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Die Wahrheit · 1910-04-08 · Heft 15 (8.4.1910) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 15 (8.4.1910)
Date
1910-04-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Die Wahrheil reite 7 erwähnten Quelleumaterials ein Leben.sbild des Dichters zu entwerfen. ist der Zweck folgender Abhandlung, die in diesem Teile -vorläufig nur seine dichterische Frnhzeit behandelt." Alles in allem haben wir in diesem Buche eine Abhandlung. die ans der in den letzten Jahren so rasch angeschwollenen Ehrenrettungs-Literatur besonders hervorgehoben zn werden verdient. Richard M e b o l d. Raabes „Hollunderblüte." Eine Studie von Marie Speyer. Regensburg, Verlag von I. Habbel 1910, 126 S. 8« Mk. 2.40. Wilhelm Raabe ist vielleicht derjenige deutsche Schriftsteller, der am wenigsten dazu da ist, von ihm zn reden und zu schreiben, der am meisten allen Bemühungen spottet, durch literarische Behandlung ihm gerecht zn werden, von dem zwanzig gut gewählte Seiten zn lesen, mehr fördert als die Kenntnis der gesamten Literatur über ihn. Und doch ist er einer von denen, die am meisten Lob und Empfehlung verdienen, denn er ist llicht nur einer der hervorragendsten Erzähler, sondern vielleicht der größste deutsche Humorist, einer der tiefsten Geister. „Raabe hat sich wie mit allen Problemen seiner Zeit auch mit der Jndensrage poetisch beschäftigt. Ideell setzt er sich damit besonders im „Hnngerpastor" auseinander; er sucht das Problem möglichst objektiv zn beurteilen und, wenn er Moses Frendenstein im Hnngerpastor nicht im besten Lichte zeigt, so stellt er neben ihm helle Gestalten wie Frau Salome oder Jemima Löw. In der „Hollnuderblüte" wird vollständig von aller Tendenz abgesehen und vor allem die poetische Seite des Jndentnms erfaßt. Die Charakteristik ist gerecht. Führt Raabe in Baruch Löw auch minder anziehende Eigenschaften der Rasse vor, so gleicht er wie Gustav Freitag in „Soll und Haben" am alten -Ehrenthal ans, durch die heiße Liebe zu seinem Kinde. Jemima Löw kann wie als Verkörperung des allgemeinen menschlichen Strebens znm Lichte, so auch im besonderen als Vertreterinder edelsten Züge ihres Volkes ansgesaßt werden. Charakteristische Eigenschaften der Rasse, das zähe Festhalten am Ueberlieserten, das Gefühl des Zusammengehörens. eine gewisse Strenge finden ihren Allsdruck besonders in der Geschichte Mahalaths: Wir find aber ein Volk, das was gibt auf seine Ehre, wir sind ein genaues Volk und können sehr grausam seilt. So hat das arme Geschöpf sein Leben mit Kummer beschlossen, — 's ist eine traurige Geschichte. Die milde Denkungsart des alten Pförtners f erinnert an Lessings Nathan. Der Glanbensnnterschied als Bei dingnng des seelischen Konfliktes wird in der Geschichte Ma- > halaths etwas stärker herangezogen, bei Jemima tritt er mehr tu den Hintergrund. Zur vollen Entfaltung gelangt das jüdische Element hingegen als äußeres Motiv." Merkwürdigerweise hat einer der neuesten Lodredner Raabes obige Veröffentlichung in zelotischem Uebereifer anss schärfste znrückgewiesen und als Prachtleistung übelster Literamrsorschung und Bnchmacherei summarisch verurteilt. Man kann gewiß Einzelheiten tadeln und es scheint in den Augen des Referenten die scharfe Charakteristik Raabes als Romantikers nicht vollständig gelitngen. Speyers Studie entspricht selbstverständlich auch nicht j jener „Methode", wie solche kürzlich Rudolf Unger in seinen philosophischen Problemen in der neueren Literaturwissenschaft verlangte. Allein es ist und bleibt dieses bescheiden austretende und sachlich' streng gehaltene Buch eine beachtenswerte Arbeit, ein brauchbarer Baustein für die ausführliche Geschichte des deutschen Schrifttums. Die Quellen sind mit Fleiß zusammengetragen und auf dem ziemlich reichett Stoff gestützt, entrollt sich in sehr einfacher, schmuckloser, oft derber Darstellung ein Bild des betreffenden Schaffens Wilhelm Raabes. Möge das Werk recht zahlreiche Leser und verdientermaßen objektive Beurteiler finden_'__Karl Ille. Verschiedene Nachrichten. Wien. (7 0. G e b n r t s t a g D r. Gustav K o h n s.) Wie bereits berichtet wurde, findet der Festgottesdienst anläßlich der Feier des 70. Geburtstages des I. Vize-Präsidenten der israel. Kultusgemeiude Wien und Präsidenten des Bethansvorstandes Landesschulrat Dr. Gustav Kohn Samstag, den 9. d. M., lj<ß Uhr vormittags im Seitenstettentempel statt. Der Empfang der Gratulations-Deputationen findet Sonntag, den 10. d. M., von 10—1 Uhr in der Wohnung des Herrn Dr. Gustav Kohn. IX. Hahngasse 25. statt. Um Kollisionen zu vermeiden, empfiehlt es sich daß jene Körperschaften, welche Deputationen entsenden, dies Freitag, den 8. d. M.. oder S a m s r a g, d e n 9. d. M., von 3—5 Uhr uachinirrags i n der W o h n n n g d e s Herrn Bethausvorstehers S. A. W a s s e r v o g e l. II. F e r d > u a u d s st r a ß e 4, I. Stock, anmelden, um hinsichtlich der Reihenfolge des Empfanges Bescheid entgegen zn nehmen. Wien. Im Josefstädter Tempel, VIII., Nendeggergasse 12, wird anläßlich des siebzigsten Geburtstages des Herrn Dr. Gustav K otiu. Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeiude, am Samstag den 9. April d. I. beim Morgeugotresdieuste eine Feier abgehalten. Wien. (Das Jubiläum der „Oesterreichischeu Israelitischen Union"). Zur Feier des 25-jährigen Bestandes der „Oesterr.-Jsrael. Union" findet Sonntag, den 17. April. 10 Uhr vormittags, im Festsaale des Niederösterrelchischen Gewerbevereines. I. Eschenvachgasse 2. eine Festversammlung (25. Generalversammlung, statt, in welcher Herr Uuiv.-Prof. Dr. S. E h r m a n n die Festrede halten wird. Gleichfalls am 17. April, um1jß Uhr abends, findet im „Hotel de l'Europe". II. Aiperubrückengasse2, ein Festbankett statt. Jene Herren Mitglieder der „Union", welche an dem Bankett rellznnehmen wünschen, werden gebeten, dies bis spätestens 14. April dem Vereinsbureau. IX., Universitäcsstraße 8. bekannt zn geben. In den nächsten Tagen erscheiiit eine vom Vorstände der „Oesterr.-Jsrael. Union" heransgegebene Festschrift, welche den Vereinsmilglledern unentgeltlich zugesender wird. Wien. Auf der vor kurzem im großen Mnsikvereinssaal veranstalteten Liedertafel har der „W lener K a n s m ä n n i s ch e G e s a n g sverein" seine Feuerprobe für den vornehmen großen Konzertsaal bestanden und künstlerisch hervorragende gesangliche Leistungen geboten, die selbst von so ernster Kritik, wie sie die anwesenden Komponisten Goldmark, Kremser, Göctl und Lafice übreu. nngeleilce Anerkennung fanden. In dem ansverkaufreu Hanse herrschte eine recht animierte Stlmmung und das zahlreiche. verständnisinnig horchende Andirorinm geizte nicht mit Apvlanssalven, die in gleicher Weise der geschmackvollen Zusammenstellung des Programmes ivie der feinsinnigen Wiedergabe der aufgeführten Chorwerke galt. Lebhaft akklamiert wurden auch die dem Konzert anivohnenden Koniponisteu. Der großartige Erfolg ist in erster Reihe dem Dirigenten des Vereines. Herrn v. Henriquez zu danken, der den Beweis erbrachte, daß auch mit einer verhältnismäßig kieiueu aber vvu ernstem Kunststreben erfüllten Sängerschaar hohe künstlerische Wirkungen erzielt werden können. Mir lobender Anerkennung sei auch der Soli st e u Dr. L a u g h. Bachrach. Wächter, Friedländer und N e u m a n n gedacht, die Mit ihren schönen Stimmen sich in aller Herz und Ohr sangen. Zu wohltuender Abwechslung boten die Opernsängerin Frau Emmy K a r v a s y und Herr Professor Dirtrrch einige hübsche Zivischennummern und den orchestralen Teil besorgte in bekannter Meisterschaft das Tonkünstlerorchefter. Der Verein und feine Leitung, an deren Spitze der in den weitesten Kreisen beliebte und verehrte kaiserliche Rat Wilhelm P o l l a k steht, kann mit > dem doppelten künstlerischen und gesellschaftlichen Erfolge des Abends vollauf I zufrieden sein und er möge sie zn weiterem Aufstieg auf der betretenen Bahn * aneifern. Wien (Hilfsvereiu für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, Wien, lX., Berggasse 4.) Sonntag, den 10. April, 10 Uhr vormittags findet in den Räumlichkeiten des israel. Hllinanitätsvereiiies „Wien" B'nai B'rith. IX., Universitärsstraße 4, die ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Wien. Reichsrats-Abgeordneter Professor Dr. Mahle r, der jüngst in den Mitteilungen der Pariser Akademie eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten veröffentlichte und ein in englischer Sprache verfaßtes Buch über die Sammlungen des Louvre herausgab. wurde zum Offizier der ^cacksvais Francaise ernannt. Wien. (Jüdisches Theater. Regie M. Siegler, Hotel Stephanie, II.. Taborstraße 12.) Letzte Woche. Freitag 8. Avril. „König Lear" von I. Gordin. Herr Reißmann in der Titelrolle. Samstag 9. Avril „Die „Jüdische Neschome", von I. Gordin: Herr Siegler in der Titelrolle. Sonntag „Bar Kochba" von A. Goldfaden. Montag 11. Avril, Benefize des Kapellmeisters Herrn L. Graß und Herrn Mestel und Spiwakoff. Zur Aufführung gelangt „Die Seder-Nacht" von Lateiner. Herr Reißmann als Salomon Kohn. Dienstag 12. April. Letzte Vorstellung, veranstaltet von „Hasomir", Verein zur Förderung Jüdischer Kunst und Literatur. Zur Aufführung gelangt „Die Newell e" von Peretz Hirschbein. Wien. i'C h a u t e c l e r.) Rostaud führt uns in seiner Komödie Hühnergattuiigen ans aller Herren Länder vor. die jede ihre eigene Sprache krähen wie Kikeriki, Kokariko. Kukeriku rc. Da der Hahn mit dem stolzen Namen „Geiver" auch in der jüdischen Spmbolik eine große Rolle spielt und quasi als Erwecker zu geistiger und physischer Arbeit gilt, ist es intereffant zu wissen wie der jüdische Hahn kräht und welch schöner Sinn diesem Weckruf belgemeffen wird. Der Sohar schreibt, daß der Hahn frühmorgens die Leute durch emsiges Zurufen X,7> Kp (Stehe auf wie ein Löwe, stehe auf!)' weckt und zur Tätigkeit ermähnt. A. 8. P. Mödling Am 3. d. fand im neugegründeten „Jüdischen Bildungs- und Geselligkeirsverein in Mödling ein Vortrag des Herrn Dr. Naphtali Torczyner über das Thema „Bibel und Babel" statt, dem ein zahlreiches Publikum mit Interesse beiwohnte. Der Vortragende verstand es vorzüglich, die Zuhörer in feinen Vortrag einzuführen, umsomehr dieser danach angetan war. uns der Urgeschichte des Judentums in einer knappen wissenschaftlichen Weise näher zu bringen. Boskowitz. Vor einigen Tagen starb hier die älteste Bewohnerin Frau Jettl G o l d m a u n im hohen Alter von 84 Jahren. Krakau. Hier wird ein jüdisches Museum für Schrift- und Kunstdenkmäler zur Geschichte und Kultur der Juden in Polen eröffnet. Dank

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