Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 22 (3.6.1910)
- Date
- 1910-06-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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aßrßeit Redaktion nnd Slbiuiuiftratiou: Wien, IIj\ Nvvaragasse 27 Televhou: :>iet>aftioii 5107/VU1. Avakhängige Heitschrifi für Mische l;- I! ij Vezugspreis: ij Ganzjährig.K 14.— i Halbjährig.K 7 — Administration 4938/U, St. t. öftere. Vostsparkassa- Scheck-Konto Nr. 1000.918. Interessen.; | Für Jtiiltiiäbeauite: i; Olanzjährig.K 10. — Injernte: Die viermal gesvaltene Nonpareille-Zeile 2ö Heller.« Erscheint jeden Kr eilag.! Für Ausland: Abonnements- und Jnfertions.! chanziävrig.8 Mark betrüge und in Wien zahlbar mib klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit!“ ij 6 Nudel oder 18 ijvc*. II Ur. 22. Wie». 3. I»ni Inhalt: Aus der Woche. — Etwas für unsere Kinder in den Sommerfrischen. — Die Furcht vor Himmelserfcheiuungeu im Alterrum. — Aus der Wiener Kultusgemeiude. — Die Fortpflanzung von Fehlern. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Das Moosröschen. Anstritte ans dem Judentum. Ans der Woche. Auf Anregung einer Anzahl hervorragender Persönlichkeiten soll namens des österreichischen Abgeordnetenhauses eine Adresse an die russische Reichsduma gerichtet werden, die unter Hinweis aus die historischen Rechte Finnlands und unter Berufung auf namhafte Rechtslehrer für die Respektierung der finnländischeu Verfassung und der Autonomie Finnlands durch Rußland eintritt. „Der Schutz der Völkerfreiheit, heißt es in der Adresse, hat eine weit über die Grenzen der Volksfreiheit hinausgehende Bedeutung, die alle freiheitlichen Menschen tief berührt." Schön gesprochen und tief empfunden, doch erstaunt fragen wir: sind die Menschenrechte der vielen tausenden mit bestialischer Grausamkeit bedrückten und verfolgten russischen Juden nicht älter als die politischen Rechte Finnlands? Und trotzdem schweigt die Stimme der europäischen Zivilisation zu dem unwürdigen, aller Menschlichkeit hohnsprechenden Schauspiel, das gegenwärtig wieder im Namen des Czaren in Rußland aufgeführt wird. * * i * Die politische Gleichberechtigung der bosnischen Juden mit den übrigen Konfessionen des Landes kam in den schönen Kaisertagen, die der Besuch des Kaisers den beiden neuen Reichsländern brachte, zur vollsten Geltung. Im Anschlüsse an die Audienz der Vertreter des christlichen und mohamedanischen Glaubens wurde auch die jüdische Hnldignngsdeputation empfangen und über den Verlauf dieses denkwürdigen Aktes wird aus Sarajewo folgendes berichtet: Der Sprecher der sephardischen israelitischen Kultusgemeinde, Landtagsabgeordneter S a l o m, hielt folgende Huldigungsansprache: „Eure Majestät! An der unbeschreiblichen Freude, welche alle Schichten der Bevölkerung Bosniens und der Herzegowina erfüllt, ihren geliebten und allergnädigsten Kaiser und König in ihrer Mitte zu sehen, nehmen mit der ganzen Glnt dankbarer Liebe auch die sephardischen Juden dieser Länder teil. Wir sind überglücklich, daß es uns, den Vertretern unserer Kultusgemeinde, vergönnt ist, Eurer Majestät die Gefühle unbegrenzter k i n d l i ch e r L i e b e und unwandelbarer Untertanen treue zu unterbreiten. Indem wir zum allmächtigen Gott warme Gebete für das Glück und das Gedeihen unseres erlauchten Herrscherhauses und unserer Monarchie senden, rufen wir begeistert ans: Gott i erhalte Eure Majestät bis zu den äußersten Grenzen des menschlichen Lebens. Zivio! Zivio! Zivio!" Der Kaiser antwortete: „Ich danke Ihnen für den Mir knndgegebenen Beweis Ihrer Treue und Anhänglichkeit an Mich und Mein Haus und versichere Sie Meiner steten Gnade und Huld. Ich danke Ihnen für die zum Ansdrncke gebrachte Gefühle und bin überzeugt, daß Ihre Gemeinde, die so viel Treue und Anhänglichkeit für ihre angestammte Sitte erwiesen hat, auch für Land und Herrscher stets Treue und Liebe bewahren wird." Der Führer der Deputation der österreichisch-ungarischen Israeliten, Oberrabbiner Dr. Weszel, richtete an den Kaiser folgende Worte: . „Eure Majestät, allergnädigster Kaiser und König! Mit tiefem Danke erfüllt uns die Gnade, vor Eure Majestät treten zu dürfen, um die Huldigung aller unserer Glaubensgenossen darzubringen. Wir haben von unseren Vätern als teures Erbstück die nie wankende Treue und Anhänglichkeit zum Kaiser und König und die Liebe zum Baterlande übernommen, wir verwahren dies Gut und übergeben es ungeschmälert unseren Kindern. Wir danken Euerer Majestät ehrfurchtsvoll für den väterlichen Schutz und für die Gewährung der verfassungsmäßigen Rechte, deren wir auch in diesem Lande teilhaftig werden. In allen unseren Gotteshäusern werden inbrünstige Gebete für das Wohl und Heil Eurer Majestät an den Allmächtigen gerichtet und aus der Tiefe unseres Herzens stimmen wir in den Ruf ein: Gott erhalte unseren Kaiser und König! Hoch! Hoch! Hoch!" Der Kaiser erwiderte: ..Empfangen Sie Meinen Dank für Ihre Huldigung und seien Sie überzeugt, daß Ich auf Ihre Mitwirkung an der Hebung d e s W o h l st a nd es d ie s e r L ä n der zähle. Ihre Mir bekannte Anhänglichkeit an Mich und Mein Haus sichert Ihnen Mein dauerndes Wohlwollen." Während des Cercles, das dem Empfang der Deputationen folgte, sprach der Kaiser die einzelnen Herren in der leutseligsten Weise an. Den Präsidenten der spaniolischen Kultusgemeinde, Jeschua S a l o m, fragte der Kaiser: „Wie viele Spaniolen sind im Lande? Es freut Mich, Sie hier versammelt zu sehen. Sind alle Herren aus Sarajewo oder ist ein Teil ans der Provinz gekommen? Ich danke den Herren für ihr Erscheinen." Der I Kaiser ließ sich hierauf die Mitglieder der Deputation vorstellen und fragte dann die beiden Rabbiner, in welcher Sprache der Gottesdienst abgehalten werde. Auf die WM-'-:- - r > gsnaa