Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 15 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063520-3063535--06612-3073629- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 15. Die Wahrheit Seite 5. In den alten Gemeinden jedoch wurde den „Mauerbrechern" das Niederreißen sehr erschwert; denn es hat in denselben damals noch zahlreiche Mitglieder gegeben, die Kenner des jüdischen Schrifttums und für den Glauben der Väter im hohen Maße begeistert waren. Diese setzten sich mit aller Kraft für die Erhaltung der Schule ein und die Assimilanten mußten sich scheu znrückziehen. Im Laufe der Zeit aber wuchs eine neue Generation heran, die in deutschen Gegenden für das Deutschtum und in czechischen Gegenden für das Czechenrum schwärmte, daher es den Machthabern, besonders wenn sie in nichtjüdtschen Kreisen Ehrenstellen bekleideten, eilt Leichtes war, die jüdischen Schulen aufznlösen, so daß heute fast sämmtliche jüdisch-konfessionellen Schulen in den zisleithanischen Gemeinden — Mäh reit ansgenommen — der Geschichte angehöreu. Was Wunder also, daß die Kenntnis der Thora aus Israel geschwunden und dem Judentnme, das den Stürmen aller Zeilen zu trotzen vermochte. Gefahr droht, seinem Verfalle entgegen geführt zu werden. Ein Jndenlnm ohne Kenntnis der Thora hat keine Existenzberechtigung. Die Feinde Israels haben daher schon in grauer Vorzeit stets ihre Geschosse gegen das jüdische Schrifttum gerichtet und alle möglichen und unmöglichen Mittel angewandt, damit die Kenntnis der Thora aus Israel schwinde. „Wenn ihr das Jndenlum bei der Wurzel fassen wollt", so ivll der Weise Ennomos aus Gadra den Feinden Israels zngernfen haben, so müsset ihr vor Allem ihre Schulen zerstören, denn so lang ihre Kinder in denselben in der Thora unterrichtet, für das höhere, ideale, wahrhaft Göttliche begeistert werden, ist keine Macht ans Erden imstande sie zu erschüttern. (Midr. rabba 1. M. 65:) Im Talmud heißt es: Jerusalem wurde nur deshalb zerstört, weil die Kinder daselbst vom Schulbesuche abgehalten wurden. (Sabb. 119.) Der berühmte Tanaite R. Simon b. Jochai sagte: „Wenn du in Palästina Städte ihrem völligen Verfalle entgegehen siehst, so wisse, das dies die natürliche Folge der Vernachlässigung des Religionsunterrichtes sei" (Midr. R. zu Klagelieder.) „In einer Stadt, die der Schule und der Lehrer entbehrt, soll man nicht wohnen". (Sanhedr. 17). Ja die Thora allein ist es, die dem Judentum unveräußerliche, unzerstörbare Lebenskraft verleiht. Die mächtigste und kräftigste Säule, auf der das schöne prachtvolle jüdische Religionsgebäude beruht ist die Thora, daher unsere Weisen sagen: Talmud Thora keneged kullom die der Verbreitung der Kenntnis der Thora geweihte Stätte, die Schule, überragt alle andere Institutionen der Gemeinde." Was nützen nits die ursprünglich großen Opfer, die selbst die kleinsten Gemeinden bringen, uni für die bezahlten Battlonim schöne prachtvolle Tempel erbauen zu können, die außer Rosch Haschono und Jom Kippur sehr wenig, fast gar nicht besucht werden, während die arme Jugend sich mit einem wöchentlichen z w e i st ü n d i g e u Religionsunterricht begnügen muß; wenn das jüdische Kind, sobald es das sechste Lebensjahr erreicht hat, früher Gelegenheit sindet, in der öffentlichen Schule die religiösen Sitten, Bräuche und Formen anderer Konfessionen kennen zu lernen als die der „Mutterreligion?" Soll das Judentum sortbestehen, damit man ihm nicht ein Denkmal setzen müßte mit der Inschrift: „Sie wurden frei und gingen unter" so müssen sich die Gemeinden, die großen wie die kleinen, ansraffen zu einer Tat. Eine wahre, große, edle Tat wird es sein, wenn sie wieder jüdisch-konfessionelle Schulen gründen und dafür sorgen würden, daß die Jugend in denselben täglich von würdigen, für ihren Glauben begeisterten Lehrern nicht nur in den vorgeschriebenen profanen Fächern, sondern auch in Bibel, hebräische Grammatik re. unterrichtet und mit den Grnndlehren der Religion vertrant gemacht werden. Ein anderes Mittel gibt es nicht. Talmud Thora keneged kullom Die Fortpflanzung von Fehlern. Von Rabbiner Professor M. Stark-Prag-Weinberge. (Schluß.) Von einem Lehrbuche zu einem anderen ist kein weiter Weg und dieser Weg ist umso gerader als das eine Lehrbuch für die Unter-, das andere für die Oberklassen bestimmt ist. Freilich unterscheiden sich beide dadurch von einander, daß das erstere schon viele Jahre zählt und sich bereits bewährt hat. das andere hingegen erst in diesem Jahre geboren worben ist und seinen Weg ins Leben erst am Beginne des nächsten Schuljahres antreten wird. Nach den segens- und verheißungsvollen Begeisternngsworten. die ihm indeß von verschiedenen Seiten erteilt worden sind, ist nicht zu zweifeln, daß es seinen Weg machen und in vielen jugendlichen Herzen die Flamme der Begeisterung für die väterliche Religion und Slammesgeschickle anfachen wird. Besonders dürften dazu die dem Buche beigegebeneu Literaiulproben beitragen. Und gerade darum will ich hier auf eine dieser Literatnrproben. in welche ein Fehler mithineingenommen wurde, Hinweisen. In Nr. 3 der Proben aus dem Midrasch Rabba. welche die Ueberschrift „der afrikanische Rechtssprncb" trägt und dem „Wajikra Rabba" (bei den vorangehenden zwei Nummern ist auch das Kap. angegeben, bei diesen nicht— es ist Kap. 22 ober 27 Parscheh 27) entnommen ist. Nach dem Midrasch war das Verkanfsobjekr eine Ruine (Cborva) und in dieser hat der Käufer beim Graben einen Schatz gesunden, deit er, tveil er. wie er sagte, nur die Ruine und nicht den Schatz gekauft habe, dem Verkäufer geben wollte, dieser aber wollte den Schatz nicht nehmen, „weil er die Ruine mit allem, was sie enthalte, verkauft habe und ebenso wenig ein Unrecht begehen wollte, wie der Käufer; nach der Probe hingegen war das Verkanfsobjekr ein Sack voll Spren und in diesem habe der Käufer beim Ansleeren des Sackes den Schatz gefunden. Warum ans der Ruine ein Sack mir Spreu gemacht worden ist, ist mir unbegreiflich, zumal die ganze Erzählung dadurch an Glaubwürdigkeit verliert, indem es wohl Vorkommen kann, daß in einer Ruine ein Schatz vergraben lag, von welchem Käufer und Verkäufer keine Kenntnis halten, kaum aber in einem Sacke mit Spreu. Der Herausgeber der Literatur- Proben merkt allerdings bei Nr. 3 an „Nach Herder Jüdische Parabeln". Wenn auch wirklich Herder die Ruine des Midrasch in einen Sack mit Spren nmgewandelt hat. wovon ich mich augenblicklich nicht überzeugen kann, wäre es doch des Herausgebers Pflicht gewesen, diesen wieder in seine ursprüngliche Gestalt, in eine Ruine zu verwandeln, da er ja nicht Proben ans Herder, sondern ans dem Midrasch geberi wollte. Nebenbei sei noch bemerkt, daß diese Geschichte auch im jernsal. Talmud (B. Mezia 2. Absch.) erzählt wird, aber in umgekehrter Weise — beide sowohl der Käufer als auch der Verkäufer machten Anspruch ans den Schatz. In dem Falle wäre Umwandlung der Ruine in einen Sack etwas weniger unbegreiflich. Wie sehr es geboten erscheint, bei Anführung von Zitaten und Quellenangaben diese womöglich auf ihre Richtigkeit zu prüsen. möge zum Schluffe noch folgendes Beispiel zeigen. Im Traktat Snkka 18a wird ein schwieriges bantechnisches Thema behandelt. In einer Erläuterung des R. Salomo Lurja (Maharschal) zudem mit Schlagwort „Sichach" beginnenden Tosfafoth daselbst wird auch auf Äschert hingewiesen mit» behauptet, daß er mit dem von ihm angeführten (R. I.) nicht wie sonst immer den bekannten Tossafisten Jiak den Aelteren, sondern den Rif (Jsak Alfaßi) gemeint habe. Dieser Behauptung des Maharschal tritt nun R. Samuel Eders (Maharscba) in einer Glosse entgegen, in der er als Argument gegen Maharschal auch den Umstand anführt, daß es nicht Art und Weise, Gewohnheit Aicheris sei (en leschon harosch lehaskiro beschem Rif ela Raw Alfasi). den Jsak Alfaßi mit „Rif" sondern mit „R. Alfaßi zu benennen. Jeder, der die Glosse des Maharscha mit Bedacht liest, empfängt den Eindruck, daß er damit sagen wollte: wenn es schon die Art des Rosch nicht ist. R. Alfaßi mit Rif zu b e z e i ch n e n. w i e sollte er i h n a u f e i n m a l sogar n u r R. I. n e n n e n, keineswegs aber, daß der Maharscha behaupten wollte, daß der Rosch in seinem ganzen großen Werke, in dem er Alfaßi gewiß mehr als tausendmal nennt, auch nicht ein einziges mal mit Rif bezeichnet. Und in der Tal befindet sich die Bezeichnung Alfaßis mit Rif einmal in Ascheri zu Peßachin Absch. 2 Sp. 9. Der Verfasser des Korban Nesauel unterläßt es daher nicht, an der bezeichneten Stelle sofort zu bemerken: Von hier ist eine Wider-