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Die Wahrheit · 1910-05-13 · Heft 19 (13.5.1910) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Ni 19. Der Kassaführer der Chewra Kadischa, Herr Salomon Simo u, erstattet den Bericht über die abgelaufenen drei Verwaltungsjahre und führt unter anderem ans: Die Aufnahmsgebühren haben in den abgelaufenen drei Jahren zusammen K 7680 benagen, wobei zu bemerken ist/ daß durch diese Neueintritte der durch Todesfälle verursachte Ausfall kaum gedeckt erscheint. Die Jahresbeiträge beliefen sich auf rund K 81.000 jährlich, was einer Mitgliedecanzahl von rund 1460 entspricht. Seit Jahren ist die wenig erfreuliche Tatsache zu konstatieren, daß die der Chewra Kadischa zufließenden Spenden, mit Ausnahme der Kranzablösungsspenden, die im letzten Jahre 27.751 L betrug, eine fallende Tendenz aufweifen, und dies gerade in einer Zeit, wo die Anforderungen an die Chewra immer größere werden. Von den in der Berichtsperiode eiugelaufeneu Spenden und Legaten möchte ich folgende größere hervorhebeu: Von Herrn Dr. Ferdinand Mandl zur Errichtung einer Grabausschmückungswidmung 1000 K, Legat des sel. Gouverneurs der Bodenkreditaustalt Herrn Theodor R. v. Ta us s lg 10.000 K, von Herrn Salo Cohn zur teilweise» Deckung des Defizites per 1907 3000 K, durch den Vorstand der Kultusgemeinde aus dem Legate des sel. Herrn Julius Frankl 2725 K, aus dem Legate des sel. Herrn Albert Lauda ü 2900 K, von Herrn Albert Freiherrn v. Rot hsch il d anläßlich des Ablebens seines Sohnes des Herrn Baron Oskar Rothschild 1500 K, von den Hinterbliebenen des sel. Herrn Dr. Arnold R a p p a p o r t, Edlen v. Porada 1000 K zu bereits früher gespendeten 2000 K, Legat des Herrn Leopold Lederer 1000 K, von Frau Rebekka Mautner 1000 K, Legat des sel. Herrn Jnlirls Mautner 1000 K, von den Erben nach Herrn Ludwig B r e t h a u e r 1000 K, als Legat des Herrn Hermann S u b a k 1000 K, infolge letztwilliger Anordnung der Frau Johanna K o h n zur Errichtung einer Widmung 1000 L, zur Errichtung einer Samuel und Johanna Brunn er scheu Graberhaltungswidmung K 600, Legat des Herrn Moriz B e r n f e l d 600 K, zur Fundierung des Jaheesbeitrages von Herrn Bernhard Reicher s. A. 500 K, Legat der Frau Johanna Herzka s. A. 500 K, vom Vorstandsmitglied Herrn Jakob K a n n zur Fundierung des Mitgliedsbeitrages 500 Li, von Herrn Leopold Laudeis s. A. zum gleichen Zwecke 500 Li. Legat des Herrn Ignaz Politzer i. A.'500 Li. Die Ausgaben der Chewra Kadischa für wohltätige Zwecke erreichten in der verflossenen Periode den Betrag von rund 250.000 Li. Hievon entfallen: Auf Unterstützungen rund 90.000 L, auf Kurbeiträge zirka 61.000 L, auf Medikamente zirka 65.000 L, auf orthopädische Apparate, optische Gegenwände und Subventionen an verschiedene Wohltätigkeitsvereine über 33.000 L.. zusammen 249.000 L. Das Vereinsvermögen ist mit 388 578 ziemlich konstant geblieben. Dagegen hat sich erfreulicherweise das Vermögen der Stiftungen und Widmungen von 145.102 i. I. 1906 aus 180.102 i. I. 1909 erhöht. In Anbetracht der großen Zahl der Hilfesuchenden ist der Verkehr mit den Parteien eine schwere, nichts weniger als erfreuliche Aufgabe. Wenn ich sage, daß diese Arbeit nicht erfreulich sei, so bedarf dies einer gewissen Aufklärung. Gewiß kann es keine bessere und erfreulichere Aufgabe geben, als seinen armen, unglücklichen Brüdern zu helfen. Wenn aber diese Hilfeleistung trotz augenscheinlichen Elends, trotz großer Not und Bedürftigkeit unter dem drückenden Zwange der Verhältnisse nicht allen zuteil werden kann, wenn bei der Gewährung von Unterstützungen mit einer fast an Strenge grenzenden Gewissenhaftigkeit vorgegangen werden muß, so gewährt diese Tätigkeit nicht jene vollkommene Befriedigung, die sonst mit dem Wohltun verbunden ist. Vielmehr überwiegen die schmerzlichen Empfindungen, wenn man zurückweisen mnß, wo alles für Berücksichtigung spricht, nur deshalb, weil es noch Aermere, noch Bedürftigere gibt, die berücksichtigt werden m ü s s e n. Der Vorstand der Chewra Kadischa hat sich auch wiederholt damit beschäftigt, die Frage zu lösen, in welcher Weise die zur Verfügung wehenden Mittel möglichst rationell verwendet werden könnten; denn er war sich darüber nie im unklaren, daß mit der Gewährung von kleinen, oft nur wenige Kronen betragenden Unterstützungen nichts oder fast nichts getan ist. Er suchte dieser Erkenntnis Rechnung zu tragen, indem er sein Hauptaugenmerk auf Gewährung von Kurbeiträgeu lenkte, durch welche erkrankten Armen die Gesundheit und Erwerbssähigkeit wiedergegebeu werden soll. Ein großes, ein übergroßes Feld — ich erwähne nur der Namen Alland, Meran, Karlsbad. Bad Hall, Pystian — eröffnet sich auch auf diesem speziellen Gebiete der Tätigkeit der Chewra Kadischa und hierin glaubt der Vorstand seinen hauptsächlichsten Wirkungskreis zu erblicken. Zwei Zistern mögen das'illustrieren! Während noch im Jahre 1904 die Kurbeiträge 6793 L betragen haben, beliefen sich die Ausgaben für diesen Zweck im Jahre 1909 auf nahezu 20.000 K Den Intentionen des Vorstandes würde es entsprechen, in dieser Beziehung noch weiter zu gehen. Dies wäre aber notwendigerweise mit einer Beeinträchtigung der anderen von der Chewra Kadischa bisher gepflegten Agenden verbunden, wobei selbstverständlich an eine Reduktion hinsichtlich der Verabfolgung von Medikamenten und Bandagen nicht gedacht ist. Wenn die bisherigen Ausführungen hauptsächlich jenen galten, welche hilfesuchend an die Chewra Kadischa herantreten, nur mit dem großen und starken Rechte ihrer Armut ausgestattet, so mögen die folgenden Auseinandersetzungen an jene Bedürftigen und Bedauernswerten erinnern, die früher der Chewra Kadischa angehört, ihre Zwecke durch freiwillige Beiträge gefördert haben und später in Not geraten sind. Wohl kennt das Statut der Chewra Kadischa für verarmte Mitglieder kein besonderes Recht, aber es gibt auch unverbriefte, ungedruckte Rechte. Und wer sollte größeren Anspruch aus Hilfe haben, als derjenige, der früher selbst dazu beigetragen hat, die hohen ethischen Zwecke der Chewra zu fördern?! Von diesem Gesichtspunkte aus hat der Vorstand vor einigen Jahren über Anregung unseres Präses, Herrn Salo Cohn, die Bildung zweier Fonds beschlossen: des Fonds zur Unterstützung verarmter Vereinsmitglieder, welcher derzeit L 43.600.— beträgt, aus dessen Zinsenerträgnissen' verarmte Mitglieder der Chewra Kadischa in diskreter und möglichst ausreichender Weise unterstützt werden; ferner des Fonds zur würdigen Bestattung verarmter Vereinsmitglieder im Betrage von L 10.000.—, dessen Zweck aus seinem Namen ersichtlich ist. Leider ist es nicht möglich gewesen. - in den vergangenen drei Jahren diese Fonds zu stärken. Es wäre vielleicht der Erwägung wert, ob nicht diese beiden Fonds, oder zumindest der für Unterstützung bestimmte, durch alljährlich von vornherein festgesetzte Zuwendungen ans den Einkaufs- und Mitgliedsgebnhren sukzessive vermehrt werden könnten." Nach Ausdruck des Dankes an die Mitglieder und Förderer der Chewra Kadischa schließt der Bericht mit folgenden Worten: „Ich bitte Sie. meine Herren, die Sie durch Ihr Erscheinen bei der Generalversammlung Ihrem Interesse für die Chewra Kadischa, dieser ältesten jüdischen Vereinigung Ausdruck gegeben haben, nach Kräften dazu beizntragen, daß unsere Bruderschaft neue Gönner und Förderer erhalte; denn nur durch das einträchtige Zusammenwirken Vieler kann die Chewra Kadischa ihrer hohen Ausgabe, zur Linderung des menschlichen Elends beizutragen, gerecht werden. Dazu erbittet sich der Vorstand Ihre Hilfe, Ihre tatkräftige Mitwirkung!" Der Bericht wird mit lebhafter Befriediguiig zur Kenntnis genommen. Präsident Salo Cohn fügt diesem Berichte hinztl, daß sich seit 64 Jahren das Vermögen des Vereines von zirka 36.000 L auf rund 400 000 L erhöht habe. Dieser Betrag sei trotz seiner ansehnlichen Höhe doch nicht als bedeutend zu bezeichnen-, wenn man in Erwägung ziehe, daß schon im Jahre 1320 eine Chewra in Wien bestanden habe. Er hebt weiters hervor, daß mit der Prüfung und Erledigung der einlaufenden Unterstützungsansuchen ein ans dem Vorstande gewähltes engeres Komitee, bestehend aus den Herren B r e i t n e r, K a n n, Klein. Otto, Simon und S t e i u e r betraut sei und dieser Aufgabe in wahrhaft hingebungsvoller Weise, obliege; er könne nicht umhin, auch an dieser Stelle diesen Herren für

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