Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 22 (3.6.1910)
- Date
- 1910-06-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 5. Nr. 22; „Ich hm überzeugt, daß in Rußland, Oesterreich und l Deutschland n e u n Z e h' n 1 e l des Judenhasses von der U u f äh i gk e i t der C h r i st e n. mit dem Durchschnittsjuden in Geschäftssachen zu konkurrieren. . . Den Juden gab er folgenden Rat zur Bekämpfung des Judenhasses „Bildet Freiwilligeutruppen, bestehend aus lauter Juden, und wenn die Trommel schlägt, so geht los und stellt euch in die Front. In der Politik organisiert eine Macht, vereinigt euch und machet von euerer entscheidenden Stimme Gebrauch, wo ihr könnt. Wo ihr es nicht könnt, erwirkt so gute Bedingungen als nur möglich." Gtivns für imfere Kinder in den Sommerfrischen. Nur noch wenige Wochen trennen uns vom Schnlschluß und den Schulferien, von dem Zeitpunkte, dem sowohl die Ellern als die Kinder mit Sehnsucht, ja fast mit fieberhafter Ungeduld entgegensetzen. „Unsere Lieblinge, so hört man die überschwenglich zärtlichen Eltern senfzen — haben lange genug in den beengten Räumen der Lehrstätten ihre geistige Kraft in den Dienst der Wissensbereicherung gestellt, nun islls hoch an der Zeit, daß ihre zarten Nerven draußen in der freien Gottesnatur Ruhe und Erholung finden." Und so wetteifern die mit Glücksgütern gesegneten Familienoberhäupter schon seit Monaten miteinander in der Wahl des sommerlichen Landaufenthaltes und zählen mit einer geradezu rührenden Fürsorglichkeit jeden Tag, der ihre teuren Angehörigen der herrlichen Gottesnatur, dem Aufenthalt in der Sommerfrische näher bringt. Endlich ist das Ziel erreicht und der Tag herangebrochen, an dem man hinauswandert nach der lockenden Ländlichkeit und Einzug hält in die gastlichen Räume des Sommeridylls. Nun wird jeder Tag dazu benützt, die Naturschönheiteu des Ortes zu rekognoszieren und von ihren Annehmlichkeiten ergiebigen Gebrauch zu machen. So vergehen Wochen und man wird noch immer nicht müde, der Sommerfrische neue Reize abzugewinnen, aber auch altes zu durchkosten, was sie im gesellschaftlichen Verkehr an Interessantem und Amüsantem zu bieten vermag. Ob es aber im Orte auch eine Stätte gibt, woselbst man zuweilen auch ernste Eindrücke sammle, ob es daselbst ein Gotteshaus gibt, woselbst man auch religiösen Bedürfnissen Rechnung tragen könnte, diese Frage wird wohl nnr äußerst selten in den Familien aufgeworfen und ans die Tagesordnung gefetzt. Und wenn schon hie und da ein Mitglied der Familie, sagen wir, ein Kind an den gewohnten und ihm so lieb gewordenen Jugendgottesdienst in der Stadt sich erinnert und au die Eltern mit der Frage herantritt: .,Ob es denn nicht auch hier einen Tempel gibt, wo man am Sabbathe dem Gottesdienst anwohnen und Andacht üben könnte", da erhält es in der Regel die stereotype Antwort: „Aber Kind, wo soll es denn hier einen Tempel geben, und wenn auch, wer wird denn in der Sommerfrische, die ja doch nur der Erholung, dem Vergnügen und der Lustbarkeit gewidmet ist, die Zeit im Tempel zubringeu?" Und doch weisen die meisten Kurplätze und Sommerfrischen, die von unseren Glaubensgenossen ständig frequentiert werden, teils permanente Tempel, teils temporäre Bethäuser ans, die gleichsam mit zu den geistigen Knrbehelfen zählen, auf welche so mancher Gast Wert und Gewicht legt. Wie gering aber solche Kurbehelfe von unseren modernen Glaubensgenossen eingeschützt werden, erhellt am deutlichsten aus der Tatsache, daß die meisten unter ihnen während des ganzen Sommeraufenthaltes auch nicht ein einziges Mal das Bedürfnis empfinden, das im Orte befindliche Gotteshaus aufzufuchen. Und das Fazit? Wie die „Alten", so die „Jungen", wie die „Großen", so die „Kleinen". Nichts liegt den Eltern ferner, als der Gedanke, ihre Kinder von Zeit zu Zeit der Stätte der ernsten Beschaulichkeit zuzuführen und sie auch nur für eine kurze Spanne Zeit der unbeschränkten Freiheit, dem jugendlichen Spiele zu entreißen. Ja, du lieber Gott, haben denn solche Eltern kein Gewissen, das sie daran gemahnt, ihren jugendlichen Kindern kein abschreckendes Beispiel zu geben, und ihnen keine Gelegenheit zu entziehen, wo sie ihren edlen Herzeusregungen, ihrem keimenden Empfinden für die Religion Ausdruck verleihen möchten! Oder glauben die Eltern, daß Schulferien auch R e l i g i o n s f e r i e n bedeuten in dem Sinne, daß die Kinder während der Ferien von allen religiösen Uebnngen und auch vom Gotteshause ferne gehalten werden müssen? Welch grundfalsche Logik! Gerade in der Ferienzeit, wo die Schulstudien sistiert und die Kinder der vollen Freiheit sich erfreuen, gerade da sollten sie dazu verhalten werden. Religionsübnngen vorzunehmen und das Gotteshaus zu frequentieren; gerade in der Sommerfrische, wo sie die schönen Werke der Natur bewundern und an deren Zauber sich ergötzen, gerade dort sollten sie den Schöpfer dieser Natur, die uns so kostbare Gaben spendet, ehrfürchten und lieben lernen und sich ihm dankbar erweisen. Gibt es aber einen geeigneteren Ort, wo wir dem gütigen Schöpfer unsere Gefühle des Dankes und des Lobes ungestört und andächtig zum Ausdruck bringen können, als das Gotteshaus? Und darum. Ihr fürsorglichen, zärtlichen Väter und Mütter! Lasset Euch in der Kiudererziehung, was die Religion betrifft, nicht von Vorurteilen und Voreingenommenheiten leiten; Ihr wollet ja doch Euren Sprößlingen in allem und jedem ein Vorbild sein, nun denn, so seid es ihnen auch m Sachen der Religion; Ihr widmet Euren Lieblingen doch so gerne Eure Mußezeit auf dem Lande, nun denn, so widmet ihnen auch wenige Stunden am Sabbathtage und fordert sie auf. Euch ins Gotteshaus zu folgen und gemeinsam mit Euch die Andacht zu üben. Und gewiß, die Stunden, die sie an geweihter Stätte, im Gebete versunken, an Eurer Seite zubriugen werden, sie werden ihnen Freude, seelische Freude bereiten und sie werden sie zu den genußreichen, nützlichen Stunden zählen, die ihnen die Ferienzeit und der Landaufenthalt gebracht hat. Daniel S k u t e z k y Retigionslehrer. Die Fnrcht vor Himmelsrrfchei unngen im Altertnm. Bon Rabbiner Professor Stark, Prag. In diese:: Tagen, da die Zeitungen über verschiedene Formen von Kometenfurcht zu berichten hallen, dürfte es von Interesse sein, auf eine Rede des Propheten Jeremias hluzuweisen, in welcher er Israel ermahnt, nicht gleich den Völkern vor den „Zeichen des Himmels" zu erschrecken und in Angst zu erbeben. Diese Rede bildet den Inhalt des 10. Kapitels und beginnt mit den Worten: So spricht der Ewige: „An die Weise der Völker gewöhnet euch nicht und vor den Zeichen des Himmels erbebet nicht, ob auch die Völker vor ihnen erbeben, denn die Satzungen und Meinungen der Völker sind Nichtigkeit (Aberglauben)." Der Prophet führt daun im weiteren aus. daß solche Furcht und Angst nur bei den Heide:: entstehen kann, die Götter verehren, die sie sich selbst gebildet, die leblos sind und nicht schaden oder nützen können und die selbst zugrunde gehen werden, nicht aber gezieme sich solche Angst und Furcht Israel, dessen Gott der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, der der Nalur die Gesetze gegeben bar, die ohne seinen Willen sich nicht ändern können, und von dem auch jetzt noch alle Ereignisse in der Natur ausgehen. Diese bemerkenswerte Rede des Propheten, in welcher die außerordentlichen Naturerscheinungen von einem viel höheren und lichtvolleren Gesichtspunkte aus betrachtet werden, als das im allgemeinen auch gegenwärtig, nach mehr als dritthalb tausend Jahren geschieht, geschweige denn als im Mittelalter, wo die „Zeichen des Himmels" benützt worden find, um Aberglauben, Angst und Furcht im Volke zu nähren, anstatt es, wie der Prophet Jeremias, aufzuklären, scheint eine aktuelle Bedeutung und einen historischen Hintergrund gehabt zu haben. Jeremias war nämlich ein Zeitgenosse des griechischen Philo- 4:-;<v- K ' iiia ßr-Tv-;