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Die Wahrheit · 1910-07-08 · Heft 27 (8.7.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 27 (8.7.1910)
Date
1910-07-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Skr. 27. Das sind zunächst die vornehmsten Aufgaben, denen die Baron Hirsch-Stiftung gegeuübersteht: einerseits Vermehrung, anderseits Ausgestaltung ihrer Schulen. Es kann nicht in Abrede gestellt werden, daß eine Vermehrung der Stiftnngsschulen auch den Lehrern zugute käme, denen auf diese Weise ein besseres Fortkommen sichergestellt würde. Die Baron Hirsch-Schulen müssen vermehrt werden, zunächst aus dem Lande, in jenen Dörfern und Marktflecken, wo öffentliche Schulen nicht existieren, dann in jenen, deren jüdische Bevölkerung sich derzeit nicht entschließen kann, ihre männlichen Kinder von nichtjüdischen Lehrern unterrichten zu lassen. Erst wenn ein ganzes, möglichst dichtes Netz von Stiftungsschulen Galizien bedeckt, haben wir Aussicht, das Erziehungswerk, wie es Baron Hirich vor Augen hatte, zu einem gedeihlichen Abschlüsse zu führen. Mil ihren jetzigen Mitieln kann die Stiftung allerdings leider diese Ausgaben, Vermehrung und Ausgestaltung ihrer Schulen, nicht erfüllen. Die gesteigerten Ansprüche in der Lebensführung, die große Teuerung, machten eine Erhöhung der Lehrergehalte zu einer unabweisbaren Notwendigkeit. Noch im Jahre 1899 betrug der regelmäßige Höchstgehalt eines Lehrers 1200 X und nur für 25 Lehrer (es waren damals 12% aller Lehrkräfte) waren 1400 X vorgesehen; durch das neue Regulativ im Jahre 1906 wurden für 30% 1400 X, für 20% 1600 K und für 15% 1800 X bestimmt; seit 1. September 1909 beziehen alle definitiven Lehrer mindestens' 1400 X, so daß derzeit 84 Lehrer, das sind 61%, 1400 X, 38 Lehrer aber 1600 X und 4 Lehrer 1800 X erhallen. Dementsprechend ist auch eine bedeutende Steigerung des Durchschnittsgehaltes eines Lehrers zn konstatieren. Im Jahre 1899 betrug dieser 1203 X, 1904 1491 X. also um 24% mehr, 1909 2059 X, also um 38% mehr als im Jahre 1904, um 70% mehr als im Jahre 1899. Außerdem wurden alljährlich den durch Krankheiten und Todesfälle in der Familie in Not geratenen Lehrern allfällige Unterstützungen und unverzinsliche Vorschüsse gewährt, für alle jedoch sowohl die Dekretstempelgebühren wie Personaleinkommensteuer entrichtet. (Schluß folgt.) Das Rassenproblem. Verehrliche Redaktion! Der in Nummer 24 „Der Wahrheit" unter obigem Schlagwort veröffentlichte Artikel, der sich mit dem Vorträge des Herrn Dr. Goldschmied über das Werk des Dr. Zollschan beschäftigt, ist gewiß allgemein begrüßt worden, denn es liegt im Interesse des Fortschrittes, ein breiteres Publikum mit dem Jdeengange Dr. Zollscheins vertraut zn machen. Um dies jedoch zu erreichen, wäre es nötig, auch auf die Schlußfolgerungen, zn denen Dr. Zollschan gelangt, des Näheren einzugeheu. Aber hier liegt eben für den Apologetiker manche Schwierigkeit, denn Dr. Zollschan kommt auf Grund der bisherigen historischen Eutwicklungsergebuisfe zur Schlußfolgerung, daß das Judentum durch Verbreitung der Kultur und durch die Dissociation der Auflösung zusteuere, oder beim Verbleiben im Ghetto einer physischen Degeneration anheimfalleu dürfte. Der Autor sagt dies zusammenfassend mit folgenden Worten: „Es gibt also nur zwei Möglichkeiten: Auflösung der Nasse oder physische Degeneration." (Das Rassenproblem Seite 491). Dieses Dictum aeerbum sollte meiner Ansicht nach einer gründlichen Auseinandersetzung unterzogen werden. Hier müßte das Wort nicht dem Apologetiker sondern dem Soziologen gegeben werben und auch der praktische Betätiger der Humanität hätte hier seinen Platz finden können, denn wenn also schon die Dissociation der Juden durch Auswanderung eine durch die Entwicklung gebotene Notwendigkeit wäre, so müßten hier humanitäre Auswanderungsvereine aus Werk gehen und den Auswanderern hilfreiche Hand bieten. Ich beschränke mich auf diese kurze Bemerkung und glaube, daß im Laufe einer weiteren Diskussion noch manch gesunder Gedanke in dieser Richtung zum Ausdruck kommen dürfte. Sy ist es auffallend, warum Zollschan nur die Scylla und Charybdis der Auflösung oder physische Degeneration sieht, es könnte ja auch eine dritte Möglichkeit angenommen werdest: und die hieße: „Religiöse Reform!" Alt-Brody, Juni 1910. Hirsch,Kapeinß. Verschiedene Nachrichten. Wien. Dienstag, den 12. Jnli, 3 Uhr' nachmittags, findet in Beregszasz die Trauung des Fräulein Nelly K a h a n mit Herrn Isidor Pappen hei m, Sohn des Herrn Wolf Pa v p e u heim in Wien, statte Wien. Die silberne Hochzeit des Ehepaares Michael und Kathi Reiter findet nicht, wie in voriger Nummer irrtümlich berichtet wurde, am 6. August, sondern am 8. September 1. I. statt: Wien. Die Ehordirigentenstelle am Tempel im. XX. Bezirke, Kluckygasse, ist dem Herrn I. L ö u b;e tz k y, der bereits vom Jahre 1902 bis 1907 in gleicher Eigenschaft an dieser Synagoge tätig war. neuerdings übertragen worden. Wien-Floridsdorf.' (P r ü f u n g b e r hebräische n Fortbildungss ch u l e für Vol l s-, B ü r g e rn n d Mittelschüler.) Unter besonders starker Beteiligung sowohl der Vorstandsmitglieder als auch der Gemeindemitglieder fand Sonntag die öffentliche Prüfung der unter Leitung des Herrn Rabbiners Doktor M. Rose n m a n n stehenden Fortbildungsschule im Hebräischen statt. Die beiden Lehrer, Herr Religionslehrer I. L ö w und Herr Kantor und Religionslehrer I. E i b en s ch ütz, vermochtenden Beweis zu erbringen, daß auch in diesem Jahre Hervorragendes geleistet wurde. Namentlich die Sextaner und Septimaner des hiesigen Gymnasiums zeichneten sich durch Beherrschung eines großen Teiles der Sprüche Salomos ans. Die Mittelschüler Julius Morgenstern, Artur P e r s ch a k und Ernst Pius brachten zuletzt ein überaus korrektes „L e i e ii e n" zum Vortrage. Die Anwesenden, namentlich Herr Kultusvorsteher Dr. I. König, Herr Kultusvorsteher Emannel G r ü n w ä l d, der wie alljährlich auch diesmal, für die Herbeischaffung der Prämien verdienstvoll Sorge trug-) Obmannstellvertreter Gabor Duke s, Talmud-Thora-Obmann Max Neüm a n ii, Dr. R n ß, Karl Sinai drückten sowohl dem Herrn Rabbiner' Dr. Rose n m a n n, als dem Schöpfer und Leiter der Fortbildungsschule für Mittelschüler wie auch den eifrigen Lehrern ihren Beifall aus. Boskotvitz Ani 1. d. M. verschied hier Frau Frieda Rischawy, geb. Deutsch im hohen Alter von 87 Jahren. Die Teilnahme an der am 3. d. M. stattgesundenen Beerdigung war eine große, zumal Frau' Rischawy nicht nur gottesfürchtig war und ein koscheres Haus führte, sondern auch bei jeder Gelegenheit es cm Wohltätigkeitssinn nicht fehlen ließ^ Komotan Anläßlich der Feier des 50. Geburtstages unseres verstorbenen Führers Dr. Th. H e r z l fand in unserem reichgeschmüÄen und mit den Nationalfarben dekorierten Gotteshause ein solenner Festgottesdienst statt. Herr Oberkantor Friedl mit dem verstärkten Damenchor eröffnete diese wahrhaft erhebende Feier mit dem Eingangschor „Mahtowu“ von L e w a n d o w s k y und einem deutschen Choral „Ehre sei Gott in der Höhe", welche auf die Zuhörer entzückend wirkten: besonders die Solopartien wurden vom Herrn Oberkantor in meisterhaft künstlerischer Weise vorgetragen. Nun bestieg Herr Rabbiner Dr. Krakauer die Kanzel und schilderte mit ergreifenden Worten den Lebenslauf und das Wirken unseres allzufrüh verstorbenen Führers. Obzwar wir sehr oft Gelegenheit haben, die Redekunst unseres Predigers zu bewundern, so können wir es dennoch nicht verschweigen, daß Herr Dr. Krakauer diesmal sein Publikum besonders zn fesseln verstand. Mit einem- Trauerchoral von T i n t n e r „Es ist der Mensch nur Pilger hier" und „Olenu" von S n l z e r fand diese schöne Feier, die uns unvergeßlich bleiben wird, einen würdigen Abschluß. Herrn Rabbiner Dr. Krakau e r und Herrn Oberkantor Max Friedl wie auch den mitwirkenden Damen, sprechen wir unsere Anerkennung und unseren innigsten Dank aus. V e r e i n T h. Herz I, Komot au. Czernowitz Unter der Führung der Abgeordneten Doktor S t r a u ch e r, Dr. Mahler und S t au d begab sich am 25. Juni eine Deputation der Bukowinaer Schänker znni Handelsminister Doktor Weiskirchner. Dr. Stra ucher schildete dem Minister die prekäre Lage, in der sich die -jüdischen Schänker der Bukowina befinden.. Er verlangte, daß die Vergebung der Konzessionen in erster Linie "an die bisherigen Inhaber erfolgen müsse, wenn nicht hunderte jüdische Familien dem Hunger preisgegeben werden sollen. Dr. Weiskirchner ließ sich eingehend inforniieren nnd versprach Berücksichtigung der vorgetragenen' Wünsche.______ Schulnachrichten. Wien. (B e f ä h i g u n g s v r ü s n n g e n.) An der mit denn Oeffentlichkeitsrechte ausgestatteten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, II. Schiffamtsgasse 15 (gegründet 1868), fanden die diesjährigen ' Befähigungsprüfungen am 25. Juni unter dem Vorsitze des k. k. Regierungsrates Dr. RuPp statt. Hiebei wurden sämtliche erschienenen Kandidatinnen als Kindergärtnerinnen befähigt. . Anmeldungen für den, 43. Jahrgang des Kindergärtnerinuenkurses und für den damit verbundenen Bonnenkurs werden bei der Direktion jederzeit entgegengenommen. Teplitz-Schönau. Unsere Leser seien pus das vorzüglich geleiteter jüdische Mädchenpensionat A l t schul aufmerksam gemacht. Der Unterricht, durchwegs von berufenen Lehrern vorgeträgein umfaßt alle Gegenstände für höhere Töchterschulen, sowie Sprachen^ Gesang, Musik und Tanz. Das Institut steht unter der Aufsicht der Stadtbehörde. Die Kost ist rituell zubereitet. Anfragen, und Auskünfte: Pensionat A l t s ch u l, T e p l i tz - S ch ö n a u, Villa Johanna.. r

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