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Die Wahrheit · 1910-05-13 · Heft 19 (13.5.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19. Die Wahrheit Seite 7. ihre — wie bereits vom Vertreter der Knltnsgemeinde Herrn kais. Rat Kanders erwähnt wurde — unter schwierigen Verhältnissen ansgeübte Tätigkeit den wärmsten Dank ansznsprechen. (Lebhafter Beifall.) Ebenso fühle er sich verpflichtet, jenen Mitgliedern, welche den Vorstand in der Erfüllung seiner Pflicht, bei Leichenbegängnissen mitznwirken, unterstützen, den herzlichsten Dank ausznsprechen. (Zustimmung.) Der Präsident der Knltnsgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern hält sodann folgende Ansprache: Es hat bereits Herr kais. Rat K a n d e r s, welcher von mir mit der Vertretung des Knltnsvorstandes bei dieser Versammlung betraut wurde, den Empfindungen Ausdruck gegeben, welche im Knltusvorstande, in der ganzen jüdischen Gemeinde für unsere älteste jüdische Vereinigung, für die Chewra Kadischa herrschen. Der Knltnsvorstand läßt auch keinen Anlaß vorübergehen, ohne seinem Interesse für die Chewra Kadischa werktätig Ausdruck zu geben, und wiederholt hat das Präsidium aus -den ihm zur Verteilung überwiesenen Spenden und Legaten — so auch erst in den jüngsten Tagen — relativ bedeutendere Beträge der Chewra Kadischa zngewendet. Die warmen herzlichen Empfindungen entspringen der Stellung, welche eine solche Vereinigung einnimmt, zu allen Zeiten und in allen jüdischen Gemeinden eingenommen hat; die Chewra Kadischa ist, wie doch ihr Name besagt, das Band, das uns Inden umschlingt, sie ist die Urzelle. ans der die jüdische Gemeinde entstammt, der Grundstein, ans dem die jüdische Gemeinde aufgebant ist. Sie ist eine religiöse Vereinigung, eine Stammesvereinignng. eine auf den Urbegiun unseres Volkes z zurückreichende verwandtschaftliche Verbindung nach dem Grundsätze „Chawerim kol Jisroel", den auch die jüdischen Allianzen in ihren Publikationen an der Stirne tragen. Daß jede jüdische Gemeinde, daß auch die Wiener Knltnsgemeinde den Bestand und das Gedeihen der Chewra Kadischa mit wärmstem Interesse .verfolgt und fördert, erachte ich als ein Gebot der Selbsterhaltung. Aus den gleichen Empfindungen heraus entstand in den letzten Tagen unter den Inden Wiens eine machtvolle Bewegung, welche dahin zielte, in kräftiger Abwehr jene von uns zu! weisen, welche sich ans unserer Gemeinschaft losgelöst, uns in! Zeiten schwerer Bedrängnis verlassen haben und nichtsdesto- . weniger das Bedürfnis fühlten, unsere Vertretung in öffentj liehen Korporationen zu führen und von uns Vertrauensmandate verlangten. Der Kampf, den wir aufgenommen, war ein Kampf des jüdischen Solidaritätsgefühles, der Sieg, den wir erfochten, ein Sieg des Gedankens unserer Gemeinsamkeit, unseres brüderlichen Zusammenhaltens und auch des Ehrgefühles. Ich als Präsident der Knltnsgemeinde konnte und durfte bei einer solchen Bewegung, bei einem solchen demonstrativen Proteste gegen die leider so verbreitete Abfallsbewegnng nicht abseits stehen, ich fühlte mich in meinem Gewissen verpflichtet, hier voranzugehen, und wenn sich im Laufe dieser Bewegung Situationen ergaben, in denen meine entschiedene Stellungnahme von der einen oder der anderen Seite mißliebig gedeutet werden konnte, so mußte ich dies über mich ergehen lassen, unbeirrt dem Ziele znstrebend, das wir alle vor Angen hatten. Daß in dieser Sache, dank unserem festen Zusammenhalten, ein so schöner Erfolg erzielt wurde, ist mit ein Verdienst unserer das Gemeingefühl wachhaltenden Verbindungen und Vereinigungen, und so auch der Chewra Kadischa, welche — wenn auch an dieser Bewegung unmittelbar nicht beteiligt — durch die Pflege des Gemeinsamkeitsgefühles zur Hebung des jüdischen Bewußtseins seit einer langen Reihe von Jahren in hohem Maße beigetragen hat. Ich wünsche ans vollem Herzen, daß die Chewra Kadischa blühe und gedeihe im Interesse unserer Gemeinde und der gesummten Judenschaft. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Präsident Salo Cohn dankt dem Präsidenten für seine ausgezeichneten Ausführungen, ebenso für sein mannhaftes Auftreten im verflossenen Wahlkampfe in der inneren Stadt; er gibt dem Wunsche Ausdruck, daß es der Vorsehung gefallen möge, den Präsidenten in unverminderter Kraft noch lange der Gemeinde zu erhalten. (Lebhafter Beifall.) Vereinsmitglied Dr. <zgnaz Weiß ergreift das Wort, um unter Anerkennung der bedeutenden Leistungen der Chewra Kadischa einige Anregungen zu geben; er bespricht in eingehender Weise die verschiedenen Zweige der Tätigkeit des Vereines, z. B. die Erteilung von Unterstützungen und Knrbeiträgen. die Verabfolgung von Medikamenten, Bandagen rc. und wünscht in dieser Beziehung mancherlei Reformen. Zur Durchführung derselben stelle er sich gerne dem Vorstande zur Verfügung. Vereinsmitglied Beer erklärt, daß er zum erstenmal einer Generalversammlung der Chewra Kadischa beiwohne, daß er aber von dem erstatteten Bericht derart begeistert sei, daß er sich vornehme, mit aller Kraft dahin zu wirken, der Chewra Kadischa neue Mitglieder und Förderer znznführen; denn er finde, daß im Hinblick aus die Aufgaben der Chewra die Anzahl ihrer Mitglieder eine viel zu geringe sei. Er gibt die Anregung, für ein Jahr die Entrichtung einer Anfnahmsgebühr zu sistieren, und verspricht sich hievon einen bedeutenden Zuwachs an Mitgliedern. Präsident Salo Cohn dankt dem Vorredner für seine warmherzigen Ausführungen und erklärt, die Anregung dem Vorstande zur Beratung zu unterbreiten. Vereinsmitglied Jaqnes Karpeles ersucht den Vorstand dafür zu sorgen, daß in der Zeremonienhalle am Zentralfriedhofe sämtliche an dem betreffenden Tage stattfindenden Leichenbegängnisse in geeigneter Weise verzeichnet werden. Znm Punkt 3 der Tagesordnung. „Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern". beantragt Herr Dr. Bloch die statutengemäß aus dem Vorstande ansscheidenden Herren Moriz B r e i l n e r, Jakob Kann, Jgn. Klein. Leopold Otto und Samuel Steiner wieder zu wählen und die Wahl per acciamationem vorzunehmen. Der Antrag, per acclamationem zu wählen, wird angenommen und werden sodann die obgenanmen Herren einhellig wiedergewählt. Vereinsmitglied Friedrich M a r m o r e k gibt die Anregung, daß die Chewra nicht bloß bei Todesfällen, sondern auch bei freudigen Anlässen an den Wohltätigkeitssinn der Inden appelliere. Vereinsmitglied Moriz Baum bespricht eingehend die Tätigkeit der Chewra. Er regt an, daß der Vorstand der Knltnsgemeinde in dem von ihm alljährlich veranstalteten Vortrags-Zyklns einige Abende dem jüdischen Vereinswesen reserviere, um das Publikum über Wesen, Wirken und Bedeutung der größeren, in Wien bestehenden Wohltätigkeits-Vereme aufznklären. j Auch er kommt ans die gänzlich unzulänglichen Lokalitäten der! Chewra zu sprechen, welchem Uebelstande nur durch Errichtung! eines neuen Amtsgebändes oder dadurch abgeholfen werden! könnte, daß die Chewra. eventuell auch die Armenanstalt, deren! Klientel sich hauptsächlich ans der Leopoldstadt und der Brigit-! tenau znsammensetze. in die Leopoldstadt verlegt werde, j Ueber einige Bemerkungen des Vereinsmitgliedes j Gr über in Bezug auf Beerdignngsangelegenheiten sagt-der! Präsident zu. die Delegierten der Chewra zu einer gemeinsamen > Besprechung einzuladen.! Vorstandsmitglied Samuel Steiner gibt unter Hinweis j ans die Ausführungen des Herrn Dr. Weiß einige Anfklärnngen j hinsichtlich der Verabfolgung von Medikamenten. Der Revisor. Herr Heinrich N e u r a t h, erstattet im eigenem Namen sowie im Namen des II. Revisors, Herrn Samuel Goldman n. einen Bericht über die von den Genannten vorgenommenen Revisionen der Buch- und Kassaführnng, welche in vollkommenster Drdnnng gefunden wurden. Ueber seinen Antrag wird dem Vorstände einhellig das Absolutorinm erteilt. Ueber eine schriftlich eingelanfene Anregung des Herrn Wilhelm L ö w y, die Delegierten der Chewra Kadischa zu ihrer Legitimation gegenüber den Leidtragenden mit einem Abzeichen zu versehen, bemerkt der Präsident, daß den Delegierten solche Abzeichen zur Verfügung stehen; einer obligatorischen Verpflichtung. diese Abzeichen gu tragen, könne nicht zugestimmt werden. Nach der Wiederwahl der bisherigen Revisoren, der Herren Samuel G o l d m a n n und Heinrich N e n r a t h, wird die Generalversammlung geschlossen.

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