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Die Wahrheit · 1910-07-15 · Heft 28 (15.7.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Geste 8 Die Söhne der Rabbiner, wenn sie nur einigermaßen befähigt waren, wurden auf „desestibot" ausgebildet und kräftigst unterstützt, während-für die Verheiratung der Rabbiners- .lychter die Gemeinden hinreichend gesorgt hatten. Es kam nicht selten vor. daß die Töchter eines armen, frommen, sehr gelehrten Rabbiners die Schwiegertöchter des reichsten und angesehensten Gemeindemitgliedes' wurden, weil dieser es sich zur höchsten .Ehre, anrechnete» der Meckutan des allgemein verehrten und geächteten Rabbi geworden zu sein. Schließlich können wir nicht umhin einige auf den Wirkungskreis der Vorsteher und Rabbiner in den ungarischen Gemeruden hezughabenden Mitteilungen I. B e r g l s in seiner Geschichte der ungarischen Inden hier anznsnhren: Jede Gemeinde hatte natürlich eine Synagoge. So zum Beispiel in Preßburg, die in der jetzigen Huttergasse, welche von Ludwig I. nach Ausweisung der Juden an die Stadt geschenkt (Magy akad. ert.) und späterhin von den rückkehrenden Exilierten wieder zurnckerworbeu wurde. Nach abermaligem Verluste derselben 1526 erhielten die Preßburger Juden zwei Synagogen, die eine auf dem Schloßberge und die andere in Znckermandl, beide unter palsfyschem Schutze (Lei. 1. o.) Ösen hingegen besaß während der türkischen Herrschaft deren zwei, wahrscheinlich die eine größere mit Türmen (?) versehene für die deutschen und die andere für die türkischen Inden. Dasselbe mag auch vielleicht in Temesvar, wenigstens anfangs, der Fall gewesen sein. (Orient I. c.) Die Bauart der Synagogen war überall dieselbe. Ein 2 bis 3 Stufen tiefer liegender gewölbter Raum, durch einige eigentümlich geformte Fenster matt beleuchtet, gegen Osten zu mit der heiligen Lade und in der Mitte mit einer Tribüne (Lima) versehen usw. Ein zweites Bedürfnis der Gemeinde war die innere Organisation. In den frühesten Zeiten, als die Juden in Ungarn noch einige politische Bedeutung hatten, mag mancher Comes an der Spitze seiner Stammgenosseu gestanden haben. Als aber späterhin die vom Staatsverbande ansgeschiedenen Gemeinden sich bildeten, da wurde von sämtlichen Mitgliedern ein Vorsteher — in Ungarn Richter genannt — o h n e irgend einer äußeren G e e i n.f l n s s u n g gewählt. Im Verlaufe der Zeit erlitt auch diese Wahl einige Beschränkung, sie mußte von der Grnndherrschaft bestätigt werden. (B. CH. 8 57). Selbst nach der josephinischen Gemeindeordnng für Ungarn vom 27. März, sub Nr. 11, 868, blieb dieser Gebrauch ungeändert. Jährlich, gewöhnlich um Nenjahrszeit, geschah die Wahl in Gegenwart eines herrschaftlichen Beamten, welcher drei Kandidaten in Vorschlag brachte, deren einer als Richter gewählt wurde. Tags vorher ward eine aus allen Klassen der Gemeindemitglieder entnommene, ans 30 Personen bestehende Wahlkommission bestimmt, welche dann, außer dem Richter, auch den aus 4 Personen bestehenden inneren oder engeren und den ans 12 Personen bestehenden äußeren oder weiteren Rat zu wählen hatten. Die Aufgabe des Richters war die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in der Gemeinde, die Einnahmen und Ausgaben zu kontrollieren, die Repartition der Gemeinde- und Landessteuer auf die einzelnen Mitglieder und deren Eintreibung, zu welchem Zwecke ihm der engere Rat genügte. Zu wichtigeren Angelegenheiten, besonders zur Aufnahme von Kultusbeamten, mußte er den weiteren Rat, oft sogar eine Generalversammlung sämtlicher Mitglieder zusammeuberufen. Außerdem war der Richter die vermittelnde Person, mit welcher die Behörde oder die Grundherrschaft in Gemeindeangelegenheiten in Berührung kam. Auch mußte er die Rechte' seiner Gemeinde aufrecht erhalten und dieselben gegen Angriffe verteidigen rc. (21. a. ert.) Laut den Verordnungen von Bela IV. und Sigmund konnte der Iudenrichter bloß in leichten Polizeivergehen oder kleinen Streitsachen entscheiden, größere Gegenstände mußten vor den Kanzler oder selbst vor den König gebracht werden, was aber gewiß sehr selten geschah. Die früheren Inden hielten fest an der traditionellen Vorschrift, ihre Streitigkeiten, wo nur möglich, unter sich, und zwar nach rabbinisch-juridischen Nr. 28. Grundsätzen zu schlichten,, dazu gehörte aber ein gewisser Grad' von talmudischem Wissen, den ein gewöhnlicher Richter nicht immer besaß. Diese Funktion mußte demnach dem R a b b i n eu übertragen werden. " Dieser, war nebst dem Richter die wichtigste Person in der Gemeinde, eine, conditio .sine qua non. Math. Bel (I. c,. II. 164) wundert sich darüber, daß der- Preßburger Rabbiner seiner Zeit solch einen guten Gehalt bezieht, obwohl er die Synagoge' nur. nach Belieben besucht und ül derselben gär keiue Fnnktion hat. „Seine Beschäftjgnng," sagt er,'„besteht, darin, jährlich ein- bis zweimal zu predigen, religiöse Zweifel zu löten, die Irrigen zurecht zu weisen, die Unruhigen zu besänftigen, Hochzeiten, Beschneidnngen, geschlachtete fette Gänse mvb endlich die Beerdigung der Toten zu überwachen." Dem guten Bel waren alle diese Beschäftigungen viel zu wenig, als ob die christlichen Geistlichen seiner Zeit mehr und bessere Funktionen zu versehen gehabt hätten. (Fortsetzung folgt). Kiteratnr. Ost und West. Heft 7. Juni 1910. 10. Jahrgang. Inhalte „Judenkörperschaft." Von Professor Dr. K a l i s ch e r. Luisens Ehrenpforte und die Huldigung der Inden. Zum 100. Todestag der Königin Luise (mit 4 Illustrationen.) Von Franz L a l l e n t i u. Abraham Geiger und die rumänischen Juden. Ein Gedenkblatt. Von Professor Dr. Kalischer. Max Lewi (mit 13 Illustrationen.) Von Max S ch a ch e r l. Die Märtyrer von Berlin (I). Von B. Samuel. Elisa Orzeszko. Von Benjamin Segel. Cassidische Melodie (Noten). Schach. Bon Dr. Emanuel L a s k e r. Berichtigung. Der Verein zur Pflege hebräischer Musik zu Berlin. Von Albert Ke ll ermann. Bücherschan. Mitteilungen ans dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraslite Universelle. Erklärung. Die Wirren in Sannah (Persien) und Hamadan. Notizen: Auszeichnung^ Jubiläumsfond der Deutschen Konsereuzgemeinschast der A. I. U. Von den Alliance-Schulen. Cassel. Neue immerwährende Mitglieder. Inserate. Verschiedene Uachrichlen. Wien. (Allerhöchste Auszeichnung.) Herr Oberlehrer Moritz Bader aus Pohrlitz in Mähren überreichte dem Oberstkämmereramte Sr. k. u. k. apostol. Majestät aus Anlaß des 80. Geburtssestes des Kaisers ein von ihm verfaßtes Huldigungsgedicht. Zufolge Erlasses des k. k. mähr. Statthaltereipräsidiums vom 1. Juli 1910, Z. 5078, erhielt der Verfasser im Allerhöchsten Namen eine kostbare, mit der Allerhöchsten Namenschiffre in Brillanten gezierte Busennadel, welche ihm der k. k. Bezirkshauptmann in Nikolsburg am 8. Juli l. I. persönlich überreichte. Wien. (B ethansverein „Am Volker t.") Unter unerwartet starker Beteiligung der Bethaus-Vorstandsmitglieder als auch der Eltern der Schüler, fand Mittwoch' am 29. Juni die e r st e öffentliche Schlußprüfung an der im verflossenen Jahre errichteten Spr a chu n d B i b e l s ch u l e statt. Das Interesse an derselben wurde durch das Erscheinen illustrer Gäste und gewiegter Pädagogen gehoben. Es beteiligten sich nämlich an der Prüfung selbst die Herren Rabbiner F ü r st und Dr. David, sowie der Klausrabbiner A b e l e s, ferner die Herren Schulinspektor Professor M. K a n i tz, Ortsschulrat M. A n tscher! und der Sekretariatsadjunkt der lsr. Kultusgemeinde Herr Julius Brau n. Trotzdem ganz aparte, die Fähigkeiten der Schüler herausfordernde Fragen gestellt wurden, wußten die Schüler in schlagfertiger Weise zutreffende Antworten zu geben, wodurch eben der Beweiserbracht wurde, daß die Unterrichtsmethode keine schablonenhafte gewesen ist, sondern daß die Kinder den Geist und den Kern der hebräischen Sprache erfaßt haben, manche Einrichtung der jüdischen Religion, sowie viele ihrer Satzungen und die Ursache der Fest- und Feiertage verstehen. Der Erfolg wurde allseitig als durchschlagend bezeichnet,, zumal die Kinder nicht nnr die Gebetstücke und manche Kapitel aus dem ersten Buche Moses geläufig lesen und zum Teile übersetzen konnten, sondern auch die Gebetordnnng für Werk-, Sabbath- und Festtage, sowie für die Neumondstage genau kannten und die Rezitationsgebete und Sprüche praktisch erlernt haben. Die beiden Lehrer Herr Adolf N u ß b a u m und Herr Josef P i ck haben hiemit den Beweis erbracht, daß durch zielbewußte pädagogische Anleitung der Schüler die Liebe zur angestammten Religion geweckt und das Interesse für die Erlernung des Urtextes und sogar der Grammatik gehoben wird. In einer längeren Ansprache lobte Herr Schulinspektor Professor K a n i tz deu Eifer und Fleiß der Schüler, hob die Vorteile des gedeihlichen Religionsunterrichtes hervor, zollte deu beiden eifrigen Lehrern seinen Beifall und wünschte beiden Teilen angenehme Ferien. Nach diesen in die Herzen der Jugend eindringenden Worten sprachen Hie Schüler spontan den Dank aus, was auf alle Anwesenden besonderen Eindruck machte. Zum Schluffe wurde allen Kindern ohne Ausnahme, teils mit Rücksicht auf ihren Fleiß, teils mit Rücksicht auf einjährigen Bestand der Religivnsschule Bücher jüdisch-lehrreichen Inhaltes nebst den Zeugnissen gegeben. — Nicht unerwähnt soll noch bleiben, daß an dem vom Herrn Lehrer N u ß b a u m geleiteten Barmizwahkurse vier Schüler unbemittelter Eltern teilgeuommen haben, die sodann an dem betreffenden Sabbathe zur Thora gerufen worden und die! Die Wahrheit

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