Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1910-07-15 · Heft 28 (15.7.1910) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063520-3063548--06765-3073795
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Die Wahrheit N r . 28. Seite 9. sowohl die Gehete vor und nach der Haftorph. al? auch diese selbst mit schwunghaftem Pathos und gutem Verständnisse vortrugen. Hiebei wurde seitens der Tchulsektiou die Verordnung getroffen, daß der Klansrabbiner an dem Barmizwah eine Ansprache hält und daß das Kind unbemittelter Eltern sowohl T a l l i s und T e p h i l i n als auch ein Gebetbuch erhält. Durch die Einrichtung dieser Religionsschule ist einerseits einem in diesem Bezirksteile lang entbehrten Bedürfnisse, anderseits einem der beiden Herzenswünsche des strebsamen Bethausvorstandes Rechnung getragen worden. Nunniehr arbeitet der Bethausvorstaud an der Benoirklichung seines zweiten, ebenso notwendigen Herzenswunsches, der Erbauung eines großen, würdigen Gotteshauses mit emsigen Eifer nnd zielbewußter Äusdauer und wolle der Allmächtige diesen zur Reife gediehenen Plan zur Ausführung bringen lassen. Wien. Sonntag, den 17. Juli l. I., 2 Uhr nachmittags, findet in der Synagoge. II. Leopoldzgasse 29, die Trauung des Fräulein Berta Goldberg mit Herrn Josef B e l f, Sohn des allgemein bekannten und hochgeachteten Buchhändlers nnd Bethausvorstehers obgenaunter Synagoge. Herrn I. M. B e l f. statt. Boskowitz. Die diesjährige Plenarversammlung des hiesigen indischen Turnvereines fand am 8. d. M. in den Lokalitäten der Stndentenverbindung „Lätitia" statt. Alterspräsident T i ch o begrüßte die erschienenen Mitglieder und legte in längerer Rede die Aufgaben dar, die der Turnverein im heurigen Semester zu erledigen hätte. Es stehe nämlich die 25jährige Gründungsfeier bevor und diese sollte Anlaß zu einem groß angelegten Feste geben, das alle früheren derartigen Veranstaltungen bei weitem in den Schatten stellen. Womöglich solle ein Landessest aller mährischen Vereine zustande kommen. Mit Genugtuung konnte der Vorsitzende weiter konstatieren, daß der Verein in den großen jüdischen Turnverbande (Hauptsitz Berlin) ausgenommen worden sei. Die hierauf vorgeuommenen Ausschußwahlen ergaben die Wahl folgender Herren: Obmann Oskar T i ch o, der trotz einer schiveren Krankheit sich immer nnd jederzeit um den Verein verdient gemacht hat. Tnrnwart P e l l o ans Brünn, Turnwartstellvertreter Baß, Zeugwart stnll. nasck. Gustav M u n k. Kassier Adolf S t e ck e l m a ch e r, Schriftführer staä. phil. Felix Mandl; der frühere Obmann Herr Proseffor Dr. Max Eisler, der infolge Krankheit beuer seine Funktion nicht übernehmen konnte, wurde einstimmiq zum Ehreumitgliede erhoben. Postyen. Am 9. d. M. betete in unserem Tempel der hier zu Gast weilende Herr Meier Körner, Oberkantor in Ungarisch-Brod (Mähren), der mit seinem gediegenen Bortrag und seiner äußerst angenehmen Tenorstimme das in großer Zahl versammelte hiesige nnd internationale Kurpublikum außerordentlich erbaute und entzückte. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde dem Vortragenden eine spontane Ovation bereitet. ID. Gr. Szenicz. Im engsten Familienkreise feierte am 29. Juli der allgemein geachtete Kaufmann Herr Moriz S ch ö n m a u n mit seiner Ehefrau Johanna, geb. Steiner, Schwester des Schriftstellers Jork-Stein er die silberne Hochzeit. Bezirksrabbiner M a r m o r st e i n hielt eine tiefempfundene Ansprache; außerdem sprachen noch Dr. G r ü n f e l d, Direktor Stark. Lehrer F a n t o ausgezeichnete Toaste. Chrzanow. Der hier znm Besuche seiner Angehörigen weilende Oberkantor Josef G i b l i ch m a n n vom Fugbachtempel in Wien wurde Samstag, den 9. d. M. zu Muffaf vom Vorstände mit einem Gastvortrage beehrt und entzückte die zahlreichen Andächtigen durch seine schöne Stimme und seinen vollendeten Bortrag. Nach dem Gottesdienste wurde dem Gaste allseitig aufrichtige Anerkennung gezollt. Woosröscheir. Erzählung von Babette Fried in Prag. (Fortsetzung.) Bei aller Freundlichkeit, womit der junge Mann sprach, glaubte Rose dennoch heraus zu fühlen, daß er sie nur als ein .unbedeutendes Landmädchen betrachtete, und besonders waren es seine letzten, mit unverhohlener Ueberlegenheit gesprochenen 'Worte, welche sie tief verletzten. Daß er sie in kindischen Tränen angetroffen, das hatte ihrem Zusammenleben das Gechräge des gezwungenen, unnatürlichen anfgedrückt. Sie konnte sich ihm gegenüber nicht so sehen lassen, wie sie es gewohnt war. Gemeinsam mit dem Vater und Rosa — die Mutter war schon zu ermüdet und sehnte sich nach Rnhe — besichtigte nun Arthur die Gebäude der Weltausstellung und die sonstigen Sehenswürdigkeiten Wiens, und machte den Führer durch die Museen und sonstigen Kunstsammlungen, an denen Wien wirklich nicht arm ist. Doch so sehr sich Arthur auch bemühte, dem schönen Mädchen ein freundliches Wort oder auch nur ein zufriedenes Lächeln zu entlocken, so konnte er niemals mehr, als fiit kurzes „Dank e" erlangen. Und doch hatte Moosröscheu schon damals, als er sie in Tränen gebadet in seinem Zimmer fand, einen gewaltigen Eindruck auf sein Herz gemacht, der noch durch die Wahrnehmung gesteigert wurde, daß es seiner Eltern lebhafter Wunsch sei, Rose für immer an das Haus zu fesseln, ihr den Rang einer Tochter einznräumen. Der Gedanke, sich von dem lieblichen Mädchen trennen zu müssen, war den alten Leuten unerträglich geworden. Während Frau Grünfeld ihre von der großen Sonnenhitze nub der ungewohnten Anstrengung des Schauens arg mitgenommenen Nerven in ihrem stillen verdunkelten Zimmer zu beruhigen suchte, malte sie es sich schon aus, wie ihr Arthur indessen Gelegenheit habe, die Liebe des ihr so teuren Mädchens zu gewinnen, und täglich harrte sie mit Ungeduld der Heimkehr ihrer Lieben in der frohen Erwartung, es sei indessen zn einer Aussprache gekommen, und sie werden nun um ihre Einwilligung nnd ihren mütterlichen Segen gebeten werden. Daß ihrem Sohne das liebliche Mädchen gefiel, das hatte ihr scharfblickendes Mutterauge alsbald heransgefnnden. Die Sprödigkeit Roses schrieb sie deren Schüchternheit und Znrückaaltung zu, welche von selber schwinden werde, wenn Arthur, unterstützt von dem Wunsche seiner Eltern, mit seiner Werbung Ernst machen werde. Seil Arthurs Heimkunft hatte der traute Verkehr zwischen dem alten Doktor und seinem jungen Gaste einigermaßen Einbuße erlitten. Die vertrante Anssprache mit ihrem väterlichen Freunde, welche sie an die Heimat und ihren Verkehr mit dem Vater gemahnte, mußte allgemeinen Gesprächen weichen, und gar oft war es der Ingenieur, der allein die Kosten der Unterhaltung trng. Trotz Roses Bildung halte sie dennoch nicht genug Verständnis für die zeitgemäßen Fragen nnd die großstädtischen Verhältnisse, die bei dieser Gelegenheit aufs Tapet kamen. Sie brachte daher dem Gespräche kein genügendes Interesse entgegen, wodurch sie ihren Begleitern noch zurückhaltender erschien, als sie es tatsächlich war. Als die kleine Gesellschaft sich wieder einmal zu einem Gang in die Ausstellung rüstete, erhielt Arthur den Besuch eines Jugendfreundes nnd mußte daher zu Hause bleiben. Rosa fuhr mit dem Doktor allein aus. Ein Teil ihrer sonstigen Fröhlichkeit war über sie gekommen, aber ganz so heiter und unbefangen, wie sie es vor ihrem Besuche bei Else gewesen, war sie denn doch nicht. Die ihm schon vorher ausgefallene Veränderung in Röschens Stimmung veranlaßte ihn zn der Frage danach, eine Frage, die ihm schon längst aus den Lippen geschwebt, die er aber in Arthurs Gegenwart nicht Vorbringen wollte. „Was ists mit dir, Moosrösel. du bist ja wie ausgewechselt, lachst nicht wie sonst, läßt dein Köpfchen hängen. Wie, gefällt es dir nicht mehr bei uns?" „O ja, Onkel, warum denn nicht?" „Das frage ich mich auch oftmals. Warum soll es dir bei uns nicht gefallen? Wir alle haben dich lieb, bemühen uns dich zn erheitern, dir den Aufenthalt in Wien so angenehm als möglich zu machen, besonders mein Sohn, aber du bist jetzt immer traurig, ohne daß ich trotz meines Sinnens den Grund davon herausbringen kann. Anch meiner Frau bereitet die Sorge, wer dir bei uns was zn Leide getan hat, große Qual; sie liebt dich wahrhaftig mütterlich." Nun blieb dem Mädchen nichts anderes übrig, als dem gütigen Herrn die Enttäuschung mitzuteileu, welche sie anläßlich ihres Besuches bei der Freundin erlitten. Sie verschwieg ihm nichts von all dem Gehörten und selbst Beobachteten, um so weniger, als sie den wahren Grund ihrer seelischen Depression um keinen Preis der Welt verraten konnte und wollte nnd Else nur als Vorwand benutzte. Der Doktor war im Herzen froh, daß es nicht Vorgänge in seinem Hause waren, welche Rose derart verstimmten. Als weltersahrener Mann hatte er für diese nur den einen Rat, sich um die ihr eigentlich ganz ferne stehenden Leute nicht zu kümmern, und weder an die Familie Helmstädten, die es wahrlich nicht wert sei, noch an die ehemalige Freundin zit denken. Der Doktor hatte gut reden. Er wußte ja nicht, was eigentlich die Ruhe ans Röschens Herzen verbannte. Des jungen Ingenieurs zarte Liebesbeweise hatten Eindruck auf sie gemacht und dennoch konnte sie sich dem beseligenden Gefühle der ersten Liebe nicht hingebeu, weil sie sich von ihm verachtet und verhöhnt glaubte. Es war ein Widerstreit in ihrem Herzen entstanden, der all ihre sonstige Heiterkeit verdrängte, der Streit zwischen Stolz und Liebe. (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.