Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 22 (3.6.1910)
- Date
- 1910-06-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 22. Szeps und die übrigen Verwandten. Vor 9 Uhr früh fanden sich noch in der Zeremouienhalle ein: Ter französische Borschafter Mr. Philippe C r o z i e r, Ministerpräsident a. D. Dr. Ernest v. K o e r b e r, Sekrionschef Dr. Paul Schulz, der Präsident der Akademie der Wissenschaften Professor Eduard Sueß, vom Unterrichtsministerium Sektionsrat Doktor Egon Zweig, der Dekan Professor Dr. Kolisko und fast sämtliche Professoren der medizinischen Fakultät, der Vizepräsident der Kultnsgemeinde Dr. Gustav K o h n und Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, Professor Dr. Leopold K ö n i g st e i u in Verlrerung des Unterstützungsvereines jüdischer Studenten, der Präsident des Journalisten- und Schriflstellervereines „Coucordia" Dr. Siegurund Ehrlich mit Vizepräsidenten Julius Stern, Reichsratsabgeordneter Hosrat Kur an da, Generalkonsul Hofrat Ritter v. H a h n. Geheimer Jnstizrat Regierungsrat Doktor Adolf B a ch r a ch. zahlreiche Universitätsprofessoren der anderen Fakultäten, sowie Schriftsteller. Künstler, Aerzte und Advokaten, ferner Vertreter des medizinischen Uuterstützungsvereines und anderer Vereine, denen der Verstorbene angehörte, der Vorstand des Tempelvereines im XIX. Bezirke mit Vorsteher F l a n d r a k rc. Die gesamte deutschfreiheitliche Studentenickait war in voller Wichs erschienen, und auch die jüdischnationale Studentenschaft gab dem Universitätslehrer gleichfalls das letzte Geleite. Um 9 Uhr wurde die Leichenfeier mit den üblichen Sterbegesängen, die der L Kantor Silbermann. begleitet vom Chorpersoual vortrug, eingeleitet. Der Sarg wurde dann gehoben und zur letzten Ruhestätte getragen. Man senkte die Leiche ins Grab, an dessen Seiten Chargierte in voller Wichs mit gezücktem Schläger Ansstellung nahmen. Namens des Professorenkollegiums der medizinischen Fakultät der Wiener Universität svrach Dekan Profesior Dr. K o l i s k o. namens der Gesellschaft der Aerzte Hofrat Professor Dr. Siegmuud Exner und namens der ehemaligen Schüler Hosrat Profesior Dr. C h i a r i. Alle drei Redner fanden in ihrem Nachrufe Worte der höchsten Anerkennung für Zuckert an d l s Eigenschaften als Lehrer und Forscher. Wien. (K a n t o r e n k l u b.) Präsenzliste vom 24. Mai : B a s s e r, Bauer, F a l k-Mödling, F r i e d l ä n d e r, Fuchs, Gi bl i ch m a ii li, Grob, Handgrif f-Znaim, H a r n d o r f. K o h n-Salzburg, Ko h n, Ku l ka - Großwardein. Kühner, L öw i t, Lö wy, N a j o n o w > l s-Baja, Reitze r-Straßnitz, R os e n b e r g, S ch o r r H., Schorr XIV., Segall, Schleifer, Schlesinger, kais. Rat Singer, Smotritzky, Weiß H, Weiß V, Weißmann, Wolfensohn. Präsenzliste vom 31. Mai: Bauer, Fal k-Mödling, G i b l i chm a n n, Grob. H a r n d o r f, Kohn, Kühner, K u l k a-Großwardein, Landau, Löwit. P i n ka s s e w i c z, R o s e n b e r g, Schiller, Schleifer, Schlesinger, Schorr, Sinotowsk y-Wieselbnrg, W e i ß-Neutra, W e i ß m a n n. W o l s e n s o h n. In der Vorwoche wies die Kantorenzusammenkunft eine erfreulich zahlreiche Beteiligung ans. Wenn sich noch immer Kollegen in loco diesen eminent wichtigen Diskusiionen in hartnäckiger Weise ferne halten, so kann dies unserer Begeisterung für die gute Sache keinerlei Abbruch tun. Um so angenehmer berührt es uns, daß auswärtige Kollegen bei ihrer Anwesenheit in Wien es nicht versäumen, sich im Kantorenklub einführen zu lassen und dabei stets ihr warmes Jnteresie gegenüber den jeweilig besprochenen Standesfragen bekunden?Wir fordern daher die sich bisher nicht Beteiligenden auf, aus der Reserve hervorzutreten, um an dem großen Werke teilzunehmen; ihre Köpfe hoch — aber nicht über die Kollegen hinweg — zu tragen. v. Koh n. Schriftführer. Wien. Knapp vor Schluß des Blattes erhalten wir aus Prag die Mitteilung, daß daselbst Herr Salomon Moor, Oberkantor des neuen israelitischen Tempels in der Geistgasse, im Alter von 73 Jahren verschieden ist. Er war volle 35 Jahre als Kantor des neuen Tempels tätig nnd erfreute sich wegen seiner schönen Stimmittel, seiner Musikkenutnis und seines Pflichteifers allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung. Auch in Kollegen kreisen wie als Privatmann genoß er seines liebenswürdigen Wesens wegen die Sympathien aller, die ihn kannten. Er hinterläßt drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter, deren eine mit Herrn Rudolf Jserstein, Chef der Herrenmodewarenfirma K. Jserstein, verehelicht ist. Zuaim. (Talmud Tbora-Berein.s Nach langen Bemühungen. an denen insbesondere Her Dr. K a h a n, unser allverehrter Herr Rabbiner, werktätigen Anteil nahm, ist endlich der Talmud Thora- Verein in unserer Stadt wieder ins Leben getreten.' Der neue Vorstand dieses Vereines, mit Herrn Rndolf W o tz i l k a als Kultusvorsteher und Obmann au der Spitze, haben auch schon eine Reihe von Verfügnngen getroffen, welche darauf abzielen, den hebräischen Unterricht und die Pflege jüdischen Wissens in den Kreisen unserer Glaubensgenossen populär zu machen. So fand am Samstag, den 21. Mai in Appelfds Restauration die erste Monatsversammlung mit einem daran anschließenden Diskussionsabend statt. Der Besuch dieser Veranstaltung war der denkbar beste und wurde bei diesem Anlasie mit Recht darauf verwiesen, daß es notwendig sei. der dringend gewordenen Frage ein paffendes Versammlungslokal für derlei Veranstaltungen zu besitzen, näher zu treten. Nach einleitenden Worten der Begrüßung des Vereinsobmannes und Kultusvorstehers. Herrn Wotzilka, ergriff Herr Rabbiner Dr. Kahan das Wort, um in beredten Worten über den Zweck und die Ziele des Talmud Thora-Vereines zu sprechen. Reicher Beifall lohnte seine lichtvollen Ausführungen, denen es zu danken ist, daß noch am Abend selbst eine größere Anzahl Personen sich als Mitglieder eiuschreiben ließen. Herr cand. iur. Ludwig Barth sprach in Vertretung des beruflich verhinderten Herrn Dr. Schechner über Morris Rosenfeld und deffen Dichtungen und rezitierte mit Gefühl einige Gedichte, welche zum Teile uns noch fremd waren. Auch er erntete lebhaften Beifall, der sich noch steigerte, als Frau Dr. Kahan ein überaus stimmungsvolles Gedicht von Dr. Schmiedel zum Besten gab. Dieser Abend, der durch die Bemühungen des Herrn Rabbiners nnd des Herrn Kultusvorstehers so stiminnngsvoll und erhebendverlief, ist ein Beweis für die Lebensfähigkeit des Gedankens, daß ein geistiger Zusammenschluß unserer Judenschast nur in unseren Reihenmöglich ist und wir nkcht nötig haben, die Veranstaltungen nichtjüdischer Kreise so zu forzieren, wie es leider geschieht. Es werden auch, den geäußerten Wünschen zufolge, sich diese Abende im Talmud Thora-Vereine recht oft wiederholen. — gen — Budapest. (M ä d ch e n k o n f i r m a t i o n.) Seit langen Jahren hören wir ständig Klage darüber führen, daß die jüdischen Frauen die Liebe zu unserer heiligen Religion verloren haben, nnd immer wieder hörte man das Verlangen etwas zu tun, um das Interesse und hiedurch auch die Liebe unserer Frauen den hehren Lehren unserer Religion gegenüber wach zu rufen. Viele verlangten von der Gemeinde die Errichtung, einer jüdischen Lehrerinnen-Präparandie, denn dieselben hofften, daß in dem Falle, wenn begeisterte Jüdinnen die jüdischen Mädchen erziehen werden, dann wird der Jndifferentismus schwinden und unsere Frauen werden wieder die Tugenden schmücken, welche lange Jahrhunderte hindurch unseren berechtigten Stolz bildeten. Nachdem die Gemeinde voxallem die bereits ins Leben gernsenen Jllstitutivnen erhalten muß, konnte bisher an die Errichtung einer Lehrerlilnen-Präparandie nicht geschritten werden, doch beschloß der Vorstand über Anregung des Vizepräsidenten Ludwig Adler den Religionsunterricht der Mädchen viel intensiver zn gestalten und diejenigen Mädchen, welche die letzte Klasse der Bürgerschule besuchen, im Laufe des Jahres zur Konfirmation vorznbereiten nnd am Ende des Schuljahres feierlich zu konfirmieren. Am vergangenen Samstag fand die erste Komfirmationsseier statt. Bei dieser Gelegenheit sind im Tempel in der Tabakgasse etwa 300 Mädchen im Alter von 14 Jahren erschienen, um feierlich Glaubensbekenntnis und Gelübde abzulegen. Die Feier begann mit einem ungarischen Lied, worauf Oberkantor Professor Lazarus den Null Towu saug; hierauf bestieg Rabbiner Dr. Julius Fischer die Kanzel und hielt eine begeisterte und begeisternde Ansprache an die versammelten Mädchen. Er zeichnete in markanten Worten das Leben einiger hervorragender jüdischer Frauen und zeigte den richtigen Weg, den die Mädchen in ihrem Lebenslauf zu betreten haben. Man sah an dem geröteten Antlitz, an den blitzenden Augen der jungen Mädchen die tiefe Wirkung, welche die Ansprache aus das empfängliche Gemüt derselben ausübte. Hernach traten drei Mädchen vor und lasen mit lauter, vernehmbarer Stimme, die durch Rabbiner Dr. Simon H e v e s i meisterhaft konzipierten Gebete vor, deren Grnndgedanke, welcher in verschiedenen Variationen zum Ausdruck kam, war, daß Gott einig und einzig ist. Sämtliche anwesenden Mädchen legten daraufhin das Gelübde ab. welches einen solch mächtigen Eindruck auf alle Anwesenden ausübte, dag jeder tief ergriffen war. Nachdem Rabbiner Dr. H e v e s i die Mädchen gesegnet hatte, exekutierte noch ObcrkantorLazarus ein Lied, worauf diese Feier' ihr Ende fand. Wir sind überzeugt, daß diese Feier einen nachhaltigen Eindruck auf die Mädchen ausübte und daß dieselben noch lange, lange Jahre hindurch stets liebevoll an die Stunde zurückdenken werden, in welcher sie aus vollem Herzen und mit reinster Ueberzeugung ein Gelübdeablegten, stets mit Liebe die Lehren unserer Religion zu befolgen. Möge der erste Schritt, welchen die hiesige Gemeinde im Jnteresie der zukünf tigen jüdischen Frauen getan, ein segenbringender sein! Budapest. Der Direktor des Rabbinerseminars, Dr. Bacher,- erhielt vom König den Eisernen Kronen-Orden dritter Klasse. Dr. Bach exhat sich um das Emporblühen des Rabbinerfeminars große Verdienste erworben, so daß seine Auszeichnung überall mit großer Freude begrüßt wurde. Budapest. Herr Julius W i n t e r b e r g, der Präsident unserer' Chewra Kadischa. wurde zum königlich ungarischen Hofrat, und der Sekretär derselben, Herr Dr. Franz M e z e y, zum königlichen Rat ernaunt. Auch' diese Auszeichnungen haben die hiesigen Gemeindemitglieder sehr erfreut, denn dieselben betreffen Männer, die sich große Verdienste erworbenhaben. Der unermüdlichen Tätigkeit dieser Männer ist es zu verdanken, daß die hiesige Chewra Kadischa das „Szeretethaz" gegründet hat, welchessich die Pflege und Erhaltung der unheilbaren Kranken zur Aufgabe stellte. Es ist direkt bervorznheben, daß laut dem königlichen Handschreiben sowohl Herr Julius Winterberg, wie auch Herr Dr. M e z e y die Auszeichnnng wegen ihrer Verdienste auf j ü d i s ch - k o n f e s s i onellem Gebiete erhalten haben, was umso bemerkenswerter ist, weil der jetzige Kultus- und Uuterrichtsminister niemand anderer ist, als Gras Johann Z i chy, der gewesene Präsident des katholischen Bundes und der weltliche Führer der ungarischen Katholiken! Eperies. Die hiesige isr. Kultusgemeinde feierte, am 22. Mai das 50jährige Amtsjubiläum der dortigen Wirksamkeit ihres verdienstvollen Rabbiners Dr. M e y e r Austerlitz. Den festlich geschmückten Tempel füllte ein vornehmes Publiknm, in deffen Reihen die Spitzen der Behörden, das hohe Militär, die Vertreter der übrigen Konfessionen nnd Nachbargemeinden erschienen. Nach dem Gottesdienste, während dessen der Jubilar ein ergreifendes Gebet und eine inhaltsreiche, formvollendete Predigt hielt, fand die Festsitzung der Kultnsgemeinde statt. Auf die An- . spräche des Gemeindevorstehers dankte der Rabbiner für die ihm gewordene Ehrung. „Die Erinnerung des heutigen Tages und die anhängliche Treue M meiner Gemeinde — so sprach Redner — nehme ich mit ins Grab. Nein! nicht ins Grab. Ich hinterlasie sie als teures Erbe meinen Kindern, in deren Herzen sie als pietätvolle Reliquie fortleben werden." Die Worte machten auf die Zuhörerschaft mächtigen Eindruck. Es hielten hierauf in der Synagoge Begrüßungsansprachen an den Jubilar: der Präsident der röm. kath. Kirchengemeiude, der evang. Seelsorger, der Obergespann. Bürgermeister, Präsident und Rabbiner der Kaschauer isr. Gemeinde. Direktor der evang. Hochschule und der kön. Schulinspektor. Die Kultusgemeinde errichtete eine Stiftung auf den Namen des Jubilars^ den unter hunderten anderen auch der Präsident der Akademie der Wissenschaften. Albert v. Berzeviczy, telegraphisch begrüßte. ■uu