Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 12 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 12. Wie«. (Bethausverein „M o u t e f i o r e", IL, Taborstraße 38.) Freitag, de» 18. d. M. 5 Uhr 40 Min. nachmittags findet die Installierung des neugewählten V e r e i u s r a b b i n e r s, Herrn Moriz F l e s ch statt und Samstag, den 19. d. Dt.. 10 Uhr vormittags wird derselbe die Antrittsrede halten. Wien. (Jad Charuzim-Handwerker-Verei n). Bei der am 8. d. M. im Cafe Werter (Mathildenplatz) stattgefundenen Generalversammlung wurden die Herren Isidor G e r st e n zum Obmann, David S a l z m a n n zum Obmannstellvertreter gewählt. Ferner die Herren Jakob Bein, Moritz K l a p h o l z. Rud. Berger, Albert Fleischer, Samuel Horn. Snnon Luft, Sal. Reiß, David S a lzm a n n. Sal. S o b e l, Simon Weiß, in den Ausschuß und als Ersatzmänner Julius Billig, Jakob Deutsch, Michael Karten und Moriz Schmucker. Wir begrüßen den neugewählten Vorstand, der sich am Donnerstag im Restaurant Ehrlichhof konstituierte, auf das herzlichste und wünschen dem Vereine ferneres Gedeihen und ersprießliches Wirken! Wien. Sonntag, den 20. März, präzise 5 Uhr abends, findet im Vereiuslokale. II., Stefaniestraße 2 (Stefaniehof), die 23. General-Versammlung des Kranken-Unrerstützungsvereines ..Liwias Chen“, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Verlesung des Jahresberichtes pro 1909, 2. Bericht der Revisoren. 3. Neuwahl von 4 Vorstandsmitgliedern und 2 Ersatzmitgliedern mir dreijähriger Funktionsdaner. 4. Neuwahl von 2 Revisoren pro 1910. o. Beschlußfassung über Antrag auf Erhöhung der Mitgliederbeiträge unter gleichzeitiger Äbjchaffung der Einsammlung von Wirwenbeilrägeu. dagegen sofortige Auszahlung einer fixen Witwenabfertigung. 6. Anträge und Interpellationen. Diese wollen bis längstens 18. März beim Lbmanne, Herrn David K o l i e b, II., Kleine Schiffgasse 24, schriftlich angemeldet werden. Wien. Der humanitäre Verein der „Mattersdorfer in Wien", veranstaltet ani 27. März (Ostersonntag) 9 Uhr abends, in den Prachtsälen des Hotel „Bayrischer Hof", II.. Taborstraße 39, eine „Purim-Feier" (Wohlrätigkeits-Akademie mit Tanzkränzcheni. Bisher haben ihre geschätzte Mitwirkung zngesichert: Fräulein Mimi Marlow, Fräulein Trude Voigt, Herr Sigwart Gnu der, Herr Hofopernsänger Hans Burkst ä d r und Herr Ernst O c st e r r e i ch e r. Die Musik besorgt die Kapelle des k. u. k. bosnisch-herzegovinischcn Infanterie-Regimentes Nr. 1, unter persönlicher Leitung des Herrn k. u. k. Kapellmeisters Ferdinand D o m a n s k y. Tanz-Arrangeur: Herr Tanzlehrer Rudolf H e i in a u n. Entree im Vorverkaufe Iv 2, an der Kassa K 2.50, Familienkarten im Vorverkaufe K 6, an der Kassa X 8. Wien. Bon verläßlicher Seite wird uns die Mitteilung gemacht, daß sich in Brünn, eurer der bedeutendsten Handels- und Fabriksstädte, ein orthodoxer Verein mit dem Namen „Naehsike Hadas“ gebildet hat, welchem sich auch schon eine bedeutende Anzahl von Mitgliedern angeschlossen hat. Dieser Verein „Machsike Hadas“ hat die Absicht, alle nötigen Institutionen des gesetzestreuen Judentums,, wie koschere Fleischbank, Mrkwa, Bethaus. Thora- und Talmudnnterricht und dergleichen einzurichreu und besonders auch für die Sabathheiligung zu wirken. Eine koschere Fleischbank wurde bereits ins Leben gerufen und auch ein von den bedeutendsten Rabbinern autorisierter Vorderer und Schächter ist bereits angestellt; die Errichtung weiterer Institutionen ist bereits im Zuge. Es ist dies ans diesem Grunde sehr beachtenswert, weil Brünn seit vielen Jahrzehnten eine der vorgeschrittensten Gemeinden ist, wo bis nun ein orthodoxer Jude mangels der erforderlichen rituellen Einrichtungen beinahe nicht wohnen konnte. Es wird nun jedem gesetzestreuen Juden möglich sein, seinen Wohnsitz in Brünn aufznschlagen. Schließlich wird bemerkt, daß sich auch auswärtige Israeliten, welche ein Interesse daran haben, diese Gründung zu fördern, diesem Vereine anschließeu können, in welchem Falle ev. Zuschriften an den Verein ,Maohsike Ladas Brünn" zu richten sind, und werden Statuten an Interessenten unentgeltlich gesandt. Wien. Am 15. März ist Herr rrred. univ. Dr. Hermann Rieß, der nach längerem Leiden im 74. Lebensjahre verschieden ist. zu Grabe getragen worden. Der Verstorbene war ein wahrhaft frommer Mann von jüdischer Gemüts- und Gefühlswärme durchdrungen, und in feinem „Briefwechsel zwischen Professor Franz Delitzsch und Dr. Hermann Rieß" zeigte er einen Feuereifer fürs Judentum, deffen nur ein ivahrhaft edles Herz und ein reichhaltiges talmudisches Wiffen fähig ist. Dr. Hermann Rieß, geboren zu Tcebirsch, war ein hervorragender Jünger des Ksav Sofer zu Preßburg. Er war nicht nur ein tüchtiger Arzr, sondern zugleich ein Muster jüdischen Strebens und ein Priester der Hnmanität während seiner langjährigen Praxis in Anspitz. An der Bahre in der Zeremonienhalle hielten Leichenreden Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. A. Schmie dl, Herr Rabbinatskandidat Bela Fischer im Namen des Beth Hamidrasch Talmud Thora, wo der Verewigte religious-wissenschaftliche Vorträge gehalten hat. Weiters sprachen in ergreifender Weise der älteste Schwiegersohn, Herr Haas. Vorsteher der Chevra Kadischa in Znaim, und der Sohn des Verblichenen. Herr Dr. rrred. Ludwig Rieß. Anwesend waren Herr Dr. Emil Adler, Sekretär der israelilischen Knltusgemcindc, Herr Amtsleiter Freistadr, ein Vertreter der Gemeinde Trebitfch, Herr Rabbiner Dr. Beck Herr Gemeindevorsteher Krakauer aus Anspitz und zahlreiche Trauergäste. Teschen. (O b e r k a n t o r P o b o r s k y s Pensionierung.) Herr Wolfgang Poborsky, seit 35 Jahren nicht allein in seiner Gemeinde Teschen. sondern auch in Fachkreisen als fachmännisch bedeutsamer Funknonär vollauf gewürdigt, verläßt nunmehr aus eigener Entschließung die Stätte seiner vieljährigen ersprießlichen Wirksamkeit. Wir registrieren diese Tatsache mit dem Wunsche, daß es dem allgemein geschätzten Kollegen Poborsky gegönnt sein möge, der Ergebnisse seiner anerkannten kantoralen Betätigung noch eine lange Reihe Jahren teilhaftig zu werden. Budapest. Die einzige Tochter des gewesenen illustren Mitarbeiters d. Blattes, weil. D. H. S p i tz e r, Frau Nikolaus Beer geb. Olga Spitzer, ist am 6. d.M., nach langer schwerer Krankheit gestorben^ Die Verewigte erbte von ihrem Vater die Liebenswürdigkeit und Glaubensfreudigkeit, so daß jedermann, der sie kannte, sie lieb hatte. Durch ihre prachtvolle Statur, reizenden Gesichtszüge, hellen, stets lachenden Augen und eine klangvolle Stimme, hat sie für ihre Person jedermann eingenommen und wenn man sie näher kannte, wurde man förmlich durchihre inneren Vorzüge, durch ihr sprudelndes Gemüt, fasziniert. Ihr Bekanntenkreis nannte sie immer den hellen Sonnenstrahl, welcher nicht nur Licht, sondern auch Wärme ausbreitet. Sie lebte mit ihrem Gatten^ der Direktor der Kredit-Genossenschaft der Kaufleute und Gewerbetreibenden ist, in einer überaus glücklichen Ehe. Sie hatte einen einzigen Sohn, Julius Georg Beer, den sie mustergiltig erzogen hat. Die Leichenfeier dieser echt jüdischen Frau fand am 8. d. M., nachmittags 1/23 Uhr, unter überraschend großer Teilnahme statt. Scharenweise sind Freunde und Freundinnen herbeigeströmr, um dieser allverehrten Frau die letzte Ehre zu erweisen. Anwesend waren unter anderen: Der Vizepräsident der Israel. Kultusgemeinde, Ludwig Adler, deffen Nichte die Verstorbene war, der Präsident des israeC Spitals, Julius Adler, die Direktion der Kredit-Genossenschaft der Kauflente und Gewerbetreibendeu unter Leitung des Dr. Emanuel Rözsavölgyi, Stadtrepräsentant, Georg Karolyi und David B r u st, Großkanfmann, Dr. Samuel B r 6 d y, Stadtrepräsentant, Paul Engel, Direktor der Anglo-Oesterreichischen Bank, Friedrich Deuts ch, Direktor der Bank der Holz-Industriellen, Karl Mehl e r, Direktor der Bank der Holz-Industriellen, Bela Beer. Direktor der Leopoldsiädter Bank. Karl K ü r t y h. Direktor der Ungarischen Kommerzial-Bank, Maxim Satori und Theodor Ries, Fabrikanten, Ferdinand Groß, Engen Rotte nberg und Alexander F ö r st n e r, Fabriksdirektoren,. David K e m e n y, Kanzleichef. Oberkantor Prof. Lazarus exekutierte mit dem Tempelchor ergreifende Tranergebete, worauf Rabbiner Dr. Julius Fischer, der ein intimer Freund der Verblichenen lvar, derselben einen rührenden Nachruf gehalten hat. Er schilderte in sehr ergreifenden Worten das Leben der jungen, blühenden Frau, welche plötzlich durch eine schwere Krankheit heimgesucht wurde, welche sie mit staunenswerter Geduld ertrug. Eine zahlreiche Tranergemeinde begleitete hierauf die Leiche nach dem Friedhof nächst der Kerepeserstraße, wo die sterblichen Ueberreste der Frau Nikolaus Beer neben ihrem geliebten Vater zur ewigen Ruhe bestattet wurden. Sarvar. Anläßlich des Amtsantrittes unseres neugewählten Kantors, Herrn Pinkas Winkler, veranstaltete die Gemeinde ein Bankett, an welchem mit dem ehrw. Rabbiner Tobias Fischer an der Spitze, fast sämtliche Gemeindemitglieder sich beteiligten. Die im Verlaufe des Festmahls vom Rabbiner gehaltene Ansprache, in der er die hehre Mission des ->122 skizzierte, ebenso die vom Kantor absolvierten Gesänge fanden, ungeteilten Beifall, und war der Präses Herr Moritz Schwarz von den gesanglichen Leistungen des Neugewählten so entzückt, daß er ihn mit dem, um einen ansehnlichen Betrag, erlizitierten „Benschen" beehrte. Vinkovci. Die am 1. März stattgefnndene Generalversammlung hat Se. Ehrwürden, Herrn Bezirksrabbiner Lazar Schön selb in Pakrac mit großer Begeisterung einstimmig zum Oberrabbiner unserer Kultnsgemeiude gewählt. Knust und Kiteratnv. Küttstlerhaus. Es kann gar nicht mehr anders sein! — Wenn kaum noch der Frühling vor den Pforten steht und draußen das große Auffrischnngswerk beginnt, dann wissen wir schon, was kommt: Die Frühjahrsausstellnng und der Tag der Auffrischung. — Jour de Vernissage! — Nahezu mechanisch nehmen wir unseren Weg ins Künstlerhaus. Und doch immer in leiser Erregung. Warum? Weil wir doch hoffen, es endlich zu finden, das große Talent, es endlich zu entdecken. So auch diesmal. Wir blickten, spähten umher, lange, lange Zeit, bis unsere Angen müde wurden. Dann gingen wir sort und hatten es doch nicht gefunden. —-Aber unsere Entdeckungsreise war doch nicht ganz zwecklos. So manches Schöne sahen wir, ja hie und da sogar ein Meisterwerk von längst bekannten Künstlern. — Und wir freuten uns, daß auch die Unfern so eifrig und rege daran beteiligt sind. — Allen voran unser großer Meister Horowitz und Isidor Kaufmann, zu dem wir wie jedes Jahr auch heuer mit stolzer Bewuilderung emporblicken können. — Krauß, Schattenstein, Krestin, Herrsche!, sie alle sind auf der diesjährigen Ausstellnug vertreten. Ueber all diese und manchen Anderen wird noch ausführlicher zu berichten sein. — Iv.' — Hebräische Gedichte Kaminka, Dr. Armand. Wien, Selbstverlag. 76 Seiten. Eine wohl durchdachte, schön ausgeführte und trefflich gelungene Sammlung neuer, doch altklassisch abgefaßter hebräischer Gedichte liegt vor uns, die jeden Freund der altjüdischen Muse so recht anheimelt und den Jüngling mit einem für seine glorreiche Vergangenheit noch warm schlagenden Herzen neu zu beleben vermag. Gerade für nusere Jugend gibt es da schöne Lieder zum Vortrage und trägt ein Student gleich das erste der „Hebräische Lieder" oder „Am Libanon ist Ruhe", das „Peßachlied" oder irgendeine Perle aus, dieser Sammlung schön vor, dann hat er im Nu sein Auditorium für die hebräische Poesie gewonnen. Vom Hilfsverein der deutschen Juden wurde eine stattliche Zahl von Exemplaren für seine Schulen im heiligen Lande angekauft, und unser Wunsch ginge dahin, daß auch bei uns diese herrlichen hebräischen Poesien sich einbürgerten, denn mit den jungen Mnsenfreunden kommen auch die alten bei der Lektüre der besprochenen neuen Liedersammlnng auf ihre Rechnung. M. A. Ost und West. Heft 3. März 1910. 10. Jahrgang. Inhalt: Die Parlamentswahleu in England. Oscar Haderer (mit 9 Illustrationen).