie im Judentum" erlaubt, begründet er seine zuletzt erwähnte Forderung mit folgenden dreisten Behauptungen: ..Die Juden dünken sich noch immer über alle übrigen Menschen erhaben; sie dünken sich als ..anserwähltes Volk" von Jehova dazu bestimmt, der ganzen Welt ihre Lebensauffassung beizubringeu und alle übrigen Völker zu b eherrscheu." . . . „Jeder Nichtjude steht nach ihrer Anschauung und den Lehren des Talmud tief unter den Inden, er ist nur dazu auf der Welt, um den Juden zu dienen, und kann, auch wenn er dem Judeutume beitritt, nie vollberechtigter Jude werden." ... „Die Güter der ganzen Welt betrachten die Juden als von Rechtswegen ihnen gehörig (!)" . .. „Sie halten sich deshalb auch für berechtigt, die Güter der Nichtjuden a uf jed e Weife an sich zu ziehen (!!)" . .. Als Kronzeugen für diese ungeheuerlichen Behauptungen führt Dr. Psenner „die berühmtesten orientaliitischen Gelehrten," wie Eisenmenger, De Lagarde, Rohling, Wahrmnnd und andere „zahlreiche jüdische Konvertiten" an. Lauter wütende Inden- Hasser, aber unbefangene christliche Kenner der rabbinischen Literatur, wie Dr. Strack, Th. Nöldecke. Merx, Siegfried, Stade, Wünsche, Köhler, Delitzsch u. s. w. hütet er sich wohl zu erwähnen. Nun. die talmudischen Schriften sind auf die fünf Bücher Moses aufgebaut, was Dr. Psenner trotz seiner unchristlichen Bemängelung der „jüdischen (alttestamentarischen) Weltanschauung" bekannt sein muß, wenn man ihm auch io wenig wie dem Verfasser dieser Abwehr eine umfassende Kenntnis der ungeheuer umfangreichen talmudischen Literatur znmuten kann. Dr. Psenner behauptet selbst nicht, dieselbe zu kennen und ist in dieser Richtung vorsichtiger als seine Gesinnungsgenossen Holubek und Ernst Schneider. So viel muß aber Dr. Psenner zugeben, daß die mosaische Bibel für die jüdische Weltanschauung maßgebender ist und war als der Talmud, nicht nur darum, weil sie die Urquelle derselben und des Talmud ist, sondern schon aus dem einfachen Grunde, well ihre Kenntnis unter den Juden allezeit ungleich mehr verbreitet war als die des Talmud. Die Weltanschauung der mosaischen Bibel ist aber tatsächlich auch die aller christlichen Konfessionen und sollte auch Dr. Psenner diese Urkunde trotz seines Judenhasses geheiligt und unantastbar sein. Die Inden sind im selben Sinne „das anserwählte Volk" Gottes, wie die katholische Kirche für ihre Bekenner „alleinseligmachend" ist. Die S e l b st s n ch t ist ein allgemein menschliches Laster und das mosaische Gesetz stellte gegen dieselbe wirksamere Schutzmaßregeln auf, als es gegenwärtig die merkwürdigerweise von allen herrschenden christlichen Staaten noch auf den harten, römisch-heidnischen Grundsätzen basierte Gesetzgebung tut. Schon der Eigentums begriff wird nach der mosaischen Gesetzgebung wesentlich eingeschränkt, und hätten die Christen das Erlaß- und Jubeljahr, die jüdischen Armengesetze und die Verpönnng des Zinsennehmens fortbestehen lassen, dann wäre auch der von Dr. Psenner mit Recht bekämpfte Ueberreichtum. der Kapitalismus, nicht entstanden. Auch der arischen Erwerbssucht gegenüber wären solche Gesetze nötig. Der gegenwärtig grassierende nationale Chauvinismus der christlich-arischen Nationen ist keineswegs geringer als der altjüdische und Moses hat bekanntlich in seinen Abschiedsreden (5. B. M.) den Nationaldünkel seines Volkes keineswegs gutgeheißen und unterstützt. Wenn Juden entarten, tun sie dies