Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 25 (24.6.1910)
- Date
- 1910-06-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 25, Oesterr.-uugar. Kantoren-Zeitung Seite 9. Gegen unuutze Prodrvortrage. Es ist leider eine bekannte Tatsache, daß selbst sür den kleinsten Kantorposten mit noch so dürftigen Einnahmen immer Anwärter gefunden werden und bei besser dotierten Stellungen ein solches Wettrennen von Bewerbern stattfindet, daß oft monatelang wöchentlich Probevorträge abgehalten werden, bevor es zur endgiltigen Entscheidung über die Besetzung des Postens kommt. Daß durch derlei Erscheinungen das Ansehen des Kantorates leidet, ist selbstverständlich, aber auch den ein- .zelnen Bewerbern erwächst ans denselben oft Schaden und .zumeist kommen die Betroffenen erst zn spät darauf, daß es sür sie besser gewesen wäre, die Berufung zu einem Probewortrage abzulehnen, als die oft bitteren Folgen der Ablehnung zu tragen. So mag es auch vielen ergangen sein, die sich um den vakanten Posten an der Synagoge des Tempelvereines im VHI. Wiener Bezirke beworben haben, und mit Rücksicht darauf, daß dort sechzehn Probevorträge abgehalten und — trotzdem bereits ein Ternavorschlag erstattet gewesen sein soll — kein einziger Probekandidat schließlich akzeptiert wurde, hat sich der Vorstand des österr.-nng. Kantorenvereines zn nachfolgender -Eingabe an den Vorstand des genannten Tempelvereines ver- .anlaßt gesehen: „Im Sinne seiner statutarischen Verpflichtung, die Interessen des Kantorenstandes überall wahrzunehmen, wo dieselben bedroht oder verletzt erscheinen, sieht sich der gefertigte Vereinsvorstand, über Beschluß einer Plenarversammlung der Wiener Kantoren veranlaßt, mit vorliegender Eingabe gegen den Vorgang bei der Besetzung des erledigten Kantorpostens im Tempelvereiue des VIII. Bezirkes Stellung zu nehmen. Der löbliche Vorstand hat es für gut befunden, sechzehn .Kompetenten zn einem Probevortrage einznladen, die Mehrzahl durch die Kosten der Neisespesen zn materiellen Opfern zu verleiten und da sämtliche Probevorträge erfolglos blieben und bekanntlich jeder mißglückte Probevortrag den Betroffenen in .seiner Stellung erschüttert — sämtliche Bewerber unnützer Weise einer Existenzschädigung ausgesetzt. Mit dieser Eventualität muß allerdings jeder rechnen, der seine Bewerbung um einen vakanten Posten anmeldet, aber bei gebotener Rücksicht und Umsicht des Vorstandes kann dieselbe durch Beschränkung in der Auswahl der Bewerber auf ein möglichst geringes Maß herabgesetzt werden, und in dem vorliegenden Falle hatte der löbliche Vorstand des Tempelvereines im VIH. Bezirke es umso weniger nötig, eine so große Konkurrenz zn veranstalten, als er ja schließlich einem seiner eigenen Chorangestellten den vakanten Kantorposten übertrug. Es liegt uns ferne, den löblichen Vorstand in der Freiheit der Wahl seiner Beamten zu beschränken, aber es ist unsere Pflicht, unsere Berussgenossen vor materiellem Schaden zu bewahren und auch gegen jene moralische Schädigung Einspruch zn erheben, die durch massenhafte nutz- und aussichtslose Berufungen herbeigeführt wird. Das Amt des Kantors gilt uns als ein heiliges und ernstes Amt, dessen Träger ernste und würdige Behandlung verdienen, unb umso mehr müssen wir unserem Bedauern darüber Ausdruck leihen, daß der löbliche Vorstand unseren Vorschlag, ihm fachliche Experten zur- Verfügung zu stellen, nicht berücksichtigt hat. Wir waren hiebei einzig und allein durch die Rücksicht auf unseren Stand geleitet, die uns gebietet, dafür einzutreten, daß nur genügend vorgebildete und fachlich vollwertige Bewerber zur Konkurrenz zugelassen und unter diesen selbst mit möglichster Beschränkung der öffentlichen Probevorträge und ihrer nachteiligen Folgen für die Nichtakzeptierten die geeignetste Auswahl getroffen werde. Ein solcher Vorgang entspricht nicht nur der Würde unseres Standes und Berufes, sondern auch dem Ansehen und der' Bedeutung des löblichen Tempelvereines, und wir glauben darum die Erwartung aussprechen zn dürfen, daß der löbliche 'Vorstand in Zukunft seine Entschließungen im Sinne unserer 'Vorstellungen fassen wird." Der Vorstand des Kantorenvereines hat allerdings nur seine Pflicht getan, indem er mit der vorstehenden Eingabe die Interessen des Kantorenstandes zu wahren suchte, aber eine wirksame Abhilfe der gerügten Mißstünde kann nur darin gelegen sein, wenn er bei Verteidigung der Standesinteressen auch die vollste Unterstützung der Kollegenschaft findet. Kein Kantor sollte ans einen Posten konkurrieren, der ihm bei reiflicher Erwägung der Verhältnisse unerreichbar erscheint, und vor allem dürfte niemand eine Einladung z n einem Probevortrage anneh m e n, ohne vorher die Zusicherung des S p e s e n e r s a tz e s erhalten zu haben. Wenn die Gemeinden selbst die Kosten tragen müßten, dürfte ihnen wohl die Lust vergehen, mehr Bewerber als notwendig ist, zn Probevorträgen einznladen. fm^lationen des ull-urig. Jtantoren-lereines. Verzeichnis der eingezahlten Jahres- und Pflichtbeiträge. Alfred Taube r-Wien X 4. I. Salle r-Poszony-Szeleskut X 2 Leinberge r-Wieu X 2. F r i e d l ä n d e r-Bothas K 2. I. 3! o s n e r- H. -Mestec X 2. Freisinne r-PUseu X 4. Singe r-Wieu K 8. Serebreni k-Wien X 10. S a nt e k-Schüttenhosen K 2. Singe r- Jungbunzlau X 2. S a in e k-Schnttenhofen K 2. M. R o s e n f e l d- Nernetujvar X 4. Alfred Taube r-Wien X 2. Lemberg c r-Wieu K 2. Jon. Schönfel d-Tab. X 4. Salle r-Breiteubrunn K 2. Golde über g-Marienbad K 2 Friedlände r-Silos-Bolhas K 2. M. Friedri ch-Budapest X 6. Singe r-Jnngbnnzlan X 2. Freisinge r-Pilseu X 2. M. K r i e ii e r-Galgocz X 2. T e l t » ch-Stockerau X 2. A l l e n b e r g-Liesing X 2. D ü n m a n n-Wien X 2. L e nt* b erge r-Wien X 2. I. R o s u e r-H.-Mestec X 2. Salle r-Breitenbrunn X 2. Kriene r-Galgocz X 4. F r i e d l ä n d e r-2ilos-Bolhas X 2. Same k-Schüttenhofen X 2. Singe r-Jungbunzlau X 2. S ch ö n f e l d- Tab. X 2. Jos. B a s s e r-Wieu X 6. Gabriel Ster über g-Wien X 4. Sega l-Wieu X 3. Duke s-Wien X 4. G r o b-Wien X 6. D ü nm a n u-Wien X 4. M. M a r y a s-Wien X 4. Ludw. F r i e d l ä n d e r- Wieu X 4. R o s e n b e r g-Wien X 6. W e r d i s h e i m-Stockerau X 2. H a r e u d o r f-Wien X 4. G i b l i ch m a u n-Wien X 4. Nochern S ch o r r-Wien X 4. Ion. E i b e n s ch i tz-Wien X 2. Jgn. F a l k- Mödling X 6. R a u s n i tz-Gab!onz X 10. R o s e n b e r g-Wien X 2. Schleife r-Wien X 2. K o h n-Wien X 2. B l u m-Schlan X 4. Mit Rücksicht auf die für die Vereinsgebahrung bedrohliche Häufung von Rückständen werden die p. T. Vereinsmitglieder hiermit ersucht, die rückständigen und lausenden Mitgliederbeiträge (2 Krotten pro (Quartal) an den Vereinskassier, Herrn I. Kantor S. Iurberger, II. Tempelgasse 5, oder mittelst Erlagschein der postsparkassa, die den Mitgliedern zur Verfügung stehen, einzusenden. Der Vorstand. Austritte aus dein Judentum. P o l l a k Malvine, Private, geb. 21. September 1872 in Budapest, I. Mölkerbastei 10. 33 o ii b t) Emma. geb. Granichstärten. Private, geb. 23. August 1881 in Neutra, Ungarn, IV. Alleegasse 48. B o n d y Margaretha, geb. 11. Februar 1905 in Wien, IV. Alleegasse 48. Fröhlich Max. Revident der Sndbahn. geb. 25. Mai 1873 in Marburg, Steiermark, IV. Biktorgasse 21. Singer Ilona, Sängerin, geb. 14. Mai 1873 in Wien, II. Ausstellungsstraße 9. Singer Felica, geb. Feldheim, Private, geb. 26. September 1867 in Szerencs, Kom. Zemplen, II. Ausnellnngsitraße 9. Singer Estello, Sängerin, geb. 24. Jänner 1892 in Wien, II. Ansstellnngsstraße 9. Fuchs Thekla, Ella. Studentin, geb. 18. September 1890. I. Wipplingerstraße 31. W e st r e i ch Maria. Private, geb. 18. Juni 1872 in Petrowitz, Schlesien, VI. Gumpendorferstraße 87. Vereins-Zahnarzt Dr. Max Weisz. Wien, II., Circusgasse 47. Ordination von 9—6. Telephon 18399