Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 20 (20.5.1910)
- Date
- 1910-05-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Die Wahrheil Seite 7. Flußgebiet für den jüdischen Einigrantenstrom zu suchen und ihre Aufmerksamkeit hierbei aus den Orient zu richten. Hierauf berichtete Dr. Alfred N o s s i g - Berlin über die von der A. I. K.-O. in Konstantinopel unternommenen Schritte und hob besonders die außerordentlich liberale und jndenfrenndliche Gesinnung der führenden Staatsmänner der Türkei hervor. In der den Referaten nachfolgenden Diskussion führte Herr Hermann G u m P e r tz in einer groß angelegten Rede aus, daß das. von der A. I. K.-O. ins Auge gefaßte Ansiedlnngsgebiet in jeder Hinsicht das geeignetste sei. weil es die Gewähr dafür biete, daß die jüdische Bevölkerung sich dort nicht nur Physisch und wirtschaftlich, sondern auch in moralischer und religiöser Hinsicht am gedeihlichsten entwickeln werde. Herr- Alfred L iss er betonte, daß für den praktischen und weitansschanenden Blick des Hamburger Kaufmannes die Art und Weise, wie die A. 3. K.-Oihre Aufgabe verfolge, bestechend sei. Alles, was ans ihren Bnreaux hervorgehe, trage den Charakter größter Schlichtheit. Man sieht, daß die neue Organisation nach wohldurchdachtem Plan Vorbereitungen für ein großzügiges. in baldigster Zukunft durchführbares Abhilfswerk trifft. Redner gab daher der Hoffnung Ausdruck, daß die A. I. K.-O. gerade in der großen Handelsmetropole Hamburg feste Wurzel fassen wird. Rabbiner Dr. L e i m d ö r f e r und Rabbiner Dr. S o ud e r l i n g forderten in formvollendeten, begeisternden Ansprachen die Anwesenden ans, der neuen, bedeutungsvollen Institution sich anznschließen. In der Tal fand die A. I. K.-O. auch in Hamburg ungewöhnlich starken Anklang. Ein großer Kreis von Mitgliedern trat ihr gleich in der Versammlung mit Jahresbeiträgen von 20 bis 100 Mark bei und zeichnete erhebliche Spenden für ihre Fonds. Hierauf wurde ein H a m bnrger Lokalkomitee der A. I. K.-O. gewählt, welches sich bis zur Höhe von 30 Mitgliedern ergänzen nnd eine planmäßige Propaganda für die Zwecke der A. I. K.-Oeröffnen wird. Die Fortpflanzung von Fehlern. Herr Unio.-Dozeut Dr. Herzog, Rabbiner in Graz, hatte die Freundlichkeit mir mitzuteilen, daß die Sage. Esra habe mit fünf Federn auf einmal schreiben können, auch von Dr. H e r z f e l d in einer Anmerkung auf Seite 128 B. 2. seiner Geschichte des Volkes Israel erwähnt wird, Herzfeld aber gebe als Quelle derselben „Herbelot ßiblioteque orientale“ an. Hier am Beginne der Anmerkung weise Herzseld aus Ab. d. R. H. nnd Midr. R. hin, diese Hinweisung bezieht sich aber nur ans die Punkte über den Buchstaben einiger Stellen der Thora, die dort Esra zugeschrieben werden und worüber Herzseld auf derselben Seite berichtet. Herzog meint nun, Hamburger, der aus Herzseld entlehnt, habe beides konfundiert nnd für beides die am Beginne der Anmerkung stehende Quelle angegeben. Das könnte wohl sein; wenn Hamburger wenigstens das in Ab. d. R. H. .und M. R. Mitgeteilte auch erwähnt hätte. Hamburger spricht aber davon gar nicht und erwähnt nur die Sage Herbelots und gibt Ab. d. R. H. nur für diese als Quelle an. Herzseld selber erwähnt in der gekürzten Neubearbeitung seines Werkes (Leipzig, Oskar Leiner 1870) S. 135 der Sage Herbelots gar nicht und zweifelt auch das von Ab. d. R. H. über die Punkte Mitgeteilie an. Ich besitze nur die gekürzte Ausgabe. Jedenfalls ist die „Tradition" non den fünf Federn Esras eine unjüdische, Wie wenig verläßlich Behauptungen nichtjüdischer Gelehrter über Personen und Lehren des Judentums sind, hat auch Herder (er zitiert Herbelot oft in leinen Schriften) gezeigt, der z. B. in seiner Schrift „Das Hohelied" ganz bestimmt behauptet, die Juden hätten ein Gesetz, nach welchem das Lesen des Hohenliedes bis zum vollendeten 30. Lebensjahre verboten sei. Mir ist ein solches Gesetz nicht bekannt. Schwebte vielleicht Herder der Bannsprnch Salomon b. Aderets gegen diejenigen vor, die sich vor dem 25. Jahre außer der Augenheilkunde auch mit anderen, besonders philosophischen Wissenschaften beschäftigen? Und hat vielleicht Herbelot einmal etwas von der Schreibfertigkeit Bar Kamzars gehört? Herder hätte in dem Falle nur die Wissenschaften mit dem Hohenliede verwechselt und zu den 25 Jahren noch fünf Jahre zugegeben und Herbelot Bar Kamzar mit Esra nnd die vier Federn um eine fünfte vermehrt.__M. Star k. Uerschiedene Nachrichten. Wien. Die diesjährige Konfirmation findet statt: I. Bezirk, S ta d ttempet, Seirenstelrengasse 4, Sonnrag, den 22. Mai um 10 Uhr vormittags. II. Bezirk, Leopold st ädter Tempel. Tempelgasse 3, Doiluerftag, den 26. Mai um 10 Uhr vormittags. XV. Bezirk. (Fünf- Hans) Turnergasse 22. Zonntag, den 22. Mai um 1I210 Uhr vormittags. XVI. Bezirk, (Orrakrin g) Hubergasse 8, Sonnrag. den 22. Mai um 9 Uhr vormittags. XVIII. Bezirk, i.W ü h r i n g) Ichovenhanerstraße 39, Donnerstag, den 26. Mai um 1/212 Uhr vormittags. XXI. Bezirk, (Floridsdorf) Holzmeistergaffe 12, Sonnrag. den 29. Mai, um 10 Uhr vormittags. Der Eintritt in den Stadtnnd Leopoldstädrer-Tempel kann ivegeii Raummangel nur gegen Abgabe der Eintrittskarte gestaltet werden. Die Plätze für die Berwandten der Konfirmandinnen bleiben nur bis 3/410 Uhr reserviert. Wien. (B e r h - H a m i d r a s ch Talmud-Thora.II.Malzg a j i e 16.) Samstag, den 21. Mai, nachmittags 3 Uhr, findet daselbst ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandldaten Bela Fischer starr. Thema: „Das JustalioniS m Israel." ÜMeit. Unter ungemein zahlreicher Beteiligung fand Montag, den 16. d. M. das Leichenbegängnis des Dozenten Dr. Josef G r ü u f e l d statt. Im Trauerhanse, Porzellangasse 4, harren sich vor 10 Uhr die Leidtragenden eingesunden, unter anderen die Uiliversitäcsprosessoren Hofrat Dr. David Heinrich M ü l l e r, Hosrac Dr. £ s e r. Hoirat Dr. P o ll l tz e r, Direktor der Poliklinik Hofrar Dr. Ritter v. R e u ß. Dr. E h rm a n n und Gemahlin, Dr. K l e i n und Dr. Leopold K ö n > g st e i n, Kustos Dr. Frankfurter, dann der Präsident der isr. Kulms - gemeinde Dr. Alfred Stern m.r dem Bizepräsidenren Dr. Gustav K o h n und den Mitgliedern des Vorstandes, die Präsidentinnen Frau Jda Diamant nnd Frau Regina L a n d e i s, Religionsinspektor K a n i tz. die Gemeinderäre Max Frank, Melcher und Tr. M i t rl e r, Bezirksrat Dr. S ch n e p v. Orrsschulrat Josef F u ch s. Um 10 Uhr traten die tieftrauernde Witwe, Frau Sophie G r ü n selb und ihre Kinder sowie die übrigen Berivandren in das Trauergemach. Sodann widmeten dem Verblichenen Worte des Abschiedes und ehrender Würdigung namens des Kultusvorstandes Präsident Dr. Alfred 3 r e r n, namens des Vereines „Bene-Brilh" Dr. Leopold K ö n i g st e i n, namens der Poliklinik Dozent Dr. Nobel, für die Oesterreichische isr. Union kais. Rar A n n i n g e r. für die Freunde und Srudiengeuossen Professor Dr. Klein nnd namens der Familie der Schwiegersohn oes Verblichenen Dr. Lnzius Stolper. Unter den üblichen Trauergeiängen wurde hierauf der Sarg gehoben und nach dem Zenrralfriedhofe überführt, woselbst die Leiche zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Wie». (Z u C a r l G o l d m a r k s 80. G e b u r l s t a g). Mittwoch, den 18. Mai, mittags 12 Uhr, erschien eine Devntation des österr.-ungar. Kaucorenoereines unter Führung des Präsidenten karserl. Rat Singer und des Vizepräsidenten Oberkanror B a n er, sowie der Vorstandsmirglieder D ü n m a n n, I u r b e r g e r, L ö w i t und S ch o r r in der Wohnung des Jubilars und wurden sofort empfangen. Nach der üblichen Vorstellung der einzelnen Mitglieder richtete kaiierl. Rat Singer an den Jubilar folgende Aniprache: „Hochzuverehrender Meister! Der Vorstand des österr.-nngar. Kantocenvereines nimmt herzlichst Veranlassung, an Ihrem heutigen, so außergewöhnlichen Jubelrage hier zu erscheinen, um Ihnen seine innigsten Segenswünsche zu übermitteln. Uns jüdische Kantoren erfüllt es mit Stolz, auf die erhebende Tatsache Hinweisen zu dürfen, daß auch Ihre Wiege, hochverehrter Meister, einst in einem jüdischen Kantorhause gestanden, daß vielleicht das nach Ihrem verewigten, einst berühmten Vater angerretene geistige Erbe nebst Ihrer außerordentlichen Begabung und immensen Strebsamkeit Sie jene Srnfe der künstlerischen Vollendung erreichen ließ, die Sie als Leuchte der Tonkunst inmitten der bedentendsten Männer der Gegenwart einnehmen. Wir wünschen, daß der Himmel Sie auch ferner in seine schützende Obhut nehmen möge, daß Sie unangetastet an Leib nnd Seele noch viele Jahre Ihren künstlerischen Idealen leben mögen — das ist unser Wunsch zum heurigen Tage". Der sichtlich ergriffene greise Meister dankte der Deputation namentlich anch für den Hinweis auf das Elrernhans und meinte, daß der Mensch wie der Baum nicht allein nach der Höhe, sondern auch nach der Tiefe sich entfalte, daß es daher leicht anznnehmen sei, wenn die Entfaltung seiner komponistischen Wurzeln vom kauroralen Varerdanse ihren Ausgangspunkt genommen habe. — Mir nochmaligem Danke an jeden Einzelnen endigte die Gratulation. Wien. Bezugnehmend auf den interessanten Artikel des Herrn Skntetzky in der letztwöchentlichen Nummer Ihres geschätzten Blattes glaube ich Hinweisen zu sollen, daß beim Jugendgvltesdienste in Floridsdorf in den letzten Jahren, um die Knaben zu bemüfflgen, ihren eigenen hebräischen Namen sowie den hebräischen Namen ihres Vaters zu behalten, der Modus gehandhabr wird, daß jedem zur Thora gerufenen Knaben vom Vorberer ein „M i s ch e b e r a ch" gemacht wird. Kantor I. Elbe ns ch ü tz, Wien — Floridsdorf. Wie». (Ter h u m a n i r ä r e G e s e l l i g k e i t s v e r e i n „B n e i Z i o n" zur Bekleidung armer Schulkinder des II. und XX. Bezirkes, Wien, II. Srefaniestraße 2, Veranstalter Samstag den 28. Mai im Sourerram-Saale des Cafe „Concordia", Concordiaplatz 4, einen Jungjüdischen Autoren-Abend mir folgendem Programm: Vorlesung aus eigenen Werken (Gedrucktes und Ungedrncktes): Herr Dr. Fritz Löhner (B e d a), Herr Viktor M a n d l. Herr Friedrich P o r g e s, Herr