Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 15 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 15. legung des Maharscha, der in Sukka gegen Maharschal behauptet, daß Ascheri auch nicht ein einziges mal (beschum paam) den Alfaßi mit Nif bezeichnet. — Dem Korban Nesanel lag beim Niederschreiben dieser Bemerkung gewiß nur bei, daß der Maharscha in Sukka behauptet habe, daß Ascheri den Alfaßi nicht mit Rff bezeichnet, er hat aber die Stelle in dem Augenblicke nicht genau nachgesehen, denn sonst hätte ergewißnicht„b68obumpaam" geschrieben, da jeder weiß, daß zwischen dem Ausdrucke des Maharscha „en leschon harosch" und dem was der Korban Nesanel in seinem Namen schreibt — beschum paam — ein großer Unterschied ist. Als Davids Feldherr, Joab, bei der Eroberung des Landes Edom die weiblichen Personen verschonte und von dem Könige deswegen zur Rede gestellt wurde, so redet er sich auf seinen Lehrer aus, der ihn statt Secher Amalek Andenken Amaleks Laebar (Mannspersonen) habe lesen lassen. David geriet über diesen Lehrer so in Zorn, daß er nahe daran war, ihn töten zu lassen (B. Bathra 22 b). Gar so zu ereifern brauchen wir uns allerdings wegen eines Druck- oder Unterrichtsfehlers nicht, denn solch schwerwiegende Folgen, wie im Falle Joabs, dürfte ein solcher bei unfern Schülern kaum haben. — Aber immerhin wird es gut sein, auch jetzt noch ans die Lehre zu achten, die R. Akiba seinem Schüler R. Simon b. Jochai noch kurz vor seinem Tode im Kerker gab: „Wenn Du deinen Sohn unterrichtest, so unterrichte ihn ans einem fehlerlosen Buche" (Peßachim 112 a). Wenn bei neuen Anslagen, die ja bei sonst guten Schulbüchern bald zu erwarten sind, die in den alten wahrgenommenen Fehlern und Mängel weggelassen oder richtiggestellt werden, wird die Weisung R. Nkibas leicht befolgt werden können. Literatur. Erinnerungen von Ludwig August Frankl. Heransgegeben von Stefan Hock. Mn 3 Bildnissen, einer Abbildung und einem Faksimile. Prag 1910. I. G. Calve'sche k. u. k. Hof- und Universitäts-Bncbhaudlung (Joses Koch). „Frankl war kein Pfadfinder, der neue Wege wies, er war keine Meilensänle, von der, weiter wandernd, wir die zurückgelegte Bahn ermessen können, aber er war ein ehrlicher, wackerer;/ Arbeiter, ein freisinniger Dichter, ein pietätsvoller Mensch. Das sind allein schon Eigenschaften, die sein Bild angenehm, erfreulich machen. Und er war mehr noch. Ludwig August Frankl stellt uns ein gutes Stück Oesterreich dar; wenn er auch niemals in der ersten Reihe stand, so hat er doch alle neueren Schicksale unseres Vaterlandes mit innigster Teilnahme verfolgt und treulich e mitgeholfen, wo es gal:. Seine Verdienste liegen nicht so offen : zu Tage, aber die Spur seines Wirkens auf sozialem Gebiete 1 wird lange nachglänzen. Er hat, was so oft das Allerschwerste ist, den Spott der allzeit spottlustigen Wiener nicht gescheut / wenn es ihm darauf ankam, irgend einem sinnigen Gedanken zur/ Durchführung zu verhelfen, die Erinnerung an einen großes Toten, au eine bedeutende Zeitepoche ^rege zu erhalten. Das ganze Auftreten und Wesen Ludwig August^Frmcklsläßt^sich durch das Wort „sinnig" wohl überhaupt am treffendflencharakterisiereu. Sinnig war seine Verehrung aller Geistesheroen, sinnig seine eifrige Sammeltätigkeit, finnig sein Anteil am öffentlichen Leben, sinnig seine Vaterlandsliebe, sinnig seine Sprache, und auch seiner Poesie ist die Sinnigkeit eigen." Wenn es noch eines weiteren Beweises für die volle Nichtigkeit dieser von berufener Hand im Jahre 1894 entworfenen Würdigung des Dichters L. A. Frankls bedurft hätte, so bieten ihn die soeben von der „Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in'Böhmen" durch Stefan Hock herausgegebenen Erinnerungen. Als einfacher schlichter Arbeiter im Garten der heimischen Kunst, als simpler Kärrner an dem Bau der heimischen Geschichte, aber hier wie dort voll guten Willens und reinen Herzens, machte er sich mit dem Stift oder mit seinem überraschend treuen Gedächtnisse Notizen für eine spätere schriftstellerische Verwertung, ohne jedoch aus den zahllosen Einzelheiten ein Ganzes zu formen, welches nunmehr mit kundiger Hand sein Herausgeber versucht. Von Seite zu Seite staunen wir über die Fülle des hier anfgespeicherten Materiales. Wir erfahren ebenso Interessantes über Josef Dessaner, Sigmund Engländer, Bernhard Freiherr von Eskeles, Adolf Fischhof, von Hönigsberg, A. L. Jeiteles, Ignaz Jeiteles, Ignaz Knranda M. G. Saphier, Josef von Sonnenfels. Emannel Feith, als über Fürst Clemens Metternich und seinen Leibarzt Friedrich von Jäger. Möge dies so inhaltsreiche Buch zahlreiche Käufer und Leser finden. Erich Gabler. Aus Karl Becks dichterischer Frühzeit. Jnangnral- Dissertation von Heinrich Nellen. Leipzig. August Hoffmann. „Wer Karl Beck persönlich kenntnnd sich noch au ocrnraut seiner Leistungen befindet, muß gestehen, daß er beklagenswert ist. Früh außerordentlich emporgehoben und als Lyriker und Epiker sich eines bedeutenden Rufes erfreuend, hat doch sein Talent eine gewisse Grenze nicht überschreiten können. Mannigfach hat man ihn anfgefordert sich in Prosa, im erzählenden Fach zu versuchen; man hat ihm Redaktionsstellen in Wien angeboten und er trat sie auch an; seine Befähigung reicht aber für solche Tätigkeit nicht ans; immer wieder sank er in seine lyrische Träumerei zurück. Dann und wann gelingt ihm noch eine hübsche Arbeit; so kürzlich ein schönes Gedicht „Szechenyi" An dieses soeben von Nudols Göhler veröffentlichte literarische Gutachten des Generalsekretärs der deutschen Schillersttftung vom 21. Oktober 1861, an dieses harte Verdikt Karl Gutzkows anläßlich des im ersten Halbjahr 1862 erfolgten Einlasses Karl Becks in die Stiftung wurde Referent unwillkürlich erinnert bei der Lektüre obiger Abhandlung deren eingestandener Hauptzweck ist, auf Grund der Werke und der weitverstrenten Literatur über den jüdischen Lyriker Karl Beck * und unter Benützung seines brieflichen nnd dichterischen Nachlasses eine znsammenfassende Darstellung seines Lebens und Wirkens zu geben. „Wer mit der Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts und besonders ^mik der^ösüwr^ichischen Dichtung während der juu^deutschen Epoche bekannt ist, dem wird der Name Karl Beck wiederholt begegnet sein unter der Schar derer, die am Ende der dreißiger Jahre als politische Lyriker sich einen Namen gemacht haben. Als einer der ersten hat er in seinen Jngendgedichten den stürmischen Forderungen jener heißbewegten Zeit Worte geliehen. Wenn er schon durch seine Geburt ans die Oesterreicher und in Stoff, Sprache und Form besonders aus Lenau nnb Anastasius Grün als seine Vorbilder hingelenkt wurde, so ist er doch auch nicht unabhängig geblieben von dem Einflüsse, den die Juugdeutschen, namentlich Börne, ausgeübt haben. Er ist ein deutsch österreichischer Dichter und spiegelt deutlich die Einheitlichkeit beider Literaturen wieder, die ja in der politischen Dichtung der dreißiger und vierziger Jahre besonders zum Ausdruck kommt. Zur Zeit seines ersten Auftretens als begeisterter Freiheitsdichter weithin bekannt, gefeiert und bewundert, hat er in ünseren Tagen nur noch eine kleine Gemeinde, die ihn liebt und i verehrt. Für die Menge ist er unverdienterweise der Vergessenheit anheimgefallen. Der vormärzliche Sänger hat seinen Rnhm selbst Jahrzehnte überlebt, ein Geschick das er mit vielen poetischen Stürmern und Drängern seiner Zeit teilt, das er aber keineswegs verdient, denn, wenn er auch vor allem ein Kind seiner Epoche ist nnd ihr als einer der ersten in seinen „Gepanzerten Liedern" gehuldigt hat, so weiß er doch abseits vom Wege der tendenziösen Lyrik Töne anznschlagen, die zu allen Zeiten das Menschenherz bewegen. Er weiß wie. sein Landsmann Nikolaus Lenau, an den er in seinem Leben nnd dichterischen Schaffen in manchen Zügen erinnert, Bilder von dem Leben und den Schönheiten seines Ungarlandes vorznführen, die ihren bleibenden Wert behalten. Diese Bewunderung können ihm bei genauer Kenntnis seiner Werke auch diejenigen nicht versagen, deren Urteil über seine politische Dichtung" durch Parteitendenz oder Konfession getrübt ist. Freilich haben die meisten, die in den letzten Jahrzehnten über ihn geschrieben haben, ihm kaum tiefer ins Auge geblickt nnd sich nicht hinreichend mit seinem Lebens- und Entwicklungsgänge vertraut gemacht. Daher die vielen Jrrtnmer, die sich in den Lebensskizzen des Dichters finden. Diese falschen Angaben zu beseitigen und zum ersten Male auf der sicheren Grundlage des oben-