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Die Wahrheit · 1910-03-04 · Heft 10 (4.3.1910) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 10 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 10. Die Wnkirtieir Seite 9. andere meint, daß die Erkältung die Ursache aller Krankheiten M Hr.sagt : Alles stehq in her Hand Gottes/ nnr nicht Erkältnng und Erhitzung, vor denen Man sich selbst hüten müsse. Bon den; dritten wird die Galle als die Quelle aller Todeskrgnkheiten bezeichnet. Oberflächlich betrachtet erscheint die erwähnte Wmndstelle als' bloße Schrifterklärung. in Wahrheit liegt die Sache so, daß die Auslegung des Bibelverses beit äußeren Rahmen darstellt, innerhalb dessen die wichtigsten Fragen der sozialen Hygiene aus Grund statistischer Erhebungen zur Erörterung gelangen. Ein drittes BeispielWer kennt nicht die Mischnah im Traktat LsbnbotL 59 d, wo die häuslichen Pflichten der Frau laxativ anfgezählt werden. Sie muß kochen, backen, waschen, spinnen, ja sogar die Haudmühle drehen. Da kommt Rabbi Chijci, der nebenbei bemerkt, eine L'antippe zur Frau hatte, und protestiert gegen solche Rückständigkeit. Die Frau, sagt er, ist nnr um ihrer Schönheit willen da. sie ist ein Lnxnsgegenstand. Sie soll sich schmücken, putzen, viel Milch trinken, und junges Geflügel essen, um ihren Teint rein zu erhalten. Darüber hinaus, meint R. Chija, gebe es nnr noch eine Pflicht für die Frau, ihre Pflichten als Mutter. Liest sich das nicht wie ein Kapitel aus Gabriele Reuter oder Ellen Key über die moderne Fran? Daß aber derlei Dinge nicht für die vier Wände des Lehrhanses bestimmt waren, braucht wahrlich nicht erst bewiesen zu werden. Welch ernste und weitgespannte Fragen mitunter den Gegenstand volkstümlicher Belehrung oildeten, geht ans einer Stelle in Beraahoth 68 hervor.*) Eine verhältnismäßig unbedeutende Eulogie wird daselbst als Anlaß benützt zu einer Erörterung über eines der schwierigsten Probleme der Sternknnde, das astronomische Schicksal unseres Erdplaiteten. Es ist allbekanmt, meint Samnel, der die Bewegung der Sterne, wie die Wege in seinem Heimatsorte kannte, daß der Komet das Sternbild des Orion niemals durchzieht, da sonst der Untergang der Welt zu befürchten wäre. Wir sehen aber doch — wird ihm eingewendet —: daß der Komet den Keßil durchzogen hat. Nein: erwidert Samuel, bloß der Schweis des Kometen ist durch den Keßil hindnrchgezogen, nicht aber sein Kern. Ein anderer Lehrer meint, die Kometen sind nur optische Täuschungen ans den feurigen Regioneli des Himmels. Diese Ansicht deckt sich übrigens mit der Anffassltng des Aristoteles, die in seiner Schrift äs eoslo niedergelegt ist. Im zweiten Kapitel dieser Schrift heißt es, unsere Erde ist von drei verschiedenen Lnftregionen umgeben, die untere, die zweite, die nicht mit unserer Erde verbunden ist, ist sehr kalt, die dritte wegen der Nähe der feurigen Regionen weniger kalt. Die rasche Bewegung, vielleicht auch die Nähe der Feuerregionen, oder die Wirkung der Sonne läßt diese Massen in Brand geraten und sie werden dann der Erde als Kometen sichtbar. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Unchrichten. Wien. (B e t h Hamidrasch Talmud Thora, H., Malz- <1 o l f e 16.) Freitag, den 4. März abends 1/28 Uhr, Bortrag Sr. Ehriv. Herrn Rabbiner Schenk. Samstag, den 5. März 19 l0, nachmittags 6 Uhr Vortrag des Herrn Rabbinats-Kandidaten Bsla Fischer. Thema: „Jbn Esra' und Nachmani's Exegese zum Wo ch e n a b s ch ui t te." Wien. (Jüdische T o y n b e e - H a t l e. Wien, XX.. 2 t h m a r g a s s e 46.) Vortrags-Programm: Samstag, den 5.: Konzert. Arrangement: Frau Else Freund-Funk. Sonntag, den 6.: „Vom altjüdischeu Handel" (mit Lichtbildern), Professor Dr. S. Kraus. Montag, den 7.: „Ueber Kindersterblichkeit und Säuglingssürsorge", Dr. Heinrich G r ü n. Dienstag, den 8.: „Die Ehe in ihren Beziehungen znr Volkswirtschaft", Dr. Alois Schwarz. Mittwoch, den 9.: „Italienische Kunst (II), Michel Angelo (mit Lichtbildern). Prof. Dr. Lndw. Singer. Donnerstag, den 10.: „Das Judentum im Lichte der Moderne". Zyklus. (Schluß.) Rudolf Beck. Freitag, den 11.: Bibelvortrag. Wien. (Jüdisches Theater. Regie M. Siegler, Hotel Stefanie, H., Taborstraße 12.). Ab Freitag, den 4. Mäi^: „Die goldene C h a s s e n e" von I. Lateiner. Montag, den 7. März: „Z i r i k g e k i m e n", von Schalom Asch, veranstaltet vom Vorbereitungskomitee des „Hasomir", Verein zur Förderung jüdücher Literatur und Kunst. Dienstag, den 8. März: „Z i r i k g e k i m e n", von Sckalom Asch. Mittwoch, den 9. März: „S ch a b b e s K o i d e s ch" von S. Feinmaun. Donnerstag, den 10. März: „K r e u z e r s o n a t e", von I. Gordin. Ab Freitag, den 11. März: „D e r W i z e k ö n i g" von S. Feinmaun. 4) vgl. Israelit 1909 28. Oktober. Wien. (Israelitischer Tempel-Verein für die Bezirke Wieden und Margarethe n.) Anläßlich des 60. Geburtstages des verdienten Obmannes und Ehrenmitgliedes Herrn Adolf H o f m a n u findet Samstag, den 5. März d. I. im Bereinstempel. V., Margarethenstraße 73 ein feierlicher Gottesdienst mit Festpredigt statt. Die kantorale Funktion bei diesem Gottesdienste — und auch Freitag abends — wird der für den neuen Vereinsteurpel bestellte erste Kantor Herr Simon Weiß versehen. Wien iT e m p e l v e r e i n des VIll. B e z i r k e s.> Am 20. Februar d. I. wurde in der Zeremonienhalle des Jofefstädter Tempels, VIII., Neudeggergasse 12, die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines abgehalten. Zu derselben hatten sich enigefnnden in Bertremng der israel. Kultusgemeinde die Herren Knltusvorsteher Adolf Schrämet und S. Steiner, der Gesamtvorstand des Vereines, sowie zahlreiche Mitglieder und Gäste. Nachdem der Präses, Herr Hermann B e ck, die Versammlung eröffnete und die Erschienenen, namentlich die Vertreter der Kultusgemeiude und den Rabbiner des Vereines, Dr. Bauer, begrüßt hatte, erteilte er dem Schriftführer des Vereines. Herrn Dr. Sigmund Goldberger das Wort zur Erstattung des Rechenschaftsberichtes. Herr Dr. Goldberger gedenkt vorerst des verstorbenen Ehrenpräsidenten, Herrn Wilhelm Beck, und hebt rühmend die Verdienste hervor, die sich der Verblichene um die Erhaltung des von ihm vor zirka einem halben Jahrhundert gegründeten Vereines erworben hakte. Er erstattet sodann Bericht über die Gebarungen des Vereines im abgelausenen Jahr, der von der Versammlung znr Kenntnis genommen und dem, da die Revisoren die ordentliche Gebarung bestätigten, das Abfolutorium erteilt wurde. Der Vertreter der Knlrusgemeinde. Herr Schrämet, gibt seiner Freude über die segensreiche Tätigkeit des Vereines und über das einträchtige und harmonische Zusammeiimirken der ganzen Gemeinde Ansdruck und verspricht ein treuer Dolmetsch der berechtigten Wünsche, die ihm bei dieser Gelegenheit vorgebrachr wurden, bei dem Vorstande der Knltusgemeinde zu sein. Bei den vorgenommenen Wahlen wurden die ansgetretenen Ansschußmitglieder. die Herren Architekt Leopold Fuchs. Josef Mittler. Hermann P o l l a k, Samuel S i d o n. kaii. Rat Dr. Ludwig W e i ß. ebenso zu Revisoren die Herren Salomon Bauer. Ignaz R o f e n b a u m und Philipp Weiß wiedergewählt. Nach einer kurzen Ansprache des Rabbiners Herrn Dr. Bauer, wurde sodann die Versammlung geschlossen. Wien. B e r e i n z n r B e k l e i d u u g u n d U n t e r st ü y n n g armer alter Männer israelitischer Konfession. Samstag den 26. Februar. 7 Uhr abends, hat im großen Sitzungssaale der israelitischen Knllnsgemeinde die Generalversammlung des „Vereines zur B e k l e i d u n g und Unterstützung armer alter Männer israelitischer K o n f e s s i o u" stattgefunden. Unter den Gästen befanden sich Herr Knltusvorsteher Adolf Schrämet als Delegierter des Kulrusvorstandes. das Mitglied des Vertreterkolleginms. Herr Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, Herr Rabbiner Dr. I. T a g l i ch t, Herr Bethansvorsteher Theodor K o h n, Herr Overkantor Don Fuchs, Herr Amtsleirer Rudolf Kraus n. a. Der Vorsitzende Präsident Isidor Schwarz begrüßte die erschienenen Gäste und Mitglieder und gab nach einem kurzen Rückblicke aus das abgelaufene Vereinsjahr der ernsten Besorgnis um die Zukunft des Vereines Ausdruck, da derselbe seine Einnahmen zum größten Teile nur aus der Opserwilligkeir der Mitglieder schöpfe und sich nicht der Unterstützung jener vornehmen Kreise der Glanbensgenossenschaft erfreue, die mit reichen Spenden und Widmungen den Grundstein zir dem imposanten Bau des Altersversorguugshauses in der Seegasse gelegt haben, das in der Tätigkeit des Vereines eine naturgemäße und wirksame Ergänzung finde. Ein wesentlicher Grund dieser mangelnden Berücksichtigung des Vereines liege darin, daß die seitens des letzteren an den Kullusvorstand wiederholt gestellte Bitte um Aufnahme in die Spendentafeln der Gemeindetempel bisher nicht erfüllt wurde, trotzdem das Wirken deS Vereines von maßgebender Seite des Kultusvorstandes wiederholt anerkannt und die Erfüllung der Bitte in sichere Aussicht gestellt wurde. Durch die ablehnende Haltung des Kultusvorstandes werde dem Vereine das Stigma der Minderwertigkeit aufgedrückt und es sei höchst bezeichnend, daß von den vielen letztwilligen Widmungsbeträgen, die der Kurrusvorstand im Laufe der letzten Jahre zu verteilen hatte, in nicht einem einzigen Falle der Verein bedacht wurde. Was nütze dem Vereine die Anerkennung des Knltusvorstaudes. wenn eS an der wirksameil Unterstützung fehlt. Mit der Anerkennung könne man weder Hnngerige speisen, noch Frierende kleiden und auch nicht Obdachlose beschützen. Der Präsident apostrophiert schließlich die anwesenden Vertreter des Kultnsvorstandes, dieselben mögen das heute neuerdings wohl in der höflichen Form einer Bitte, aber mit aller Entschiedenheit gestellte Ansuchen um Aufnahme des Vereines auf die Spendentafeln an geeigneter Stelle wärmstens befürworten. Der vom Sekretär Dr. M. Lö w y erstattete ausführliche Bericht konstatiert, daß der Verein im abgelaufenen Jahre über X 8000 für Bekleidung und Barunterstützungen verausgabt hat, welche Beträge zum großen Teile durch Spenden der Mitglieder und Veranstaltungen zustande aebracht wurden. Nach Verlesung des Kassaberichtes durch Herrn Kassier Isidor Gold blatt ergänzte Herr Schriftführer Gustav Planer die Statistik des Vereines mit einigen Bemerkungen. Hierauf sprachen die Herren Knltusvorsteher Adolf S ch r a m e k und Dr. Markus Spitzer, die beide den Verein der größten Sympathie des Kultusvorstandes versicherten und sein Wirken rückhaltlos anerkannten. Daß die Bitte des Vereines betreffs der Spendentafeln bisher nicht erfüllt wurde, sei keineswegs als Geringschätzung aufzufassen, sondern dadurch zu erklären^ daß auch von zahlreichen anderen Vereinen das gleiche Ersuchen vorliege und der Kultnsvoistand nicht leicht eine Ausnahme machen könne. Nichtsdestoweniger erklärte Dr. Markus Spitzer, daß er die Wünsche des

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