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Die Wahrheit · 1910-06-24 · Heft 25 (24.6.1910) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 25 (24.6.1910)
Date
1910-06-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 25. »Da ist doch nichts dabei, ich habe sofort-herausgefunden, daß es eine poetische Weglassung des Wortesgeweiht, oderbestimmt ist. Aber hiebei fällt mir eine Anekdote ein, die mir Väterchen einst erzählt hat. Kommt da ein polnischer Jude nach Wien und bleibt vor einem Auslagefenster.stehen, hinter welchem mannigfache Bilder zu sehen sind. Fällt da sein Blick auch auf ein von Künstler- Hand gemaltes Bild, den Orpheus darstellend, wie er mit seinem Saitenspiel die wilden Tiere in Schach hält, und welches als Inschrift die Worte trug: »Die Macht der Musik." Mein lieber Pole' las das, und sagte zu sich selber: Die Deutschen brüsten sich uns Polen gegenüber mit ihrem reinen Deutsch, und, doch machen sie selber die größten Fehler. Da sollte richtig stehen: „Der macht die Musik, anstatt die Macht der Musik." Auf diese Weise verbrachte Rosa glückliche, heitere Tage im Hause und in der Gesellschaft des feingebildeten und herzensguten Grünfeldschen Ehepaares. Ihre Briefe an die Eltern atmeten die vollste Heiterkeit, und enthielten bogenlange Berichte über alles Gesehene und Erlernte. Daß inzwischen der große Börsenkrach hereingebrochen war, und nicht nur viele schwindelhafte Existenzen hinweggefegt hatte und viele solcher noch mit dem Untergänge bedrohte, sondern auch viele gutsituierte Familien an den Bettelstab brachte, die sich hatten betören lassen, ihre mühsam erworbenen Sparpfennige unsoliden aber großen Gewinn versprechenden Unternehmungen anzuvertrauen, dieser große Zusammenbruch kümmerte unsere Freunde wenig. Der Doktor hatte sein Vermögen in sicheren Staatspapieren angelegt, und sich niemals an Börsengeschäften beteiligt, so verlockend ihm vielfacher Gewinn verheißen wurde. Und Röschens Vater'? Dem bot die kleine, aber gut dotierte Sparkasse in dem heimischen Städtchen genügende Sicherheit für das Wenige, das er sich im Lause der Jahre an seinem Munde abgespart hatte. Die Frau Doktor Grünfeld fühlte sich von dem häufigen Besuche der Ausstellung müde und abgespannt, und da man ohne sie nicht hingehen wollte, beschloß der Doktor einige Tage anszuruhen. Diese Pause wollte Rosa dazu benützen, um die Notizen, die sie sich in der Ausstellung gemacht, regelrecht in ihr Tagebuch einzntragen, und dann ihrem sehnsüchtigen Verlangen, ihre Freundin Else ausznmchen, Genüge zu tun. Die Blätter ihres Tagebuches füllten sich mit den lebhaftesten Schilderungen alles Gesehenen und Beobachteten, oberes waren keine Kleider und Juwelen, die sie da schilderte, sondern die Erzeugnisse von Kunst und Industrie, es waren die Menschen und Sitten fremder Länder und Erdteile, deren Beschreibung sie einen Platz in ihrem Tagebuche einränmte. Und jetzt hätte sie gerne Else gesehen, hätte erfahren, ob die große Welt, in der sie nun lebten, ihre auf das Oberflächliche gerichteten Sinn vertieft habe, ob sie das rein Aeußerliche ihrer Denkungsart abgestreift hatte. O, wie wenig kannte das kleine Rabbinerstöchterlein die sogenannte große Welt, in der ihre Freundin lebte, wenn sie von ihr einen so günstigen Einfluß auf deren Denkungsart erwartete. Diese war nicht geeignet, einen solchen Gesinnungswechsel hervorzubringen. Das sagte ihr auch Doktor Grünfeld, als sie ihn um Erlaubnis bat, die Freundin aufsuchen zu dürfen. Der Doktor hätte sie gerne von ihrem Vorhaben abgebracht, denn was er von dem Helmstädtischen Hause wußte, mußte bei ihm den Gedanken Hervorrufen, daß sein Liebling in die Umgebung dieser protzenhaften Parvenüs nicht tauge, ja er mußte fürchten, daß sie von einem oder dem andern der als arrogant bekannten Familienmitglieder beleidigt werden könne. Sein kleines bescheidenes, aber desto sinnigeres Moosröschen und diese Geldprotzen! Zum erstenmale fanden seine warnenden Worte bei dem sonst so gefügigen Mädchen keinen Eingang, und so entschloß sich der Doktor, Rose bis zur Tür der Helmstädtischen Wohnung zu begleiten. Ins Haus zu der ihm fremden Familie mochte er nicht gehen, und so zeigte er Rose ein gegenüberliegendes Kaffeehaus, von wo sie ihn abholeu möge, wenn sie ihren Besuch beendet hatte. Während sich der Doktor in einer Fensternische des^ Kaffeehauses uiederließ, von wo er das Haus -beobachten konnte,, in welches sein Schützling eingetretenwar, ging Rose wohlgemut, sich auf das Wiedersehen mit ihrer Jugendfreundim freuend, die breite teppichbelegte Treppe hinan,- die zur Helmstädtischen Wohnung'führte. Sie zog die Glocke, und blickte; bevor geöffnet wurde, neugierig umher, die Pracht des mit- Statuen geschmückten Korridors bewundernd. Nachdem sie von innen durch das in der Türe angebrachte Guckfensterchen genügend beobachtet und als ungefährlicherkannt worden, wurde die Tür ein wenig geöffnet und ein junges Mädchen steckte durch den entstandenen Türspalt ihr schön frisiertes und mit einem zierlichen weißen Mnllhäubchen^ geschmücktes Köpfchen heraus und fragte: Was wünschen Sie?" „Bitte sehr, ich möchte Fräulein Reichmann sprechen. Ist sie zu Hanse?" „Ich werde nachschauen. Warten Sie ein wenig, ich werde sie rufen, falls sie zu sprechen ist." (Fortsetzung folgt.) Snl»fkriptions-Gir»1adilng Von der zur Ausgabe gelaugeudeu Kaiserlich Ktlomanischen ^prezentigen Anleihe der ISagdadbaHn II. Serie im noch aushaftendeu Betrage von Franks 107.807.500 — Mark 87,970.920 Livres Sterling 4,312.300 Holl. Gulden 51,747.600j — Türk. Pfund 4,743.530 wird ein Teilbetrag von Francs"25,ooo.ooo^ K|23,800.ooo^ hiemit zur Subskription aufgelegt. Dieser Teilbetrag wird an der Wiener. Börse zum Handel und zur Notierung zugelassen. , Die Subskription findet Samstag, den 25. Juni 1910* 1 während der bei jeder Subskriptionsstelle üblichen Geschästsstunden statt. I Anmeldungen werden entgegengenommen: in SB i e » bei: dem Wiener 1 Bankverein und seinen Depositenkassen und Wechselstuben, der Kais. Kön. 1 Privilegierten Oesterreichischen Länderbank und ihren Wechselstuben und Exposituren, der Niederösterreichischen Eskompte-Gesellschaft und deren. Bank- und Wechslergeschäft; der Allgemeinen Depositenbank und ihren Wechselstuben, der K. k. priv. Bank- und Wechselstuben-Aktiengeselli'chaft „Merkur" und ihren Wechselstuben, K. k. priv. Allgemeinen Verkehrsbauk' und ihren Wechselstuben, der Wiener Filiale der ^ivnostsnslra. banka pro Cecky a Moravu und deren Wechselstuben; in Prag bei: der K. k. priv. Böhmischen Union-Bank, der Zivnostenskä banka pro Cecky a Moravu,. der Böhmischen Eskompte-Bank, der Filiale des Wiener Bank-Verein, der Filiale der Kais. Kön. Privilegierten Oesterreichischen Länderbank, der 8 Filiale der K. k. priv. Bank- und Wechselstnben-Aktien-Gesellschaft „Mer- I kur"; in T r i e st bei: der Banca Commerciale Triestina; in S a r a- I jevo bei: Privilegierten Landesbank für Bosnien und Herzegovina, ferner' 8 bei den hier nicht speziell angeführten Zweigniederlassungen der oben an- I geführten Bankinstitute. Für die Subskription geiten folgende Bedingungen : 9 1. Der Subskriptionspreis beträgt: 9 K 87-25 für K lOO Nominale d. i. L 415-31 für jede Obligation von K 476 Nominale. In dem Subskriptionspreise sind die laufenden 4prozentigen Stückzinsen ab 1. Juli. 1910 inbegriffen, so daß eine Stückzinsenverrechnung nicht stattfindet. Die Effekten-Umsatzstener irägt der Zeichner. 2. Es können nur solche Zeichnungen entgegengenommen werden, bezüglich welcher der Subskribent die Verpflichtung übernimmt, die ihm znznteilenden Stücke'mindestens für ein Jahr, d. i. bis 30. Juni 1911, bei der Zelchnungsstelle gesperrt zu lassen. 3. Die Subskription erfolgt mittelst der für dieselbe bestimmten Formulare, welche bei den vorgenannten Stellen erhältlich sind. 4. Bei der Subskription ist eine Kaution von 5 Prozent des gezeichnelen Nominalbetrages zu hinterlegen, und zwar entweder in Barem oder in Effekten, welche die betreffende Snbskriptionsstelle als zulässig erachtet. 5. Die Zuteilung wird so bald als möglich nach Schluß der Subskription unter Benachrichtigung der Zeichner erfolgen. Jeder Snbskriptionsstelle ist die Befugnis Vorbehalten, nach ihrem Ermessen die Höhe des Betrages jeder einzelnen Zuteilung zu bestimmen. 6. Die Abnahme der zugeteilten Obligarionen hat gegen Zahlung des Preises (siehe Punkt 1) am 4. Jnli 1910' | zu erfolgen. Bei diesem Anlasse werden die Barkautionen verrechnet, bezw. die Effektenkantionen znrückgestellt. 7. Anmeldungen auf bestimmte Abschnitte können nur insoweit berücksichtigt werden, als dies nach Ermessen, der Zeichnungsstelle zulässig erscheint. Wien, Prag, T r i e st, Sarajevo, im Juni 1910. Wiener Lank Verein. Lais. üo«. privilegierte Gcsierreichischc LänÄerbank. üicdeiostcrcichischc Lskomplc-Gesellschaft. Allgemeine Dcpofiten-Lunlr. L. Ir. priv. Lank- und Wcqselstubcn-Äkticn-Gcscllschaft „Mercnr". L. k. priv. Allgemeine Verkchrsiiank. L. k. priv. Löhmische Union-Lank. Zivnostenskäbanka pro Cechy a Moravu. Löhmischc Eskompte-Lank. Banca Commerciale Triestina. privilegierte Landcsbank für Bosnien und Herzegovina. 1 -V

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