Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1910-07-22 · Heft 29 (22.7.1910) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063520-3063549--06775-3073806
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 8. Die Wahrheit Nr. 29. fetzen, ihr Werk im entsprechenden Maßstab durchzufnhren und mit Unterstützung namhafter englischer Juden ihre Unterhandlungen mit der türkischen Regierung abzuschließen, so daß die jüdische Kolonisation durch ein Gesetz geregelt wird. Mr. Percy M. Castello erklärte ebenfalls seine vollste Uebereinstimmung mit dem Plan der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" und seine Bereitschaft, ihn moralisch und finanziell zu unterstützen. Das Unternehmen ist ein überaus ernstes und kann nicht sorgsam genug fundiert werden. Mr. M. K l e i m e n h a g e n forderte die Versammlung auf. unter dem tiefen Eindruck, den die Referate von Doktor G i n s b e r g und Dr. N o s s i g sowie die überzeugende Ansprache Mr. Landaus hervorgerufen haben, einen praktischen Schritt zur Förderung der neuen Bewegung zu machen. Die englische Judenheit müsse sich an der Organisation beteiligen und ein Komitee wählen, das dem Kolonisationswerk die tatkräftige Unterstützung ausschlaggebender Glaubensgenossen sichert. Die Herren B. K i s h, Rev. G v l a u c z und Rev. L e w i n brachten einige Einwände vor und stellten Fragen, die von dem Chairman Mr. L. Joseph und Dr. Nossig beantwortet wurden, Nachdem noch Mr. A. da Costa A n d r a d e, Mr. L. Benjamin und Mr. H. L e v i n s o n die Förderung der Bewegung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation aufs wärmste befürwortet hatten, beantragte Mr. Percy M. C a st e l l o nachstehende Resolution: „Die hier versammelten Freunde des jüdis ch e n K o l o n i s a t i o n s w e r k e s i m O r i e n t beschließen hiedurch, eine englische Abteilung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" mit e inem Londoner Komitee an ihrer Spitze zu bilde11." Die Resolution wurde einstimmig angenommen, worauf die Anwesenden sich als Mitglieder der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" in die Listen eintrugen, eine Reihe von Spenden für die Fonds zeichneten und sich als englische Abteilung dee „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" formell konstituierten. In das Londoner Komitee wurden gewählt: David A l l a 1 i n i, A. da Costa A n d r a d e, B. B i r nb a u m, James Castello, Percy M. Castello, Leopold Joseph, Hermann Landau, Joshua M. Lev y, Josef Prag. Auf Antrag von Mr. Hermann Landau votierte die Versammlung unter warmem Beifall den Dank für den Vorsitzenden Direktor Joseph, dessen erstmalige Beteiligung an einem jüdischen Hilfswerk sympathisch begrüßt wurde. Es ist der englischen Abteilung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" gelungen, gleich beim Beginn namhafte Vertreter der portugiesischen, englischen und deutschen Judenkreise zu vereinigen und einflußreiche Persönlichkeiten,, die dem jüdischen Kolonisationswerk bis jetzt völlig fern standen, zur tätigen Unterstützung desselben zu veranlassen. Diese Umstände geben Gewähr dafür, daß die „Englisb Devision of the General Jewish Colonizing Organisation“ eine ebenso gedeihliche Entwicklung nehmen wird, wie die kontinentale Abteilung. Verschiedene Nachrichten. Wien. Mit Sr. kais. und königl. apostolischen Majestät Allerhöchsten Einschließung vom 18. Juni 1910, wurde Herrn Evidenzhaltungsgeometer bei der bosnischen Landesregierung, Ingenieur Markus R i em e r. A. H. der jüd.-akad. Verbindung „Uuitas", in Anerkennung besonderer Verdienste das goldene Berdienstkreuz verlieben. Wien. Josef F e l d m a n n, einer der tüchtigsten und pflichteifrigsten Synagogensänger Wiens, wurde am Mittwoch, den 20. Juli zu Grabe getragen. Mehr als 30 Jahre war der Verblichene im Chore der israel.-türkischen Gemeinde mit vollster Hingebung tätig und erwarb sich der charaktervolle, bescheidene und gewissenhafte Sänger die Liebe und Achtung aller, die ihn gekaunt haben. Dem Leichenbegängnisse des einfachen und braven Mannes wohnten nebst der trauernden Witwe, dem einzigen Sohne und vier erwachsenen Töchtern zahlreiche Kollegen und Freunde des Verewigten bei. Die Funktion versah Oberkantor Bauer und Kantor L ö w i t mit dem türkischen Männer-Quartett in erhebendster Weise. Der Chacham hielt dem verstorbenen Sänger des Herrn eineir- Nachruf in spaniolischer Sprache, woraus Herr L ö w i t mit einigen warmempfundenen Worten die Verdienste deö Verblichenen um den Tempelchor würdigte. Am Grabe sprach Herr Salo L e m b e r g e r als- Obnianu des Wiener Synagogen-Sängervereines herzliche Worte des Abschiedes au den wackeren, biederen, dahingeschiedeuen Kollegen, worauf die düsteren Klänge des Sulzerschen „Lobirvisi", gesungen von allen anwesenden Tempelsängern, die Leichenfeier, welche ans sämtliche Teilnehmer den tiefsten Eindruck machte, in würdigster Weise beschloßeu. Boskowitz. Unter kolossalen! Andrang fand kürzlich das schon längst angekündigte, immer wieder hinausgeschobene jüdische Kinderfest statt. Es war eine originelle und psychologisch tief empfundene Idee des Herrn Oberlehrers Maier, der damit allen seinen bisherigen bedeutenden Verdiensten wohl die Krone aufsetzte, das Fest nicht nur für die Kleinen sondern auch durch sie selbst begehen zu lassen. Der Erfolg entsprach auch den großen Anstrengungen, die die Proben gekostet hatten, die- Kleinsten der Kleinen, die noch des Kindergartens Bänke drücken, waren durch die ausgezeichneten Vorbereitungen des Herrn Oberlehrers Maier, der hiebei sehr wirksam von der Kindergärtnerin Fräulein Valerie B ix' unterstützt wurde, imstande, ein kleines Theaterstück „Hänsel und Gretel" aufzuführen, sowie einige kleine nette Vorträge, und Pantomimen zur Schau zu bringen. Schwierigere Leistungen hatten die älteren Knaben und Mädchen zu erledigen. Ein fein einstndierter Mädchenreigen sowie ein Keulen- und Stabturnen brachte auch ihnen wohlverdienten Beifall. Besondere Geschicklichkeit zeigten hiebei unter den Mädchen Fräulein Hilda S p i e l m a n n, Grete U l l m a n n, Olga Munk und Olga Maiers unter den Knaben Karl Munk, Karl F r i e d m a n n, Moriz Spitzer u. a. Nicht unerwähnt mögen schließlich die Bemühungen der' beiden Ordnerinnen Fräulein Hilda Maier und Grete Ungar bleiben. Auch sonst wurde für das Vergnügen des Publikums gesorgt, wie durch einen Koriandolokorso, eine Lotterie und ein Gartenkonzert. Den Schluß bildete ein großer Lampionumzug der Mittel- und Volksschüler durch die Judenstadt. Alles in allem war es eine der besten und originellsten Veranstaltungen, die Boskowitz je gesehen. Vukovar. (B a r m i z w a h - F e i e r.) Sonntag, den 2. d. M.^ feierte der älteste Sohn unseres Oberrabbmers Dr. Julius D i a m a n t, Ernst, ein äußerst begabter Mittelschüler, sein Barmizwafest. Zum Gottesdienste erschienen korporativ die Repräsentanz der Knltusgemeiude, der Vorstand der Chewra-Kodischa, der Ausschuß des Frauenvereines, sowie fast sämtliche Mitglieder der Gemeinde mit ihren Damen. Zur Hebung der Feier trugen Oberkantor Ad. Schwarz mit dem Chor einige Piecen bei. Ter Konfirmand trug die Haftorah mit rühmlichem Verständnis vor.. Nach dem Gottesdienste erschienen sämtliche Tempelbesucher und auch andere Gäste im Hause der Eltern, um ihre Glückwünsche darzubringern Dr. Albert G o t t l i e b verdolmetschte in längerer Ansprache die Gratulation der Gemeinde, Jakob G r o ß m a n n. als Vorsteher der Chewra- . Kadischa deren Glückwünsche, Frau Dr. M. Stern als Präsidentin des Frauenvereines dessen Glückwünsche und überreichten dem Barmizwah schöne Geschenke, die auch von Privaten in splendider Weise einliefen. Der Vater des Barmizwah dankte jeden herzlichst für die vielen Beweise der Anhänglichkeit und Liebe, die ganz spontan kamen, da er die mannigfachen bedeutenden Ehrungen' weder gesucht, noch dazu irgendwie beigetragen hat, aus diesem Grunde hat er von der heutigen Feier weder seiner Gemeinde oder Vereinen offizielle Mitteilung gemacht. Um so mehr freut es ihm, daß seine Gemeinde an seiner Familienfeier den innigsten und herzlichsten Anteil nimmt und ihrer Achtung und Liebe in so ehrender Weise Ausdruck gibt. Hierauf hielt der Barmizwah eine wirlungsvollr Ansprache, in welcher er seinen Großvater Oberrabbiner Dr. Moriz. Diamant ans Trencsen besonders warm apostrophierte, der dann in einer längeren Rede tief gerührt dankte und ganz besonders hervorhob„ daß er sich glücklich schätze, die erfreuliche Wahrnehmung zu machen, daß. in dieser Gemeinde zwischen ihr und ihrem geistigen Oberhaupte ein seltenes, rühmliches, ideales Verhältnis bestehe. Vukovar. (O b e r g e s p a n s - I n st a l l a t i o n s f e i e r.) Montag, den 4. d. M. wurde der Obergespan des Komitates Syrmieu und der Stadt Semkin, Ivan v. A d a m o v i ch de Z e p i n unter den schönsten Kundgebungen der besonderen Wertschätzung feierlichst in seineneue Würde eingesetzt. Nachdem der Obergespan in dem reich dekorierten Prunksaale des Komitates den Eid geleistet hatte, erfolgten die Festgottesdienste in drei Gotteshäusern, in der katholischen, nachher in der serbischen Kirche und dann in unserem Tempel. Zum dritten Male geschieht es hier,, daßdie Installation des Obergespans auch im Tempel f e st l i ch begangen wird, w a s n o ch i n k e i- 4iem Komitate Kroatiens odex Ungarns der Fall war. was ein Verdienst unseres hochverehrten Oberrabbiners Dr. Julius D i a m a n t ist, der für die vollkommene Gleichstellung der Konfessionen auch nach dieser Richtung mit Erfolg intervenierte. An dem Festgottesdienste, bei welchem unser schönes Gotteshaus mit Palmen und Blattpflanzen reich geschmückt war, nahmen als Gäste teil: Der Obergespan mit seiner Gattin Therese, geb. Gräfin Westphalen, Obergespan I. R. Emerich v. Hideghoty, Hofrat Stefan P o p o v i c-D a s i n, Richter am Berwaltungsgerichtshof Samuel K o c i a n, sämtliche Landtags- und Reichstagsabgeordnete, sowie die Mitglieder der Komitats-Kongregationen, unter ihnen zahlreiche hohe katholische, serbische und protestantische Geistliche. Den gesanglichen Teil besorgte Oberkantor Ad. Schwarz mit einem verstärkten Chore, während Oberrabbiner Dr. Julius Diamant ein hebräisches und kroatisches Gebet sprach. Als schönes Zeichen der Anerkeunung und' Toleranz müssen wir hervor-- heben, das zu dem vom Obergespan gegebenen hocheleganten Diner auch der Oberkantor eine Einladung erhielt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.