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Die Wahrheit · 1910-05-20 · Heft 20 (20.5.1910) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 20. Aus dem zur Versendung gelaugten Berichte entnehmen wir nach einer Darstellung der Verschlechterung der Lage der Juden in Rußland bezüglich des russischen Hilfswerkes: daß das in London konzentriert gewesene Hilfswerk (Russo Jewisk Committee), an dem auch der Verein beteiligt war,, zwar formell im vorigen Jahre geschlossen worden ist und die Restbeträge des Fonds im wesentlichen an die einzelnen Organisationen zurückgeleitet wurden; vorsichtshalber aber wurde ans den gemeinsamen Mitteln ein Betrag unter Verwaltung Lord Rothschilds belassen, um im Falle eines plötzlicheit Bedarfes sofort für die erste Hilfe zu dienen.*) Die von der Allianz separat geführte Hilfsaktion hat im Jahre 1909 für Unterstützungen und Beförderungen rufsischer Glaubensgenossen K 20.766*93, für Erziehung russischer Waisenkinder (Opfer der Exzesse) K 3.406 13, für Weiterbeförderung von Emigranten nach überseeischen Ländern K 17.770.25 erfordert, wobei der letztgenannte Betrag für überseeische Emigration nach den auch im vorigen Jahre in Geltung gewesenen Vereinbarungen von der Jca für ihre Rechnung übernommen wurde. In Bezug auf das r u m ä n i s ch e Hilfswerk wird im Berichte mitgeteilt, daß mit Beginn des verflossenen Jahres die gemeinsame Aktion abgeschlossen und die Restbeträge des gemeinsamen Fonds an die einzelnen Organisationen zurückgeleitet wurden. Ein kleiner Reservebeitrag, der für nachträgliche Unterstütznngsgesnche zurückgelassen wurde, wurde in einigen Fällen während des verflossenen Jahres über Antrag des Komitees Bltkarest zugunsten von Familien in Roman in Anspruch genommen. Ans demselben kleinen Restbetrag wurde auch zugunsten der jüdischen Schulküchen für arme Schüler pro 1909 1250 Frs. bewilligt. Das separate rumänische Hilfswerk der Allianz bezog sich in erster Reihe auf die Unterstützung jüdischer Schulen und es erhielten pro 1909 die Schnlkomitees in V a s l u i, in B o 1 t o s a n i (Or Thora). S u l i tz a. G a l a tz (Haushaltungsschnle „Lumina"), B a c a u (Cnltnra), Piarra N e a m tz und F r umisica Subventionen. Außerdem haben die Unterstützungen an russische Emigranten mit Ausschluß überseeischer Beförderungen einen Aufwand von K 3418.20, die überseeische Emigration (Konto Jca) K 20.079*75 erfordert. Die Schulaktiou für Galizien, über welche im Berichte ausführliche, kulturhistorische interessante Mitteilungen enthalten sind, erforderte laut Bilanz K 15.045. Für die Hebung der Erwerbstätigkeit hat die Allianz mit dem Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung kooperierend, auch im verflossenen Jahre zur Einführung der Spitzenklöppelei, einen Beitrag von K 2500 und einen gleichen Betrag im Jänner 1910, *) Während der Drucklegnng dieses Berichtes erhielt die Allianz von ihrem Korrespondenten ui Kiew die für den Augenblick günstige Nachricht, daß die Ausiveisungen, für deren Zurückziehung man sich von vielen Seiten, unter anderem auch seitens der Kaufmannschaft und des Börsenkomitees, beim Ministerium des Innern energisch verwendet hatte, vorläufig nicht zur Durchführung gelangen. Die Angelegenheit wurde dem Generalgouvernenr Trepow in Kiew zur Entscheidung überlassen, der für die nochmalige Prüfung der einzelnen Fälle eine Kommission von Staatsbeamten eingesetzt hat. Durch diesen Aufschub sind Hunderte jüdischer Familien davor geschützt worden, mitten im Pessach-Fefte die Stätre ihrer langjährigen Existenz zn verlaßen und zum Wanderstabe zu greifen. Aber die Angelegenheit bleibt der Willkür der ernannten Kommission überlassen, welche das Aufenthaltsrecht eines jeden Einzelnen auf Grund der strengen Zirkulare des Minlsterinms überprüfen wird, so daß das Damoklesschwert über den meisten Ausgewiesenen schweben bleibt. Es handelt sich auch nicht bloß um Kiew allein, wo sogar einflußreiche christliche Kreise, unter anderen die Hausbesitzer in den Sommerfrischen der Umgebung, wiederholt beim Ministerium zugunsten der Juden petitioniert haben. An vielen anderen Orten werden in jüngster Zeit unsere Glaubensgenossen ebenso durch die Behörden bedrängt, ohne daß es in der westeuropäischen Oeffentlichkeit bekannt wird. In Libau und in Tula werden Hunderte von Familien ausgewiesen; in Astrachan hat der Gonverneur eine Verordnung erlaßen, wonach Juden, die nicht dauernden Aufenthaltsort dort haben, nicht zum Fischhandel zugelaßen werden. Der Hauptmann der Kosaken in der Dongegend hat aufgefordert, daß man sich mit Petitionen au die Regierung um Vertreibung der Juden wende, wodurch der Besitz zugunsten der Kosaken konfisziert werden würde. Aus Nowo-Rosseisk haben die „echt rußischen Leute sich mit einer telegraphischen Bitte an den Zaren gewandt, er möge die Juden „wegen ihrer revolutionären Tätigkeit" aus der Stadt vertreiben. zusammen während der letzten drei Jahre K 10.000 ausgegeben. Außerdem ist dem Berichte zu entnehmen, daß der Verein in Palästina die Lämel-Schule Mil einem Beitrage von X 3000 und die Zentralbibliothek in Jerusalem mit einem Beitrag vom K 300 unterstützt hat. In Oesterreich erhielten von der Allianz Subventionen die Talmud Thora-Schnle in Kozmann, Bukowina, die jüdische Privat-Gymnasiallehranstalt in Storozynetz, die Lesehalle des Vereines Ahawas Zion inJtzkany. bie Zydowska szkola ludowa in Krakau. Verein Mirjam in Tarnow, Ochronka in Sambor, Jüdischer Leseverein in Jaworow, die Bethansvereine m Horn, Liesing, Laa, Wilhelmsburg, Stockeran, Oderberg, Pirnitz. Neu-Cerekwe, Radenin, Freudenthal, ferner der Verein zur Unterstützung mittelloser jüdischer Studierendem in Wien, der Verein Arbeitsnachweis an jüdische Hochschüler,, die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler und zahlreiche andere Vereine und Anstalten. Die eine Gesamtbilanz, die eine Höhe von K 244.109 erreicht, schließt mit einem Saldo von K 15.569 62. Wie aus der Gebarnngsbilanz ersichtlich ist, sind im Berichtsjahre an Mitgliedsbeiträgen insgesamt K 27.796 50 (gegen K 24.060 62 im Vorjahre emgegangen, und zwar ans Wien K 9.836 (gegen K 10.284 im Vorjahre), ans der Provinz K*3.174 Rückstände aus früheren Jahren (gegen K 924 im Vorjahre) . und K 14.786*50 für das Berichtsjahr (gegen K 12.852*62). Daraus geht hervor, daß die Mitgliedsbeiträge ans Wien, wenn von Todesfällen und den erfahrungsgemäß alljährlich notwendigen Abschreibungen abgesehen wird, im wesentlichen stationär geblieben find, während die auswärtigell Mitgliedsbeiträge eine Erhöhung von zirka 2000 Kronen fanden. Dieser Zuwachs ist durch Propagandaversammlnngen bewirkt worden, welche durch unseren Sekretär im verflossenen Jahre an einigen Orten abgehalten wurden. Wir sprechen dabei auch an dieser Stelle besonders Herrn Professor Dr. Rosenblatt in Krakau unseren Dank ans, der durch seine eifrige Wirksamkeit zugunsten unseres Vereines unsere Filiale in Krakau wesentlich gestärkt hat und dadurch den anderen großen Gemeinden in Galizien ein nachahmenswertes Beispiel gegeben hat. Es ist sehr bedauerlich, daß in großen jüdischen Gemeinden, wie D r o h o b y c z. R z e s z o w, K o l o m e a, H n s i a t y n, I a r o s l a n, Tarnow die „Israelit. Allianz" derzeit entweder gar keine oder verschwindend wenige Mitglieder besitzt. Allgemeine Indische Kolonisations- Organisation. Nachdem die A. I. K.-O. dank wiederholten Versammlungen in Berlin, am Sitze ihrer Zentrale, die Unterstützung der führenden jüdischen Kreise gefunden, beginnt sie auch in anderen Großgemeinden zahlreichere Anhänger zu gewinnen und ihre Organisation ausznbauen. Eine Gruppe namhafter Mitglieder der jüdischen Gemeinde H a m bürg s, der u. a. die Herren Jakob A l e x a n d e r, Carl B u n z e l, L. D u r l a ch e r, R. A. Dr. Frank, H. Gumpertz. M. Karlsberg, Alfred L e v y, R. A. Dr. L i p p m a n n, B. L u r i a, Alfred Lisser, D. Münden, Vk Peine, Dir. Sonneborn, Dir. Stern und sämtliche Gemeinderabbiner angehörten, hatte am 19. April eine Versammlung nach dem Logenheim des U. O. B'nai B'rith einberufen, um die Hamburger Glaubensgenossen mit den Bestrebungen der neuen Organisation vertrant zn machen. In seiner einleitenden Ansprache hob der Vorsitzende der zahlreich besuchten Versammlung, Herr Jakob Alexander, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft nnd Vorsitzender des Repräsentantenkolleginms der Jüdischen Gemeinde, hervor, daß die A. I. K.-O.. an deren Spitze angesehene Persönlichkeiten der' JudenheiUDeutschlands und anderer Länder stehen, die landwirtschaftliche und industrielle Kolonisation von Juden im Orient anstrebe. Das Programm der A. I. K.-O. sei ein rein humanitär-wirtschaftliches. Der aus Berlin eingetroffene erste Vorsitzende der A. I. K.-O., Dr. Isidor G i n s b e r g, wies in einem eingehenden Referat auf die Umstände hin, welche die maßgebenden Kreise der Jndenheit veranlassen, ein neues Ab- K'.f. ..’*■* ..j

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