Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1910
- Issue
- Heft 12 (18.3.1910)
- Date
- 1910-03-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrbeit Seite 7. Nr. 12 In unseren Statuten findet sich auch als Mittel zur ^Erreichung des Vereinszweckes angegeben: Die Zuführung .zur Land w i r t s ch a f t. Wir sind jedoch durch eine Enquete, die wir über diese Frage angestellt haben, zur Einsicht getaugt, dag eine Zuführung galizischer Inden zur Landwirtschaft in größerem Umfange, durch Kolonisierung oder Heranbildung landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter, derzeit ausgeschlossen ist. Das Programm für die kulturelle Hebung der galizischen Juden wird darin zu bestehen haben, daß für die Jugend Erziehnngs und Bildnngsanstalten zu errichten sind (Kinderbewahranstalten,' Kindergarten. in größeren Städten Knabenhorte mit Handferligkeitsnnterricht. Mädchenhorte mit Unterricht in Handarbeiten und Wirtschaftsknnde), Anstalten also, in denen .Knaben und Mädchen von der frühesten Kindheit an erzogen und unterrichtet werden, woraus dann erst die Fürsorge für die aus der Schule tretenden Kinder nach ' der wirtschaftlichen Richtung einzusetzen hat. Für nicht mehr schnlpfiichtige Personen, die eine geregelte Volksschnlbildung sich nicht angeeignet haben, müssen, nebst den schon erwähnten Analphabetenschnlen, Wirtschastsknrse für Mädchen (mit Unterricht in der Hauswirtschaft. .Kinderpflege, Wohnungshygiene) eingerichtet, Vorträge über Hygiene und dergleichen abgehalten und in größeren Städten Toynbeehallen gegründet werden. Durch Bibliotheken und Lesehallen wäre die Fortbildung zu fördern und es dürfte vielleicht die Herausgabe eines unentgeltlich zu verteilenden Wochenblattes, das sich politischer und religiöser Erörterungen enthält, ebenfalls von Nutzen sein. Durch alle diese Anstalten und Einrichtungen wird indirekt das C h e d e r w e s e n i 11 Galizien bekämpft, ein Kampf der unbedingt nötig ist, sollen die Inden Galiziens auf eine höhere Stufe der Entwicklung kommen. Eine direkte Einflußnahme ans das Chederwesen ist. insbesondere in pädagogisch-didaktischer Hinsicht, kaum denkbar; wohl aber in hygienischer. wenn die Inhaber solcher Cheder durch kleine Subventionen veranlaßt werden, den Unterricht in bloß zu diesem Zwecke dienenden Räumlichkeiten zu erteilen. Auch damit wäre schon viel gewonnen; vielleicht könnte ans diesem Wege allmählich sogar auch ans den internen Betrieb des Cheders Einfluß genommen werden. Wird dieses hier in großen Zügen entworfene wirtschaftliche und kulturelle Programm, wie schon gesagt, in intensiver Weise dnrchgeführt, so ist zu hoffen, daß sich die Lage der Juden Galiziens, die derzeit eine so traurige ist, in absehbarer Frist zum Besseren wenden wird. Verschiedene Nachrichten. Wien. Anläßlich des Ablebens des Bürgermeisters Dr. Lueger sandte der Vorstand der israelitischen Knltusgemeinde an das Präsidium des Wiener Gemeinderates folgendes Kondolenzschreiben: An das hochlöbliche Präsidium des Gemeinderates der k. k. Reichshauptnud Residenzstadt Wien. Der Vorstand der israelitischen Knltusgemeinde Wien beehrt sich, anläßlich des Ablebens Seiner Exzellenz des Bürger m e i st e r s Dr. Karl Lueger, dem hoch löblicheil Gemeinderats-Präsidium die herzliche Anteilnahme an dem für unsere Vaterstadt so schweren Verluste zum Ausdruck zu bringen. Möge eine heilige Friedensstimmnng, wie sie in letzter Zeit .Kundgebungen des Dahingeschiedenen durchleuchtete, zu seinem ehrenden Gedenken in unserer Vaterstadt dauernd walten, sowie auch unsere Glaubensbrüder sich beugend vor der Majestät des Todes vereint mit allen unseren Mitbürgern tiefbewegt an dieser Bahre stehen. Dr. Theodor Lieben m. p. Der Präsident: Erster Sekretär. Dr. Alfred Stern m. p. Wien. (Z e n t r a l st e l l e für das jüdische Armenw e s e n.) Montag den 21. März. 6 Uhr abends, findet im Sitzungssaale der israelitischen Knltusgemeinde. I., Seitenstettengasse 4, die Delegierten- Bersammlung der Zentralstelle statt. Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht. 2. Wahlen in das Kuratorium. 3. Eveutualia. Die Mandate der Herren Max F r a n k, kais. Rat Dr. S. Krüge r, Direktor I. Mautner, Heinrich M e n d l und der Damen Emilie Weiß und Rosa Z i f s e r e r lausen in diesem Jahre ab und sind hiefür in der Delegierten-Bersammlung Neuwahlen erforderlich. Wien. (Israelitischer Frauen - Wohltätigkeits- B er ein für Hans arme in Wien.) Anläßlich des 40 jährigen Bestandes des Vereines findet Dienstag, den 22. März, 6 Uhr abends, im Sitzungssaale der israel. Knltusgemeinde, I., Seitenftettengasse 4, 1. Stock, eine Fesi-Generalversainmlnng mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erstattung des Berichtes über die Bereinsrätigkeir. 2. Nevisionsbericht. 3. Antrag auf Ernennung von Ehrenmitgliedern. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Eventnalia. Die gegenwärtige Leitung des Vereines besteht aus den Damen: Präsidentin Frau Klara K l a r in a n n. Vize-Prüsidentin Frau Sofie Deiches, Vize-Präsidentin Frau Adele Edle von M i s e s. Schriftführerin Frau Gisela B i e n; ferner die Vorstaildsdainen : Frau Selma B a ch st e z. Frau Ernestine Brecher, Frau Amalie Brüll. Frau Helene Deutsch. Mina H a l p e r n. Frau Adele S t r a ch, Frau Rosa W i e f n e r. Wien (R eqnie m.) Am 15. d. M. fand zur Erinnerung an den jüngst verstorbenen Herrn David H o r w i tz s. A. in der Zchönlatern- Synagoge. deren langjähriger Obmann der Verstorbene war, ein Hesped statt. Die Synagoge ivar in allen ihren Räumen von Tranergästen dicht gefüllt. Es waren erschienen: Der Präsident der israelitischen Knlcnsgemeinde, Herr Dr. Alfred S t e r n. Vertreter Dr. Markus Spitzer, Oberrabbiner Dr. G i'l d e m a ii n, die Rabbiner M a y e r s v t, n, Kra m e r, Dr. Bach, Schenk und F r i e d m a n n; Erster Sekretär kais. Rar Dr. Lieben, Dr. Adle r, Amtsleirer Frei st a d t, Sekretär des Gemeindebnndes Jakob K r a n s, Vertreter der Tempelvereine : Jakob S t r a s; d u r g. Bernhard H o f b a ü e r, Markus Bond i. ferner Berhansvorsteher Tbeodor K o h n, Maler David K o h n, Dr. Jakob N i e r e ii st e i n, Alexander K a l l i e r. Prof. Dr. Heinrich P v l l a k u. v. a. Der Vorstand des Vereines „Machsike Thora" i Ichönlatern-Synagoge) mit dem Obmann- Scellvertreter S. Goldman n war vollzählig erschienen. Von den Leidtrageilden waren die zwei Söhne, eine Tochter, die Geschwister. Enkel und alle in Wien wohnhaften Verwandten des Verstorbenen anwesend. Rach dem Minchagebere hielt Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n den Hesped. Geistreich führte der Redner ans. daß David H o r w i tz. wie jede Charaktergröße, nicht nur einen Eigennamen besessen, der ihm ans seinen Lebensweg mitgegeben wurde, sondern auch einen e i g e n e n Namen erworben habe, der ihm erst den wahren dauernden verleiht. Und diesen eigenen Namen erwarb sich David Horwitz von seiner frühesten Jugend als Kämpfer für sein Volk und seine Religion, später in Brodp als Schöpfer jüdischer Schulen und Förderer jüdischer Wissenschaft und dann I in Wien, als Stütze wahrer, echter Frömmigkeit. Auf allen seinen Lebens-! wegen geleitete ihn die Anerkennung seiner Mitmenschen, die ihm bis | übers Grab hinaus gewahrt bleiben ivird. — Nach dieser eindrucksvollen! Trauerrede trug Herr Kantor W e i n st e i n in tiefempfundener Weise | das El mole Rachamim vor, womit die erhebende Tranerfeier einen j würdigen Abschluß fand.! Wien. Jüdische T o y n b e e h a l l e, W i e it, XX., i Othmargasse 46.) Eine Reihe höchst anerkennenswerter Leistungen wiesen j die in den letzten Wochen startgehabten Samsragabend-Konzerte der j Toynbee-Halle auf. — Am 19. Februar war es ein Kammermnsikrrio, in welchem Herr B e t t e l h e > m jnn., Schüler des Herrn Professor A u b e r und der Pianist C z e r n i a w s k y micwirkten, das künstlerisch Hochznwertendes bot. Frau Dr. Reif, e>ne Schülerin der Gesangsmeisterin Frau M i t r e r, erzielte für ihre Vorträge reichen Beifall. — Am 26. Februar verblüffte der elfjährige Geiger Mischa Stielmann durch sein virtuoses! Spiel die Zuhörerschaft, welche an diesem Abende auch Gelegenheit harte, j sich an den reizenden Rezitationen des Fräulein Lolly Lederer und j den Klaviervorträgen der Pianistin Marianne Lederer zu ergötzen. Am! 5. März hatte die Gesangsmeisterin Frau Else F r e u n d - F u n k das j Arrangement des Abends übernommen und deren treffliche Schülerschar! bewährte sich gleich, wie in den früheren Konzertabenden auf das Beste. | — Am 12. März brachte das Dilettanlenorchester der Frau Wodniansky.! dirigiert von Herrn Kapellmeister Adolfo W i e n e r. ernste und heitere Weisen exakt und wirkungsvoll zum Vortrage. — Das nächstfolgende Vor-; tragsprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Freitag, den 18. März. Bibel-! vortrag, Religionslehrer Leopold Weiß. Samstag, den 19.. Konzert, j Arrangement Herr Organist M e n z e r. Sonnrag, den 20.. „Der gerechte l Fürst in Tausendundeine Nacht" <Harun al Raschid) Schriftsteller Adolf I Gelber. Montag, den 21.. „Medizinisches des Alltagslebens" Frl.! Amalia Friedmann. Dienstag, den 22., „Jiddisches in Literatur imd j Musik", Herr I. Grob. Mittwoch, den 23., „Unsere Mädchen-Erziehung",! Sekretär Jakob Kraus. Donnerstag, den 24., „Ans der jüdischen Geschichte" Rabb. Kand. Bela Fischer. Wien. (B e t h H a m i d r a s ch Talmud Thora. II., M a l zgaffe 16.) Freitag den 18. März, abends 8 Uhr. findet ein Bortrag des Herrn Professor Moritz A n t s ch e r l statt. Thema : „W as erzählt uns der Monat 31 b a r". Samstag, den 19. Mürz 1910, nachmittags 3 Uhr, Bortrag des Rabbinatskandidaren Bela Fische r. Thema: „T a r g u m Scheu l". Sonntag den 20. März 1910, abends halb 7 Uhr. findet daselbst ein Bortrag Seiner Ehrw. Herrn Gemeinderabbiner Doktor M. Rosenmann statt. Thema : „Die A n u s s i m o d e r M a r r a n e n des spanischen Judentum s". Wien. (Jüdisches T h e a c e r. Regie M. Siegler. Hotel ' Stefanie, II.. Taborstraße 12.1 Ab Freitag, 18. Mürz: „Schulem B ajes" von M. Richter. Mittwoch. 23. Mürz: Benefize-Borstellung der Herren I. R e i ß m a n n u. S. P o d z a m c e. Zur Aufführung gelangt „Ida le der blinder", von I. Lateiner. Bei dieser Vorstellung wird Herr Reißmann nach seiner schweren Krankheit auslreten und ist mit Rücksicht darauf, daß das Reinerträgnis diesem Künstler ermöglichen soll, einen Kurort anfzusuchen, ein äußerst zahlreicher Besuch zu erwarten. Wien. Der Jüdische Nacional-Berein für Oesterreich veranstaltete Dienstag den 15. d. M. im Hotel Zentral eine Märzfeier. Ansprachen hielten die Reichsratsabgeordneten Breiter, Dr. Gabel Doktor L e w i ck i, Dr. Mahler, A. S t a n d und Dr. B. S t r a u ch e r.