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Die Wahrheit · 1910-03-04 · Heft 10 (4.3.1910) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1910
Issue
Heft 10 (4.3.1910)
Date
1910-03-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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i i. Seite 6... - Die Wahrheit Nr 10. biß Jübustrie /M Halten' pur'fpärtich. vertreten ist, ■ müssen ÄtzMyr Industrien gebucht )Mdrn,nnd/zwar in erster-Reihe HäüstnbnstNen. Zn. Ländern^ wo man - an ejne regelmäßige, manuelle Tätigkeit' nicht _ gewohnt'ist/ ist die Einführnng von Häüsiüdnstrien deshalb leichter/ weil cher Beginn Md das Ende, sowie die Kontsunität. der Arbeit in das s Belieben des Arbeiters r, gestellt,^ist/ Die Wstniitdustrie ist aber auch '; die Vorschille für die FabriksarbeitMßige Heimarbeiter werden tüchtige Fabriksarbeiter werden. 7r ' Es mag aber /schon hier bemerkt werden, daß viele Heimindustrien, die -anderswo in Blüte stehen, für die galizischen Juden nicht geeignet sind. Eine große Anzahl solcher Industrien wird von christlichen Heimarbeitern im Nebenerwerbe betrieben. Diese Leute besitzen ein Häuschen und etwas Landwirtschaft und beschäftigen sich in der Zeit, in der sie von dieser nicht in Anspruch genommen werden, also insbesondere in der kälteren ' Jahreszeit, mit der Herstellung von Erzeugnissen verschiedener Heimindustrien. Infolgedessen, daß sie einen großen Teil ihres Lebensunterhaltes bereits besitzen, geben sie sich mit ganz geringen Löhnen zufrieden, mit Löhnen, zu denen der galizische Jude nicht arbeiten kann, weil er kein anderes Einkommen besitzt. Für die galizischen Juden müssen solche Heimindustrien gesucht werden, die einen größeren Lohnertrag haben. Eine andere Schwierigkeit, nach Galizien Heimindustrien zu verpflanzen, besteht darin, daß Unternehmer, die schon Heimarbeiter beschäftigen, mit ihrem Geschäfte nicht gerne experimentieren und einem Risiko sich anssetzen wollen, während solche Unteruebmer, die ein neues Geschäft gründen würden, eine bedeutende Unterstützung durch Beistellung von Betriebskapital und Subvention verlangen und benötigen. Diese beiden Umstände haben uns bisher gehindert, noch eine größere Anzahl Heimindustrien nach Galizien zu verpflanzen. Durch die Hausindustrie werden vornehmlich die weiblichen Personen der Arbeit und dem Erwerbe zugeführt werden, da die meisten Hausindustrien — Damenkonfektion, Wäscheerzengnng, Schirmeerzengung, Strickerei, Wirkerei, Stickerei, Spitzenerzeugnng, Handschuherzeuguug und viele andere — bloß Frauen beschäftigen. Wir selbst haben ans diesem Grunde zllmeist Heimindustrien für Frauen eingeführt (Haarnetzerei, Spitzenhäkelei, Spitzenklöppelei, Stickerei, Häkelei rc.) Für männliche Arbeitskräfte gibt es viel weniger Hausindustrien; auch können die Männer nicht so leicht der Heimindustrie zugeführt werden. Hier spielt die frühzeitige Heirat der galizischen Juden eine hindernde Rolle. Da der Heimarbeiter für seine Arbeit kürzere oder längere Zeit abgerichtet werden muß, während deren er nichts oder äußerst wenig verdient, so kann der verheiratete Mann, der für die Ernährung seiner Familie Tag für Tag sorgen muß, nicht leicht eine Heimarbeit erlernen. Ledige junge Männer in Galizien werden dagegen nicht selten durch das Talmndstndium abgehalten, eine manuelle Beschäftigung zu suchen; solche Leute beginnen bekanntlich in der Regel erst nach ihrer Verheiratung sich nach einem Erwerbe nmzusehen. Wie sich aus unseren Jahresberichten ergibt, beschäftigen wir zumeist Mädchen und Frauen. Nur in der einzigen Fabrik, die wir geschaffen haben, in der Kleiderkonfektion in Tarnow, sind auch Männer tätig. Für Männer müßte also hauptsächlich Fabriksarbeit geschaffen werden. Daß der Jude für diese Arbeit geeignet ist, dafür sind die in Rußland bestehenden Fabriken, in denen Juden bis zur Hälfte der Arbeiterzahl beschäftigt sind, Beweis. Es muß aber darauf hingewiesen werden, daß die Errichtung von Fabriken in Galizien mit Schwierigkeiten verknüpft ist. Zunächst die Schwierigkeit allgemeiner Art, daß Galizien ein agrarisches Land ist, in dem. wie schon oben bemerkt wurde, die Industrie nur wenig vertreten ist. Allerdings ist auch Rußland agrarisch und es konnten trotzdem dort Fabriken geschaffen werden; jedoch ist zu bemerken, daß Rußland die Entstehung seiner Industrie durch Prohibitivzölle erzwungen hat, während Galizien den Konkurrenzkampf mitper hochentwickelten Industrie im übrigen Oesterreich zu bestehen hat. Eine zweite Schwierigkeit, welche die Errichtung « von Fabriken iji 'Gälizien/ behindert, besteht-darindaß sülche znineist nur mit mehrs oder minder großen K a p i t a l i e n errichtet werden können; Westlicheschon bestehende «Unternehmer sind nicht geneigt/ ihre Kapitalien in Galizien, zu investieren, in einem Lande, wo ein geeignetes Arbeitermaterial vorläufig noch fehlt und von ihnen erst geschaffenwerdenmüßte. Vollständig Nene Unternehmer - könnten somit ans dem Westen nur dadurch herangezogen werden, daß man ihnen entweder ganz oder znm größten Teile die nötigen Kapitalien beistellt. Ueber eine dritte Schwierigkeit, nämlich die Sonntagsruhe in Verbindung mit der Sabbathheilignng. wurde schon oben gesprochen und gleichzeitig bereits erwähnt, daß die Handhabung des Gesetzes über die-Sonntagsruhe glücklicherweise eine liberale ist. Es scheint sich nämlich in Galizien endlich die Einsicht Bahn gebrochen zu haben, daß die traurige Lage der Inden nicht bloß eine Inden-, sondern eine Landesfrage ist, daß die Prosperität der ganzen Bevölkerung Galiziens von einer menschenwürdigen Existenz der Juden mitbedingt ist. Darauf deutet auch der Beschluß des galizischen Landtages hin, über die Lage der Juden in Galizien ein Enquete zu verananstalten; allerdings mögen bei diesem Beschlüsse auch rein politische Motive mitgewirkt haben. Wir sind überzengt und haben diese Ueberzengnng auf Grund von Besprechungen mit maßgebenden Persönlichkeiten gewonnen, daß der Fabriksarbeil am Sonntag Hindernisse nicht in den Weg gelegt werden sollen, vorausgesetzt, daß am Sonntag bloß Inden arbeiten. Es ist übrigens nicht ausgeschlossen, daß bei geänderten politischen Verhältnissen das erwähnte Gesetz zu Gunsten der Juden, die am Sabbath ruhen, abgeändert wird, gerade so wie jetzt bereits durch eine gesetzliche Ausnahme für Galizien jüdischen Handwerkern gestattet ist, am Sonntag daheim gewerbliche Arbeiten zn verrichten. Verband;»n Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. Ausweis über die Hilfstätigkeit des Verbandes in der Zeit vom 1 Jänner bis 31. Dezember 1900. Ansuchen wurden eingebracht von 585 Petentinnen. Hievon wurden zur Unterstützung bewilligt: 547 Petentinnen. Die bewilligten Unterstütznngsfälle an Petentinnen verteilen sich aus die einzelnen Monate im Jahre 1909 wie folgt: Jänner: 52 Pet.. Februar: 43, März: 56, April: 35, Mai: 32, Juni: 34, Jnli: 51, August: 43, September: 50, Oktober: 48, November: 47, Dezember: 56. Die bewilligten Unterstütznngsfälle an Petentinnen verteilen sich auf die einzelnen Bezirke bezw. Verbandsvereine wie folgt: I. Bezirk (isr. Frauen-Wohltätigkeitsverein): 5 Petentinnen, II. Bezirk (isr. Frauen-Wohltätigkeitsverein für Hausarme): 53, II. Bezirk (isr. Frauen-Wohltätigkeitsverein ..Zuflucht"): 139. HL it. X. (Frauen-Wohltätigkeitsverein „Providentia"): 23. IV. n. V. (isr. Franeu-Wohlt.-Verein f. d. Bez. IV. n. V.): 6, VI. u. VH. (isr. Franen-Wohlt.-Verein f. d. Bez. VI. u. VH.): 5. VHI. Bez. (isr. Franen-Wohltätigkeitsverein „Josefstadt"): 1, IX. u. XIX. (isr. Franen-Wohlt.-Verein „Franenhort"): 12. XI. Bezirk (isr. Frauen-Wohltätigkeitsverein „Simmering"): 1. XH.—XV. (isr. Frauen-Wohlt.-Verein im Bez. Sechshaus): 33. XVI.it.XVH. (isr. Frauen-Wohlt.-Ver. f.d.B.XVI. XVH.): 33. XVIII. (isr. Frauen-Wohlt.-Verein f. d. XVHI. Bezirk): 5. XX. (I. Brigittenaner isr. Frauen-Wohltätigkeitsverein): 229, XXI. Bezirk (isr. Frauen-Wohltätigkeitsverein Floridsdorf): 3. Von den verschiedenen Arten von Hilfeleistungen au Petentinnen wurden bewilligt: Geldttuterstütznngen an 502 Pet. Bettwäsche an 3, Leibwäsche an 11, Kindwäsche an 300, Geburtshilfliche Utensilien an 315, Honorierung von Hebammen an 388, Honorierung von Aerzten an 138, Honorierung von Pflegerinnen an 68 Petentinnen. Kosten der HWtätigkeii des Verbandes im Jahre 1909 K 21384.30. An die vom Verbände unterstützten Wöchnerinnen wurde nebst den Gaben ans Verbandsmitteln überdies gewährt: tiMM*

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