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Die Wahrheit · 1910-03-25 · Heft 13 (25.3.1910) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 13 (25.3.1910)
Date
1910-03-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13. Die Wahrheit Seile 5. es sich erklären, daß gerade in der letzten Zeit allenthalben so viele jüdische Künstler anflauchen. Freudig können wir gestehen, daß das Wort Felicien de Sanlcy's: „L’art judaique n’existe pas; il n’a jamais existe“ (es gibt keine jüdische Kunst; es hat nie eine gegeben), seine volle Geltung verloren hat. Mag sein, daß es keine jüdische Knust gibt, große jüdische, „bildende Künstler" gibt es. Dafür legt die Frühjahrsansstellnng im Künstlerhause lebhaft Zeugnis ab. — — Die beiden Größten, die viele Jahre vereinzelt dastanden, sie sind auch heute vereinzelt auf der Höhe ihrer Kunst: H o r o w i tz und Kauf m a n n. Leopold H o r o w i tz ist mit zwei Porträts vertreten. Beide trefflich. Doch wir geben dem Herrnporträt entschieden den Vorzug. In diesen Arbeiten liegt ein enormes Können, das vor allem die Frucht eines tiefgehenden Studiums und einer feinen Beobachtung ist. Dazn gesellt sich noch die großartige Sicherheit, durch das langjährige Porträtieren erworben. Wir müssen es eingestehen, daß insbesondere das zeichnerische Können bei den übrigen unserer Porträtisten nicht so vollkommen ist, als es wünschenswert wäre. Sie alle haben nustreitbar das größte Talent, vor allem ein ungemein feines Tonempfinden. Ein wenig die Oberflächlichkeit abgestreift und genaueres Strtditlm, und sie müßten ganz Hervorragendes leisten. Wir sehen da ein Damenporträt von Nikolaus Schattenst e i n. Im Hintergrund eine hohe Flügeltür. Das ganze vielleicht etwas zu farblos und nüchtern. Da war doch sein vorjähriges Porträt der Frau R. A. feiner, vor allem im Ton. Trotzdem zeigt das Porträt eine vornehme Eleganz. — Reicher hat sich V. W. Kransz eingestellt. Die Porträts sind entschieden zu flüchtig behandelt; gewiß gibt dies den Bildern einen gewissen Reiz, etwas Pikanteres; aber der große Künstler darf dabei nicht stehen bleiben. Das sind zu enge Grenzen, darüber hinaus beginnt erst das Schwere. Betrachten wir das Porträt der Frau E. Z—z! Kein Zweifel, das feine Braun des Pelzes, in dem hübsche Lichter spielen, das Rot der Rosen, die frische, farbige Behandlung des Kopses — es liegt ein Reiz darin; doch nicht mehr. Elegant gearbeitet ist das Porträt der Frau L. Witt; allerdings die Aehnlichkeit ist nicht allzu groß. Ganz anders David Kohn! Sein Porträt (Generaldirektor Günther) ist vollkommen dnrchgeführt; und trotzdem! Es kann nicht unfern vollen Beifall finden. Wir treten nun zur anderen Gruppe, deren weitaus überragender Führer Isidor Kauf m a n n ist. Wir freuen uns, daß er dieses Jahr lins vier seiner Kunstwerke zeigt. Doppelt müssen wir ihn schätzet', nicht nur als den großen Künstler, sondern auch als ben liebevollen Darsteller von Szenen aus dem echt jüdischen Leben. Sein Bild „Am Sabbath"! Nach dem Gottesdienste bleibt der eifrig studierende Jude noch im Tempel zurück und vertieft sich von neuem in das Studium. Wie sich dieses Sinnen und Grübeln in den Zügen ansprägt! Wie fabelhaft fein ist dieser Raum behandelt. Dieser uralte Raum mit seinem kalten Ziegelboden und den vom Alter verwitterten Bänken und Ständern, mit seinen graublau getünchten Wänden, gewinnt unter des Meisters Hand Leben und Reiz. Wie durchsichtig fein sind die Schatten. Nichts störend. Eine edle Farbenharmonie. In diesem Bild ist Seele, deshalb wirkt es so tief. In seinem Bilde „Sinnend" zeigt uns I. Kaufmann, daß schon der kleine Judenbnb „klärt" (studiert'). Allerdings lockt ihn der goldgelbe Apfel auf dem Tisch, der sein eigen werden soll, wenn er das schwere Problem löst. Und dann Kaufmanns Charakterköpfe „Der Rabbinatskandidat" und „Der Kabbalist". Was diese Angen erzählen. Auf ihrem Grunde liegt stiller Schmerz und tiefes Weh und blickt so sehnsüchtig heraus und kann doch nicht fort. Diese Köpfe erzählen ein Leben, ein Leiden und Dulden. Lazar K r e st i n wählt dieselben Stoffe wie I. Kaufmann. Er zeigt sich diesmal mit einer großen Arbeit, „Bibelexegefe". Um einen Tisch sitzen zahlreiche Männer! Einer erklärt den anderen eine Bibelstelle und sie hören gespannt zu. Das Bild ist keine leichte Aufgabe! Krestin ist es gelungen, eine gute Wirkung mit diesem Bilde zu erzielen! Warum aber kehrt gerade die Hauptfigur uns den Rücken zu? Krestin ist jetzt auf der Reise nach Jerusalem und wir hoffen, daß er von dort Schönes bringen wird. Ein hübsches Bild hat Otto Herrschet, „A l t - wiener Milieu". Sehr hübsch in der Farbe! Dieses farbige Wirwarr ist seit jeher sehr malerisch gewesen. Noch einmal begegnen wir K r a u s z. und zwar mit seinem Bilde „San Marko". Ganz eigenartig! Trotz der Farbe erzielt das Bild nicht die richtige Wirkung. Eichhorn und Eppstein fehlen diesmal, ionst sind alle vertreten. Und wir haben die schönste Hoffnung, daß diese vielen jungen Künstler sich immer mehr vervollkommnen werden. K. Liberale Aenßernnge» hervorragender rabbinifcher Autoritäten in Polen in früheren Jahrhunderten. Bon Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) Rabbi Josef Abbo sagt in seinem vortrefflichen Werke Jkarim 4. 23: „Die Gebete müssen auch dem Ohre angenehm und wohlklingend sein, deshalb wurden mit dem gewöhnlichen Gebete auch metrisch abgefaßle Gesänge verbunden rc. Es haben die Gesänge auch den Vorzug, daß sie nach Gesetz, Maß und Regel der Tonknnst für paffende Melodien eingerichtet sind, als dies mit der Poesie in Absicht ihrer Gleichmäßigkeit und verhältnismäßigen Verknüpfung der Sätze gegeneinander schon notwendig znsammenhängt, so daß der Sänger in sehr kurzen, der Musik angemessenen Worten, seine Gedanketl ausdrückt." Der Umstand, daß eine eigene Vortragsweise für den vom Borbeter vorzutragenden Vers „Schema Jisroel" gefordert werde (Soferim 14. 9.) und daß selbst der Verfasser des „Sohar" den schönen, lieblichen Harmonischen Gesang im GottesHanse den Gemeinden empfohlen hatte (Svhar wejechi 249) beweist klar und deutlich, daß der Choralgesang zit den ältesten Institutionen des Judentums gehört. So z. B. heißt es in der Mischnah Erechin 11. „Ein Minderjähriger der Lewiten durfte nicht in den Vorhof des Tempels kommen, um irgend einen Dienst zu verrichten, es sei denn während der Zeit, als die Lewiten auf dem Chore standen, mitsiugen zu können. Sie durften auch nicht mit Ziter und Harfe begleiten, sondern „hephe" d. h. mit Gesang*), um. wie Bertenorah und Raschi bemerken, die Harmonie ztt würzen, n’brun bip ra Sara: y?xi pnraprr bipr Natürlich hat diese Stelle der Mischna auf den Gottesdienst im heiligen Tempel zu Jerusalem Bezug, wo schon seit König David der Choralgesang eingeführt war, allein selbst nach der Zerstörung des zweiten Tempels wurde in den Synagogen, besonders bei feierlichen Anlässen nach Maß und Regel choralisch gesungeir. So z. B. wird der feierliche Gottesdienst, der anläßlich der Installation des neuen Resch Galuta, Exilsfürsten, des Oberhauptes der persischen Juden, in der Synagoge stattfand, im Sefer Hajochsin II. Teil 60, in folgender Weise geschildert. „Sobald der neue vom Volke gewühlte Resch Galuta die Bestätigung vom Könige erhalten hatte, verfügten sich die Würdenträger der beibeit Akademien (Sura und Pumbardita) zu ihm, erteilten ihm. indem sie ihre Hände auf dessen Haupt legten, den Segen. Sodann ergriff der Gaon von Sura das Wort und hielt an den tieuen Exilarchen eine ergreifende Ansprache, in der ihtl auf die Wichtigkeit seines hohen Amtes, wie auf die Pflichten, die er erfüllen sollte, aufmerksam machte, nnd schloß seine Rede mit der Mahnung, daß es ihm ja nicht in den Sinn kommen möge, sich als Despot zu geberden. Die eigentliche Huldigung fand dann an einem Donnerstagin der Synagoge statt. Die Schulhänpter von Sura nnd Pnmbadita legten ihre Hände ans sein Haupt nnd riefen unter Trompetenschall ans: „Es lebe der Exilsfürst!" Das zahlreich versammelte Volk stimmte mit Enthilsiasmus in diesen Ruf ein. Hierauf wurde der Exilsfürst in seinen Palast geführt, wo er *) Die Stelle lautet: njü: rnttjfc 0:2: ftsp pK naa "nasi ^232 enam rn tu?2 a’-rmy a,il?nr

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