Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 27. Die Wahrheit Seite 5. und der modernen Wassersportfexe zu suchen. Hamburg werde! eigentlich nur von der internationalen Judenschqft regiert. „Und dann das Ansehen, das die internationale Jndenschaft genießt, wenn im Hanse ihres vornehmsten Vertreters, eines Herrn Ball in, der sich seiner Zugehörigkeit zum.Judentum ja besonders rühmt, der Deutsche Kaiser verkehrt!!" Das Elaborat schließt mit folgenden Stoßseufzern: „Wie lange noch muß das deutsche Volk und die deutschen Fürstenhäuser sich solche Zurücksetzung gefallen lassen? Immer weiter gebt es bergab. Ueberall beklagt man den Rückgang nationaler Gesinnung, die große Masse wird immer mehr der Sozialdemokratie in die Arme getrieben. Und niemand wagt es, unseren Kaiser auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die der intime Verkehr mit Leuten solchen Schlages zeitigen muß. Sozialdemokratie und Judenschaft! Die Beherrscher Deutschlands! Welch ein trauriger Ausblick in die Zukunft. Wenn das der alte Kaiser Wilhelm und Bismarck sehen könnten!" Ob dieser Kassandraruf das erhoffte Echo finden wird?! * * Für die spanische Abstammung des Kolumbus tritt neuerdings auch sein jüngster Biograph, das Mitglied der Geographischen Gesellschaft von Madrid — Gar via de la Riega in seinen! umfangreichen Werke ein. in dem er an der Hand zahlreicher neuentdeckter Dokumente nachzuweisen sncht, daß Christoph Kolumbus in Pontevedra in Galicien geboren ist. Die dortigen Geburtsdaten führen den Namen C o. l o n, das spanische Wort für Kolumbus, sehr oft an. Verschiedene Schriftstücke beweisen auch, daß Kolumbus von mütterlicher Seite von jüdischer Abstammung war. Dieser Umstand war ein Hauptgrund für K o l u m b ns, seine Herkunft zu verschleiern, denn alles kam daraus au, dem Haß der Inquisition anszuweichen. Riega weist nach, daß sowohl sein Aeußeres, wie auch verschiedene markante Wendungen seines Stils seine jüdische Abstammung beweisen. Dazu kommt, daß Kolumbus des Italienischen kaum mächtig war, er sprach und schrieb nur Spanisch oder Latein. In italienischer Sprache existiert nur eine Randbemerkung, die Kol u m b u s zugeschrieben wird, aber eine Reihe von Umständen weist darauf hin, daß diese Bemerkung apokryph ist und nicht von der Hand des Entdeckers Amerikas stammt. Am Scheideweg. Bon Jakob Fingermann. Die Frage ist, was da werden soll. Der große Strom ist zwar abgelenkt, aber aus tausend Schleusen schießt die vergiftete Flut Lebendes vernichtend, Totes entweihend und vor nichts standhaltend — die Flnt des Judenhasses. Sie sickert durch alle Poren des Weltleibes und setzt sich in trübe Lachen ab, mit Blut und Fleisch vermengt. Sie ist der Moloch der heutigen- Welt, denn alle seelischen Errungenschaften, Aesthetik, Verfeinerung der Instinkte treten zurück hinter dem Uriustinkt des zweitausendjährigen Hasses. Und was das Volk, die „Ungebildeten" betrifft, jene, deren Sinne frisch und unverbraucht sind, so ist ihr Haß ein anderer, ich möchte sagen relativerer, hervorgerufen durch materielle Kollisionen und von übernommenen Vorurteilen genährt. Freilich, die Zeiten sind vorbei, wo man uns den. Siegel der Parias aufdrückte, wo man uns die Pforte der Schule verschloß, wo man uns wehrte, Recht und Gesetz anzurufen: aber zum Parias will man uns noch heute stempeln, wenn auch die Formen anders und die Henker hösiicher geworden sind. Wir lesen mit Grauen die Urkunden aus alter Zeit, die uns, manchmal mit zynischem Wohlbehagen, manchmal mit einfachem Ernst die Greuel vergangener Jahrhunderte berichten, wo Brand und Mord, Raub und Totschlag, Blntorgien des rasenden Pöbels unsere Väter bedrohten. Und ein Wohlbehagen köstlichen Friedens hat in uns so völlig Platz gegriffen, daß wir das drohende, mit dumpfen Donnerschlägen sich entladende Gewitter überhören. Unsere Herzen sind träge geworden, die scheinbare Sicherheit hat uns blind gemacht, wir hören fremde Gesänge, während der Sturm unsere Grenzen verwüstet. Manchmal zucken Blitze auf und wir erkennen die Gefahr, um gleich daraus in die vorig? Lethargie zurückzusinken. Ost und oft bringen Blätter Kunde von ungeheuerlichen Geschehnissen, die sich in unserem Nachbar* staate Rußland abspielen und es werden trockenen Tones Tote und Verwundete erwähnt. Nur so erwähnt. Kein Wort weiter darüber, keine Kritik, kein entrüsteter Ausschrei mitfühlenden Herzens, nur so ganz einfach: So und so viel Tote. Wozn auch? Unsere Männer von der Feder haben gewichtigere Dinge zu tun, als über derlei Lappalien ein Wort zu verlieren. Borallem gilt es das Deutschtum zu retten, denn dieses ist immer in Gefahr, von den andringenden Slaven verschluckt zu werden ... Aber zu uns, die wir nicht verdorrten Herzens sind, sprechen die trockenen Zeilen eine furchtbare Sprache. Sie sind wie Hilferufe anklagender Seelen, Blut von unserem Blut, sie fordern Sühne und Vergeltung. Es gibt kaum eine Nation, welche io zersplittert wäre, wie die jüdische. Und zwar ist diese unheilvolle Zersplitterung nicht nur etwa .den ökonomischen Verhältnissen entwachsen, sondern unsere Zersplitterung ist auch eine geistige. Sie wurzelt lies in unserer Psyche, sie macht uns uneinig mit uns selbst und läßt uns aus unserer Ohnmacht nicht anfkommen. Sie ist lies begründet und ihre Wurzeln sangen Nahrung ans fremden Quellen, speisen uns mit fremder Speise, bis wir uns selbst fremd geworden sind. Es lassen sich keine Parallelen ziehen und keine gemeinschaftlichen Ausgangspunkte stabilisieren: der Schritt von dem in raffiniertesten geistigen Extasen schwelgenden jüdischen Künstler bis zum chassidischen Wunderrabi ist zu groß. Hier der Gipfel europäischer Ueberknltnr, dort geistige Knechtung und Rückschritt. Oder der Finanzier, der bei Königen zu Tische sitzt, in dessen Hand Krieg und Frieden liegt, und der armselige Händler, welcher zufrieden gestellt ist, wenn seine Kinder des Brotes nicht entbehren. Aber auch die seltsame Modifikation bestehender Tatsachen, der Verlust unseres Zusammengehörigkeitsgefühls ist keineswegs irrelevant genug, um übergangen zu werden. Es kann nicht gleichbedeutend sein, ob wir uns als Juden, oder als Deutsche, Polen, Franzosen, Engländer und Italiener fühlen. Wir sind Träger fremder Banner geworden, wir tragen fremde Ehrenzeichen znm Sieg, um schließlich unbedankt und unbelohnt bei Seite geschoben zu werden. Unsere besten Männer starben für die Freiheit der Völker, damit dieselben Völker, im Besitze des mit unserem Blute Erstrittenen, unseren Kindern den Zugang zu Freiheit, Gleichheit und Mitgenuß abschneiden und verwehren. Wir haben Literaten und Künstler, Gelehrte und Forscher, Erfinder und Entdecker, wir haben alles, nur Juden nicht. Ich meine, wir haben keine ans Juda Makkabis Stamme, sonst stünden wir nicht hier, unsere Kräfte verschwendend, um Narrenpossen zu inszenieren. Kammerknechte einst, Aüerweltsknechte jetzt: wo ein Unterschied? Wir finden nicht Ausnoch Eingang. Die Alten schauen das Vergangene, die Jungen das Zukünftige. Aber beide, die alte und die junge Generation sind blind für das Gegenwärtige, Bestehende und Vorwärtsschreitende. Ihre Hände tasten ins Leere und sie sehen den Mittag nicht über den Anblick der abendlichen Röte und dem Aufblühen des jungen Tages. Uom ersten;iin» zweiten Tempel. (Zur Einweihung der neuerö auteu Synagoge in Kremsier am 3. I u l i.) Frische Morgenluft umweht mich, da ich diesmal die Reise in die Stadt der Väter mache. Zwischen wogenden Feldern braust der Zug dahin, zwischen Feldern, die der Herr gesegnet. Ein wohliger Geruch entsteigt ihnen und dringt durch die geöffneten Fenster der Eisenbahnwaggons. Die sanften Hügel verschwinden, und immer weiter und breiter dehnt sich bie Ebene aus. Das ist die Hanna, das Land der fruchtbaren, fchwarzen Erde . . . Wie wohl ist mir, für einen Tag dem Schnlstaube entflohen zu sein. Diese ewigen „Reifeprüfungen", bei denen Jünglinge gemartert werden und nicht minder Lehrer.