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Die Wahrheit · 1910-07-01 · Heft 26 (1.7.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 26 (1.7.1910)
Date
1910-07-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit dtr. 26. 17. So wird der Herr die Scheitel der Töchter Zions kahl machen und der Herr wird ihr Geschmeide wegnehmen. 18. Zu der Zeit wird der Herr den Schmuck an den köstlichen Schuhen wegnehmen, und die Hefte und die Spangen, 19. Die Kettlein, die Armspaugen, die Hauben, 20. Die Flitter«, die Gebräme, die Schnürlein, die Biesemäpfel, bie. Ohreuspaugen, 21. Die Ringe, die Haarbänder, 22. Die Feierkleider, die Mäntel, die Schleier, die Beutel, 23. Die Spiegel, die Koller, die Borten, die Kittel; 24. Und wird Gestank für guten Geruch fein, und ein loses Band für einen Gürtel, und eine Glatze für ein krauses Haar, und für einen weiten Mantel ein enger Sack. Solches alles statt deiner Schöne. 25. Dein Pöbel wird durch das Schwert fallen, und deine Krieger in Streit. 26. Und ihre Tore werden Iranern und klagen, und sie wird jämmerlich sitzen auf der Erde. Uerschiedene Nachrichten. Wien. Generalversammlung des Ersten österreichischen Hilssvereines für kranke zugereiste Juden in Wien. Am 9. Juni 1910 fand unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Salo Nappa Port die erste ordentliche Generalversammlung .des Ersten österreichischen H i l f s v e reines für kranke zugereiste Juden in Wien statt. Dem der Generalversammlung vorgclegten und von derselben genehmigten Jahresberichte ist zu entnehme», daß der Verein schon im ersten Jahre seines * Bestandes trotz mancher mir jeder Anfangsarbeit verbundenen Schwierigkeiten und Hindernisse, dieselben bereits überwunden und alles aufgeboten hat, um seinen eminent humanitären Ausgaben gerecht zu werden. Zahlreiche zugereiste kranke Juden, die ohne die Hilse des Vereines den Widerwärtigkeiten der Großstadt ausgesetzt gewesen wären, wurden infolge Intervention der Vereinsleitung und des in aufopfernder Weise tätigen ärztlichen Beirates ihrer Heilung zugeführt und mit Hilfe verwandter Vereine wieder in ihre Heimat befördert. Resümieren wir also die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Vereinsjahre, so stellt sich die Betätigung wie folgt: Ins Spital und dann mit Kost versorgt wurden 140 Personen, ambulatorisch behandelt, und während dieser Zeit ebenfalls mit Kost und Quartier versorgt wurden 62 Personen, in die Irrenanstalt wurden untergebracht 2 Personen, mit Geld und Bahnkarten wurden unterstützt 52 Personen. Es wurden sohin insgesamt von dem jungen Vereine bereits 262 Personen teils mit Geld, Unterbringuug ins Spital oder ambulatorischer Behandlung versorgt. In der an dem Jahresbericht sich anschließenden Debatte wurden mehrere wertvolle Anregungen im Interesse der Patienten erörtert und teilweise zum Beschlüsse erhoben. Was den Agitationsdienst betrifft, wurde beschlosien, im Wege der Presse festzustellen, daß Herr Brodaty in keinem wie immer gearteten Verhältnisse zu dem Vereine steht, demnach auch nicht bevollmächtigt ist, für den Verein Gelder in Empfang zu nehmen oder sonstwie im Namen des Vereines aufzutreten. Herr Kahn war überhaupt nie in Diensten oder sonstwie beim Vereine. Die Vereinsleitung lehnt daher auch die Verantwortung für die von genannten Herren gemachten Versprechungen 2c. ab. Nach Erteilung des Absolutoriums fanden die Wahlen in den Vorstand, bezw. in den ärztlichen Beirat statt. Nachdem noch den Herren Professoren und Asiistenten für ihre ersprießlichen Dienste im Interesse des Vereines der Dank votiert und die Schaffung eines Damenkomitees beschlossen wurde, schloß der Präsident die Generalversammlung. Wien. Die dieswöchentliche Zusammenkunft'des Kantorenklubs im Klublokale Cafe Maendl, H. Praterstraße 33, 1. Stock, war trotz der sommerlichen Hitze anßerordentlich gut besucht. Außer zahlreichen Wiener Kollegen waren als auswärtige Gäste die Kollegen F r e i s i n g e r-Pilsen, U r i ch-Neutitschein und G u r e w i t s ch-Riga anwesend, die vom Vorsitzenden Vizepräsidenten Bauer herzlichst begrüßt wurden. Diverse Vorfälle aus dem Berufsleben in letzter Zeit gaben Anlaß zu einer überckns interessanten Diskussion verschiedener aktueller Fachfragen, die bei der nächst- , wöchentlichen Zusammenkunft fortgesetzt wird. Wien. Der durch seine literarische Tätigkeit auf dem Gebiete der Jargonliteratur in weiteren Kreisen bekannte Kantor des Josefstädter Tempelvereines, Herr Josef Grob, benützt seine Ferienreise, die er dieser Tage aittritt, zu einer Reise nach dem Osten, wo er über Einladung zahlreicher galizischer Gemeinden Konferenzen und Vorträge abhalten wird. Herr Grob ist auch dem Wiener Publikum durch seine wiederholten in „Jiddisch" gehaltenen Vorträge in der Tvynbeehalle und anderen literarischen Veranstaltungen bestens bekannt. Wien. Herr Salomon P i n k a s s 0 w i t s ch, Kantor des Bethausvereines „Bne Brith" im XX. Wiener Bezirke, ist nach einer ihm gewährten bedeutenden Gehaltsaufbesserung in seiner bisherigen Stellung, verblieben- Die Leitung und die Mitglieder des Vereines sind allgemein befriedigt, daß ihr beliebter und vortrefflicher gottesdienstlicher Funktionär dem Vereine erhalten bleibt. Wien. Vergangenen Samstag fand im Tempel des XX. Bezirkes in der Klnckygasse die Bar-Mizwa des Erwin Reiter, Sohn des Tempelvorstehers Herrn Michael und dessen Gattin Frau Kathi Reiter statt. Dieses Familienfest gestaltete sich überaus feierlich- In Anwesenheit des Tempelvorstandes und einer großen Zahl von Festgästen nahm der Gottesdienst, den Herr Oberkantor B a s s e r mit seinem vorzüglich geschulten Chor versah, einen wahrhaft solennen Verlauf. Der Konfirmand zur Thora gernfen, verlas selbst die Parascha und nach dem üblichen Mischeberach hielt Herr Rabbiner Dr. Armin A b e l e s an denselben eine herzinnige Ansprache, in welcher er auf das ideale Familienleben der Eltern und auf den wahrhaft jüdischen Geist, der in diesem Hause weilte, hinwies. Nack dem Gottesdienste fand in der Wohnung des Herrn Michael- Reiter, XX. Mathildenplatz 3, eine Gratulatwnscour statt. In zwei Salons stand für die Gäste eme geschmackvoll arrangierte und reichbesetzre Tafel bereit. Ihr Berichterstatter sprach den Tischtoast, worauf der Konfirmand eine Ansprache über die Bedeutung des Tages und den Dank an seine guten Eltern hielt. — Am 6. August d. I. begeht das Ehepaar Reiter in aller Stille ihre' silberne Hochzeit. Ans beiden Anlässen sei ihnen herzlich gratuliert. X. 05. Szenitz. Am 24. Juni verschied hier Herr Heinrich Schick im Alter von kaum 64 Jahren, ein echt frommer,' edler Mann, im wahren Sinne des Wortes, ein hingebender Gatte und aufovfernder Vater. Der Tod dieses Mannes bedeutet nicht allein für seine Familie, sondern auch für die hiesige Gemeinde einen schweren Verlust. Er zählte noch zu jenen jüdischen Männern, die echte Frömmigkeit mit regem Wohltätigkeitssinne verbinden und sich der Armen und Verlassenen allezeit annahmeu und dies betätigte er oft als langjähriger Chewra Kadischa- und Maskileldalvorsteher. So war denn auch die Teilnahme an der Beerdigung, welche am 26. Juni stattfand, eine außerordentlich große und fand Herr Rabbiner Dr. M a r m 0 r st e i n beredte Worte, dem allgemeinen Schmerze Ausdruck zu verleihen. Kattotvitz Herr Oberkantor SingerinKattowi^ erhielt soeben die Berufung als Professor des Kunstgesanges und Opernstudiums an das staatlich genehmigte Konservatorium zu Beuthen 0. E. Kiteratnr. Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des Judentums von zirka 400 v. Chr. bis zirka 1000 n. Chr. von Pros. D. C h w 0 l s 0 n. H. H a e s s e t Verlag in Leipzig, Mk. 1.50. Es ist geradezu rührend und überwältigend, wie hier der 91jährige blinde Gelehrte mit jugendlicher Frische und erstaunlicher Geistesschärfe eiue Arbeit liefert, die nicht mit Unrecht erwarten läßt, daß die Darstellung der wichtigsten Periode des Judentums eine gründliche Umwälzung erfahren wird. Er hat diese Arbeit „den Manen seines väterlichen Freundes und Wohltäters, des Rabbiners Dr. Abraham Geiger als schwache Ergänznng und Erweiterung seiner epochemachenden Studie» über Pharisäer und S a d d u c ä e r in Ehrfurcht, Liebe und Dankbarkeit" gewidmet. Während nun noch B ü ch l e r (der galiläische Am-ha- Arez) schreibt, daß die Sadducäer um 136 n. Ehr. längst verschwunden seien, weist C h w 0 l s 0 n mit ziemlicher Sicherheit nach, daß die Sadducäer keineswegs verschwunden, sondern unter dem Namen A m-H a a r e z. weiter lebten, deren Satzungen bei den Karäern sowohl wie in — der christlichen Kirche weiter leben! So namentlich die Ehegesetze der Kirche wie der Karäer sind sadduzäischen Ursprungs, ebenso die Feier des Pfingstfestes am Sonntag. Und nicht nur nach vorwärts, sondern auch nach rückwärts verfolgt C h w 0 l s 0 n die Spur der Sadducäer bis zu Esra hinaus und stellt die Behauptung auf. daß „die selbst von freisinnigen jüdischen Gelehrten gelieferten Darstellungen von der Geschichte der religiösen Entwicklung des Judentums, angefangen von Efra im 5. Jahrhundert v. Chr. bis zum 10. Jahrhundert n. Chr. teilweise falsch und irreführend sind und daß diese ganze Periode völlig neu bearbeitet werden müßte!" — Man sieht, welche ungeheuere Tragweite diese Arbeit des greisen Gelehrten hat, dabei gibt er wertvolle Winke, wie die Sache anzupacken wäre, so wenn er jüngeren Gelehrten rät, die Werke Philos und Josephus in bezng, auf die Halacha zu untersuchen. Ob Ritters „Philo und die Halacha"' dem Verfasser bekannt ist und seinen Intentionen entspricht, ist zweifelhaft. Jedenfalls sei dem greisen Forscher herzlicher Dank und p?n zugerufen! Dr. Kaha n, Znaim. Jüdische Universalbibliothek. Nr. 100: A u s g e w ä h l t e Geschichten und Skizzen. Von I. L. P e r e z. Aus dem Jüdischen übersetzt von Mathias A ch e r. 20 Pfennig, 24 Heller. Verlag von Richard Brand eis in Prag. Perez gilt heute unbestritten für den Klassiker der jüdischen und hebräischen Novelle. Wie kaum einen zweiten, ist ihm das Seelenleben des Ostjuden mit all seiner Intimität, mit all seiner naiven Heimlichkeit vertraut. Darum vermag er in seine Skizzen die ganze Welt der russischen Judenheit hineinznbannen^ darum vermag er selbst^ aus den zartesten Regungen seiner lebensvollen Gestaltung heraus auch die geheimsten, oft ungeahntesten Züge unserer eigenen Seele für unser Bewußtsein zu erwecken und uns zu rühren oder zu erschüttern. Bei alledem ist ihm noch die seltene Gabe eines Humors verliehen, der seinesgleichen sucht. Eine charakteristische Auswahl aus seinen Novellen bietet -dieses Bändchen, dessen Stücke von einem berufenen Kenner' des Jargons;bent deutschen Sprachgeiste angepaßt worden sind, -

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