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Die Wahrheit · 1910-07-15 · Heft 28 (15.7.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 7. . Nr. 28 gemäß angesichts der stets gleichbleibenden Einnahmen und der jährlich steigenden Ausgaben sich vergrößert hätte, beseitigt werden, das Kuratorium war auch in der Lage, den Bitten der Lehrerschaft um Besserung ihrer materiellen Lage wenigstens teilweise zu entsprechen. Vorläufig konnten allerdings nur jene Lehrer berücksichtigt werden, welche einen Stammgehalt von! '1200 L bezogen, indem diese ungeachtet der im § 130 des ] Regulativs für die Volksschulen der , Baron Hirsch-Stiftung! angesetzten 300/gigen Beschränkung sämtlich in die Kategorie von j 1400 L versetzt wurden. j Die besonderen Verhältnisse der Lehrerschaft wurden j jeitens des Kuratoriums auch dadurch berücksichtigt, daß solchen j Personen, welche durch Krankheit. Todesfälle in Notlage ge-! rieten, Unterstützungen im Gesamtbeträge von 12.240 K 98 k j gewährt und unverzinsliche Gehaltsvorschüsse bewilligt wurden,! deren Gesamtsumme am Ende des Schuljahres 21 678 L 12! betrug. Ueberdies wurde sämtlichen Lehrern, welche außerhalb! ihres Dienstortes mittelschulpflichtige Kinder zn erhalten hatten, I aus den Mitteln der Baronin Klara von Hirsch Kaiser-! Jubiläums-Stiftnng zur Unterstützung von Knaben und Mäd-! chen in Oesterreich Stipendien bewilligt. Zehn Kinder von! Lehrpersonen waren in dem vom Kuratorium in Kolonien ge-! gründeten Schülerheim untergebracht. Die Verwaltung besorgte j der dortige Lehrkörper unter Aufsicht des Kreisschnlinspektors! G r ü n e s und des Schulleiters Verlas, welchen für die! uneigennützige Tätigkeit an dieser Stelle bestens bedankt sei; ' die Beköstigung der Knaben erfolgte durch die von der Baronin : Klara von HirschKaiser-Jnbilänms-Stiftnug erhaltenen Mädchen-! schule. Außerdem für den Unterricht für Volksschulen veraus-! gabten Betrage von 458.492 K 80 h wurden für Unter-! stütznng der Kinder durch Verteilung von 26.062 neuen Büchern, i 47.163 Heften. 15.200 sonstigen Schulrequisiten 10.415 K 63 h j verausgabt. Aus den Mitteln der Jubilünms-Stistnng gelangten! au die unsere Schule besuchenden Kinder 104.980 Mittagmahle, 1409 neue, 2377 reparierte Lodenröcke, 1657 Hosen, 4123 Stiefel, 2301 Sommerauzüge und 4658 Hemden sowie 6983 < Sacktücher mit einem Kostenanfwande von 58.664 K 69 h zur 1 Verteilung. Um den armen Schulkindern gegen die Unbilden der Witterung einen besseren Schutz angedeihen zn lassen, wurden in diesem Jahre außer den Lodenröcken und Winterhosen noch warme Barchentleibel, insgesammt 1654, gegeben, welche neue j Einführung sich bestens bewährte. Seitens einzelner Schulleiter wurde anläßlich der Bespeisung und Bekleidung armer Schul-! kinder die lokale Wohltätigkeit herangezogen; ein Ausweis der! eiugeflossenen Beträge ist diesem Berichte angeschlossen. An! Subventionen wurden, wie im Vorjahre für die Schulen in Brody und Zablocie 10.850 K bewilligt. B. Ab e n d k n r s e. Die Zahl der im abgelanfenen Schuljahre abgehaltenen Abendkurse betrug 20, dieselben wurden von 661 Schülern besucht und von 44 Lehrern geleitet und erforderten eine Ausgabe von 3143 K. In diesen Abendkursen wurden einerseits Analphabeten, die das schulpflichtige Alter weit überschritten hatten, in den Volksschnlgegenständen unterwiesen, anderseits wurden Knaben, die vor Erreichung des vollständigen Lehrzieles die Schule verlassen hatten, und bei Handwerkern oder Geschäftsleuten untergebracht waren, weiter unterrichtet. Auch Knaben und Männer, die die Kenntnisse der Bolksschnlgegen stände halten, wurden speziell in Gegenständen nnterrichtel, di ihnen bei Ausübung ihres Berufes besonders von Wert waren wie zum Beispiel Schlosser, Drechsler, Tischler im Zeichnen Kommis im Rechnen usw. 0. H a n d w e r k. Im Laufe des Jahres wurden auf Kosten der Stiftung 97 Lehrlinge freigesprochen, 182 neu ausgenommen, so daß nach Berücksichtigung einzelner Abgänge am Ende des Schuljahres 1908/09 im Status der Stiftung 363 Lehrlinge verzeichnet waren. Die Bekleidung der Knaben, welche unsere Abendschulen besuchten, erfolgte aus den Mitteln der Baronin Klara von Hirsch Kaiser-Jnbilänms-Stiftnng. Die Aufteilung der gegenwärtig untergebrachten Lehrlinge in den einzelnen Orten und bei verschiedenen Gewerben ist aus der Zusammenstellung im Berichte ersichtlich. Die in Wien untergebrachten Lehrlinge stehen unter Obhut des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten. Für 10 wurden die von dem Vorstände ermüßiglen Kosten seitens des Kuratoriums bestritten. Für 18 kam der Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien ans, 5 Lehrlingen wurde vom dem Vorstände des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten die unentgeltliche Ausnahme bewilligt. Seitens der Gntsverwaltnng in Stobodka lesna wurden 29 Absolventen der Baron Hirsch-Stistnngsschnlen in die dort errichtete Ackerbauschnle ausgenommen, um sie zn Landwirten heranznbilden. Das Kuratorium spricht allen genannten Korporationen den verbindlichsten Dank für die Unterstützung aus. die sie demselben in seiner Tätigkeit znwendeten. In einzelnen Orten, wo die Stiftung größere Gärten und Felder besitzt, wurden unsere Schüler von den Schulleitern in Gartenarbeit unterwiesen. Außer den Aicsgaben für die ans Kosten der Stiftung untergebrachten Lehrlinge wurden an 20 Zöglinge des Brodyer Waisenhauses behufs Zuführung zum Handwerke und an 20 Handwerkslehrlinge in der Bukowina Stipendien gewährt. Das Leben und Wirken der Inden in Oesterreich in vormärsiichen Zetten. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte. Bon Dr. M. H. Fricdländer. (Fortsetzung.) Die Lebensweise der alten Rabbiner verdiente um io mehr eine asketische genannt zn werden, als sie, die Rabbiner in der Tat allen überflüssigen irdischen Genüssen und Freuden mit einer Resignation sondergleichen entsagt itnd ihre Krasl und Zeit ausschließlich dem Studium der Thora, wie ihrem heiligen Bernse geweiht und gewidmet hatten.*) Ein jeder Rabbiner war damals in des Wortes edelster Bedeutung ein „Ischtom jauscliew oiiolim“ Stubengelehrter, der äußerst selten seine Sludierstnbe verlassen halte. Nur wenn es galt, einen Kränkelt zit besuchen, bikkiir Cholim, oder Trauernde zu trösten, Nickum Awelim, da unterbrach er seine Studien, um seine diesbezüglichen Pflichten zu ersüllen. Was die Tracht der alten Rabbiner in Oesterreich betrifft. so haben sie sich wie ihre Amtsbrüder in Polen gekleidet, denn, dies sei nebenbei bemerkt, in vormärzlichen Zeiten haben die ungarischen, mährischen und zum Teil auch die böhmischen Gemeinden ihre Rabbiner zumeist ans Polen, wo das Talmndstndinm besonders florierte, bernien. In materieller Beziehnng verdiente die Stellung der alten Rabbiner Oesterreichs, wenn auch keine glänzende, so doch wenigstens eine nicht ungünstige genannt zn werden. Der fixe Gehalt war zwar nicht sehr bedeutend, dagegen ccher waren die Nebenemolumente, wie die sogenannten ,^Iatonau8^, „Ehrengeschenke" um so größer, als sowohl die reichbegüterten, wie die minderbemittelten Gemeindemilglieder es für eine gottgefällige Handlung hielten, so sie bei jeder sich darbietenden Gelegenheit in allen Verhältnissen ihres Lebens, des irommen Rabbi nicht vergaßen. Ueberdies haben die alten Rabbiner bei ihrer einfachen Lebensiveise keine großen Ansprüche an das Leben gestellt und bezüglich der Erziehung ihrer Kinder wurde anderweitig genügend gesorgt. *) Bou dem berühmten mährischen Landesrabbiner R. Markus Be uedikr s. A. wird erzählt, daß in seinem Geberbuche sich als Randglosse solgendes Gelübde in hebräischer Sprache saud: „Ich gelobe hiemit beim allmächtigen Gott Zebaoth, daß ich sedem irdischen Genüsse entsage, der zur Erhaltung meiner Gesundheit nicht besonders notwendig ist,"

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