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Die Wahrheit · 1910-03-18 · Heft 12 (18.3.1910) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 12 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 12. Die Wahrheit Leite 9. Bon Karl Schwarz. Jüdische Bolkskunde. Von Dr. Max Eichelb a ch e r. Ludwig August Frankl, zu seinem 100. Geburtstag (mit Porträt). Bon Max S ch a ch e r l. Die Juden von Jemen (mir 7 Illustrationen). Bon Prof. Dr. Bache r. Wilhelm Bacher (mir Porträt). Bon A. H e b r ä u S. -Eine Spinoza-Gesellschaft? Bon Constantin Brunner. Der Schachwettkampf um die Weltmeisterschaft (mit 3 Illustrationen). Bon Dr. Emanuel .Laster. Zur Geschichte der Schachwettkümpfe um die Meisterschaft der Welt. Bon Erich Cohn. Eine Berichtigung. Der Moloch (Trauerspiel in drei Aufzügen). Von Leo Birinski. Mitteilungen aus dem Deutschen Bnreon der Alliance Jsraelite Universelle: Die siebente Tagung der Deutschen Könferenzgemeinschaft der Alliance Jsraelite Universelle. Notizen: Die Nenkonstituierung des Vorstandes der D. K. G. Kooptierung in das Zentralkomitee. D. Feilchenfeld. Die Israeliten in Kaseruu. Jacob H. Schiff und Einwanderungskommiffär Williams über die Indische Einwanderung in Amerika. Sein Anteil' am Jenseits. Von Alois Birk. Um die Zeit des russiich-tnrkischell Krieges war der damals kleine Knrort Pisiyün, der sich heute zu einem Weltknrorte entwickelt hat, unter anderen Heilungsbedürsligen auch vom Belzer Wnnderrabbi besucht worden. Eine ganze Menge gläubiger Inden, welche den Rabbi für einen direkten Vermittler mit der Gottheit hielten, waren herangepilgert gekommen, um seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies dauerte nnnnterbrochen durch die ganze Zeit seines Aufenthaltes. Endlich war die Zeit seiner Abreise gekommen und der Wnnderrabbi mit seinem zahlreichen Gefolge und der Begleitung aus dem Orte, stand auf dem Perron des alten, kleinen Bahnhofes, des ankommenden Zuges harrend. Durch die Umstehenden drängte sich unversehens ein ärmlich gekleideter Mann bis znm Rabbi, küßte seine Hände und erbat sich unter Tränen seinen Rat: „Rebbeleben! Ich habe eine brave Tochter anszugeben. Mir fehlt das nötige Geld. Was soll ich unternehmen? Mit ernstem Gesichte und forschenden Angen blickte der ehrwürdige Rabbi auf die traurige Gestalt und ihm die Hand auf das Haupt legend, sprach er: ..Fahr' nach Wien und unternimm das erste Geschäft, welches sich Dir darbietet! Gott wird helfen!" Bei diesen letzten Worten kam der Zug an, der Rabbi verabschiedete sich und bald entführte ihn das schnaubende Dampfroß, der arme Jude ging seines Weges wieder, heim zu feiner fleißigen Gattin und der besorgten Familie nach Sobotischt. Mit Sehnsucht erwartet, lauschten die Familienglieder dem Orakelspruche. Das gottgläubige Weib bestand darauf, daß ihr Gatte, dem Rate folgend, die Reise unternehme. Kaum war der nächste Ruhetag, der l. Sabbat za Ende gegangen, da machte sich der arme Mann auf deu Weg. der für ihn sehr schwer war; denn er mußte weit zu Fuß gehen, um das teuere Reisegeld zu ersparen. Endlich stand er am Montag Früh in der schönen Donaustadt an der Ferdinandsbrücke und wußte nicht, wohin er sich wenden sollte. Ermutigt durch die Worte des Wunderrabbi, schritt er gehoben über die den Donaukaual überwölbende Brücke, direkt auf den Salzgries zu, wo sich die Geschäfte der Glaubensgenossen noch heute aneinanderreihen. Als er in Gedanken versunken, an den Kaufläden vorüberschritt, hatte er nicht bemerkt, daß ein jovial dreinblickender Kaufmann, dem man seine Wohlhabenheit ansehen mochte, nachblickte. Obzwar er, einigemale aufblickend, die reichen Lager gemustert hatte, wagte er es doch nicht, seine kleine Barschaft berücksichtigend, in eines derselben einzutreten. So machte er zweimal den Marsch den Salzgries entlang, während ihn der freundliche Blick des Kaufmannes Schritt auf Schritt beobachtend verfolgte. Als er aber wieder vorbeikommen wollte, riß ihn eine Anrede aus seiner Versunkenheit. „Was suchen Sie, lieber Freund?", tönte es in sein Ohr. Rasch blickte er auf und sah das freundliche Gesicht des Kaufmannes au. „Was ich sitche?", antwortete er kleinlaut fragend. „Ein Geschäft möcht ich machen, wie mir der Belzer Row geraten hat." „Sooo!", tönte es Zurück, „dalln kommt Nur getrost herein, 'wir weiden schon einig werden." Schüchtern solgte der arme Jude dem Voranschreitenden in dessen geräumige Schreibstube und folgte der freundlichen Einladung, in einem ihm ungewohnten Lehnsessel zur Seite des Schreibtisches platzzuuehmen, während sich der freundliche Kaufmann auf seinen gewohnten Sitz vor dem Tische setzte. Mit aufmunternder, leutseliger Miene forderte er nun seinen Gast auf. ihm zu erzählen, was für ein Geschält er zu machen beabsichtige. Jener gab nun offenherzig seine Lage und die Szene am Bahnhose in Pistyän zum besten, während sein aufmerksamer Zuhörer bedächtig von Zeit zu Zeit kleine Rauchwölkchen seiner gut riechenden Zigarre m die Luft blies. Als jener mit dem Erzählen zu Ende war und erwartungsvoll in das ruhige Angesicht seines Gegenüber geblickt hatte, begann dieser nach einer kurzen Pause der Ueberlegung, tvährend welcher man eine Stecknadel hätte zur Erde fallen hören können: „Lieber Freund! Mit fünf Gulden werdet ihr schwerlich ein größeres, einträgliches Geschäft zu machen in der Lage sein; denn die Waren sind jetzt teuer. Doch hätte ich eines für Euch — ich verkaufe Euch mein Anteil ans Jenseits für bare 5 Gulden." Voll Entsetzen starrte der arme Jude, der Strenggläubige, sprachlos den Sprecher au — er war keines Wortes mächtig, doch, wieder zrt sich kommend, schmerzte es ihn, daß ein so reicher Mann seine Armut als Mittel zu einem Scherze sich bedienen wolle, und fuhr fast entrüstet auf: „Gnädiger Herr! Ein solcher Slnff geht zu weit." „Wer sagt Euch, daß ich stuffe? Ueberzeugt Euch erst davon. Wollt Ihr das Geschäft machen? Hier ist Feder und Tinte. Ich stelle Kauf- und Gegenschein aus, wir unterschreiben und Ihr behündigt mir die vereinbarten 5 Gulden, sodann könnt Ihr in Gottes Namen gehen." Geschehen, wie gesagt. Jeder nahm seinen Schein, der arme Jude erlegte das Geld, der Kaufmann steckte es mit dem Scheine in seine Brieftasche — und jener ging seines Weges, bei sich überlegend, ob des Rabbi Geheiß gute Folgen bringen werde. (Schluff solar.) ' Yotiz. K. k. priv. Lemberg-Czernolvitz-Jassy Eisenbahn-Gesellschaft. Der gefertigte Berwalcungsrar gibt sich die Ehre, die Aktionäre! der k. k. priv. Lemberg-Czernowitz-Jassy Eisenbahngeiellschaft zu der am; M ontag, den 18. A p r i l 1910, um 10 Uhr vormittags, im Saale : des Oesterr. Ingenieur- und Architekten-Bereines '.u Wien (I.. Escheubachj gaffe 9), starlfindenden 53. ordentlichen G e n e r a l - B e r s a m m-! t u n g einzuladen. i Gegenstände der Verhandlung sind: 1. Bericht des ' Verivalrungsrates über die Geschäftsführung im Jahre 1909. 2. Bericht | des Revisions-Ausschusses über den Rechnungsabschluß pro 1909. 3. An-! trag des Verwaltnugsrates über die Berwenduug des Reinerträguisses. , 4. Wahl des Revisions-Ausschusses. 5. Wahlen in deu Verwaltuugsrat.; Jene Herren Aktionäre, welche der General-Beriammlung beiwohnen i oder ihr Stimmrecht nach Maßgabe der Statuten ausüben wollen, habe»! i h r e A k t i e n b i s inklusive 11. April 1910 in Wien bei der : k. k. priv. österreichischen Länderbank; in Prag bei der Filiale dieser Bank; in Graz bei der Wechselstube der Steiermärkischen Eskompte-! bank und der Filiale der k. k. priv. österreichischen Länderbank; in L e m-! b e r g bei der k. k. priv. galizischen Aktien-Hhpolhekenbauk: m Ärafau, | Czernowitz oder Tarnopol bei den Filialen dieser Bank; in; Berlin bei der Berliner Handelsgesellschaft, der Deutschen Bank, der; Nationalbank für Deutschland und der Bank für Handel und Jndnstrie; 1 in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Vereinsbank; in ©tut t- : g a r t bei der Würtembergischen Vereinsbank; in Paris bei der! Banque Imp. Roy. Privilegiee des Pays Autrichiens Succursale de; Paris; in L o n d o n .bei der Anglo-Austrian-Bank und der Filiale der! k. k. priv. österreichischen Länderbank mittels doppelt auszufertigender i Konsignationen (wozu Blankette bei den genanikreil Kassen unentgeltlich j verabfolgt werden) zn erlegen und erhalten mit der Empfangsbestätigung hierüber die Legitimationskarte zur General-Versammlung. Im Vertretuugsfalle müssen die auf der Rückseite der Legitimationskarten vorgedruckten Vollmachten eiqenhändiq unterfertigt werden._ Austritte ans dem Judentum. Grün Johann, Privatbeamter, geb. 27. Juni 1882 in Wien, III., Barichgaffe 12. Grün Maria, geb. 11. Oktober 1885 in Wien, HL, Barichgaffe 12. Kohn Franziska, geb. 9. März 1887, Bezirkshaupt. Krems, Krumau a. Kamp., X.. Gudrnnstraße 160. A l t Elisabeth, Bonne, geb. 10. Jänner 1896 in Wien, XIX., Barawitzkagaffe 4. S p i e l m a n n Katharina, Beamtin, geb. 23. Jänner 1885 in Wien, XXI., Hauptstraße 115.

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