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Die Wahrheit · 1910-07-29 · Heft 30 (29.7.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 80. (Pi. 90) auf die Synagogen und Lehrhänser bezogen (Jerus. Ber. 5) „Lasser uns aufstehen zn den Weinbergen (Hohes!. 7,13) darunter sind die Synagogen gemeint (Grub. 21). „Noch bleibt ein Nest unserem Gotte" (8acb. 9, 7) hat ebenfalls Bezug aus die Synagogen. Ferner heißt es im Talmud: „Das Gebet des Menschen findet nur in der Synagoge. Ei Hüning." (Beracb 7). „Besuchet Morgens und Abends die Synagoge, damit ihr lange lebet." (ibid). Maimonides (M. I^xbil XI.) schreibt daher: „Ueberall. wo zehn Glaubensgenossen domizilieren, sollen sie ein Haus einrichten, um in demselben zur festgesetzten Zeit den öffentlichen Gottesdienst abhalren zu können; und ein solches dem öffentlichen Gottesdienste geweihte Haus wird Bei hakan68e8, Synagoge, genannt. Abgesehen von dieser halachaischen Vorschrift lehrt er uns die Geschichte, daß die Lust, prachtvolle Synagogen zu bauen und sie mit allen hiezu erforderlichen Einrichtungen und Requisiten ans die würdigste und glänzendste Weise ausznstatten, von jeher den Grundzng des Charakters des jüdischen Volkes bildete. Auch die Inden in den österreichischen Ländern waren schon im Mittelalter bestrebt linb bemüht, schöne, prachtvolle, den Anforderungen der Religion wie dem Geschmacke der Zeit entsprechende Lynagogeu zu erbauen, obwohl sie sich die behördliche Erlaubnis hiezu nur durch große, oft unerschwingliche Lpser erwirken konnten. (Vgl. Jüdische Polizeiordnung 1754.) (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Eine imposante Trauergemeinde versamnielte sich Freitag, den 22. d. M. in der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes, um den infolge eines tückischen Leidens allzufrüh dahinaeschiedenen Herrn Adolf N u ß b a u m, Chef der Firma Nußbaum & Pick, die letzte Ehre zu erweisen. Nach Vortrag des Bazur tomim durch kais. Nat Oberkantor Singer würdigte Oberrabbiuer Dr. G ü d e m a u n in erhebenden und trostreichen Worten das edle und selbstlose, von Hingebung für feine Familie und das allgemeine Wohl erfüllte Leben und Wirken des Heimgegaugeneti, der sich in den weitesten Kreisen ungeteilter Sympathien erfreute. Dr. Wilhelm K n ö p f m a ch e r sprach als Präsident der „Bnei- Brith"-Vereiniguug ergreifende Abschiedsworte und namens der Bezirkskommiffion der Kultusgemeiude Herr H o f b a u e r. Unter den üblichen Trauergefängen wurde daun der Sarg zu Grabe getragen. Der schwergeprüften Gattin und den Kindern des Heimgegangenen sind unzählige Beileidskundgebnugen zngegangen. Wien. Freitag, den 22. d. M. fand auf der israel. Abteilung des Zentralfriedhofes unter großer Beteiligung das Leichenbegängnis der Frau Jenny L i b o ch o w i tz, Gattin des Direktors Adolf Libochowitz und Schwester des bekannten Schriftstellers Dr. Heinrich F r i e d j n n g, statt. Die Verblichene, eine überaus hochgebildete Dame, war durch ihr liebenswürdiges und bescheidenes Wesen allseits geschätzt und wurde ihr allzufrühes Hinscheiden von den zahlreichen Verwandten und Bekannten aufs schmerzlichste empfunden. Die kantorale Fnnktion versah Herr Kantor M a t y a s in ergreifender Weise. Wien. Anläßlich der Nationalseier fand Samstag den 23. d. Dl. bei Sr. Exellenz dem türkischen Botschafter ein Empfang der hier lebenden ottomanischen Untertanen statt. Es wurden unter anderem der Präses der türkisch-isr. Gemeinde Licco A d u t t, die Vorsteher S. und I. H a s s a n nebst mehreren Mitgliedern, sowie Chacham Elias und Oberkantor Bauer von Sr. Exzellenz sreundlichst begrüßt. Obaebaw Elias hielt eine Rede in französischer Sprache und gratulierte im Namen der Gemeinde und der Funktionäre. Der Botschafter betonte in seiner Erwiderung besonders das friedliche Verhältnis der jüdischen Bewohner der Türkei und des Orientes mit allen anderen Konfesiionen und erklärte, daß die Juden in der Türkei jederzeit als gleichberechtigte und gleichwertige Staatsbürger betrachtet und behandelt werden. Wieuer-Neustadt. Am Sonntag, den 24. d. M. starb hier Herr Ignaz S ch i s ch a. Direktor der Filiale des Wiener „Mercur," im 63. Lebensjahre. Er war eines der markantesten Mitglieder der Gemeinde, deren Repräsentanz er mehr als 30 Jahre angehörte. In gemeinsanier Arbeit mit Dr. F r i e d e n r h a l s. A. baute er die Gemeinde aus kleinen Anfängen immer mehr aus und vervollständigte diesen Bau mit Unterstützung des Herrn Sekretärs L a n d a u zu der jetzigen äußeren und inneren Festigkeit. Auch der neue schöne Tempel, in dessen Vorhalle er ansgebahrt wurde, ist sein Werk. Von 1892 bis 1906 stand er an der Spitze der Gemeinde, zog sich dann infolge Unstimmigkeit zwischen Reformierten und Orthodoxen zurück, blieb aber bis zum Tode Mitglied des Gemeindeansschusses und des Chewravorstandes. Das Leichenbegängnis, das am 26. d. M. siartsand, war eine imposante Kundgebung der gesamten Bevölkerung, fast alle Mitglieder mit ihren Frauen waren erschienen, um Herrn S ch i s ch a die letzte Ehre zn erweisen; man sah außerdeur Vizebürgermeister Kienmann mit vielen Gemeinderäten, Vertreter des Bezirksschulrates, der evangelischen Gemeinde, der Kultusgemeinden Baden, Neunkirchen, Oedenburg, Mattersdorf, der Chewra Kadischa Baden und Neunkirchen rc. rc. Gemeindemitglieder trugen den Sarg bis znm Tempel, wo Rabbinatsverweser Weiß und Rabbiner" Reich ans Baden ehrende, tiefempfundene Nachrufe hielten. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Landau in gewohnt meisterhafter Weise; am offenen Grabe sprach Herr Chewraobmann Adolf Mayer Worte des Abschiedes. Neunkirchen. Am Sonntag, den 24. d. M. wurde unser verdienstvoller Obmann der Chewra Kadischa Herr Samuel G e r st l durch Enthüllung einer Gedenktafel für sein langjähriges, aufopferungsvolles Wirken geehrt. Unter äußerst zahlreicher Beteiligung der Gemeiudemitglieder wurde die Tafel durch Herrn Rabbiner Reich aus Baden, der eine schwungvolle Ansprache an Herrn G e r st l hielt, enthüllt. Herr Kantor Semitin sang sehr schön einen ielbstkomponierten Psalm, woraus für den tiefgerührten Herrn G e r st l dessen ältester Sohn den Dank für diese besondere Ehrung aussprach. Boskowitz. Mit besonderem Glanze konnte die hiesige Freiwillige Turner-Feuerwehr ihr 40jähriges Bestandesfest begehen. Handelte es sich' doch hiebei um die Dekorierung des hochverdienten Obmannes Herrn Moriz Z e i ß e l, dem wegen seiner außerordentlichen Bemühungen um. die Erhaltung der hiesigen Feuerwehr, deren Bestand durch die große Brandkatastrophe von 1906 arg gefährdet schien, vom Kaiser das Goldene Verdienstkreuz verliehen wurde. Zur feierlichen Ueberreichung der Auszeichnung durch den k. k. Bezirkshauptmann Herrn R e m e s ch fanden sich, nebst den von nah und fern erschienenen Fenerwehrdeputationen die Spitzen der Behörden, die Vertretungen der Stadt- und Jsraelitengemeinde,. Lehrer. Gendarmerie, Bahnbeamte, Veteranen und eine zahlreiche Bevölkerung ein. Zunächst feierte Herr H ä u s l e r die Verdienste des Jubilars in deutscher und Herr S y k o r a in tschechischer Sprache. Sodann folgte die Ueberreichung des Verdienstkrenzes, wofür Herr Z e i ß e l mir sichtlicher Rührung dankte. Schließlich wurde von dem Bürgermeister der Jsraelitengemeinde, Herrn Julius Weiß, eine Rede gehalten, und fandmit einer Feuerwehrschanübnng und einem Gartenkonzerte das Fest sein Ende. Bielitz. Der Gemeinderat von Bielitz hat den kais. Rat Salomon ' P v l l a k, langjährigen Präsidenten der israel. Kultusgemeiude und Gemeiuderat, in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt einstimmig zum Ehrenbürger ernannt. Jägerndorf. Der am Mittwoch, den 8. Juni, abends 1j2 8 Uhr im Saale des Herrn P l e b a u startgefundene Schnlervortrag der Klavierschule des Herrn Kantors Hermann B e h r war von seiten der Eltern der Schüler und anderen sich für die Musik interessierenden Personen zahlreich besucht. Die Darbietungen der Schüler Frieda Heide, Fritz G e i r i n g e r, Fritz F i e tz, Emmi K o h n, Karl F i e tz, Stella N e t t e l, Paul Mondschein, Hermine Heger und Mizzi M o r a w e tz fanden den ungeteilten Beifall der Anwesenden und erntete Herr Kantor B e h r für seine Mühe wohlverdiente Anerkennung. Leobschütz. Einer der Besten und Edelsten, eine gediegene Charakterpersönlichkeit hat das Zeitliche gesegnet. Kantor Jakob L i e b e l ist nicht mehr! Am 24. vergangenen Monats fand sein Leichenbegängnis statt — eine Trauerkundgebnng der großen Zahl seiner Verehrer, die er in nah- und fern hatte. Er hatte sie nicht nur unter den Mitgliedern seiner Gemeinde, sondern auch Christen — Protestanten und Katholiken — waren voll Verehrung für sein von Rechtschaffenheit und Biederkeit durchwirktes Wesen. Von diesen Tatsachen ausgehend, verstand es Herr Prediger Erich- S p i e l d o ch in einer wirkungsvollen vollgehaltenen Grabrede, den schier unermeßlichen Verlust, den Familie, Gemeinde und Redner selbst erlitten, der sichtlich tief ergriffenen großen Trauerversammlung vor Augen zu führen. So ist ein großer Kreis schwer Getroffener klagend und ernst jammernd um den Verlust eines solchen Mannes, der ein hellleuchtender. Stern am Himmel höheren Menschentums war! Lemberg. Die erste Tat eines ueugewählten Lem-- b e r g e r K n l t u s r a t e s. Es verlautet: Der vor zwei Wochen in den Lemberger Kultusrat gewählte Dr. Adolf Lilien hat vorigen Samstag zum erstenmal seit Jahren ein Gotteshaus ausgesucht. Freilich — obwohl man das von einem jüdischen Kultnsrat erwarten könnte — ging er nicht zum Tempel, sondern fuhr im offenen Wagen zur Trauung seiner Tochter mit einem christlichen Bräutigam in die Kirche. Es kümmert uns weiter nichts, ob Herr Dr. Lilien gläubig oder ungläubig ist, aber diese Unverfrorenheit, sich um ein jüdisches Knltusmandat zu bewerben und zwei Wochen später die Tochter zur Taufe zu führen, verdient derbe Zurückweisung. Ein derartiger Fall ist übrigens in Galizien noch nicht' vorgekommen. Czernotvitz. Am 24. d. M. fanden die Wahlen in den Kultnsrat ans dem zweiten Wahlkörper statt. Die offizielle Liste trug auch diesmal den Sieg davon. Es wurden gewählt: Dr. Eugen Lauer, Zacharias Pullmann und Markus Schmelzer e i n st i m m i g auf eine sechsjährige Funktioiisperiode; als Ersatzmänner wurden ebenfalls nahezu einstimmig gewählt: Hermann B i a n o v i c i, David Einhorn und Salomon Picker auf die Dauer von drei Jahren. Teheran. Infolge der Vorstellungen, die bei den europäischen Gesandschaften in Teheran wegen der Angriffe auf Juden in verschiedenen persischen Städten, namentlich in Hauradau, erhoben worden waren, beouftragke der britische Gesandte den Konsularagenten in Hamadan, eine genaue Untersuchung einzuleiten. Der Direktor der dortigen Allianceschule übergab dem britischen Generalagenten das Aktenmaterial über'den jungen Juden, der unter falscher Beschuldigung verhaftet worden war. Auch der französische Botschafter in Teheran hat an den persischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten eine dringende Note in dieser Sache geeichter und versprach dem Direktor der Allianceschule, den weitern Verlauf der Angelegenheit mit der größten Aufmerksamkeit verfolgen zu wollen.

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